Habe ich etwas verpasst?

(c) Daniel Fleck - Fotolia.com

Nach einer Woche in Dubai melde ich mich zurück. Der Bericht folgt später. Im Hotel konnte man die neuesten neuen Neuigkeiten (NNN) aus der alten Welt über das Laufband von CNN fliegen sehen, begleitet von Weihnachtsliedern im Happy Sound Modus während des Frühstücks. Verpasse ich etwas, wenn ich eine Woche vom Internet und den so wichtigen NNN`s abgeschnitten bin? Ich war mir nicht sicher.

Die Räder drehten sich noch, als ich zurückkam. Mit Blick auf die Real- und Kreditwirtschaft mal langsamer, mal noch langsamer. Nur die Rettungspakete sind schneller geworden, vor allem aber dicker. Aus Milliarden werden Billionen. Darüber sprachen auch die Reporter des US-Senders mit einem gewissen Ton der Überzeugung, dass das jetzt das Richtige sei. Dicke Pakete. Ja klar. Es ist demnächst auch Weihnachten.

Das Schreien der Blätter: 

Ich bin zurück im deutschen Winter, blättere gierig durch die im Flugzeug aufgegabelten Zeitungen und haue mir vor Lachen auf die Schenkel. Das könnte die Zeitung aus dem Oktober sein, denke ich mir. Zum Glück schweigen diese vielen schwarzen Buchstaben. Sonst könnte ich die Experten lautstark schreien hören, lauter als jedes Triebwerk. Ein köstliches Spektakel.

Frank Weise, der Chef der Arbeitsämter sieht nach so vielen optimistischen Kommentaren in den letzten Wochen jetzt auch gewisse Krisenspuren am deutschen Arbeitsmarkt, schreibt die FTD. Wer hat ihm das bloß erzählt? Die Zahl der Arbeitslosen ist doch kürzlich offiziell wieder gesunken, unbereinigt sogar unter die magische und psychologisch so wichtige Marke (MUPWM) von drei Millionen. Ist das eine wichtige NNN? Ja, denn 807.000 Menschen bekommen ALG-1 und 4.770.000 Mio. ALG-2. Dabei komme ich auf eine Zahl von 5,6 Mio Arbeitslose. Opps! 2,5 Mio Menschen bekommen also Arbeitslosengeld, obwohl sie nicht arbeitslos sind? Da lachen doch die Götter, ruft mein Sitznachbar im Flugzeug vor sich hin. Welch statistischer Fortschritt! Hat Herr Glos in dieser Woche etwas zum Besten gegeben? Nein? Aber unsere Kanzlerin. „Der Aufschwung kommt bei den Menschen an“.

Ach ja, die ins Schleudern geratenen Landesbanken machen wieder Schlagzeilen. Die Verluste der BayernLB weiten sich auch völlig überraschend (VÜ) aus, steht auf der ersten Seite im Finanzteil. Sie braucht jetzt 10 Mrd. Euro statt der bisher geforderten 6,4 Mrd. Moment! Finanzspritzen und Garantien von insgesamt 30 Mrd. Euro sollen das Institut am Leben erhalten, schreibt die FTD. Wer will ei dieser Summe so kleinlich sein? Die Landesbank Hessen-Thüringen spürt auch die Krise. Und die WestLB kassiert die vor wenigen Monaten aufgestellte Prognose wieder ein. Drei Seiten weiter bittet Qimonda das Land Sachsen um jetzt 500 Mio. Bürgschaft. Wer hat noch nicht - wer will und braucht auch noch?

Kaufen! Kaufen! Kaufen! - Kursziel Dausend

....lese ich in den Anlegermagazinen, die kostenlos am Eingang gereicht werden. Irgendwie haben sich die Schlagzeilen seit zehn Jahren nicht geändert. Das ist wie beim Punktestand des DAX in dieser Zeit. Aktien sind immer superbillig. Landet aus Versehen so ein Heft im Papierkorb, den Zyniker auch mit Posteingang beschriften, liest man in der kommenden Woche die gleichen Texte, in denen es von h ä t t e,

w ü r d e, k ö n n t e, und v i e l l e i c h t nur so wimmelt. Billiger als die Kurse sind dann oft nur noch die Argumente. Beim Lesen erfasst mich dann ein Quantum Heiterkeit. Deshalb greife ich gerne nach den Heften mit den reißerischen Prognosen und denke, dass manche Börsengurus die falschen Dinge essen. Sie sollten dringend damit aufhören.

Jetzt scheint die große Diskussion über die smarten Vertreter des Neoliberalismus losgebrochen zu sein. Köstlich! Man schreit nach Deregulierung und Privatisierung, dreht sich einmal im Kreis, beißt sich kurz ins Bein und muss dann das Gegenteil in der Praxis umsetzten. Staatliche Rettungspakete als letzte Möglichkeit haben Hochkonjunktur. Es ist wie in der Modewelt: Alles kommt irgendwann wieder zurück - und geht dann auch wieder, wie diejenigen, die sich den Status eines Gurus zugelegt haben und sich gerne darin sonnen. Manche haben inzwischen eine Portion Realität gefrühstückt, manch anderen ist die rosarote Brille auf der Nase festgewachsen.

Sechs Stunden braucht man von Dubai nach Frankfurt. Auf den 5000 Kilometern schafft man ein paar Kilogramm von dieser bunten Lektüre und steigt dann in Frankfurt mit dem festen Vorsatz aus, mehr nach Büchern zu greifen. Nein, liebe Leser. Der Autor dieser Zeilen hat in den letzten Tagen wirklich nichts verpasst.

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