Bis die Schläuche platzen... (Frank Meyer)

(c) Irina Fischer - Fotolia.com

Die Aktionen der Notenbanken und Regierungen wird Folgen haben. Wir peppeln gerade ein weiteres Ungeheuer auf, sagte neulich ein Börsianer zu mir. Mit diesen neuen Billionen Dollar wird Besserung der Dinge versprochen, doch wahrscheinlich werden die Dinge sogar noch schlimmer. Man sollte sich schon mal Gedanken über sein Erspartes machen...

Das Geldsystem dieser Welt lässt sich gut mit einer Bewässerungsanlage vergleichen. Weltweit wurden Schläuche verlegt. Diese werden aus drei Hauptquellen gespeist. Eine Quelle ist die Notenbank. Sie leiht Banken Geld und streicht Zinsen dafür ein. In den Schläuchen stieg der Druck seit vielen Jahren kontinuierlich an. Sir Alan Greenspan hat die Hähne immer weiter aufgedreht, um möglichen Dürren zu begegnen -  selbst bei Hochwasser.

Den zweiten Schlauch befüllten die Banken. Dank ihrer Möglichkeit des Geldschöpfens (fractional banking) versorgten sie die Realwirtschaft mit Krediten. Nun ist der Schlauch wegen des Misstrauens der Banken untereinander und gegenüber den Kreditnehmern aus der Wirtschaft verstopft. Obwohl sich die Banken Unmengen Geld zu nicht mehr nennenswerten Zinsen bei den Notenbanken leihen, geben sie es nur zu hohen Zinsen weiter. Kreditnehmer, die kurzfristige Schulden immer wieder refinanzieren müssen, kommen so unter die Räder. In diesem Jahr stehen Refinanzierungen in Billionenhöhe an.

Für Druckausgleich im verstopften Bank-Schlauch sorgt nun eine Umleitung über eine dritte Strecke, der über die Regierungen. Da der Staat direkt über die Steuern den Bürger anzapfen kann, kann er noch neue Schulden aufnehmen. Er begibt Anleihen und verkauft diese den Investoren, Pensionskassen, Fonds. Sie schlummern auch in Vorsorgeprodukten wie Versicherungen, Riester oder Rürup-Renten. Diese Anlagen werfen wegen der fast auf Null gesunkenen Zinsen kaum mehr etwas ab. Bekommt der Staat aber seine neuen Anleihen nicht mehr los, ruft er die Notenbank an, die die Papiere aufkauft und damit die Zinsen manipuliert. Grenzen scheint es nicht zu geben. Ungeheure Dinge erfordern ungeheure Maßnahmen. Ansonsten müsste der Staat ja zu weit höheren Zinsen Schulden aufnehmen.

Das Mittel der Zinssenkungen der Notenbanken scheint keine Wirkung mehr zu zeigen. Früher hieß es: Man kann die Pferde nur an die Tränke führen, saufen müssen sie schon selbst. Doch sie saufen nicht. Also müssen sie ertränkt werden. Nichts anderes passiert gerade. Das Wässern von ausgetrockneten Böden bewirkte früher Wunder. Heute steht das Wasser meterhoch. Dabei weiß man aus der Geschichte, dass Geld immer knapp sein muss, um seinen Wert behalten zu können. Ist Geld knapp? Geld ist nichts Besonderes mehr. Es wird am Computer produziert und dann über die Schläuche in die Welt geschickt. Schätzen Sie mal, was ein Liter Wasser kostet, wenn man in einem Boot auf einem riesengroßen See unterwegs ist und das Boot dabei noch ein Loch hat...

Das Verhältnis von Gütermenge zur Geldmenge zeigt, dass einer Einheit einer Ware heute viel mehr Geld gegenübersteht. Die Geldmenge wird mit Überdruck aus zwei Schläuchen weiter verdünnt, staut sich aber vor der Realwirtschaft. Sollte der Knoten reißen und das neue Geld den Weg in die Realwirtschaft finden, wird es sich der Gütermenge preislich bemächtigen. Vielleicht steigt dann der DAX 30.000 Punkte. Vielleicht kostet ein Brot auch 30 Euro. Und dann gehen Sie mal mit Ihrer Altersvorsorge einkaufen.

Zum Schluss einer möglichen „Simbabwelisierung“ wird jemand den Stöpsel ziehen. Es wäre nicht das erste Mal. Und dann erinnert man sich vielleicht an die alten Bücher, in denen steht, dass man mit Gelddrucken nicht reich wird.

Um diesen Beitrag kommentieren zu können, müssen sie eingeloggt sein!

Zugang vorhanden? Hier können Sie sich anmelden!

Kommentare

Hella Müller am 12.02.2009 um 09:04 Uhr
Wie immer ein hervorragender Artikel. Ich bin begeistert.
H. Müller
peter stuchly am 12.02.2009 um 10:50 Uhr
Artikel ist hervorragend-Kosequenzen aber besch.......
Cicero am 03.04.2010 um 13:43 Uhr
Den Geldfluss mit einem Schlauchsystem zu vergleichen, indem das Geld fließt oder sich staut, ist ja ganz nett, aber es trifft die Realität nicht, denn das Geld fließt nicht durch Schläuche. Insofern ist auch der Begriff der Geldumlaufgeschwindigkeit, bei dem es sich eigentlich um eine Einsatzhäufigkeit einer gegebenen Geldmenge pro Jahr, also um eine Frequenz handelt, nur verwirrend und ohne praktischen Nutzen. Wichtig ist der Geldfluss, also der Umsatz, oder die pro Jahr umgebuchte Geldmenge im Verhältnis zur Produktion und zum Preisniveau. Ob nämlich viel Geld mit geringer Einsatzhäufigkeit bewegt wird, oder wenig mit großer Einsatzhäufigkeit, spielt zunächst keine Rolle - der Fluss ist derselbe. Die berechtigte Angst, dass das viele Geld irgendwann eingesetzt wird und damit eine Hyperinflation auslösen könnte, halte ich für unbegründet, denn dafür finden sich derzeit überhaupt keine realen Investitionsmöglichkeiten. Buchgeld kann durch Kreditvergabe oder Umschichtung von Spar- oder Terminguthaben auf Girokonten entstehen und nur durch Tilgung wieder verschwinden. Tilgen dürfte beim derzeitigen Schuldenstand nicht mehr möglich sein und wenn überhaupt, dann würde es genau so lange dauern, die Schulden abzutragen, wie sie entstanden sind. Dazu ist aber auch die Liquidation der bestehenden Guthaben erforderlich. Im Prinzip erlaubt unser Geldsystem nur zwei Möglichkeiten: Entweder Deflation durch Verringerung des Geldstromes oder Inflation und exponentielles Wachstum der Produktion. Letzteres dürfte auf Dauer nicht möglich sein, wie sich nun überall herumgesprochen hat. Infolgesessen rückt natürlich die mögliche Inflation ins Blickfeld. Dass man in Europa, den USA oder Japan mit Absicht eine Hyperinflation veranstaltet, halte ich für unwahrscheinlich. Einer unabsichtlichen Hyperinflation können die Zentralbanken nur durch Zinserhöhung und Geldverknappung entgegenwirken. Das jedoch würgt die Wirtschaft ab und führt geradewegs in die Deflation. Dass etliche Staaten zahlungsunfähig werden, ist garnicht mehr zu vermeiden. Ich denke eher, dass es früher oder später zur Währungsreform kommen wird, wobei die Geldansprüche und die Schulden wieder mal entsprechend dezimiert werden und das Spiel von exponentiell wachsender Verschuldung und Guthabenbildung erneut beginnen kann. Eine Währungsreform ist demnach hinsichtlich ihrer Wirkungen durchaus mit einer Inflation vergleichbar. Vielleicht sollte man sich in diesem Zusammenhang den Unsinn einer von vielen neoliberalen Ideologen propagierten kapitalgedeckten Rentenversicherung klarmachen. Während diese bei einem Crash eine Menge Armut und damit sozialen Stress hinterlässt, kann eine umlagegedeckte Versicherung auch nach einer Währungsreform funktionieren. Aller Reichtum kommt schließlich ausschließlich aus der Arbeit - und sei es die Arbeit anderer.
physiker am 06.07.2010 um 14:54 Uhr
@ Cicero
sehr gut, genau so isses!
Jan am 10.10.2011 um 20:43 Uhr
@Cicero: Wenn man den Geldkreislauf betrachte, dann muss man hier klar unterscheiden zwischen dem Geldkreislauf in der Realwirtschaft (Sachwerten u. Dienstleistungen) und dem in der Finanzwirtschaft (Geldwerte).

Tut man dies, dann wird auch klar wieso wir in der Realwirtschaft nur moderate Preisinflation sehen, obwohl die Geldmenge insgesamt stark gestiegen ist. Das Geld zirkuliert dort einfach nicht. Es fließt direkt in die Finanzbranche, welche stets (aus dem Nichts) neue Finanzprodukte schaffen kann, um der hereinströmenden Geldmenge ein passendes Angebot gegenüberstellen.

Ich glaube es war Prof. Senf der diese Geldzirkulation im Finanzsektor einmal als "Dynamische Geldhortung" bezeichnet hat. Ich halte dies für eine sehr interessante Sichtweise.

Denn so betrachtet muss man sich natürlich fragen welche Folge von Ereignissen letztlich zu einer Enthortung führen kann, die uns dann hohe Preisinflation bringt. Eine harte Regulierung der Finanzbranche wird's wohl nicht sein, aber was ist mit der Finanztransaktionssteuer? Die wird doch ganz eindeutig die Geldzirkulation in der Finanzbranche behindern.

Und zu glauben die Marktteilnehmer würden dann von einer dynamischer Geldhortung zur statischen Geldhortung übergehen ist irrational. Dazu bräuchte man zuerst einmal ein positives Realzinsniveau.
Ralf am 06.06.2012 um 15:58 Uhr
Sehr guter Artikel, und gut beschrieben.
Es sollten auf dieser Seite mehr solche Dinge beschrieben werden, die auch der normale Bürger versteht. Ich beschäftige seit ca. 15 Jahren mit Aktien, bin aber weit von einem Profi entfernt, und war bis vor ein paar Jahren ganz zufrieden mit meinen Anlagen. Aber was in letzter Zeit an den Märkten abgeht ist mir nicht mehr verständlich, unser Schuldgeldsystem steht am Ende, es geht nur noch um Milliarden Billionen, Banken sind pleite trotz Geldschöpfung, Staaten sind pleite, Kommunen können nichts mehr bezahlen Geld wird gedruckt ohne Ende, wo bleibt das ganze Geld? Wieso geht der DAX am 6.6.12 um 1,6% hoch, obwohl sich zum Vortag nichts getan hat, die EZB hat die Zinsen nicht gesenkt, die Südländer sind finanziell genauso krank wie am Vortag, in Griechenland müssen Eltern ihre Kinder abgeben weil sie nichts mehr zu essen haben, wie krank ist das hier eigentlich alles?
Demnächst verabschiedet unsere Regierung den ESM, und dann war’s das mit unserer Demokratie, und der dumme Bürger fiebert der EM entgegen.
Ich versehe es nicht mehr.
Benni am 07.09.2012 um 07:11 Uhr
dei Gier einiger Phsyopaten hat die Welt immer schon in Elend gestürzt.Geld hin oder her mit all den perfiden Ausschweifungen. Die Menscheheit sollte sich endlich
von diesem idiotischen System verabschieden, wo die fleißigen nicht belohnt werden.Nichtsnutze,Könige,Päpste,Banken korupte Politiker alles dasselbe Pack.
Den Massen einreden was gut für sie ist und selber aus nichts reich werden.
Die Kirche hat für sich arbeiten lassen genau wie es die Banken heute tun. Abhängigkeit und Angst damit macht man Geschäfte - bekloppte Menschheit.

Kein Zugriff

Für diesen Beitrag benötigen Sie einen Premium-Zugang!

Ihre Vorteile

Eine Premium-Mitgliedschaft bei unserer Informationsplattform www.cashkurs.com beinhaltet den vollen und uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Inhalte der Plattform

Wir bieten Ihnen:

  • Börsentäglich die wichtigsten Informationen aus den Themengebieten Wirtschaft, Politik, Finanzmarkt und Börse
  • Einen börsentäglichen, umfassenden Ausblick zu den relevanten Themen per Videocast
  • Zahlreiche Beiträge namhafter Gastreferenten
  • Professionelle Chartanalysen zu den großen Indizes, Aktien und Edelmetallen
  • Vollkommen unabhängige Meinungen und Einschätzungen zur aktuellen Finanzmarktsituation

Sie möchten unser Angebot unverbindlich testen? Kein Problem. Registrieren Sie sich hier einmalig für einen kostenfreien Zugang.

Gastzugang beantragen

Schon Mitglied?

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Kennwort vergessen?

×

Warum kostet Cashkurs.com Geld?

In einem Satz: Wir garantieren Ihnen hiermit 100% Unabhängigkeit.

Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Medien sowohl im Print-, TV- als auch im Online-Bereich ist Cashkurs.com komplett unvermarktet, beinhaltet also keinerlei Werbung. Somit ist Cashkurs.com von eventuellen Werbepartnern vollkommen unabhängig und in keiner Weise erpressbar. Hierdurch können wir Ihnen absolut frei, ehrlich, direkt und ohne Scheuklappen Hintergrundberichte, Zusammenhänge, Tipps und Ratschläge liefern, ohne die Interessen eines eventuellen Werbekunden berücksichtigen zu müssen. Die einzigen Interessen die wir in Betracht ziehen, sind die unserer Leser! Dies unterscheidet Cashkurs.com von nahezu allen anderen Plattformen im Finanz- und Wirtschaftsbereich und gibt Ihnen die Möglichkeit sich frei und unabhängig zu informieren!

×