(c) Jamesmawson - Fotolia.com

Wie muss man das bewerten?

Die Commerzbank hat im August/September 2008 die Übernahme der Dresdner Bank von der Allianz vereinbart. Zu diesem Zeitpunkt waren die Abschreibungsprobleme schon voll am Laufen, Lehman war bereits pleite und BearStearns von de Bildfläche verschwunden. Niemand kann also sagen „Das konnte man doch nicht ahnen!“.

Die Commerzbank wird die Bücher der Dresdner Bank ja wohl bis ins Detail geprüft haben. Bei Geschäften dieser Größenordnung darf man das ja wohl erwarten.

Wenn man dann gerade mal 4 Monate später von plötzlichen und unerwarteten Abschreibungen eben dieser Dresdner Bank dermaßen überrascht ist, dass nur noch ein Husarenritt der Bundesregierung mit einer teilweisen Verstaatlichung und der Bereitstellung von insgesamt 18,2 Milliarden Euro die größte Katastrophe verhindern kann, müssen Fragen gestellt werden.

Lagen die Experten der Banken mit Ihren Einschätzungen der Situation selbst im September 2008 noch immer so daneben, dass Sie die unübersehbare katastrophale Entwicklung nicht erkannten?  Das ist die einzige logische Erklärung. Jede andere würde bereits die Frage nach Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz aufwerfen und das will wohl niemand unterstellen.

Wenn die Strategen der Banken die Situation aber selbst hier noch nicht erkannten, was lässt das dann für die weitere Entwicklung erwarten? Das lässt vermuten, dass unser Bankensystem im Moment mit Vollgas im strömenden Regen unterwegs ist. Es empfiehlt sich dringenst nicht nur vom Gas zu gehen, sondern endlich den Scheibenwischer einzuschalten um einen klaren Blick auf vor uns liegende Strecke zu bekommen.

Wie soll man Zukunftslösungen finden, wenn man noch nicht mal die aktuelle Lage richtig erkennt?

Das Bundesfinanzministerium sagt:

"Die Bereitschaft der SoFFin, die Commerzbank mit zusätzlichem Eigenkapital zu stärken, und die vorgesehene Beteiligung des Bundes mit 25% plus eine Aktie sind ein starkes Signal für eine starke Commerzbank“

Der Bund versteht seine Beteiligung nicht als "Teilverstaatlichung, sondern als Wahrnehmung unserer Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt".

Wie bitte? Die Teilverstaatlichung ist gar keine!?  Die Commerzbank hatte keine Probleme, es ist ein starkes Zeichen für eine starke Commerzbank!?

Jetzt schlägts dreizehn! Es sind große Fehler passiert. Jeder macht Fehler, was solls. Stellt Euch hin und sagt den Leuten endlich die Wahrheit!

Und ein solches Statement könnte so aussehen:

„Wir haben in der Vergangenheit grobe Fehler gemacht, wie alle. Die Situation haben wir auch in den Monaten danach nicht korrekt eingeschätzt. Der Staat kommt seiner Verantwortung für das Gemeinwesen nach und verhindert Schlimmeres. Hierzu stellt der Staat mehr als die Hälfte des Eigenkapitals der Commerzbank zur Verfügung (18,2 Milliarden Staatseinlage bei 30 Milliarden Eigenkapital). Für den größten Teil davon wird die Commerzbank dem Staat jährlich 9% Zinsen bezahlen, so dass der Steuerzahler eine ordentliche Verzinsung für sein Risiko erhält. Den Aktionären wird ihr Anteil durch die neuen Aktien des Staates verwässert und die Dividende wird auf absehbare Zeit ausfallen. Wie die Commerzbank in dem schwierigen Umfeld in den nächsten Jahren diese Zinsen und die Rückzahlung der Einlagen bewerkstelligen will wissen wir noch nicht, aber wir hoffen das Beste. Der Staat hat aber die Chance, wenn die Horrorphase irgendwann endet und die Kurse wieder steigen, seine Commerzbank-Aktien mit gutem Gewinn zu verkaufen, vorausgesetzt die Bank macht nicht vorher den „Lehman“.“

Aber statt dessen hören wir mal wieder Weichgespültes und sehen Nebelkerzen.

Wie es weitergeht?

Herr Ackermann hat bereits im Dezember angekündigt, dass die deutschen Banken vermutlich noch dreistellige Milliardenbeträge abschreiben werden….er wird es genau wissen…

Bislang beruhen die Abschreibungen lediglich auf den Problemen mit US-Anlagen. Jetzt kommt aber langsam die Krise in Deutschland an. Die ersten Unternehmen melden Insolvenz an, hunderttausende (optimistische Schätzung) Arbeitsplätze werden abgebaut. Das sind nicht nur Arbeitsplätze! Das sind Menschen! Menschen mit Kosumentenkrediten für´s Auto. Menschen mit Hauskrediten. Kein Arbeitplatz, keine Kreditrate. Hier drohen die nächsten Abschreibungen in ungeahnter Höhe für die Banken.

Wenn die Banken aber schon jetzt keinen Speck mehr haben um die aktuellen Abschreibungen selbst zu stemmen, wie wollen sie dann die Probleme stemmen, die so offensichtlich wie ein Öltanker in den nächsten Monaten auf sie zukommen!? Der Staat sollte sich schon mal ein paar neue Aktiendepots anlegen.

Es bleibt darüber hinaus abzuwarten, ob in den nächsten Wochen die Bereitschaft der Banken nicht deutlich steigt, sich unter staatliche Obhut zu begeben, wenn erstmal die jährlichen Bonuszahlungen im Januar auf den Konten sind….

Das nächste Projekt ist auch schon in der Pipeline…   beschäftigen Sie sich schon einmal mit dem Begriff „BadBank“ ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Wort noch ganz große Berühmtheit erlangen wird in den nächsten Monaten.

Doch dazu später mehr, sonst wird der Text viel zu lang ;-)

Um diesen Beitrag kommentieren zu können, müssen sie eingeloggt sein!

Zugang vorhanden? Hier können Sie sich anmelden!

Kommentare

saarworres am 09.01.2009 um 13:21 Uhr
Sehr geehrter Herr Müller,

ich würde Sie gerne nach Ihrer Einschätzung zu folgendem Blogartikel fragen, der mit einer ähnlichen Argumentation allerdings ein sehr düsteres Zukunftsbild zeichnet. Insbesondere nach folgendem Absatz:

Warum soll also eine Bank diesen Unternehmen Kredite geben, die unter normalen Umständen zwar gesund sind, aber unter heutigen Bedingungen leider Pleite zu gehen drohen? Da geht man doch besser zur EZB und legt dort das Geld an, das man vom Staat bekommen hat. Oder man kauft mit diesem Geld vielleicht sogar die Staatsanleihen, die der Staat braucht, um die gleichen Banken mit dem nötigen Eigenkapital auszustatten.[... ] . Das ist die Logik unseres derzeitigen Finanzsystems.

Stimmen Sie dieser Einschätzung zu?
Falls ja hieße dass nicht, das die derzeitige unwilligkeit der Banken Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben im laufe des jahres nicht noch zunehmen wird?

Gesamter Artikel:
http://www.weissgarnix.de/?p=817
holgi101 am 10.01.2009 um 09:40 Uhr
BAD BANK

Ein wunderbarer Begriff, kreiert von wunderbaren Menschen, ein Rülpser mit einem fulminanten Sodbrennen, eine Uraufführung menschlicher Intelligenz, ein Begriff, der den ganzen Horizont geistiger Flexibilität wieder gibt. Unsere Leistungsträger, Volksvertreter und die meinen dazu zu gehören, evtl. die heiligen drei Könige aus dem Morgenlande, ja wir sind alle ihnen zu Dank verpflichtet.

Wir müssen ihnen danken. Wie mutig, entschlossen und mit welch einer Weisheit, agiert wird. Diese Personen, sind die Krone der Schöpfung. So hat sich Gott sein Ebenbild auf Irdischen Grund und Boden gewiss vorgestellt. Nur auf das Wohl des Volkes bedacht, rackern und ackern diese honorigen Mitbürger und Bürgerinnen, Tag ein Tag aus.

Mein persönlicher Dank, geht an die mutigen, gut aufgestellten, kompetenten Kapitäne, die das Mutterschiff MS BRD Titanic (seit 1949), in ständiger Begleitung der USS Abraham Lincoln, steuern.

Wir müssen uns auch für eine Staatsquote, nach ALLEN Abgaben und Steuern, von ca. 85% bedanken.
Wir müssen uns ebenfalls dafür bedanken, all das ertragen zu können. Wir sind ein wunderbares Volk. Uns kann man alles erzählen, erklären, wir glauben alles.

Die BAD BANK wird eine der tollsten, unausweichlichen, mutigen, eine der best aufgestelltesten Banken der Welt werden. Dafür, dass 95% der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben wird, sich an unabwägbaren Krideten upps. Krediten zu beteiligen, wer gibt Ihnen schon so eine Möglichkeit?

Hier gilt mein besonderer Dank an Joe, Alan, Heli, Amschel, Rocke, die durch ihren überaus Weisen und ich betone richtigen Gedankenspielen, dieses uns allen erst ermöglicht. Danke! Was wäre die Welt nur ohne diese kreativen, innovativen Geschöpfe Gottes.

Freuen wir uns alle auf die Dissertation h.c.

BAD BANK


Stef am 11.01.2009 um 13:51 Uhr
Was hätten Sie denn getan? Die Commerzbank ist systemimmanent und die Risiken einer unkontrollierten Abwicklung sind einfach zu groß. Die Deutsche Bank ist durch ihr Engagement bei Derivaten wahrscheinlich so fest mit der CoBa verbandelt, dass der Regierung der Hintern auf Grundeis gegangen ist. Ich erinnere nur an die Bankenpleiten in den USA. Wenn man davon ausgeht, dass die Coba in den nächsten Jahren mindestens 1,5 Mrd. € p.a. an Zinsen berappen muss, bin ich der Meinung, dass die jetzige Konstellation sehr wohl einer kontrollierten Abwicklung dient. Frei nach Churchill: "Im Krieg ist die Wahrheit so kostbar, dass sie immer von einer Leibwache von Lügen umgeben sein sollte." Man sollte die Aussagen der Gerkes, Sinns und Bofingers mal analysieren: Es geschieht meist immer das, was die Experten verneinen, ausschließen oder für Unmöglich erachten.

Kein Zugriff

Für diesen Beitrag benötigen Sie einen Premium-Zugang!

Ihre Vorteile

Eine Premium-Mitgliedschaft bei unserer Informationsplattform www.cashkurs.com beinhaltet den vollen und uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Inhalte der Plattform

Wir bieten Ihnen:

  • Börsentäglich die wichtigsten Informationen aus den Themengebieten Wirtschaft, Politik, Finanzmarkt und Börse
  • Einen börsentäglichen, umfassenden Ausblick zu den relevanten Themen per Videocast
  • Zahlreiche Beiträge namhafter Gastreferenten
  • Professionelle Chartanalysen zu den großen Indizes, Aktien und Edelmetallen
  • Vollkommen unabhängige Meinungen und Einschätzungen zur aktuellen Finanzmarktsituation

Sie möchten unser Angebot unverbindlich testen? Kein Problem. Registrieren Sie sich hier einmalig für einen kostenfreien Zugang.

Gastzugang beantragen

Schon Mitglied?

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Kennwort vergessen?

×

Warum kostet Cashkurs.com Geld?

In einem Satz: Wir garantieren Ihnen hiermit 100% Unabhängigkeit.

Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Medien sowohl im Print-, TV- als auch im Online-Bereich ist Cashkurs.com komplett unvermarktet, beinhaltet also keinerlei Werbung. Somit ist Cashkurs.com von eventuellen Werbepartnern vollkommen unabhängig und in keiner Weise erpressbar. Hierdurch können wir Ihnen absolut frei, ehrlich, direkt und ohne Scheuklappen Hintergrundberichte, Zusammenhänge, Tipps und Ratschläge liefern, ohne die Interessen eines eventuellen Werbekunden berücksichtigen zu müssen. Die einzigen Interessen die wir in Betracht ziehen, sind die unserer Leser! Dies unterscheidet Cashkurs.com von nahezu allen anderen Plattformen im Finanz- und Wirtschaftsbereich und gibt Ihnen die Möglichkeit sich frei und unabhängig zu informieren!

×