Raten Sie mal - Ein Kommentar zu den Rating-Agenturen (Stafan Wolff)

(c) Arthurdent - fotolia.com

Seit es Märkte gibt stellt sich die Frage, wer eigentlich die Kontrolleure kontrolliert. Bei der Holzmann-Pleite gerieten beispielsweise die Wirtschaftsprüfer in die Kritik, bei dem Landesbanken-Desaster wunderte man sich über völlig überforderte Aufsichtsräte. Immer wieder und erneut in Sachen Griechenland sind die Rating-Agenturen in Verruf geraten. Auch die EZB hat die Schnauze voll und will die Bonität ihrer Mitgliedsstaaten selbst einschätzen.

 

Recht haben die Währungshüter. Es kann unmöglich Moody’s oder S&P oder Fitch überlassen werden, ob Griechenland in einem Meer nicht mehr bezahlbarer Schulden versinkt oder nicht. Schließlich haben sich die Agenturen schon in der Finanzkrise nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Doch genau diese Macht haben die Unternehmen. Stufen Moody’s Griechenland weiter herab, kann die EZB nach ihrer jetzigen Satzung Hellenen-Bonds nicht mehr als Sicherheit für Bankenkredite akzeptieren.

Und was ist überhaupt ein solches Rating wert? Inzwischen toxische Ramschpapiere hatten 1a-Bonitätsbewertungen, weil eh keiner mehr wusste, welche „Werte“ dort hinterlegt sind. Weder der Absturz von Bear Stearns noch der Zusammenbruch der Lehman Brothers schlug sich in kritischen Tönen oder einer drohenden Abstufung nieder. Und nach einer Pleite können wir alle raten, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Die Europäische Zentralbank hätte die Möglichkeit und das Knowhow für solche Bewertungen. Fragt sich nur, ob sie nicht auch versagen würde. Denn Griechenland hat sich ja mit gefälschten Angaben die Euro-Mitgliedschaft erschlichen, ohne dass dies in der EZB aufgefallen wäre.

Doch die Lehre aus der Ouzo-Krise muss ohnehin in höheren Transparenzverpflichtungen der Mitgliedstaaten münden. Wenn die Bücher offen sind, wäre die EZB sicher der bessere Rater als die drei Platzhirsche. Das Länderrating gehört in den Instrumentenkasten der EZB.

Mein Kommentar

  • Autor: Paul | 09.03.10

    Griechenland hat von der EU Milliarden an direkten und indirekten Subventionen und Fördergeldern bekommen, dazu noch das viele Geld welches auf dem Kapitalmarkt aufgenommen wurde. Ich frage mich wo die ganzen Milliarden geblieben sind, die haben sich doch nicht in der Luft aufgelöst ?

  • Autor: stefan | 09.03.10

    Sehr geehrter Herr Wolf,

    ihren Ausführungen muss ich aufs ärgste widersprechen. Zweifellos tragen Ratingagenturen eine große Mitschuld an der Finanzkrise. Allerdings lieferten sie über Jahrzehnte hinweg zuverlässige Dienste für die Märkte (was man an ihren Track records ablesen kann). Die Fälle Enron, Worldcom, Parmalat, usw. sind eher auf manipulierte Daten von Seiten der Unternehmen und Wirtschaftsprüfer zurückzuführen. Bei strukturierten Finanzprodukten verspielten sie ihre über lange Zeit aufgebaute Reputation leichtfertig, um schnell große Gewinne zu erzielen. Sie unterlagen erhöhten Interessenkonflikten durch ihre Beratungstätigkeit und den engen Kontakt zu den Arrangeuren der neue Produkte. Das Ergebnis des ganzen sind Beiträge wie der ihrige. Die gesamte Tätigkeit der Agenturen wird in den Dreck gezogen (entschuldigen sie die harten Worte), obwohl Probleme fast ausschließlich aus dem structured finance Bereich herrühren (man muss sich nur mal die neue EU-Verordnung über Ratingagenturen anschauen, deren Fokus auf strukturierten Finanzprodukten liegt).

    Insofern vertrete ich in Bezug auf Länderratings durch die EU eine ganz andere Meinung. Die Analysten der Ratingagenturen verfügen über langjährige Erfahrung und erprobte Modelle bei Unternehmensanleihen und Länderratings (nicht bei structured finance produkten ;) ). Gerade bei Länderratings braucht es eine unabhängige Institution, die Bonitätsbewertungen abgibt. Die EU wäre in der jetzigen Situation in einer argen Zwickmühle, müsste sie über die Bonität Griechenlands entscheiden. Sie trägt mittels CESR, CEIOPS und CEBS (bzw. ESA) Verantwortung für die Stabilität, Integrität und Transparenz der Märkte. Eine Herabstufung Griechenlands würde die Märkte destabilisieren, weil dessen Schuldtitel nicht mehr für die Sicherheitenhinterlegung bei Offenmarktgeschäften genutzt werden könnten. Deshalb läge es nahe eine Herabstufung zu unterlassen, obwohl sie notwendig wäre.

    P.S: Oft wird das Oligopol im Ratingmarkt kritisiert. Dabei darf nicht vergessen werden, dass erhöhter Wettbewerb möglicherweise zu einem Preiskampf führen würde. Darunter würde die Qualität von Ratings immens leiden...

    Liebe Grüße,

    Stefan Schmidt

  • Autor: Callisto | 09.03.10

    @ Stefan Wolff

    Guter Artikel !


    @ stefan

    "...die Qualität von Ratings immens leiden..." Das ist doch wohl ein Witz.
    Diese Ratings sind doch nach der "mittleren Mondfeuchte" erstelllt bzw. zugunsten der Auftraggeber (z.B. für zahlende Investmentbanken faule Sub-Primes Kredite verbrieft und mit triple-A gerated). Das die drei Agenturen ihren Stammkunden hörig sind liegt wohl am starken Interessenkonflikt mit dem die ganze Geschichte einhergeht. Nur traurig, dass es immer noch eine Vielzahl an Leuten gibt, die diese Ratings für aussagekräftig und objektiv ansehen. Angesichts der Verlagerung des Diskussionsschwerpunkt hinsichtlich Bonität auf das kleine Griechenland (die aus der EWU herausgekegelt gehören und niemals unter den damals schon bekannten, aber ignorierten Gegebenheiten wie frisierte Statistiken, hätten aufgenommen werden dürfen) und dem untilgbaren und stark zunehmenden Schuldenberg der USA und UK, stellt sich auch die Frage warum letztgenannte Staaten von diesen Agenturen nicht schon längst auf mind. B-Rating herabgestuft wurden. Klar, weil die Ratingagenturen ihrem eigenen Ländern nicht schaden wollen/dürfen und lieber den Fokus auf die ach so schwache Euro-Zone lenken wollen.
    Ratings mit solch einem Impact dürfen nur von offiziell unabhängigen Institutionen erstellt und abgegeben werden.
    Nichts für Ungut, aber mit diesen althergebrachten Rating-Agenturen macht man den Bock zum Gärtner.

  • Autor: stefan | 10.03.10

    @callisto

    wie schon oben beschrieben stimme ich der Kritik in Bezug auf strukturierte Finanzprodukte voll und ganz zu! (enger Kontakt durch Beratungstätigkeiten, wenige Arrangeure)
    Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass es gemessen an der großen Masse an abgegebenen Unternehmens- und Länderratings vergleichsweise selten zu Fehleinschätzungen gekommen ist. Insofern waren Ratingagenturen über lange Zeit hinweg ein verlässlicher Indikator bezüglich ihrer Bonitätseinschätzungen. (es wird oft vernachlässigt, dass die Ratingagenturen lediglich Bonitätsrisiken einschätzen, nicht aber Marktrisiken oder andere Risiken!!!).
    Ich bezweifele weiterhin nicht, dass etwas (!) Wettbewerb dem Ratingmarkt guttäte. Der Ratingmarkt ist aber nicht vergleichbar mit herkömmlichen Verbrauchermärkten, in denen Produkte oder Preis in alle Richtungen variiert werden können (oder sollten). Außerdem bewerten (dazu gibt es viele seriöse Studien) junge und kleinere Ratingagenturen nachweislich positiver als die etablierten Agenturen. Auf diese Weise gewann in den 90er Jahren Fitch erhebliche Marktanteile. Eine solche Praxis ist jedenfalls nicht unbedingt im Sinne der Anleger! Insofern führt eine Erhöhung des Wettbewerbs auch zum Rating shopping, was soviel heißt wie -> Unternehmen suchen sich die kulanteste Ratingagentur aus, um sich raten zu lassen.

    Ich hoffe, das meine Position zu diesem Thema jetz verständlicher ist. Es ist völlig natürlich, dass auf die Finanzkrise viele Reformen als Antwort kommen müssen. Man sollte aber nicht überreagieren und einen gesamten homogen gewachsenen Markt verurteilen und umstrukturieren. Dazu braucht es Fingerspitzengefühl. Die Verordnung der EU beweist das wirksame Regulierung maßvoll sein kann!

    ciao