Diese Artikelreihe ist Fortsetzung meiner früheren Beiträge zum bestehenden Geldsystem. Hier finden Sie Teil 1 und Teil 2. Untersucht werden in diesem Aufsatz Vorgänge und Auswirkungen des Sparens im geldtechnischen Sinn.

Beim Anlegen von Geld, - also der Überführung von Geld aus der Geldmenge M1 in die Geldmenge M – M1 - gehen liquide Zahlungsmittel in den Zustand der Nichtverwendung über.

Abb 4: Die Geldmenge M1 mit Hortungsanteil

Die liquide Geldmenge unterteilt sich hierbei in die Mengen Hortungen liquider Mittel und Geld mit Nutzungsabsicht. Doch wird nicht der gesamte Teil der liquiden Geldmenge mit Nutzungsabsicht für Ausgaben in der Realwirtschaft verwendet, sondern auch für spekulative Geschäfte auf den verschiedenen Handelsplattformen: Devisenhandel, Rohstoffspekulation, Daytrades, Optionsscheine (Wetten), etc.. Hierbei handelt es sich um enorme Geldbeträge, die täglich auf der Jagd nach Rendite auf elektronischem Weg rund um den Erdball verschoben werden, ohne jedoch in irgendeiner Weise für Produktivität und sinnvolles Wachstum zu sorgen. 

Grundsätzlich gilt, dass bei jedem dieser Vorgänge, Geld den Besitzer wechselt. Und wesensgemäß gibt es bei diesen Deals natürlich auch immer genauso viele Verlierer wie Gewinner, wobei natürlich die Banken und Handelsplattformen an den Gebühren kontinuierlich mitverdienen. Ging man in früheren Zeiten ins Casino oder zum Buchmacher, um spaßeshalber und wegen des Nervenkitzels auf Pferde oder Boxkämpfer zu wetten, so sitzt man heute vor dem Bildschirm und zockt. Dagegen wäre auch gar nichts einzuwenden, wenn das Ausmaß dieser Transaktionen auf einem vernünftigen Niveau verblieben wäre. Doch sind die Volumen dieser Transaktionen, - die einzig und allein das Ziel haben, aus Geld noch mehr Geld zu machen auf – auf unvorstellbare Summen angestiegen. Allein an den Devisenmärkten werden im Durchschnitt tagtäglich Devisenpaare im Wert von ca. viertausend Milliarden US$ ( 4 Bill. US$) gehandelt, wobei der US$ als meistgehandelte Währung dominiert:

Abb.: 5 Devisenumsatz nach Währungspaaren
Abb. 6: Meistgehandelte Devisen (April 2010)

http://www.forexvergleich.org/fx-trading-info/volumen-devisenhandel/

An den Rohstoffmärkten sind die Handelsvolumina zwar nicht ganz so hoch wie an den Devisenmärkten, aber der Handel und die Zockerei mit Nahrungsmitteln dort ungleich problematischer, wie auf cashkurs.com schon oft von Dirk Müller und anderen Autoren kritisiert wurde.

Die Handelsvolumina an den Aktienbörsen sind hingegen im Vergleich zum Devisen- und Rohstoffhandel als marginal einzustufen. Beispielsweise reicht das jährliche Handelsvolumen der weltweit größten Wertpapierbörse New York Stock Exchange (NYSE) bei weitem nicht an die Umsätze an den Devisen- und Rohstoffmärkten heran. Dem jährlichen Handelsvolumen an der NYSE in Höhe von etwa 20 Billionen US$ (bei 802 Mrd. Stück gehandelten Papieren im Jahr 2008) steht ein Handelsvolumen von ca. 4 Billionen US$ täglich am Devisenmarkt gegenüber. Das jährliche Handelsvolumen an der deutschen Börse beträgt hingegen nur ca. bescheidene 1,4 Billionen US$.

http://devisen-handeln.org/forex-news/finanzmarkt/deutsche-boerse-und-nyse-vorteile-fuer-anleger

Nur am Rande der Vollständigkeit halber: Hier nun die zehn stärksten Jahre der New York Stock Exchange. Die Tabelle listet die Jahre mit den höchsten Handelsvolumina (Stückzählung) aller gehandelten Aktien an der New York Stock Exchange (einschließlich NYSE Arca und NYSE Amex) auf:

http://www.nyxdata.com/nysedata/asp/factbook/viewer_edition.asp?mode=table&key=3003&category=3

Die Geldmenge M1 mit Hortungs- und Spekulationsanteil

Anhand dieser Fakten aus dem realen Geschehen an den Devisen- und Rohstoffmärkten muss festgestellt werden, dass die Geldmenge M1 eine weitere Unterteilung erfahren muss:

Abb. 7: Die Geldmenge M1 mit Hortungs- und Spekulationsanteil

Geld kann der Realwirtschaft also nicht nur durch längerfristige Geldanlagen entzogen werden, sondern eben auch durch beabsichtigte Nichtverwendung (Horten liquider Mittel) oder durch die Verwendung in den zu Spielcasinos verkommenen Devisen- und Rohstoffmärkten.

Somit teilt sich die Geldmenge in verschiedene Bereiche auf und nur ein recht kleiner Anteil des weltweit vorhandenen Geldvermögens wird heute noch für realwirtschaftliche Vorgänge verwendet.

Zur Erinnerung hier noch einmal die Definition der Geldmengen:

Abb. 8: Gegenüberstellung Interbankengeld (M0) und Geldmengen M1 bis M

Die jeweils kleinere Menge ist Bestandteil der übergeordneten Menge:

-

M1 ist in M2 enthalten

-

M2 ist in M3 enthalten

-

M3 ist Bestandteil der gesamten Geldmenge Mmax

-

In M oder Mmax sind Geldmengen enthalten, die nicht M3 zugeordnet werden können (z.B. Bankschuldverschreibungen mit längerer Laufzeit als 2 Jahre)

-

Umlaufendes Bargeld und Giralgeld ist Bestandteil jeder Geldmenge.

Geld muss nicht längerfristig in den Geldmengen M2, M3 und Mmax gespart sein, um seine mögliche realwirtschaftliche Wirkung einzubüßen. Wird das liquide Geld genutzt, um an den großen legalen Spielcasinos eingesetzt zu werden, kann man diese Form der Geldanlage als dynamische Geldhortung definieren.

Der weitaus größte Teil des vorhandenen Geldes steht weder der Realwirtschaft noch dem  Spekulationsbereich zur Verfügung, sondern ist langfristig in den Geldmengen M2, M3 und Mmax gespart. Nur ein verhältnismäßig kleiner Anteil wickelt alle Bezahlvorgänge in der Realwirtschaft und im Spekulationsbereich ab.

Abb 9. Die Geldmenge M und ihre Aufteilung

Laut dem „Global Wealth Report“ der Allianz beträgt das globale Geldvermögen heute in etwa 85 Billionen Euro. Anhand dieser Zahl ist es leicht vorstellbar, was auf der einen Seite passieren würde, wenn dieses Geld tatsächlich in der Realwirtschaft Waren und Dienstleistungen nachfragte und auf der anderen Seite, was mit den Edelmetallpreisen und den Aktienkursen passierte, wenn in Folge einer durch einen schwarzen Schwan ausgelösten, schweren Krise dieses Geld in reale Sachwerte fliehen wollte.

https://www.allianz.com/static-resources/en/press/media/documents/globalwealthreport_de.pdf

Allerdings sollte und muss man auch immer beachten, dass dieses Geld zwar auf der einen Seite Vermögen sind, jedoch auf der anderen Seite Schulden von beispielsweise Banken und Versicherungen darstellen. Es ist also wichtig, sich frühzeitig zu positionieren, bevor sich dieses Geld durch Staats-, Banken- oder Versicherungspleiten in Luft auflösen wird. 

... wird in Teil 4 fortgesetzt.

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Kommentare

Thomas Schilling am 02.08.2011 um 09:50 Uhr
Selbst wenn man eine solche Pleite von Staaten,Bankenoder Versicherungen zulassen würde, würden doch Realwerte stark steigen,weil sich das Geld scheu wie Reh sofort in vermeintlich dann noch sichere Häfen der Realwerte retten würde und somit weitere Staaten, Banken und Versicherungen in denAbgrund reißen würde.
Die Alternative is tdas was wir derzeit in Europa erleben. Wir schütten jedes Problem mit einem Geldberg zu.
Szenario 1: Zulassen von Pleiten und Vernichtung einiger Billiönchen. Die verbleibenden Billionen suchen sich sofort Realwerte,weil keinem Staat,keiner Bank oder Versicherung und auch so mancher stark verschuldeten Firma mehr getraut wird. Obwohl die Geldmenge abnimmt,müßten sich Rohstoffe und wenig verschuldete Firmen außerordentlich gut entwickeln. Im Zweifel erhalten sie die Kaufkraft ?
Szenario2:Wir drucken uns die Welt schön.Sinkende Kaufkraft/ Wert des Geldes. Damit stark steigende Sachwertpreise in der jeweiligen Währung. Mindestens in Höhe der Inflationsrate? Wenn es einen Staat gibt, dem noch getraut wird, müßte dessen Währung stark aufwerten?

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