DAX: Nach dem Zinsentscheid ist vor dem Zinsentscheid

Frankfurt (BoerseGo.de) - Die Situation am deutschen Aktienmarkt erinnert an den berühmten Spruch von Sepp Herberger: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“. Noch wird der gestrige Zinsentscheid der US-Notenbank verarbeitet („Es bleibt alles wie es ist“), da bereiten sich die Börsen Europas auf die gleich fälligen Zinsentscheide der EZB und ihrer Kollegin der Bank of England vor. Beide Notenbanksitzungen sollten ähnlich unspektakulär enden wie die amerikanische, das ist jedenfalls die allgemeine Erwartung.

Momentan belastet etwas die Wall Street, die nach dem gestrigen Notenbankbeschluss ihre Kursgewinne wieder an der Kasse abgab. Etwas dämpfend wirkt jetzt auch die Meldung, dass der Einzelhandelsumsatz im Euroraum im September wieder mal überraschend gesunken ist.

Am Nachmittag sind wieder die wöchentlichen US-Arbeitslosenmeldungen fällig, ein Indiz für die aktuelle Situation am amerikanischen Jobmarkt, wichtig für den Konsum und damit auch die deutschen Exporte. Außerdem stimmt sich der Markt allmählich auf den morgigen US-Arbeitsmarktbericht ein, den konjunkturellen Höhepunkt der Woche.

Der DAX bröckelt zur Mittagsstunde um 0,4 Prozent auf 5.424 Punkte.

Ungewohnte Ehre

Gut die Hälfte der Blue Chips bewegt sich dennoch im grünen Bereich. Der DAX kann momentan einen äußerst seltenen Spitzenreiter vorweisen: Die Deutschte Telekom. Die ungewohnte Ehre verdankt der Telefon-Versorger seinen heutigen Q3-Zahlen. Der Gewinn stieg um 7,2% auf 959 Millionen Euro und damit stärker als erwartet. 
Der 2. Platz geht derzeit an BMW. Die Münchener profitieren anscheinend von einer Nachricht aus Fernost. Der chinesische Autobauer Brilliance China, dessen Papiere heute in Shanghai in die Höhe schnellten, will seine Kooperation mit den Bayern vertiefen.
Bei Metro kommen wohl die Gewinnzahlen vom Dienstag noch gut an.


Der Flop der Mittagsstunde ist die Commerzbank. Das Kredithaus pendelte in Q3 zwar in die schwarzen Zahlen, stellt aber für das laufende Quartal wegen anhaltender Kreditprobleme wieder einen Rückfall in den roten Bereich in Aussicht. Jedenfalls müsse man hohe Rückstellungen machen - zu Lasten des Gewinns, hieß es.
Das scheint auch die Stimmung für die Branchenkollegen zu vermiesen, jedenfalls zählt auch die Deutsche Bank zu den größten Verlierern.
Abgegeben werden auch die Papiere der Munich Re. Der größte Rückversicherer der Welt meldete weniger Gewinn als erwartet, berichtet Bloomberg. Darunter leiden jetzt auch die Aktien der Allianz.
Die sprunghaften Aktien von Infineon, gestern noch bei den Tops, sprangen heute wieder in die Flop-Stellung. Top-Flop heißt das Spiel.


Im MDAX setzt ElringKlinger die Gewinnserie scheinbar unbeirrt fort, gefolgt von Symrise und Hochtief.


Der TecDAX wird von der Software AG angeführt. Gekauft werden auch die Favoriten der Vortage: Drägerwerk und Manz Automation.

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