Ist Griechenland bald überall?

Etliche Unternehmen stehen am Rande des Bankrotts oder unter den mit zukünftigen Steuergeldern besicherten Rettungsschirmen. Überall fehlt Geld, überall wächst die Sorge vor der Zukunft. Vieles ist aus den Fugen geraten. Unsicherheit bestimmt das Tagesgeschehen und vernebelt den Blick in die Zukunft. Und es beginnt zu brennen in der Welt...

In Athen flammte in der Nacht die Innenstadt auf. Die Unzufriedenheit der jungen Leute (Jugendarbeitslosigkeit 27%) war wohl eher die Ursache für Feuer und Plünderungen als die tödlichen Kugeln aus einer Pistole, denen ein 15-jähriger erlag. Es war der Tropfen, der ein Fass überlaufen ließ mit Bildern, die auch ins Herz von Europa gesendet wurden. Ähnliche Bilder gab es 2005 aus Frankreich, wo Autos brannten und Jugendliche protestierten. Mit den konjunkturellen Problemen, gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen fehlt oft nur ein Funke, und es wird gefährlich.

Hier ein Bericht der Online-Zeitung FAKTuell

Die Explosivität der derzeitigen Situation in Griechenland lässt sich nur verstehen, wenn man den tragischen Tod des Schülers vor dem Hintergrund der aktuellen politischen, ökonomischen und soziologischen Gegenwart Griechenlands betrachtet. Bisher vom Ausland weitgehend unbemerkt ist die Regierungspartei Nea Dimokratia mehr und mehr in eine Krise gestürzt, die den griechischen Staat in seinen Grundfesten erschüttert. Die Regierung Karamanlis hatte 2003 die damals politisch heillos zerstrittene und in mehrere Skandale verwickelte Regierung der sozialistischen PASOK abgelöst. Der Slogan Karamanlis, „????? ??? ???????“ - "Bescheiden und ehrfürchtig" sollte seine Regierung beschreiben. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Griechenlands Staatsschulden sind inzwischen auf fast 95% des BIP geklettert mit der Folge, dass die Rendite einer 10-jährigen Anleihe 172 Basispunkte über einer vergleichbaren deutschen Bundesanleihe schwebt. Der griechische Wirtschafts- und Finanzminister Alogoskoufis muss also für Kredite fast zwei Prozent mehr bezahlen als sein deutscher Kollege, schreibt das Handelsblatt. Der große Aufschlag zeigt zunehmende Zweifel an der Bonität des Staates.

Die derart strapazierten Griechen befinden sich derzeit fast alle am Rand des wirtschaftlichen Ruins. Im Gegensatz zum übrigen Europa gibt es noch keine Signale von der Politik, die auf bessere Zeiten oder wenigstens eine kontrollierte Krise hoffen lassen. Im Gegenteil. Minister Alogoskoufis will eine Kopfsteuer einführen, die selbst Bürger unter der Armutsgrenze trifft. Demnach soll jeder Bürger Steuern zahlen, unabhängig davon ob er irgendwelche Einnahmen hat. Der gleiche Minister, der durch seine Unterschrift unter den Immobiliendeal mit den Mönchen den Staat um eine Milliardensumme geschädigt hat und den Banken einen weiteren Bonus verschafft hat.
Vor diesem Hintergrund, und mit dem Wissen, dass noch keine der für die oben genannten Skandale verantwortlichen Personen zur Rechenschaft gezogen wurde, muss man die bürgerkriegsähnlichen Zustände im heutigen Athen betrachten. Die Griechen haben ihr Vertrauen in Kirche, Regierung und Justiz verloren.( Quelle: Online-Zeitung FAKTuell)

Athen ist der akuellste Fall, wie Menschen ihrem Protest Ausdruck verleihen. Nicht in den Schlagzeilen, aber Ausdruck für Protest ist eine kleine Fabrik in Chicago. 260 Angestellte halten diese seit Freitag besetzt. Sie wurden entlassen, nachdem die Hausbank, die Bank of Amerika, den Geldhahn zugedreht hatte. Laut der Gewerkschaft United Electrical, Radio and Machine Workers of America hat die Bank of America 25 Mrd. USD aus dem Rettungs-Fonds erhalten (laut Finanzministerium sind es nur 15 Milliarden gewesen). Sollten die Stützungsgelder für die Banken nicht dazu dienen, die Kreditvergabe zu erleichtern? So konnten aber Löhne nicht mehr ausbezahlt werden. Die Besetzer wollen jetzt ausharren, bis sie das ihnen Zustehende erhalten, schreibt die NZZ

Diese kleine Fabrik ist wiederum nur ein Beispiel, wie es im Großen aussieht. Der US-Arbeitsmarktbericht vom letzten Freitag meldete den Verlust von offiziell 533.000 Stellen und eine Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 15 Jahren. Offiziell, denn mit einigen Stellschrauben sehen diese 6,7 Prozent noch super aus.

Arbeitslosenzahlen USA

Shadow Government Statistics errechnet die Arbeitslosenzahlen nach statistischen Grundlagen, wie sie 1980 galten und lange Zeit allgemeingültig waren, bis sich einige Statistiker an ihnen zu Schaffen gemacht haben. Nach Berechnungen von SGS liegt die Zahl der Arbeitslosen bei 25,8 Millionen beziehungsweise bei 16,7 Prozent. Auch das Wirtschaftswachstum hat sich seit der Präsidentschaft von Bush eher abgeschwächt, statt verstärkt.

BIP Wachstum USA

Es werden nicht nur Zweifel am Wachstum und den Arbeitsmarktzahlen laut, auch die Statistik zur Inflation ist in Verruf geraten. Offiziell war Inflation nie wirklich vorhanden, doch der Bürger spürte sie.

CPI USA

Die Aussichten für die kommenden Monate sind düster. Binnen vier Wochen kamen über die Nachrichten folgende Pläne zum Stellenabbau. Es sind Beispiele aus den Zeitungen. (ohne die kleine Fabrik aus Chicago)

15.000 Stellen - Deutsche Post, Expressgeschäft USA
5.000 Stellen - Sun Microsystems ( 18% der Belegschaft)
53.000 Stellen – Citigroup ( 20% der Belegschaft)
9.200 Stellen – J.P.Morgan – Tochter Washington Mutual
12.000 Stellen – Telefonriese AT&T (4% der Stellen)
5.000 Stellen - US-Chemiekonzern Dow Chemical
1.400 Stellen - Brauerei Anheuser Busch
1.800 Stellen - Mischkonzern 3M
31.500 Stellen - General Motors bis 2012

Amerika ging es schon mal besser. Es wird enger im Geldbeutel. Jeder zehnte Amerikaner ist inzwischen auf Lebensmittelmarken angewiesen, einer Art Kreditkarte, die nur für Lebensmittel verwendet werden kann. Sobald Bürger im Alter zwischen 16 und 60 Jahre mit dem Haushaltseinkommen abzüglich der Kosten für Miete und Strom nicht mehr auskommen, können sie einen Antrag stellen. Binnen eines Monats kletterte die Zahl der Bedürftigen um 2,1 Mio auf 31,5 Mio. Diese Zahl dürfte auch höher sein, denn seit der Sozialreform 1996 sind nicht nur die illegalen, sondern auch legale Immigranten vom Hilfsprogramm ausgeschlossen.

Lebensmittelkarten Bezieher in Mio.

Wie eine Umfrage der "America´s Research Group" ergab, sind fast 34% der Amerikaner um ihre Stelle besorgt. Vor einem Monat waren es noch 24%. Ganze 3% waren vor einem Jahr in Sorge um ihren Arbeitsplatz.

Amerika ist wiederum nur ein Beispiel, wie schnell es mit einer Expansion vorbei sein kann. Die Regierung in China ist sich der angespannten Lage im eigenen Land wohl bewusst und warnt vor Unruhen. Die Äußerungen des Präsidenten Hu Jintao Anfang Dezember auf einer Sitzung des Kabinetts zeigen, dass auch das Reich der Mitte erhebliche wirtschaftliche und politische Folgen durch die weltweite Konjunkturflaute befürchtet. Entlassungen stehen auf der Tagesordnung, die inzwischen auch zu Ausschreitungen geführt haben.

Am Ende des Jahres 2008 ist die weltweite Party vorbei. Der Aufschwung hat im Gegensatz zu früher die Masse nicht reicher gemacht, auch wenn sie sich zwischendurch vielleicht reicher fühlte. Die Bilanz hat sich auch in diesem Jahr weiter zu Gunsten der Wohlhabenden verschoben. In diesen Dimensionen ist es nicht verwunderlich, wenn hier und dort Begehrlichkeiten aufkommen, vielleicht schon im Jahr 2009.

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