Geduld reicht nicht (Stefan Wolff)

(c) Bernd Leitner - Fotolia.com

Wer im vergangenen Jahr auf Aktienfonds setzte, hat mehr als 40 Prozent seines Geldes in den Sand gesetzt. Diese trübe Bilanz hat nun auch der Fondsverband BVI in einer aktuellen Statistik bestätigt. Dabei wird der Verband nicht müde, dafür zu trommeln, dass sich Aktienfonds bei einer langen Haltedauer stets auszahlen.

Das ist natürlich der Job des BVI, und der Verband macht meiner Erfahrung und Meinung nach einen sehr guten Job. Doch dürfte es immer schwerer werden, bei Anlegern mit solchen Argumenten zu punkten.

Das gilt umso mehr, als dass die gesamte Branche mit Selbstkritik – gelinde gesagt – sehr sparsam umgeht. Das hat auch der von mir sehr geschätzte Marktbeobachter Conrad Mattern auf dem Fonds professionell KONGRESS am 28. Januar festgestellt. Sein bitteres Fazit: Die Fondsmanager ignorieren die Krise (http://www.zeit.de/online/2009/06/boerse-fonds-geldanlage).

Es ist doch so: Das desaströse Jahr 2008 hat für Aktiensparer die Koordinaten eindrucksvoll verschoben. Wer kurz vor der Baisse eingestiegen ist, wird einen langen Atem brauchen, bis das eingesetzte Geld wieder da ist, von einem respektablen Zins mal ganz zu schweigen. Aber auch den „alten“ Buy-and-Hold-Strategen geht es an den Kragen.

Wer vor zehn Jahren in deutsche Aktienfonds investierte hat pro Jahr ein Prozent verloren, kumuliert sind das 9,8 Prozent. Wer zum jetzigen Zeitpunkt seit fünf Jahren dabei ist hat kumuliert 6,5 Prozent verdient. Das kann sogar ein Sparbuch besser. Soweit die Statistik des BVI, die für längere Laufzeiten natürlich auskömmlichere Renditen ausweist.

Doch im Endeffekt geht es doch in de aktuellen Rentendebatte um die Generation 40plus, die frühestens vor zehn Jahren damit anfing, sich um die Altersvorsorge Sorge zu machen. Das ist die Generation Aktiensparer, die von staatlicher Hand nicht mehr viel zu erwarten hat.

Aus diesem Grund sind Statistiken Augenwischerei, die darauf aufmerksam machen, dass es schlau war 1979 Aktien verkauft zu haben, weil dies bei einem Einstieg 1969 eine jährliche Rendite von 17 Prozent erbrachte. Das ist schön für die Betroffenen und für meinen Zielkorridor wenig relevant, außer ich bin 80 bis 100 Jahre alt und erfreue mich robuster Gesundheit und Zinseszinsen.

Auch bei Einzelwerten ist langer Atem nicht unbedingt erfolgversprechend. Wer zum Beispiel vor zehn Jahren auf Daimler setzte, hat für die Aktie gut und gern 90 Euro hingeblättert und bekommt nun 22 Euro dafür. Ähnlich traurige Anblicke bieten die Kursverläufe der Allianz oder der Deutschen Bank. Zumindest nichts verloren hat man im Zehnjahresvergleich mit Henkel, Siemens oder SAP. Nur zur Klarstellung: Bei diesen Aktien handelt es sich ausnahmslos um Papiere, die jeder Kenner der Materie ohne Zögern als „Substanzwerte“ bezeichnen würde. Es handelt sich also nicht um Harakiri-Investments.

Natürlich gibt es auch die Gegenbeispiele. So sind Anleger mit Versorgerwerten oder mit Merck, BASF oder Beiersdorf in den vergangenen zehn Jahren sehr gut gefahren. Das zeigt umso mehr, dass wer Geld anlegt auch den Kopf einschalten muss. Ein Depot muss regelmäßig auf den Prüfstand. Sonst wird „Buy and hold“ schnell zu „Buy and hope“.

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