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Also das wird langsam zu einem Märchen aus Fernost. Die deutschen Auftragseingänge explodieren (heißt es). Im Juni sind sie um 7 Prozent im Vergleich zum Mai gestiegen. Gut, im Vergleich mit dem Juni 2008 sind es noch immer  minus 22,3 Prozent, aber was soll’s.

Der Aufbau der angeblich geräumten Lagerbestände und vor allem der chinesische Aufschwung werden allerorten als der maßgebliche Grund für die bald einsetzende Erholung der Konjunktur angeführt.

Gut, dass selbst chinesische Offizielle mittlerweile die eigenen Statistikdaten anzweifeln wollen wir hier ignorieren. So ergibt sich, wenn man die gemeldeten BIP-Zahlen (Bruttoinlandsprodukt) der einzelnen Provinzen aufaddiert eine völlig andere Zahl, als die, welche China als Ganzes offiziell bekannt gibt. Eigentlich sollten die doch identisch sein!? Ich habe ja schon nix mehr dagegen, wenn man mich bescheißt. Da hab ich mich ja dran gewöhnt. Aber ein bisschen mehr Mühe sollen sie sich gefälligst geben.

Aber nehmen wir an, die Grundtendenz stimmt und der Aufschwung in China kommt in Schwung.

Dann  ist es noch immer sehr zweifelhaft, ob wir tatsächlich so massiv vom chinesischen Aufschwung profitieren. So hat Peking im Juni ganz klar alle Provinzen angewiesen, das Geld für die Konjunkturprogramme ausschließlich für Produkte „Made in China“ einzusetzen. Ich hatte vor wenigen Tagen ein interessantes Gespräch mit einem großen Industrielenker, der viel in China zu tun hat und mir bestätigte, mit welchem Aufwand die chinesische Regierung den Protektionismus vorantreibt. Welche Nachweise gebracht werden müssen, dass auch ja alle Zulieferprodukte aus chinesischer Produktion stammten.

Im Buch „Crashkurs“ habe ich ausführlich erklärt, warum China überhaupt kein Interesse daran haben kann, dass der Westen von seinem Aufschwung profitiert. Alles andere wäre völlig irrational. Und doch zeigt sich der  Präsident der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, „erstaunt“ über Chinas vorgehen.

Das war zu erwarten! Wie naiv sind wir eigentlich? (Rhetorische Frage!)

Und jetzt kommt’s: Die Wirtschaftswoche berichtet unter Bezugnahme auf den China-Chefökonom der RBS: „ Für Deutschland etwa dürfte die neue Klausel kaum ernsthafte Folgen haben. Der Anteil der China-Exporte an den gesamten Ausfuhren des Landes bewegt sich...im niedrigen einstelligen Bereich.“

Wie jetzt? Wir profitieren massiv vom Aufschwung in China, aber der Protektionismus „Buy Chinese“ betrifft uns nicht, weil wir ja kaum etwas nach China exportieren. Toll! Was alles für Paradoxe möglich sind in dieser schönen neuen Wirtschaftswelt der getürkten Bilanzen und geschönten Statistiken.

Ach ja, bleiben wir bei den Konfrontationen:

Die FTD titelt: „China ruft Spionagekrieg aus“. Dahinter stecken zunächst einmal Vorwürfe Chinas, westliche (Rohstoff-) Firmen würden mit unsauberen Methoden Chinas Interessen unterwandern. Manager von Rio Tinto, dem australischen Bergbaugiganten, wurden bereits festgenommen. Abgesehen davon, dass China bislang für solcherlei Vorwürfe am Pranger stand, kann man sich gut vorstellen, dass auch die andere Seite nicht gerade zimperlich vorgeht. Aber sei’s drum. Was mehr Anlass zum Nachdenken gibt, ist die Tatsache, dass China dieses Thema wesentlich heißer kocht, als noch vor Monaten oder Jahren, als es den Westen dringend als Exportziel und zur Kooperation bei High-Tech-Produkten brauchte. Diese Phase scheint zu Ende zu gehen und ein neues chinesisches Selbstbewusstsein zu Tage zu treten. Die FTD beschwört in der Kolumne „Ein weiteres wirtschaftspolitisches Minenfeld kann in Zeiten, wo man aufeinander angewiesen ist, um eine globale Wirtschaftskrise zu bekämpfen, keiner gebrauchen.“

Ist das in der Tat so? Wird China wirklich auf uns angewiesen sein?

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Kommentare

Christian Julius am 11.08.2009 um 08:37 Uhr
Hallo Herr Müller,

ich darf nicht zuviel sagen, weil es Betriebsgeheimnis ist aber ich habe viel mit China zu tun. Die kommen an mir gar nicht vorbei, wenn sie ihre Produkte hier plazieren wollen. Was mich von drüben erreicht ist technisch teilweise unter aller Sau, ich rede dabei nicht von Tamgochis sondern von der Technik, die Sie in Ihrem Flugzeug begleitet wenn sie verreisen und jene, die sie in Aufzügen schützt damit sie nicht in die Tiefe rauschen. China hat ein Qualitätsproblem, die sind dringend auf Know How angewiesen, die Kenntnisse, die man durch einfaches Nachbauen nicht erreichen kann, das was sich auf atomarer Ebene abspielt. Die Beharrlichkeit mit der wir "bearbeitet" werden um die begehrten Zertifikate der EU zu bekommen, die ihnen den Marktz hier öffnen, zeugt davon wie gross das Interesse ist die europ. Märkte mit Billig-"Qualitätswaren" zu unterlaufen. Vom Plunder und Kitsch laufen die nun in Richtung High-Tech, es heisst das bald nicht mehr nur "Made in China" sondern "Engineered in China".

Ich sehe da weiterhin grosses Potential, zumindest für meine Branche.

Christian Julius

albert am 11.08.2009 um 09:51 Uhr
Eine Freundin weilte gerade 4 Wochen in Australien.
Ihre Meinung: Die haben ein Ausländerproblem. Da laufen so viele
Chinesen rum, dass du meinst du seist in China. In 5 Jahren haben
die alle wichtigen Positionen dort besetzt.
Ich denke, dass ist auch eine Art von Wirtschaftspolitik, um sich die
notwendigen Resourcen für die eigene Wirtschaft zu sichern.

Gruß Albert

Johannes am 11.08.2009 um 10:03 Uhr
China war in der Vergangenheit sicherlich mal auf uns bzw. den Westen angewiesen: um möglichst schnell möglichst viel Wissen anzusammeln.
Nun haben sie aber genügend davon im eigenen Land und können ihr "Ding" alleine durchziehen - wozu sollten sie den Westen da noch brauchen?
Viel neues Wissen wächst bei uns ja nicht nach: wir investieren doch lieber in die Subvention zum Absatz von vorhandener Technik (z.B. Abwrackprämie) als in Bildung.
Und Made in Germany ist auch schon längst nicht mehr das, was es mal war.
Und genügend Importe aus China haben wir ja auch schon längst.
Und Protektionismus (Kauft deutsch) gibt es auch nicht.
Und Geiz ist geil - also muß ja alles möglichst billig sein.
Und wozu soll China uns da noch brauchen - außer als Käufer...
Marcus Fehlhaber am 11.08.2009 um 21:21 Uhr
Ich denke auch, das China immer selbstbewusster auftritt - und das nicht ohne Grund!
Aber, bis zur quasi-Unabhängigkeit vom Westen werden noch Jahre vergehen - wenn nicht sogar noch Jahrzehnte...
Man bedenke nur mal die kommenden ökologische Probleme, die China im eigenen Land erwarten - dies ist eins der größten Probleme, vor denen die Chinesen stehen - und es kommt mit wahnsinniger Geschwindigkeit auf sie zu.
Und man sollte auch nicht alles schlecht machen @ Johannes
"Made in Germany" steht weltweit immer noch für absolute Premiumqualität! Und erfreut sich - zum Glück - auch im eigenen Land wieder wachsender Beliebtheit.
Und einen Protektionismus (kauft deutsch) kann sich ein Land, dass so stark vom Export abhängig ist, nicht leisten - ich glaube das leuchtet ihnen auch ein?
Des weiteren kommt bei mir das Gefühl auf - ich kann es nicht mit zahlen belegen - dass die Deutschen wieder vermehrt auf Qualität setzen - das Motto: Geiz ist geil - um jeden Preis, hat seine beste Zeit meiner Einschätzung nach auch überwunden...Die Leute kaufen nicht mehr jeden Schrott, nur weils billlig (nicht günstig!) angeboten wird...
MfG
Marcus F
Jürgen am 12.08.2009 um 06:23 Uhr
Je näher der Einschlag umso größer sind die Lügen......
Mal sehen wie wir und China demnächst dastehen.
Das geplante Chaos bricht September / Oktober aus.
Wohl dem der vorgesorgt hat - sowohl mit Edelmetallen wie auch mit INFORMATIONEN !!
Es wird nicht so einfach sein die Lügen von der Wahrheit zu unterscheiden......
Maria del Mar am 12.08.2009 um 10:38 Uhr
Diese vielen Diskussionen über China erinnert mich an die 80 er Jahre wo das gleiche über Japan gesagt wurde. Damals stand der Nikei bei 40.000 Punkte. Das Chinawachstum wäre bei Null wenn die die gleichen Umweltauflagen wie Deutschland hätten. Kein Land diese Erde kann sich vor den globalen Problemen abschotten. Außerdem verfügt China über sehr wenig Rohstoffe und über ein Haufen wertloser Dollars die sie jetzt in Rohstoffe investieren bevor sie gar nichts mehr damit anfangen können. Gold können sie nicht genug kaufen da es nicht genug gibt um diesen Müll los zu werden. China ist trotz alle dem abhängig von der Weltmacht USA, die wenn es nötig wäre wieder mit einer Lebensmittelkrise China in die Schranken weisen würde.
Da die Inflation vor der Tür steht, werden Rohstoffe weiter steigen und zwar genau so hoch wie die echte Inflation steigt.
Die Saht ist gelegt für Gold, Silber und die Riotintos dieser Welt.

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