Fracking und Landgrabbing

Ein Moratorium, das das sogenannte Fracking und Tiefenbohrungen in Nordrhein-Westfalen verboten hat wird durch einen Erlass des NRW-Wirtschaftsministeriums demnächst wohl wieder aufgeweicht. Tiefen- und Probebohrungen werden wieder zugelassen. Die umstrittene Fracking-Methode, bei der Wasser und Giftstoffe unter einem Druck von bis zu 1.000 bar ins Erdreich gepresst werden, um sogenanntes unkonventionelles Schiefergas zu fördern soll jedoch vorerst verboten bleiben.

Es ist mehr als erstaunlich, dass das Fracking überhaupt zugelassen wurde, ohne im Vorfeld die Rathäuser der betroffenen Städte und Gemeinden und auch die Wasserversorger zu informieren. Natürlich behaupten die Energiekonzerne, dass Fracking umweltverträglich sei und es zu keiner negativen Beeinträchtigung von Mensch und Natur kommen kann. Die Giftstoffe würden schließlich in so große Tiefen eingeführt, dass eine Verunreinigung des Grundwassers ausgeschlossen sei. Als besonders giftig gelten in diesem Zusammenhang Biozide, Erdöldestillate und Stoffe wie Formaldehyd oder Dichlorophen. Vertreter der Wasserkonzerne und auch Experten von Wasserbehörden schätzen die Gefährlichkeit der eingeleiteten Stoffe als sehr hoch ein und sprechen von einer Umgehung und Aushebelung des Wasserrechts.

Hier ein interessanter Fernsehbeitrag der Sendung Monitor zum Thema:

Gefahr fürs Trinkwasser? - Wie internationale Konzerne in Deutschland Erdgas fördern

Doch sind die durch das Fracking verursachten Umwelt- und Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung, die mit der Förderung von unkonventionellem Erdgas einhergehen, weitestgehend zweifelsfrei belegt und u.a. in dem Dokumentarfilm Gasland, der 2011 für den Oskar nominiert war, filmisch aufgearbeitet.

GASLAND Trailer 2010

Als direkter Anwohner – wir sitzen hier in NRW auf den wohl größten Schiefergasvorkommen in Europa - mache ich mir große Sorgen, falls das Fracking direkt hier vor unserer Haustür auf Druck der Energiemultis doch zugelassen wird. Es geht hierbei nicht nur um die Gesundheit meiner Familie, sondern auch um den Wert von Wohneigentum, falls man sich entschließen sollte wegzuziehen.

Schiefergas: Bürger wehren sich gegen Probebohrungen

[...]Energiekonzerne wie Exxon Mobil, Wintershall und BEB haben im gesamten Nordwesten Nordrhein-Westfalens, von Aachen bis zum Kreis Höxter, ihre Claims für die Suche nach Erdgas abgesteckt.[...] Doch auf Einschätzungen unabhängiger Behörden wollen sich die Anwohner nicht mehr allein verlassen, seit die Bezirksregierung Anfang Dezember eine Broschüre des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) als Informationsmaterial an die Bürgermeister betroffener Gemeinden verschickte. Pikanterweise ist der Vorstandsvorsitzende von ExxonMobil Deutschland, Gernot Kalkoffen, auch Chef dieses Lobbyverbandes. Zwar versicherte die Behörde in einem Schreiben, „es sollte damit keinesfalls eine Interessen gelenkte Information erfolgen“ – doch bei Skeptiker Kruse bleiben Zweifel: „Ich mache mir schon Sorgen, ob die nachher neutral entscheiden.“[...]  

Gott sei Dank haben es die Energiekonzerne in unserer Region nicht allzu einfach, ihre Interessen durchzusetzen. In anderen Ländern sieht das anders aus. Ist man selbst von einer solchen abgeschwächten Form des Land- oder Rohstoffgrabbings betroffen, fällt es einem sehr viel leichter, sich in Menschen hineinzufühlen, die aufgrund von Landraub ihre Lebensexistenz verlieren.

In den herkömmlichen Medien wird beispielsweise kaum thematisiert, dass die unter dem Kolonialismus betriebene Ausbeutung weiter Teile Südamerikas, Asiens und Afrikas auch heute noch durch weltweit agierende Großunternehmen betrieben wird.

Eine Studie der Organisation „Oxfam“ zeigt, dass Rechte und Bedürfnisse der Bevölkerung in vielen Ländern der Erde mit Füßen getreten werden. Bauern und indigene Bevölkerungsgruppen werden von Großkonzernen mit Hilfe korrupter Politiker – die mit  entsprechenden Schmiergeldern gefügig gemacht werden – mit Gewalt von ihren Ländereien vertrieben. Allein in Uganda waren zwischen 2006 und 2010 22.500 Menschen, die ihr Land an das britische Holzunternehmen New Forests Company (NFC) zwangsweise abtreten mussten. Die NFC spricht hingegen davon, dass die Mehrheit der Bewohner ihr Land freiwillig verlassen hätte und ihnen rechtlich nichts vorzuwerfen sei.

Oxfam Deutschland - Für eine gerechte Welt. Ohne Armut.

Kommt die Weltbank in einer Veröffentlichung vom 7. September 2010 auf eine Landfläche von 45 Millionen ha, die von Großkonzernen in 2009 aufgekauft wurden, spricht Oxfam von 227 Millionen ha, wobei diese Zahl auf Informationen aus verschiedenen Quellen, wie z. B. Regierungsberichten, wissenschaftlichen Forschungen, Medienberichten und auch den wenig verfügbaren Verträgen basiert.

Ein besonderes Problem für die betroffenen Menschen stellt das Fehlen von Grundbüchern dar, in denen Landbesitzverhältnisse eingetragen werden. Selbst in einem Staat wie Argentinien, können sich Bauern, die schon 20 Jahre lang ein Stück Land bewirtschaften, nicht gegen das Landgrabbing großer Konzerne zur Wehr setzen, da ihnen schlichtweg der Nachweis für ihren Landbesitz fehlt.

In Argentinien hat die weltweit steigende Nachfrage nach Futtermitteln und biologischen Treibstoffen zu einer massiven Konzentration von Landbesitz geführt, wobei nationale Großgrundbesitzer mit internationalen Großkonzernen konkurrieren. An dieser Stelle sei nur kurz angesprochen, – da schon oft von Dirk Müller thematisiert -  dass viele Menschen in diesen Ländern auch deswegen hungern, weil Lebensmittel, die auf ihrem Land angebaut werden, nicht auf deren Tellern landen, sondern in den Tanks unserer Fahrzeuge.

E 10-Benzin –Aussaat des Hungers

Riesige Landflächen werden umgewandelt in Monokulturen, wobei der Verband kleiner und mittelständischer Agrarproduzenten (FAA) davon ausgeht, dass in den letzten 20 Jahren rund 10 Prozent der Landfläche Argentiniens an ausländische Investoren verkauft wurde. Beispielsweise lässt der Modekonzern Benetton auf seinen Megafarmen bis zu 1.300.000 Kilo Wolle pro Jahr von 260.000 Schafen für den europäischen Markt produzieren. Die argentinische Justiz unterstützt dabei die internationalen Großkonzerne, indem sie das Vorhandensein von Landtiteln ignoriert, die bereits seit Jahrhunderten existieren. Indigene Gemeinschaften werden somit zwangsweise umgesiedelt, obwohl deren Familien und Vorfahren schon seit Jahrhunderten das Land bewirtschaften. Konflikte um Bodeneigentum werden deshalb immer öfter gewaltsam gelöst.

http://amerika21.de/nachrichten/2011/08/38697/argentinien-konflikt-jujuy

[...]Mit Tränengas, Schlagstöcken und Gummigeschossen waren 350 Polizisten auf das 15 Hektar große Grundstück vorgedrungen, das von rund 700 Familien besetzt gehalten wird. Kurz zuvor hatte ein Distriktsgericht die sofortige Räumung des Geländes angeordnet, das vom Zucker-Konsortium "Ledesma S.A. I.I." beansprucht wird. Das Unternehmen kontrolliert den gesamten Landbesitz rund um das Stadtzentrum von San Martín.

Unmittelbar nach dem Eindringen der Sicherheitskräfte auf das von Notunterkünfte und Zelte bebaute Areal war es zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Bewohnern gekommen, so Augenzeugen. "Wir wissen noch nicht wie viele Tote es gibt, viele Menschen kämpfen noch um ihr Leben", berichtet Krankenhaus-Direktor Roberto Maizel. "Es ist wie in einem Kriegsgebiet", schilderte der Mediziner gegenüber lokalen Medien. [...]

Eine Lösung für dieses Problem kann nur durch international gültige Gesetze herbei geführt werden, indem Menschen und ihre Lebensgrundlagen vor der Macht der Großkonzerne geschützt werden. Und auch der Abbau von Rohstoffen sollte der Bevölkerung zugutekommen, die meistens ehedem die Last der dadurch verursachten Umweltverschmutzung zu tragen haben. Norwegen darf hier als Vorbild angeführt werden, da die Regierung durch ein kluges Konzept den Wohlstand der eigenen Bevölkerung durch Rücklagen im staatlichen Ölfond Statens pensjonsfond dauerhaft sichert.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/fonds/nachrichten/norwegischer-riesen-oelfonds-kauft-sich-in-london-ein/3750988.html

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Kommentare

auroria am 13.10.2011 um 20:08 Uhr
Heute (13.10.2011) gab es im Heute Journal einen Bericht darüber.
In den USA können manche ihr Trinkwasser anzünden ...

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