Heli Ben: Erneutes Nickerchen zum falschen Zeitpunkt?

US-Banken wurden auf dem Höhepunkt der Finanzkrise durch die Steuerzahler nicht nur vor einem Kollaps gerettet, sondern die Fed fährt seitdem munter damit fort, den Instituten Bailout um Bailout zu liefern. Einen großen Beitrag leistet die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank, ohne Rücksicht auf Verluste für die in anderen Bereichen der Märkte entstehenden Kollateralschäden. Und zu diesen Bereichen gehört vor allem der festverzinsliche Sektor. Wenn die Situation hier erst einmal aus dem Ruder läuft, bin ich gespannt, ob man den Ernst der Lage bei der Fed überhaupt erkennen wird. Wer Heli Bens Trackrekord kennt, wird wohl arg ins Zweifeln geraten.

„Bernanke versteht nichts über die Zusammenhänge in der Wirtschaft und der Welt“

In einem am Freitag veröffentlichten Interview erklärte Jim Rogers, dass Bernanke weder etwas über die Zusammenhänge in der Wirtschaft noch in der Welt verstehe. Der Fed-Chef sei einzig und allein versiert im Umgang mit der Notenpresse zur elektronischen Erzeugung frischer Dollareinheiten. Wer sich Bernankes Dissertation über die große Depression in den 1930iger Jahren einmal durchlese, finde darin keinerlei Statements zu Verschuldung, Handel oder Währungskrisen. Einfach deshalb nicht, weil Bernanke von diesen Dingen eben keine Ahnung habe.

Nun gut, ich habe Bernankes Dissertation nicht gelesen und kann aus diesem Grunde keine Aussage zu diesen Feststellungen tätigen. Was ich aber weiß, ist, dass Bernanke noch im November 2006 öffentlich kundtat, dass es keine amerikanische Häuserblase gebe, die Preise genügend Spielraum hätten, um auch zukünftig zu prosperieren, eine bevorstehende Rezession unwahrscheinlich sei und die Arbeitslosenquote die Marke von 7,5% nicht übersteigen werde. Für die Nachwelt sind Heli Bens Aussagen unter anderem in Form eines CNBC-Videos in Stein gemeißelt, auf das ich die Leser an dieser Stelle nochmals verweisen möchte.

2006: „Keine Häuserblase, Spielraum für weiter steigende Preise, bevorstehende Rezession unwahrscheinlich und kein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit“ – so jemand sitzt am größten Gelddruckerhebel der Welt

Lawrence McDonald, Junkbondexperte bei LMG Group, erklärte im Dezember gegenüber CNBC, dass das Nullzinsumfeld immer mehr Investoren dazu verleite, einen Teil ihres Kapitals in Junkbonds zu veranlagen. Schuld sei allein die Fed, da sie Investoren weltweit zu derart riskanten Anlagen zwinge, die immense Risiken für die Stabilität des Weltfinanzsystems in sich bergen. Das Resultat werde verheerend sein. Verkehre sich diese Situation ins Gegenteil, werde das Blutbad entsprechend schrecklich ausfallen. Selbst im Wall Street Journal schrieb Kolumnist Jason Zweig, dass die Entwicklung an den Junkbondmärkten mit einem Knock-out der Anleger enden wird

Mit Blick auf die Aktienmärkte darf man davon ausgehen, dass die aktuellen Bewertungen von vielen Firmen schon wieder jenseits von Gut und Böse sind. Analystenwarnungen vor weiter sinkenden Gewinnergebnissen werden genauso in der momentanen Euphorie überhört wie das rückläufige Wirtschaftswachstum, das in den USA nach wie vor weit unter seinem Potenzialwachstum liegt. Da nutzt es auch wenig, wenn Analysten ihre Erwartungen an die Quartalsergebnisse der Firmen schon derart tief stapeln, dass die Resultate diese Erwartungen eigentlich fast nur noch schlagen können.

Extrem hohe Kapitalzuflüsse in Aktien- und Anlagefonds, die in der letzten Woche fast schon wieder das Niveau aus der bisherigen Rekordwoche zum 9. Oktober 2007 erreichten, mahnen zur Vorsicht. Denn genau dies war der Punkt, an dem die Aktienmärkte damals nur kurze Zeit später begannen, nach unten wegzubrechen. Aber geben wir Helikopter Ben den Credit, sich solange hinter seinen mathematischen Formeln zu verstecken, bis das nächste Feuer an den Märkten ausbricht. So wenig wie Bernanke vor Ausbruch der Finanzkrise wusste, was er tat, genauso wenig weiß er es heute.

Verzerrte und aus dem Zusammenhang gerissene Daten von den US-Häusermärkten

Der aktuelle Jubel über steigende Häuserpreise entbehrt jeder Grundlage, denn Fannie Mae & Co. bringen etwa 50% aller zwangsversteigerten Immobilien nicht an die Märkte, wodurch vielerorts eine künstliche Verknappung der Bestände entsteht. Dies teilte die National Association of Realtors (NAR) im Oktober 2012 mit. Im Bericht zum 2. Quartal 2012 hieß es bei Fannie Mae, nur 23% der 110.000 zurückgenommenen Objekte wieder am Markt anzubieten. Seltsam ist die Preisentwicklung auch, wenn man berücksichtigt, dass die durch Banken vergebenen Hypotheken im Gesamtjahr 2011 erneut um 11% sanken.  Damit ist die Hypothekenkreditvergabe auf das Niveau aus dem Jahr 1995 gefallen.

Der große Nachteil der wirtschaftlichen Zentralplanung durch die Fed besteht darin, dass Bernanke keinerlei Einfluss darauf hat, wohin die durch ihn geschaffene Überschussliquidität tatsächlich fließt. Während Bernanke krampfhaft versucht, die Kreditvergabe im US-Bankensystem wieder anzukurbeln und die Immobilienmärkte zu reflationieren, haben seine QE-Programme vielmehr dazu geführt, die Spekulation an den Rohstoffmärkten, im Agrarsektor und im Energiebereich zu befeuern. Neben realen Negativzinsen auf Spareinlagen sowie risikoresistente Bondinvestitionen ärgert sich der Rest der Bevölkerung in der Folge also auch noch über die Rohstoffseite kommenden Preissteigerungen an der Zapfsäule und im Lebensmittelbereich.

Einmal ganz davon abgesehen, dass ein nicht geringer Teil der massiven Überschussliquidität im amerikanischen Bankensystem die globalen Märkte flutet und somit die Inflation in Teilen Asiens anheizt oder Brasiliens Währung immer höher klettern lässt. Nicht umsonst war Brasiliens Real über die letzten Jahre eine der weltweit am stärksten überbewerteten Währungen. Exporteinbrüche, die eine Einführung von Abwehrmaßnahmen der brasilianischen Regierung zur Folge hatten, schlossen sich daraufhin an. Nicht nur die Kapitalertragssteuer auf Bondanlagen für Auslandsinvestoren wurde in diesem Zuge deutlich erhöht.

Schlimmstenfalls kündigte die brasilianische Regierung auch die Einführung von Kontrollen des Kapitalverkehrs an. Womit wir bei der Feststellung wären, welch „ungewollte“ Nebeneffekte die Geldpolitik der Fed nicht nur zu Hause, sondern in aller Welt auslöst. Vor Ausbruch der Finanzkrise pumpte die Greenspan-Fed die Häuserblase auf, um die zum Millenium geplatzte Blase an den Technologiemärkten zu reflationieren. Diesmal fließt ein großer Teil des Kapitals in Rohstoffe, Junkbonds und einige andere Sektoren, und ich bin davon überzeugt, dass mir viele Leser zustimmen werden, wenn ich behaupte, dass dies sehr böse enden wird.

„Die Leute machen momentan Dinge, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen könnte“

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Kommentare

Skandinavienfan am 11.02.2013 um 17:35 Uhr

Hallo Herr Baudzus,

klasse Artikel und sehr interessante Links - vielen Dank !

Anlässlich der vorletzten großen FED-Geldschwemme zerpflückte Großinvestor Marc Faber wieder einmal auf sehr unterhaltsame Weise die wenig nachhaltige Gelddruckerei der Zentralbanken und die extrem ungleich verteilten Vermögen(sblasen), wie sie demzufolge u.a. auch am US-Häusermarkt sichtbar werden (was statistisch oft erst auf den zweiten oder dritten Blick auffällt):


http://www.bloomberg.com/video/faber-says-fed-policy-will-de stroy-the-world-5WSieqSKQMCCncsYC7HDRA.html
Roman Baudzus am 11.02.2013 um 18:38 Uhr
Lassen Sie sich von den Daten zu den US-Häusermärkten nicht blenden. Neben den zurückgehaltenen Beständen aus Zwangsversteigerungen durch Fannie, Freddie und Co., sorgte auch ein letztes Jahr verabschiedetes Gesetz zu einer Öffnung der Zwangsversteigerungsmärkte für Private Equity Unternehmen für einen temporären Run auf diese Art der Immobilien.

Resultat ist, dass die Geierfonds seitdem so dolle im Sektor mitmischen, dass private Hypothekennehmer selbst im Falle von hohen Anzahlungen nicht mehr konkurrieren können, da die PEQ-Fonds für zwangsversteigerte Objekte volles Cash auf den Tisch legen. Super was? So werden dank Obama-Regierung Normalo-Familien immer stärker aus dem Markt gedrückt, die keine Chance haben dagegen zu konkurrieren.

Natürlich haben die PEQs längst gemerkt, dass sich solche Objekte - etwas aufgehübscht - im jetzigen Umfeld wieder recht gut vermieten lassen und hoffen dabei auf Renditen oberhalb des realen Inflationsniveaus, was aktuell wohl keine Probleme verursacht.

Dieser Faktor nutzt sich jedoch auch irgendwann ab. Berücksichtigt man den restlichen Schmuh glaube ich nicht, dass die Preiserholung an den Häusermärkten wirklich nachhaltig ist und noch länger als vielleicht einige Quartale anhalten wird. Man wird sehen.

Beste Grüße!
Vamonos am 11.02.2013 um 19:33 Uhr
Was soll an dem Junk Bond Chart dramatisch sein? Sieht nicht aus wie ein parabolischer Anstieg oder Fahnenstange.
Skandinavienfan am 12.02.2013 um 09:57 Uhr

@ Roman Baudszus

Genau diesen Umstand hat Marc Faber im letzten Viertel seines erfrischenden Interviews angesprochen und, wie Sie auch, einmal mehr implizit dazu aufgerufen, genau hinter die Fassade dieser wöchentlichen/monatlichen Nominaldaten zu sehen - so wie von kurzem auch das Bankhaus Rott (ist, glaube ich, auch auf CK veröffentlicht worden):

http://www.rottmeyer.de/schau-genau-hin-beim-bau

Beste Grüße !
Roman Baudzus am 12.02.2013 um 17:29 Uhr
@ vamonos: Ist nur der Chart aus den letzten 2 Jahren. Mit Blick auf die letzten 5 Jahre wird die Lage vielleicht deutlicher. Junkbonds haben jeden anderen Sektor outperformed und sind in Bezug auf ihr Risikoprofil mit das Heißeste, was man sich so ins Depotkörbchen legen kann. Weitere Infos aus dem letzten Jahr:

http://www.mutualfundobserver.com/discuss/index.php?p=/discu ssion/3408/and-the-beat-goes-on-junk-bonds-at-all-time-highs-onc e-again/p1

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