DAX: „Bad Bank“ verleiht Flügel

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Frankfurt (BoerseGo.de) - Der deutsche Aktienmarkt bekam heute mächtig Auftrieb. Dafür sorgten vor allem Meldungen aus den USA. Die US-Regierung arbeitet an einer sogenannten „Bad Bank“. Diese Einrichtung soll die toxischen Forderungen der internationalen Kreditkonzerne übernehmen, also den „Giftmüll“ aus wackeligen Immobilien-Forderungen. Die Rede ist von Vermögenswerten im Gesamtwert von bis zu einer Billion Dollar. Das soll die eingefrorenen Kreditmärkte wieder auftauen. Zugleich dämpft dieser Schritt die Angst vor einer Verstaatlichung der Bankriesen für ein „Butterbrot und Ei“.
Die Stimmung wurde auch durch die Flut der Gewinnzahlen der internationalen Konzerne gehoben, die jetzt an der Börse besser ankommen als in den vergangenen Tagen. Dazu trugen etwa SAP, Yahoo, der Stahlkonzern Nucor oder die US-Geschäftsbank Wells Fargo bei. Das Ganze stärkt jetzt wieder den Glauben an den zahlreichen Stimulierungsprogrammen, die von den Regierungen derzeit angekurbelt werden. Hilfreich ist auch der fallende Ölpreis, der Verbraucher und Unternehmen entlastet. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass sich die Rezession spätestens bis zum Jahresende verabschiedet. Viele Anleger nutzten daher die Gelegenheit, um sich noch rechtzeitig einzudecken. Der Xetra-DAX schloss mit einem Tagesgewinn 4,51 Prozent auf 4.518 Punkte.

Die Blue Chips wurden natürlich von den Banken angeführt, wegen der nahen Geburt der US-Bad Bank. Der Top des DAX war die Deutsche Bank. Beim deutschen Branchenprimus kursierte auch das Gerücht („Platow-Brief“), die ersten drei Wochen des Jahres seien dort „geradezu sensationell gut gelaufen“. Commerzbank und Deutsche Postbank, sowie der globale Finanzriese Allianz stürmten ebenfalls voran.
Die Aktien der Stahlkocher Salzgitter und ThyssenKrupp wurden anscheinend von den gestrigen guten Ergebnissen ihrer amerikanischen Branchenkollegen wie etwa Nucor oder U.S. Steel angeschubst. Eine Rallye gab es auch bei SAP. Dort kam gut an, dass der Softwareriese seinen Gewinn im vergangenen Quartal - trotz Rezession - um 13 Prozent steigerte. „Starke Ergebnisse“, lobte die Bank of America-Tochter Merrill Lynch. Die Ankündigung weiterer Kostenkürzungen, die auch 3.000 Jobstreichungen enthält,  sei „eine große positive Überraschung“, erkärten die Amerikaner.
Auch Siemens wurde wieder gekauft. Der Mischkonzern hatte bereits gestern eine überraschend deutliche Steigerung des operativen Gewinns im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008/2009 gemeldet. Die Citigroup  zeigte sich von der „robusten Entwicklung“ beeindruckt und bekräftigte heute ihre Kaufempfehlung. Goldman Sachs bestätigte die Empfehlung „Überzeugungs-Kauf“.
Die Aktien des Lkw-Bauers MAN, in den Vortagen noch vernachlässigt, schienen ebenfalls von der neuen Aufbruchstimmung zu profitieren.

Ausfahrt aus den „sicheren Häfen“

Die in den vergangenen Tagen noch gerne aufgesuchten „sicheren Häfen“ wurden dagegen verlassen. Defensive Papiere wurde daher in riskantere umgetauscht, das traf den Pharmawert Merck genauso wie den Versorger E.ON oder die Anteile von Beiersdorf.
Im MDAX waren die Papiere der Aareal Bank und der Hypo Real Estate gefragt. Dort belebte ebenfalls die bevorstehende Geburt der US-Bad Bank. Bei der Hypo Real Estate denkt die Bundesregierung laut über einen Kauf einer 70-prozentigen Beteiligung an dem kriselnden Immobilienfinanzierer nach. Beim Kaufhausbetreiber Arcandor (Karstadt) trieb das Gerücht, der US-Discountgigant Wal-Mart wolle angeblich Karstadt kaufen. Im TecDAX wurde der Halbleiterausrüster Aixtron gekauft. Dort beflügelte anscheinend die bessere Stimmung für die Chipindustrie.

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