Advent, Advent... die Kasse brennt (Frank Meyer)

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Ja, es war heiß am Wochenende – nicht nur wettertechnisch, angeblich auch in den Einkaufstempeln. Von Einkaufsfieber wurde geschrieben. Oder war es das Fieber einer Schweinegrippe? Wer kann das heute schon unterscheiden? Selbst dem Weihnachtsmann war etwas hitzig...

Das Weihnachtsgeschäft in Deutschland gewinnt langsam an Fahrt, heißt es in einer Schlagzeile. Aber wohin nur? Ich vermute da etwas. „Die Krise hat den Konsumenten definitiv noch nicht erreicht“, sagte Hubertus Pellengahr, Verbandschef des Einzelhandels, zuständig für gute Laune, sozusagen der Schutzpatron des Weihnachtsmannes und Garant für Erheiterung in heimischen Wohnstuben

Newsflash: "Nach einer ruhigen Woche kamen am ersten Adventswochenende viele Kunden in die Geschäfte und kauften erste Weihnachtsgeschenke, teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) in einer ersten Bilanz mit."

Das ist außerordentlich beruhigend und klingt mindestens so inhaltsschwanger wie mancher Satz aus der Politik. Was lehrt uns das? Nicht viel. Rainer Gallus vom Rheinischen Einzelhandelsverband sagte, dass dem Weihnachtsmann zu warm gewesen sein soll. Diese Schlagzeile ist nicht nur lustig, sondern politisch auch nicht ganz korrekt: Es hätte WeihnachtsmannInnen heißen sollen. Tatsache ist, dass erbitterte Schlachten in den Läden geschlagen werden mit „normalen“ 10-30 Prozent Nachlass und der Aussicht, dass esim nächsten Jahr weitergeht, jedenfalls für die, die das überleben. Mister Market ist gnadenlos.

Ich bastle mir eine Schlagzeile

„Zu Weihnachten wird nicht gespart“ hieß es letzte Woche. „Deutsche schnallen den Gürtel enger“, meldet die GfK. Na was denn nun? Ich frage mich, wie man jedes Jahr mehr kaufen kann, wenn die Reallöhne auf dem Niveau der 90er Jahre verharren. „Jeder Zehnte lebt auf Staatskosten“, teilt das statistische Bundesamt heute mit. Es traut sich offenbar keiner zu sagen, dass die meisten Leute zwar kaufwillig sind, aber nicht doof genug, das über Kredite zu bewerkstelligen. Zudem muss jetzt auch noch der Kleinwagen dank Abwrackprämie abgezahlt werden. Mehr Brutto vom Netto? Ich bitte Sie! Wir sind doch nicht in Amerika. Apropos... Dort lernt man gerade Lektionen in Sachen Geld. Was man hat, setzt man zunehmend bewusster und effektiver ein.

Black Friday

In den USA wird die Weihnachtssaison mit einem schwarzen Freitag eingeläutet. Dabei handelt es sich nicht um einen Börsencrash, sondern um den umsatzstärksten Tag des Jahres. Laut der National Retail Federation (NRF) zufolge shoppten sich 195 Millionen US-Amerikaner durch die Geschäften und online durch die Seiten, verglichen mit 172 Millionen vor einem Jahr. Dabei gaben sie 343,31 USD aus, 7,9 Prozent weniger als vor einem Jahr, dem schlechtesten Start seit 40 Jahren. Die Amerikaner tun das, was man ihnen gar nicht zugetraut hat – sie sparen. Über eine Billion USD wurden seit dem Ausbruch der Finanzkrise nicht ausgegeben sondern damit Kredite zurückgezahlt und zur Seite gelegt.

Seit Januar sinkt das ausstehende Kreditvolumen auf jetzt immerhin noch 2.456 Milliarden Dollar, im Vergleich zum Vormonat um satte 123 Milliarden Dollar. Die Sparquote lag im September bei 4,4 Prozent. Und noch eine Neuigkeit: „Was zum vollen Preis angeboten ist, wird nicht einmal angeschaut“, sagten Marktforscher. Wie die USA mit einem Konsumentenanteil von knapp 72 Prozent am BIP den Aufschwung damit hinbekommen wollen, bleibt mir schleierhaft. Wahrscheinlich nur auf dem Papier.

Gedämpfter Volldampf

Die deutsche Einzelhandelsbranche erwartet wegen der „gedämpften Wirtschaftserholung“ etwas schwächere Umsätze als im letzten Jahr. Wohl deshalb sieht Pellengahr in den nächsten Wochen weiteren Schwung ins Geschäft kommen. Zudem startet das Weihnachtsgeschäft immer später. Vielleicht wird es ja als „After-Christmas-Power-Shopping“ bis Ostern gezogen? Nichts ist heute mehr auszuschließen. Aber man weiß, mit welchen Ideen der knausrige Kunde in die Geschäfte zu bekommen wäre – mit kostenlosen Bus – und Bahntickets beispielsweise, fordert der HDE...

„Die Kommunen sollten den Weihnachtsmann auf die Schiene setzen und den Verbrauchern an den Adventswochenenden die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen“

Ho! Ho! Ho! Das ist doch wirklich mal eine Innovation! Ich sehe schon die Leute mit glücklichen Gesichtern ihre dicken Pakete durch überfüllte Busse und Bahnen schleppen. 2,20 Euro gespart - da kommt doch richtig Konsumstimmung auf.

Was könnte man denn noch alles tun? Oh, der Ideen gäbe es genügend. Eine gesenkte Mehrwertsteuer im Dezember... Steuerliche Anrechenbarkeit von Geschenken... Kostenloser Taxi-Bringedienst... Wie wäre es denn, die vielleicht doch schon gedruckten Konsumgutscheine aus dem letzten Jahr zu verteilen? Abwrackprämien auf altes Spielzeug und Küchengeräte? Und wenn das alles nichts hilft? Konsumverweigerung als Straftatbestand! Hey! Das hätte was! Dann klappt`s auch mit dem Weihnachtsmann.

Mein Kommentar

  • Autor: Carlos | 01.12.09

    Wenn es wirklich Probleme mit dem Weihnachtsmann gibt, muß man das nur unserer Regierung mitteilen. Angie wird sicher ein Weihnachtsmann konjunkturpaket auflegen. Man muß da einfach etwas Geduld haben. Unsere Planwirtschaft hat ja im Zusammenarbeit mit den Banken unter Führung von Amerika ( d.h. goldman..) das "Wirtschaften" übernommen. Gestern gab es das Werftenüberlebenspaket, heute die "Spritze" für Schiffsfinanzierer. Ach ja und wegen der Kreditklemme kommt jetzt noch Maßnahme Nr. 13411. Wir -also Planstaat- müssen den Banken für erstmal 120 Mrd. noch ein paar Giftpapiere abkaufen. Als Gegenleistung müssen sie aber jetzt mal wirklich auch wieder Kredite vergeben. Maßnahme 13412 wäre dann das Weihnachtsmannpaket- alles für den halben Preis. Die Differenz zum geplanten Verkaufspreis zahlt der Planstaat. Aber natürlich nur bei Großunternehmen die sich vorher politisch korrekt ( z.B. über Spenden) verhalten haben.

  • Autor: Mr. Konsum | 01.12.09

    Als Einzelhändler kann ich Herrn Meyer beruhigen Sie haben völlig
    recht die Umsätze brechen weg und alles wir schöngeredet....es geht hier diemal nicht um 1- 2 Prozent...wie gesagt als Einzelner bin ich nicht repräsentativ.....
    aber wir bewegen uns im 2 stelligen - Bereich....man könnte auch sagen
    Deflation wenn jeder anfängt 30 Prozent auf Alles zugeben..also Herr Meyer hat die Zeichen richtig gedeutet...nur wer rettet den kleinen Einzelhändler...????

  • Autor: Danmark | 01.12.09

    In unserer Stadt steht eine schöne große Weihnachtstanne. Nicht vom Weihnachtsmann, auch nicht von der Stadt, nein, sondern von Brille: Fielmann!
    Kostenfreie Werbung in der Zeitung ist garantiert! Obwohl, die Tanne hat auch was gekostet, aber als Spende an die arme Stadt, kann man noch was abziehen! Frohes Fest!

  • Autor: gp | 01.12.09

    @Carlos: Dem ist nichts hinzuzufügen... Das mit den Schiffsfinanzierern stinkt
    mich an... vielleicht hätten die in ihren guten Zeiten mal ordentliche Rücklagen machen sollen, bei den Hypergewinnen, die sie einstrichen!
    Gruß aus hamburg

  • Autor: Bahia | 01.12.09

    Ja, ja, nun tun wir Alle so als wenn wir es nicht gewusst, (zumindest geahnt)haetten.
    Was uns unsere Angie noch bringen,( beibringen wird), darueber darf ich gar nicht ersthaft nachdenken, denn sie faengt ja jetzt erst richtig an.
    Ich meine sie glaubt wirklich ersthaft wir sind genauso zu fuehren wie die im frueheren Osten. Da ging sie ja in die Schule.
    Es scheint, sie hat recht???

  • Autor: Ironman64 | 02.12.09

    Da ich schon immer gegen den Euro und die Globalisierung war, kaufe ich jetzt nur noch Waren von no Name vom Arsch der Welt. Damit zeige ich den Pappnasen in den Firmen und Konzernen die ihre Fabriken ins billig Ausland bringen wie Globalisierung wirklich funktioniert. Und Rate jedem gleiches zu tun. Ich bin Zeitarbeiter und habe seit 6 Jahren kein Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld mehr gesehen. Mein Lohn ist 20euro über der Armutsgrenze und nun auch noch Kurzarbeit. Und wie oben geschrieben muss ich noch 7 Jahre meinen Abfrak PKW abzahlen. Weihnachten fällt bei mir aus ! Shoppen in den Läden? Schon alleine die Parkgebühren wären höher wie die Geschenke die ich kaufen könnte. Und da regen sich die Leute über den Benzinpreis auf wo man schon fürs Parken ein Kleinkredit braucht. Neckermann, Otto, bon brix und wie diese Firmen alle heissen bombadieren mich täglich mit Preisnachlässen und Sonderangeboten, dann hört man Quelle bekommt sein Ramsch nicht los, woran das wohl liegt? Und statt die Bürger zu entlasten munkelt man schon über die PKW Maut und Kopfpauschale. Wachstumsbeschleunigungsgesetz für mich das Unwort des Jahres, denn das einzige was wächst ist der Schuldenberg und von den 8,5 Milliarden sehe ich keinen Cent. Ich hänge mir dieses Jahr nicht mal mehr bunte Lichter ans Fenster denn die Stromerhöhung hatte ich gestern schon im Briefkasten. Und im Januar kommen dann die ganzen Rechnungen wie Autosteuer, Versicherungen etc da komme ich wieder voll in die roten Zahlen. Zudem ist noch eine Inspektion fällig. So wie mir geht es allen Zeitarbeitssklaven und vielen gehts noch mieser. Zeitarbeit ist Harz4 nur das man arbeitet. Mit solchen Löhnen sollen wir nun die Staatschulden bezahlen und die Banken sanieren, da lach ich mich schepp, ich bezahle ja kaum noch Lohnsteuern letztes Jahr ganze 140 Euro. Na ob die in die HRE geflossen sind? Und dann noch die Gute Nachricht zum Schluss die 0 Euro Jobs kommen. Jawoll ,Leute die beim Wal Mart Tüten einpacken und Autos betanken Allerdings nur für Abiturienten und Studenten. Die bekommen dann keinen Lohn aber sie dürfen ihr Trinkgeld behalten welches im Schnitt 7-14 Euro am Tag aus macht. Und schon haben wir wieder 1 Mio. Arbeitslose weniger in der Statistik wow. Willst Du bei Aldi Tüten packen musst du erst das Abi machen. In diesem Sinne ein frohes Fest .
    http://www.t-online-business.de/niedrigloehne-supermaerkte-t esten-null-euro-jobber/id_20706290/index