In einer komplexen Welt ist die Einfachheit der Dinge meist eine gemeine Illusion. Trotzdem werden die komplexesten und verworrensten Themen der Gegenwart immer wieder so aufgerollt, als wären sie einfach zu begreifen, als gäbe es für alles ein Patentrezept. Als würden uns wenigstens die jeweiligen Experten, die mit der Problematik vertraut sind, zur besten Lösung für alle Beteiligten führen. Ja, es ist durchaus illusorisch.

Ein geeignetes Beispiel ist die Frage nach der Beendigung der Schuldenkrise. Die spontane Meinung zum Thema ist überall gleich: Wenn Schulden gemacht wurden, so müssen diese beglichen werden, Ehrensache. Wenn es darum geht, Schulden abzustottern, dann müsse man eben zurückstecken, so einfach sei das. Wahrscheinlich rührt hierher auch der Gedanke, Verschuldete haben zwingend über ihre Verhältnisse gelebt (und müssen nun der Wirklichkeit ins Auge blicken).

Die Finanzschulden, die komischerweise seit Bretton Woods oder gar davor schon überall im gesamten Wirtschaftssystem zunehmen, sind eine natürliche Konsequenz des verwendeten Modells. Geld wird per Kreditvergabe erst in Umlauf gebracht. Ohne zunehmende Schuldner keine Expansion. Verschuldung war in der jüngeren Vergangenheit die Krisentherapie erster Wahl. Man werfe nur einen Blick auf die (Noten-)Bankbilanzen… Und wieso werden dann Schuldner, deren Bonität von Vornherein überschätzt wurde, trotzdem hart zur Kasse gebeten?

Die Bundesrepublik Deutschland hatte im letzten Jahr (geschätzt) einen kritischen Punkt überschritten. Man hatte bereits mehr an Zinszahlungen auf vorhandene Staatsschuld geleistet, als dass man insgesamt überhaupt an Schulden aufnahm. Geblieben ist eine Billionensumme, die weiter wächst und weiter bedient werden will. Hätte man stets in seinen Verhältnissen gewirtschaftet, wäre Stand heute trotzdem mehr Geld für eigentliche Staatsaufgaben geflossen, ohne jede Staatsschuld. Wo war da die Weitsicht im gemeinsamen Interesse?

Der Souverän bildet sich allzu gerne ein, bei entsprechender Machtbefugnis jedem Problem Herr werden zu können, per Dekret. Ein immer wieder aufkeimender Gedanke ist die EU-zentrale Haushaltskontrolle der Mitgliedsstaaten – Schuldenbremse per Gesetz war wohl doch zu wenig. Eine neue Gesetzesinitiative, die sehr definitiv klingt, soll dies nun ermöglichen. Im ersten Beitrag heute wird schlicht von „zwei Gesetzen“ geredet. Gab es da nicht einmal drei Buchstaben dafür?  Wichtiger noch: Wird dadurch alles wieder gut? Kann es denn so einfach sein? Komplexe Angelegenheit.
 
 
===== N E W S =====

DER GRIFF NACH DEN STAATSHAUSHALTEN
Ideen konkretisieren sich, Kritik an der Hoheitsverletzung. Kaum verwunderlich.  
DMN

AUFTRAGSLAGE IN GRIECHENLAND -9,4 PROZENT ZUM VORJAHR
Immer wieder vernichtende Zahlen. Die Rezession wird wohl immer tiefer…
Querschuesse

NEUER BANK-SERVICE IN DEN EMIRATEN ? DAS GOLD-KONTO
Wird in Gold abgerechnet und ausgewiesen. Nachfrage ist anscheinend vorhanden, Verfahren unklar.
Goldreporter

PUTIN VOR DER WAHL  600 MILLIARDEN EURO FÜR’S MILITÄR GEPLANT
Allerdings: Bis 2020. Wie viel geben die USA nochmal jährlich für „Verteidigung“ aus?
Berliner Zeitung

IKB-BANK WEIST NEUNSTELLIGEN VERLUST AUS
Grund derselbe wie eh und je (Krise), aber die Zahlen sind deutlich schlechter als 2011.
RP Online


===== H I N T E R G R U N D =====

NEUES GELDWÄSCHEGESETZ GREIFT ? FINANZAGENTUR SCHLIESST KUNDENKONTEN
Da helfen weder Dr. Schild noch die Sicherheit. Seltsame Informationspolitik…
FTD

AUSTRALIEN’S IMMO-BLASE IST GEPLATZT ? FOLGEN DIE BANKEN?
Notenbank schaltet auf Expansion, hohe Anzahl variabler Zinsabkommen problematisch!
Wirtschaftsfacts.de

POLEN ZWISCHEN „HYDRAULIC FRACKING“ UND ATOMKRAFT
Viel lokaler Widerstand, keine öffentliche Debatte… aber die geschäftlichen Perspektiven!
heise.de (Telepolis)

THIRD LIFE ? CYBER-TRENDS DER ZUKUNFT
Was kommt nach Facebook? Die Schöpfer von Ex-Hype „Second Life“ greifen wieder an.
FTD

ZU GUTER LETZT ? MEANWHILE… IN FRANKREICH!
Feiert man wohl so Fasching in Frankreich? Kleine Witzigkeit zum heutigen Tag. Darf es mal geben.
youtube


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Kommentare

A. Puschinski am 21.02.2012 um 10:58 Uhr
Sehr geehrte Cashkurs-Redaktion,

vielen Dank für die Absätze im Einleitungstext!

M.f.G.
Michael Langen am 21.02.2012 um 17:02 Uhr
Vielen Dank für die Absätze auch von mir! :-)

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