Unter langfristigen Gesichtspunkten befindet sich der Dow Jones seit mehreren Wochen in einer äußerst brisanten Situation.  Dies dürfte vielen Marktbeobachtern klar sein.  Der Index ist dabei den zentralen Unterstützungsbereich bei 6.900-7.400 Punkten nach unten zu durchbrechen.  Solche wichtigen charttechnischen Dreh- und Angelpunkte sind aufgrund ihrer enormen Bedeutung anfällig für Fehlausbrüche. 

Um die Prognose für die Querleser eingangs vorwegzunehmen. 

Wir erwarten in Kürze den Start einer größeren Bärenmarktrallye nach oben.  Der Dow Jones kann dabei bis 7.500 Punkte, 8.500 Punkte und wie mein Kollege Andre Tiedje meint, sogar bis fast 9.400 Punkte ansteigen.     Ausgehend vom aktuellen Kursniveau bis 9.400 Punkte wären das fast +40% Aufwärtspotential im Verlauf der nächsten Monate.

Langfristig erwarten wir aber eine Fortsetzung des Bärenmarkts im Dow Jones.  Dabei kann der Index auf Sicht einiger Jahre durchaus noch um einige Tausend Punkte fallen.  Das heißt, dass eine mehrmonatige Kurserholung der Aktienmärkte nicht sofort als finale Bodenbildung interpretiert werden sollte!


Klar ist, dass der US Bankensektor regelrecht ausgebomt worden ist.  Klar ist, dass sich in den Mainstream-Medien Tag für Tag die Negativ-Schlagzeilen überschlagen.  Antizykliker fühlen sich in ihrer Rolle, mit dem Finger auf die Anderen zu zeigen, wohl.  "Da schaut her ... jetzt berichten sie über die einbrechenden Auftragseingänge ... über staatliche Stützungsmaßnahmen in Milliardenhöhe ...  über schlagartig anziehende Arbeitslosenzahlen ...".    Dem kann ich nur entgegnen, dass es nun einmal die Aufgabe der Medien ist, über den Status Quo und die nähere Zukunft des konjunkturellen Geschehens zu berichten.  Insofern sehe ich diese Form des antizyklischen Kommentierens mit Skepsis.  Ich sehe darin eher eine Strategie sich von anderen Marktbeobachtern und Analysten abzusetzen und für sich und seine Leistung werben zu können. Das ist natürlich legitim.

Auf der anderen Seite hat mich im zurückliegenden Jahr bei einigen meiner Vorträge bei großen deutschen Wirtschaftsverbänden gewundert, wieso diese bisher nicht intensiver die Vorläuferfunktion der Finanzmärkte für ihre Prognosen verwendet haben.  Wenn die Aktienkurse eines Sektors einbrechen, dann macht es wenig Sinn dem zu mißtrauen.  Die Finanzmärkte sind extrem effektiv.  Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung kommt die Tendenz der Aktienkurse ganz konkret bei den Auftragseingängen an.

Wie dem auch sei.  Das sind einige Gedanken, die mir zu Beginn dieses Artikels durch meinen Kopf gegangen sind.

Wenden wir uns aber wieder dem Dow Jones zu und seinem BIG PICTURE ...

Dow Jones aktuell 6.726 Punkte.

Sie sehen, dass die abgeschlossene Februar-Monatskerze direkt in den seit 1997 bestehenden Unterstützungsbereich von 6.900-7.400 Punkten hineinreicht.  Die sehr junge März-Monatskerze ist nun gerade dabei die 6.900er Marke zu unterbieten.  

Der Kursverlauf dieses Monats wird für die weitere mittelfristige Verlaufsrichtung ganz entscheidend sein. 

Der Unterstützungsbereich bei 6.900-7.400 Punkten ist unter langfristigen Gesichtspunkten allesentscheidend.

Ein MonatsschlußKurs unter 6.900 Punkten wäre gefährlich.   Ein MonatsschlußKurs unter 6.900 Punkte wäre im Sinne eines größeren Verkaufssignals zu werten.  Nachhaltige Kurse unter 6.900 Punkten würden nämlich das Anlageverhalten der langfristig ausgerichteten Anlegergruppe dahingehend ändern, dass größere strategische Positionen notgedrungen in den Markt gegeben werden müßten.  Es müßte möglicherweise auf Sicht von Jahren mit Abgaben von weiteren einigen Tausend Punkten im Dow Jones gerechnet werden.   

Kursverlauf  seit 1986    (Kerzendarstellung / 1 Kerze = 1 Monat)

Aber wie eingangs geschrieben, sind solche langfristig relevanten Unterstützungszonen anfällig für Fehlausbrüche.  Nicht selten sieht man zunächst ein signifikantes Unterschreiten, dem anschließend eine Rückkehrbewegung folgt.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass unsere langfristige Einschätzung der Indizes noch erhebliches Korrekturpotential für die Indizes vorsieht. 

Mittelfristig, also auf Sicht von einigen Monaten, mehren sich zwar die Zeichen für eine umfassende Bärenmarktrallye nach oben.  Mal wieder ...

Langfristig sehen wir den 2007 bzw. 2008 begonnenden Bärenmarkt aber als intakt an und erwarten beispielsweise im DAX Abgaben (vorsichtig formuliert) in Richtung 2.000 Punkte.  

Konjunkturell dürfte uns also in den kommenden Jahren noch ein Armageddon der besonderen Art bevorstehen.   Und dieses Armageddon haben wir nicht irgendwelchen verrückten Wissenschaftlern zu verdanken, die sich bei der Züchtung irgendwelcher Phagen, Bakterien oder genetisch veränderter Pflanzen "vertan" haben, auch nicht irgendwelchen durchgedrehten Diktatoren, die einen Atomkrieg anzetteln.  Nein, das Epizentrum dieses Armageddons ist eine Straße ... in den USA ... in New York, die sich tolpatschig direkt übersetzt ... "Wandstraße" nennt.   Der institutionelle Derivate-Cocktail, der dort gemischt wurde, fliegt uns seit 2007 um die Ohren, das uns Hören und Sehen vergeht.   

Im Moment zeigen entrüstete Bürger weltweit zurecht mit ihren Zeigefingern auf Politiker und Banker, Politiker wiederum auf die bösen Investmentbanker und Ratingagenturen, diese wiederum auf die US Administration beispielsweise unter Bill Clinton und die US Notenbank

Fakt ist, dass die Administration unter Clinton die Hypothekenbanken Fannie und Freddy dazu aufforderte, praktisch jedem Amerikaner die Finanzierung eines Eigenheims zu ermöglichen. Das war politisch gewollt! 

Fakt ist, dass die US Notenbank nach einer ganzen Zinssenkungsorgie das Geld nicht mehr schnell genug aus dem Markt bekam und damit die Grundlagen für die Blase schuf. 

Fakt ist, dass in den Investmentbankingabteilungen die sagenumwobenen institutionellen derivatären Produkte zusammengestrickt wurden, die seit 2007 zum Zusammenbruch des Kreditmarkt geführt haben. 

Fakt ist aber auch, dass beispielsweise in Deutschland insbesondere die Bankinstitute von der Finanzkrise betroffen sind, wo der Staat besonders involviert ist.  Einige Landesbanken entpuppen sich als das sprichwörtliches Faß ohne Boden.

Ganz so einfach ist es mit den Schuldzuweisungen dann doch nicht ...

Wenn einige Zyklenanalysten und Liebhaber des Edelmetalls Gold Schreckensscenarien an die Wand malen, wonach es im Zusammenhang mit der Finanzkrise zu kriegerischen Handlungen und politischen Instabilitäten kommen könnte, ist dies nicht ganz von der Hand zu weisen.  Irland, Ungarn, Island, Ukraine, Venezuela, etc. ... die Liste der Länder, die dem Staatsbankrott nahe sind, wird immer länger.  Wenn derzeit zu lesen ist, dass unsere Bundesregierung nicht unerhebliche Teile des 50 Milliarden Euro-Konjunkturprogramms der Rüstungsindustrie zukommen lassen will, weiß ich nicht, ob ich als Trader einfach nur zu paranoid bin oder ob nicht doch irgendwie ein Zusammenhang mit dem Beschriebenen besteht.

Anbei nochmals der mehrjährige Kursverlauf des Dow Jones.

Diesmal sind die langfristigen Fibonacci Retracements eingeblendet.

Fibos verwende ich in Chartanalysen bevorzugt dann, wenn a) wenig andere verwertbaren Chartstrukturen vorhanden sind oder aber b), wenn sich der Kursverlauf bisher ziemlich eindeutig an den Fibos orientiert hat.  Wenn dies bisher geschehen ist, ist die Wahrscheinlichkeit nämlich nicht gering, dass dies auch in Zukunft passieren wird.

In den aktuellen Chart zeichne ich die Fibos wegen Punkt b) ein.  Das 25% Retracement bei 11.790 Punkten stellte einen sehr wichtigen Unterstützungsbereich dar.  Und wie Sie sehen, liegt das 50% Retracement mit 7.384 Punkten im Bereich des bereits beschriebenen Unterstützungsbereichs von 6.900-7.400 Punkten.  Damit wird letzterer zu einem echten Cluster. 

Der Bruch des 50% Retracements bei 7.384 Punkten ist für die langfristigen Perspektiven negativ zu werten!

Werfen wir einen Blick auf das 61,8% Fibonacci Retracement, das bei 5.775 Punkten liegt.  Die markanten Hochs der Jahre 1995/1996 liegen in diesem Bereich.  Die Marke von 5.775 Punkten dient dem Index also als relevantes Unterstützungsniveau. Sollte dieses Niveau im Rahmen des Bärenmarkts erreicht werden, wäre die Wahrscheinlichkeit für eine temporäre mittelfristige Bodenbildung hoch.

Kursverlauf  seit 1986    (Kerzendarstellung / 1 Kerze = 1 Monat)

Wenn man seit geraumer Zeit die institutionellen Researchreports sichtet, fällt Folgendes auf ...

Analysten diskutieren, ob wir eine Deflation, Inflation oder Hyperinflation bekommen könnten.

Ich sage Ihnen aber mal was.   Hier weiß niemand irgendwas!  

Wenn man aber soetwas wie einen Konsens herauslesen will, dann den, dass wir zunächst einmal mit Deflationären Tendenzen zu kämpfen haben, sprich Kreditverknappung ("Credit Crunch a la Japan").   Aufgrund der expansiven Fiskal- und Geldpolitik, - die Notenbanken ordnen dem Ziel, die Kreditmärkte mit Liquiditätsschwemmen wieder aufzutauen alles unter -,  könnte es dann aber zu einer Hyperinflation kommen. 

Schön und gut. Kommt es tatsächlich zu einer Deflation ?  Folgt ihr tatsächlich eine Hyperinflation ?

Und wenn ja, wann ?  Als Anleger muß man sich für die Scenarien nämlich fast gegensätzlich positionieren.  Derzeit rennt alle Welt in Bonds und Gold.  Wenn die Hyperinflation ausbleibt oder sich zeitlich deutlich hinauszögert, klappt Gold möglicherweise zwischenzeitlich wieder in sich zusammen.  Charttechnisch sehen wir bei Gold tatsächlich die Möglichkeit mittelfristig wieder deutlich zu korrigieren.  Langfristig ist das Chartbild aber weiter stark bullisch.   Das einzige, was mich an dem Thema Gold irgendwie unbewußt stört, ist, dass wirklich jeder Analyst und Marktbeobachter dazu rät, Gold zu kaufen.  Einen solchen überwältigenden Konsens habe ich in dieser Gilde bisher noch nie gesehen.

Wenn in der Natur ein Iltis an einem Goldklumpen vorbeihuscht, pinkelt er darauf und markiert sein Revier.  Gold ist für ihn das gleiche wie ein Erd- oder Granitklumpen.  Nur für uns Menschen hat es als Schmuck oder Inflationshedge, als Hartgeld, einen ganz besonderen Wert.  Wir handeln damit. Als Trader versuchen wir Gold bei 940 $ leerzuverkaufen, spekulieren auf temporär fallende Notierungen und versuchen den Short bei 650-700 $ wieder zu decken, um den Differenzbetrag als Profit einzustreichen.  Oder aber als Investor besitzen wir Gold seit 300 $, halten es bis es bei 5000 $ steht und werden es dann noch immer nicht verkaufen, um dann während des folgenden Gold-Bärenmarkts bei 30 $ felsenfest zu behaupten, dass Gold noch bis 10.000 $ steigen wird und demzufolge alles in Ordnung ist.

Wir sind Menschen. Menschen sind gesellschaftliche Wesen.  Menschen unterliegen massenpsychologischen Phänomenen.  Menschen können jetzt der Meinung sein, dass Gold ein Muß und Aktien ein Unding sind.  Menschen haben die Angewohnheit manchmal ihre Meinung schlagartig zu wechseln. Das würde wiederum bedeuten, dass Aktien wieder en vogue sind und Gold (zeitweise) nicht mehr.

Auf was will ich hinaus ?   Meines Erachtens macht es Sinn, in der vorliegenden Marktphase mit unbekanntem Ausgang - wir befinden uns in einem riesigen Experiment -, eher kurz- und mittelfristige Trends zu handeln.  Anlegen von der Hand in den Mund sozusagen.

Auch wenn der Handel in diesen Zeitfenstern besondere Fähigkeiten erfordert, so erhöht es doch entscheidend die Flexibilität.  Auf diese Weise gelingt es mit von der Partie zu sein, wenn die Aktienmärkte nun doch bereits jetzt die finalen Böden ausbilden sollten.  Trends verlaufen immer schneller und ausgeprägter.  Wer zu lange wartet, hat möglicherweise bereits alles wieder verloren.

Es hat einen ganz wesentlichen Grund gehabt, weshalb in den vergangenen Jahrzehnten darauf geschworen wurde, in Aktien zu investieren.  Der langfristige Trend wies nach oben.  Wer langfristig investierte, konnte also wenig falsch machen.  Seine Trefferquote bei Anlagen war hoch.  Das hat sich in den zurückliegenden Jahren aber geändert;  wer nicht aufpaßt, rutscht mit temporären Gewinnen aus einer mehrjährigen Anlage sogar in Verlust.

Intermezzo hier, Intermezzo da und dort.  Kommen wir jetzt zu den Mikrostrukturen des Dow Jones Chartbilds.

Wenn man das Kursgeschehen seit Oktober 2008 betrachtet, lassen sich 2 projezierte Trendkanalunterkanten einblenden.  Diese sind deshalb so wichtig, weil sie aller Voraussicht nach Ausgangspunkt für die erwartete mittelfristige Bärenmarktrallye sein dürften.

Mit dem gestrigen Kursstand von 6.726 Punkten steht der Dow Jones direkt oberhalb der ersten Trendkanalprojektion, die bei 6.650 Punkten verläuft. Die zweite, die sich von einer inneren Trendlinie projezieren läßt, liegt bei 6.440 Punkten.

Aus charttechnischer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ausgehend von 6.650 oder aber 6.440 Punkten eine mittelfristige, also einige Monate anhaltende Bärenmarktrallye nach oben starten dürfte; mit Kurszielen von 7.500 und 8.500 Punkten.  Laut unseres Elliottwellen-Spezialisten ist sogar auch ein Zielbereich von fast 9.400 Punkten möglich.


Herzliche Grüße,
Ihr Harald Weygand - Head of Trading bei GodmodeTrader.de

Kursverlauf  (oben) seit September 2008  (Kerzendarstellung / 1 Kerze = 1 Tag)
Kursverlauf  (unten) seit 1999 (log. Linienchart als Übersichtsdarstellung)

Um diesen Beitrag kommentieren zu können, müssen sie eingeloggt sein!

Zugang vorhanden? Hier können Sie sich anmelden!

Kein Zugriff

Für diesen Beitrag benötigen Sie einen Premium-Zugang!

Ihre Vorteile

Eine Premium-Mitgliedschaft bei unserer Informationsplattform www.cashkurs.com beinhaltet den vollen und uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Inhalte der Plattform

Wir bieten Ihnen:

  • Börsentäglich die wichtigsten Informationen aus den Themengebieten Wirtschaft, Politik, Finanzmarkt und Börse
  • Einen börsentäglichen, umfassenden Ausblick zu den relevanten Themen per Videocast
  • Zahlreiche Beiträge namhafter Gastreferenten
  • Professionelle Chartanalysen zu den großen Indizes, Aktien und Edelmetallen
  • Vollkommen unabhängige Meinungen und Einschätzungen zur aktuellen Finanzmarktsituation

Sie möchten unser Angebot unverbindlich testen? Kein Problem. Registrieren Sie sich hier einmalig für einen kostenfreien Zugang.

Gastzugang beantragen

Schon Mitglied?

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Kennwort vergessen?

×

Warum kostet Cashkurs.com Geld?

In einem Satz: Wir garantieren Ihnen hiermit 100% Unabhängigkeit.

Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Medien sowohl im Print-, TV- als auch im Online-Bereich ist Cashkurs.com komplett unvermarktet, beinhaltet also keinerlei Werbung. Somit ist Cashkurs.com von eventuellen Werbepartnern vollkommen unabhängig und in keiner Weise erpressbar. Hierdurch können wir Ihnen absolut frei, ehrlich, direkt und ohne Scheuklappen Hintergrundberichte, Zusammenhänge, Tipps und Ratschläge liefern, ohne die Interessen eines eventuellen Werbekunden berücksichtigen zu müssen. Die einzigen Interessen die wir in Betracht ziehen, sind die unserer Leser! Dies unterscheidet Cashkurs.com von nahezu allen anderen Plattformen im Finanz- und Wirtschaftsbereich und gibt Ihnen die Möglichkeit sich frei und unabhängig zu informieren!

×