Spekulanten oder Wassermangel? (Bankhaus Rott)

Sind es „Spekulanten in London“, die für die Anstiege der Preise für Agrargüter sorgten? Oder sind wir allgemein zu viele Menschen und die Äcker und Zisternen ausgequetscht?

Die steigenden Preise an den Agrarmärkten stellen für viele Menschen auf dem Planeten eine existenzielle Bedrohung dar. So dürften viele, von westlichen Politkern gerne mit dem Siegel „Freiheitsbewegung“ versehene Unruhen, eine wichtige Ursache in der schwieriger und teurer werdenden Lebenshaltung haben.

Eines zeigen die Preise, die Menschen bekommen ernste Probleme durch die schwindende Größe und Qualität der weltweiten Ackerflächen. Diese müssen für die Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung ausreichen, während gleichzeitig hie und da die Scholle lieber zur Treibstoffproduktion genutzt wird. Bei einem Blick auf die Importquoten, die verschiedene Länder Nordafrikas aufweisen, darf sich durchaus Nachdenklichkeit einstellen. Zu berücksichtigen ist zudem der deutliche höhere Anteil an den gesamten regelmäßigen Ausgaben, die für Lebensmittel anfallen.

Während in vielen westlichen Ländern, der Ausgaben für Auto und Treibstoff bei weitem über den Ausgaben für Essen und Trinken liegt, geben in weiten Teilen des Planeten viele Menschen oft 75% ihrer Einnahmen oder mehr für Lebensmittel aus. Ein Anstieg der Preise schlägt rasch und hart auf die Lebenssituation der Menschen durch. Das kürzlich in den Fokus gerückte Ägypten schneidet diesbezüglich im direkten Vergleich noch relativ gut ab.

Sieht man einmal von der ohnehin oft brutalen Volatilität an den Rohstoff-Terminmärkten ab, so ist der Blick auf die längerfristigen Zeitreihen erschreckend. Im Grunde sieht es so aus, als hätten die Preise schlichtweg eine dekadenlange breite Seitwärtsphase signifikant nach oben verlassen. Führt man sich die Dauer der seitwärts laufenden Preise vor Augen, so dürfte sich hier eine Menge Potenzial aufgestaut haben.

Um es mit James Rogers zu sagen: „Agrarrohstoffe sind zu billig“. Dieser Satz wird gerne herangezogen, um den oft polternd daherkommenden Mann zu diskreditieren (was ihn freilich wenig stören dürfte). Dabei ist die Kernaussage nicht falsch. Rogers sieht die Dinge marktwirtschaftlich und weiß, dass es nicht ausreicht, wenn einige Idealisten mit viel Einsatz im Agrargewerbe arbeiten. Er weiß um die nötige finanzielle Attraktivität, die den entsprechenden Jobs abgeht. Klar, es ist wesentlich einfacher, für ein sechsstelliges Salär tagsüber im trockenen Hochhaus über Bloomberg ein paar Anleihen zu handeln, als sich um den Acker oder die Tiere kümmern zu müssen und so gerade eben über die Runden zu kommen.

Die fundamentale Lage deutet darauf hin, dass die Preise für Agrargüter nachfragebedingt angezogen haben. Eine absichtliche Schwächung der Währung ist in diesem Zusammenhang natürlich wenig hilfreich. Sondereffekte, wie der 40%ige Einbruch der russischen Ernte tragen zu einer Verschärfung des laufendenden Trends bei, was wiederum Investoren anzieht. Ein besonders kritischer Punkt ist die Wasserversorgung in den Anbaugebieten. Es ist nicht so, dass es dort, wo Getreide angebaut und benötigt wird, überhaupt kein Wasser gibt. Allerdings wird auf Grund des Druckes, mehr zu produzieren, die Wasserreserven deutlich schneller angezapft werden, als sie sich wieder auffüllen können. Von Nachhaltigkeit kann hier nicht einmal im Ansatz die Rede sein. Eines der traurigsten Kapitel in dieser Geschichte ist der Ausbau des Baumwollanbaus an den Zuflüssen des Aralsees in Zentralasien. Durch den Ausbau der Bewirtschaftung und die Schaffung gigantischer Bewässerungsnetze gelang es zwar, die Produktion nach oben zu fahren. Den See hat es dabei aber erwischt, die ökologischen Folgen sind dramatisch. Für dieses Phänomen, Wasserquellen zu sehr zu beanspruchen, gibt es in der englischen Sprachwelt den Begriff overpumping.

Viele Staaten in trockenen Regionen der Erde haben durch dieses Ausquetschen der Reservoirs eine ganze Weile lang ihre Produktion über dem nachhaltig möglichen Niveau gehalten. Nur ein Beispiel für diese Vorgehensweise ist Saudi Arabien. Wie die unten stehende Grafik zeigt, ist ein deartiges Prozedere latent instabil, so dass es zu raschen Einbrüchen bei der Produktion kommen kann. Ein Blick auf die Skala verdeutlicht die katastrophalen Ausmaße der Kontraktion.

Die Saudis wurden unabhängig von Weizenimporten, als im Land ein nicht wieder auffüllbares, geschlossenes Wasserreservoir angezapft wurde. Im Jahre 2008 wurde bekannt gegeben, dieser Vorrat sei annähernd erschöpft. Wenn die Produktion weiter sinkt kann das Land bereits in wenigen Jahren vollkommen von Weizenimporten abhängig sein. Keine schönen Aussichten bei einer Bevölkerung von immerhin 30 Millionen Menschen.

Die Ursachen der Versorgungsprobleme sind nicht neu. Hier eine kurze Auswahl:

  • Das Angebot an Anbauflächen ist nicht unbegrenzt steigerungsfähig
  • Verringerung von Ackerflächen und Bodenqualität, Versandung, Erosion
  • Nicht nachhaltiger Wassereinsatz, sinkende Wasserspiegel
  • Abschwächendes Wachstum bei den Erträgen pro Flächeneinheit
  • Steigende Nachfrage
  • Wachsende Weltbevölkerung
  • Climbing up the food chain“ – Menschen essen mehr Fleisch, was für einen überproportionalen Anstieg des Getreidebedarfs sorgt
  • Treibstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen: Konkurrenz bei den Agrarflächen

Auch in China wachsen die Sorgen um die Versorgung der Bevölkerung. Die voranschreitende Versiegelung von Flächen und eine brachiale Industrialisierung mit allen ökologischen Nebenwirkungen führte zu wachsenden Abhängigkeiten.

Auch in China wachsen die Sorgen um die Versorgung der Bevölkerung. Die voranschreitende Versiegelung von Flächen und eine brachiale Industrialisierung mit allen ökologischen Nebenwirkungen führte zu wachsenden Abhängigkeiten…

Erze kann man über Jahre nach China schiffen und auf Halde liegen lassen, bis man sie benötigt. Mit Mais geht das nicht, so dass auch die Verträge mit ausländischen Farmern zwar von der Grundidee clever sind, im Notfall aber nichts bringen werden. Wenn weltweit das Getreide knapp wird, wird das Vertragsrecht sicher von der einen oder anderen Partei etwas lockerer gesehen.

Bei den Sojabohnen ist die Entwicklung von Erträgen und Verbrauch ebenso faszinierend wie erschreckend.

In nur 15 Jahren wurde aus einem Selbstversorger mit Sojabohnen ein Land, das rund 75% der benötigten Hülsenfrüchte aus dem Ausland einführen muss. Auch bei anderen Getreidearten ist China schon Nettoimporteur geworden oder ist auf dem besten Wege dahin. Wie weit lässt sich dieser Bogen spannen?

Derweil sind die Weizenlager weltweit nicht mehr so üppig gefüllt wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Die Annahme, die Preise stiegen einfach nur so aus Spaß, greift deutlich zu kurz. So schön an den nachwachsenden Rohstoffen die schlichte Tatsache ist, dass sie eben Jahr für Jahr nachwachsen, so schwierig ist eine dauerhafte Lagerung nennenswerter Mengen. Erze können – genügend Platz vorausgesetzt – quasi unbegrenzte Zeit vorgehalten werden ohne Qualitätseinbussen oder gar einen Totalverlust befürchten zu müssen. Bei Mais, Weizen, Reis und Co sieht das schon anders aus. Die aktuellen Lagerbestände umfassen in der globalen Betrachtung derzeit einen Vorrat von 60 Tagesrationen. Wie die Qualität dieser Reserven ist, und ob diese Zahl zu optimistisch ist, lässt sich schwer beurteilen. Sollte allerdings ein ernster Zugriff auf die Reserven erfolgen, so werden sich die Preise am Weltmarkt nicht auf Grund irgendwelcher Spekulanten bewegen, sondern schlicht weil es zu einem Kampf um knappe Ressourcen kommt.

Beim Anblick auf den oben dargestellten Chart möchten wir uns eine Dürre in den Hauptanbaugebieten in den USA oder auch eine gefährliche Pflanzenkrankheit nicht vorstellen. Schon ein einziges Jahr mit einer deutlich reduzierten Ernte würde für üble Verwerfungen sorgen – sowohl preislich als auch politisch.

Die wachsende weltweite Konkurrenz ist bei Agrargütern untrennbar mit den Anbauflächen verbunden. Das Endprodukt ist transportabel, der Acker ist es nicht. Als Argument, warum die künftige Versorgung der Weltbevölkerung unproblematisch sein sollte, ist die stetig steigende Rendite, also der Ertrag pro Hektar. Wir halten es für fraglich, ob sich eine historische Steigerung der Erträge einfach in die Zukunft übertragen lässt. Die Erträge beim Weizen sind laut UN Ernährungsbehörde zwischen 1992 und 2002 weltweit um jährlich 1,1% angestiegen. Positive Beiträge resultieren aus verbesserten Anbautechniken, Einsatz von Maschinen und einer Optimierung des Düngereinsatzes. Negative Faktoren sind unter anderem eine Verschlechterung der Bodenqualität.

Der Anstieg der Erträge pro Flächeneinheit zeigt laut UN FAO ein schwaches aber stetiges Wachstum. Auf den ersten Blick klingt dies positiv, die Sache hat aber einen Haken. Die Flächen, auf denen überhaupt Ernten eingefahren werden können, schrumpfen weltweit. Viele dieser Flächen werden auf absehbare Zeit nicht mehr für den Anbau zur Verfügung stehen. Ein bisschen erinnern die Statistiken zu den pro Flächeneinheit erwirtschafteten Feldfrüchten an die Daten zum US Einzelhandel. Die Geschäfte, die nicht pleite sind, wachsen. Die Läden, die verschwinden und somit einen Umsatz von Null haben, kommen in der Statistik nicht mehr vor. So ensteht der Eindruck von Wachstum, das in der Realität nicht existiert. Das soll keine Kritik an den Daten der UN FAO sein, es soll nur sensibiliert werden, bestimmte Daten nicht isoliert zu betrachten. Auf diesen wichtigen Punkt weist die Behörde in ihren Veröffentlichung übrigens deutlich hin.

Wollen wir nun einen Blick auf die Tendenzen bei den landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auf dem Globus werfen. Aufschlussreich sind diese Statistiken vor allem in der pro-Kopf Betrachtung, die das Bevölkerungswachstum in die Betrachtung einbezieht.

Die Entwicklung in Ländern mit starkem Bevölkerungswachstum ist naturgemäß beeindruckend. Ein weiteres Problem in Ländern mit starkem Wirtschaftswachstum, wachsender Bevölkerung und im Mittel noch vergleichsweise niedrigem Lebensstandard ist das bereits oben erwähnte climbing up the food chain. Menschen essen – nicht böse sein, liebe Vegetarier – im Mittel mehr Fleisch. Die Produktion erfordert wesentlich mehr Agrargüter als Futtermittel, als dies bei pflanzlicher Ernährung der Fall ist. Dies sorgt für eine Verschärfung der Angebots- und Nachfragesituation mit den unausweichlichen Dynamiken bei den Preisen.

Wenn Politiker bei öffentlichem Unmut nun Spekulanten geißeln und von Preiskontrollen schwafeln festigt dies nur die strukturellen Probleme. Ein gesunder Agrarsektor braucht die entsprechenden Preise. Wenn es sich nicht lohnt, Agrargüter herzustellen, weil man damit zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel verdient, warum sollten Menschen sich in diesem Sektor versuchen?

Für so genannte Repräsentanten aber mag dies zu kompliziert sein. Vor gar nicht langer Zeit schafften es einige von ihnen sogar in den Medien am gleichen Tag gegen zu hohe Butter und zu niedrige Milchpreise zu wettern. Wer weiß, vielleicht wird zukünftig der Butterpreis von der Bundesagentur für Streichfette auf einen Pfundpreis von €0,34 festgelegt. Die zu ebenfalls neu zu schaffende Kommission für Milchpreise des Deutschen Bundestages wird im gleichen Zug den Milchpreis für Verkäufer auf €1,30 und für Käufer auf €0,20 festlegen. Basta! Die Differenz wird einfach über eine neu zu schaffende Steuer finanziert, gegebenenfalls finanziert man das Loch auch über Schulden, die ja heute Sondervermögen heißen. Wie wäre es mit Sondervermögen zur Förderung der Agrar- und Kulturlandschaften in der Bundesdeutschen Milchwirtschaft. Das sollte schwachsinnig genug sein, um gute Chancen zu haben, irgendwann Realität zu werden.

Ob es nun erlaubt sein sollte, mit Termingeschäften auf Rohstoffe zu handeln? Keine einfache Frage, denn die Rolle des Terminhandels ist schon wegen der gebotenen Liquidität im Handel nicht zu unterschätzen. Vielleicht gibt es aber einfache Regelungen, die nicht nur an den Futuresmärkten sofort umgesetzt werden könnten. Diese könnten implementiert werden, ohne dem Markt zu schaden und durch Illiquidität erst recht massive Preisbewegungen zu fördern. Klare Positionslimite, Anhebung der teils aberwitzig geringen Margins für reine Handelshäuser und eine Abschaffung des im Rahmen des Algo-Tradings ablaufenden ultrakurzfristigen Tradings wären sofort umsetzbar und ständen nicht im Verdacht, der Einführung der Planwirtschaft den Weg zu bereiten. Letztere findet sich derzeit ohnehin eher im Rahmen der Bankensubventionierung und der aktuellen Politik zahlreicher Zentralbanken. Kritik aus dieser Branche muss daher nicht so ernst genommen werden.

Ob die Welt unbedingt Mais- oder Schweine ETFs braucht darf ebenfalls bezweifelt werden. So genannte Repräsentanten, die sagen, der „Bürger kann sich über diese Produkte gegen die Inflation absichern“, sollten sich lieber primär um die Auswüchse der Geldpolitik kümmern. Inflationäre Tendenzen werden nicht von Außerirdischen auf die Erde gebracht. Es ist ohnehin kaum zu ertragen, wie teilweise fachlich offenbar völlig unkundige Personen in unwürdigen Auftritten gleichzeitig die Politik von Fed und EZB lobpreisen und simultan über Preisanstiege und Spekulation wettern. Das muss man erst einmal in einem einzigen Satz zustande bringen.

Gegen die Kräfte von Angebot und Nachfrage ist – im wahrsten Sinne des Wortes – kein Kraut gewachsen. Etwaige politisch motivierte und oft überstürzt abgesegnete Preiseingriffe heilen das Problem nicht. Sie führen in die Irre und wirken wie Valium – mir ist schlecht aber das ist mir egal. Angesichts des Verhaltens der großen Vorsitzenden bei der Finanzkrise möchte man sich lieber nicht ausmalen, was bei einer deutlichen Verschärfung der Lage an den Lebensmittelmärkten so alles verkündet würde. So leicht wie mit den Banken wird es mit dem Magen aber nicht. Geld kann man drucken und die Folgen von heute auf morgen verschieben. Bei einer Kartoffel sieht das schon ganz anders aus.

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Kommentare

Hans Brandt am 03.03.2011 um 14:43 Uhr
Liebes Bankhaus,

Danke für diesen weiteren ausführlichen und tiefen Artikel. Ich habe dennoch ein paar Punkte.

1) Ich finde es repräsentativ für unsere gesamte Rasse ein wenig beschämend, dass wir es nicht schaffen, bei all dem technischen Fortschritt und individuellen Genius eine nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen.

2) Wieso wird Luft nicht am Terminmarkt gehandelt? Wieso wird Wasser nicht gehandelt? Würde es bei der nötigen Knappheit einen Handel rechtfertigen?

3) Warum hat es die Menschheit Jahrtausendelang geschafft, doch irgendwie satt zu werden und steht nun vor scheinbar wirklich sehr ernst zu nehmenden Problemen?

4) Wieso kam es DANK der Finanzkrise plötzlich zu viel erträglicheren Rohstoffpreisen?

5) Diverse Autoren und Intellektuelle behaupten, dass der berühmte "ökologische Fingerabdruck" gar nicht so groß ist und unser Planet bei intelligentem Management es locker hergäbe, alle satt zu bekommen. Das stünde im krassen Kontrast zur heutigen Realität.

--> Irgendwo läuft etwas gehörig schief.

Das permanente Profitstreben in unserer Wirtschaftsordnung kann nicht der Heilsbringer der Menschheit sein, auch wenn es meinetwegen isoliert betrachtet effizient ist und unternehmerische Kreativität schürt. Ich habe als Mensch das Bedürfnis zu atmen. Wenn diese Luft nur endlich knapp genug wäre, könnte sich irgendein Weltkonzern dieses Bedürfnis zunutze machen und schön - und legitim - daran verdienen. Dabei will ich nur atmen. Und ab und an essen, wie alle anderen auch. Wir sollten uns daher zusammenreißen und aus Respekt vor uns selbst dafür sorgen, alle satt zu bekommen, ohne Profite, ohne Terminmärkte. Ich denke nicht, dass es an der Technik oder den Ressourcen scheitert!

Was meinen Sie dazu, liebes Bankhaus?
Udo Peter am 03.03.2011 um 16:14 Uhr
Toller und sehr aufschlussreicher Artikel! Alles drin und dran. ;-)

Ausser, dass ich vielleicht noch auf einen ebenfalls sehr guten Artikel verweisen möchte, da er den (übermässigen) Fleischkonsum in den westlichen (Industrie)Nationen thematisiert und die damit verbundene Doppelmoral aufzeigt.
Anscheinend werden inzwischen 1/3 der weltweiten Getreideproduktion als Tierfutter verwendet...
Muss das wirklich sein?? hier der Link:

http://www.wissensmanufaktur.net/stellungnahme-zur-herrschen den-doppelmoral
Brunello am 03.03.2011 um 17:10 Uhr
Wow, wirklich ein super geschriebener Artikel. Bleibt abzuwarten welches "Valium" uns verschrieben wird, damit wir in schlechten Zeiten still halten. Allerdings lehrt uns die Geschichte, dass dann ja die Beruhigungspille nicht wirkt und radikale Ansätze zum Vorschein kommen.

Vielen Dank für den sehr gelungenen Artikel!

Brunello (auch ein gutes Valium ;-))
Fluor B. am 03.03.2011 um 17:28 Uhr
Angst vor Überbevölkerung!
Wirklich?

Wir werden täglich von allen Seiten mit Desinfo förmlich penetriert.

Da kann bei jedem von uns schon mal was hägenbleiben von dem Mist.

So wie z.B. das Märchen von der
angeblichen Überbevölkerung und der
Angst, die dadurch hervorgerufen werden soll.

Oliver Janich geht in seinem Buch
"Das Kapitalismus-Komplott"
auch auf diese Lüge der Eliten ein.

Ausführlich und nachvollziehbar weist er nach, daß wenn die gesamte
Menschheit von derzeit 7 Milliarden
mit einer Bevölkerungsdichte wie in München leben würde und dazu mit allen nötigen Flächen für Industrie und Landwirtschaft, die erforderlich
wären, damit alle Menschen die derzeitige Versorgungslage der
westlichen Länder hätten, bräuchte es den Platz von
halb Australien.

Die andere Hälfte Australiens und die gesamte Erde wäre komplett
menschenleer.

Das soll nicht heißen, daß Sie nach Australien umziehen sollen.
Es geht darum, sich eine Vorstellung von Dimensionen zu ermöglichen.

Der Nachweis der dafür erforderlichen Ackerböden in der weltweiten Betrachtung wird ebenso geführt, wie zu vielen weiteren damit in Verbindung stehenden Aspekten.

Ein Beispiel Energie:

Wenn der breiten Masse bekannt wird,
daß Erdöl ein nicht endender Rohstoff, eine sich immer wieder im Carbonatgestein der Erdkruste unter entsprechendem Druck neu bildende Kohlenwasserstoffverbindung ist und
wir weltweit auf diesem Zeug schwimmen und das CO² ein Pflanzendünger ist ohne Einfluss auf unser Klima, ist es vorbei mit Apothekenpreisen.

Wer will dann noch E10, den überteuerten Lebensmittelvernichter-Treibstoff,
mit dem Sie einen ca. 10% höheren Verbrauch im Vergleich zu ungepanschtem
Superbenzin haben und dessen
Ethanolgehalt an der Lebensdauer Ihres Fahrzeuges knabbert?

Falls Sie an den Fakten dazu in Buchform interessiert sind,
können Sie die kurze Wartezeit bis zur Lieferung
hiermit überbrücken:

Ein kleiner Filmbeitrag zum Thema Erdöl.
Öl - und doch kein Ende (Teil 1 von 3)
http://www.youtube.com/watch?v=lQKAcJu62Rs

Ein kleiner Filmbeitrag zum Klimaschwindel:
http://www.youtube.com/watch?v=88ss-Dt2C8c

Viele Grüße, Fluor B.
bankhaus rott am 03.03.2011 um 19:26 Uhr
Hallo zusammen!

@Hans Brandt

Besonders interessant ist der von Ihnen angesprochene vierte Punkt, daher nur kurz zu den ersten drei Fragen.

Zu 1) Ja, das ist beschämend.

Zu 2) Gute Frage! Vielleicht haben amerikanische Investmentbanken so lange gewartet, bis Apple einen Luftverbrauchsmesser zum auf dem Kopf tragen baut, für den die Menschen auch noch freiwillig bezahlen (AirFlat mit dem iBreathe)

Zu 3) So richtig hat es mit dem Sattwerden ja leider nicht geklappt, es gab regelmäßig Hungersnöte und oft dauerhafte Versorgungsprobleme. Vielleicht ist ja ein Historiker unter unseren Lesern, der hierzu etwas interessantes weiß.

Punkt vier, also warum es in der ersten akuten Phase der Finanzkrise zu sinkenden Rohstoffpreisen kam. Zunächst scheint der Kursverfall bei den Rohstoffen die These zu stützen, dass die Märkte allein von Finanzinstituten in die Höhe getrieben wurden. Hier müssen allerdings die Preise an den Terminmärkten von denen am Spotmarkt unterschieden werden. An den Terminmärkten können sich starke Preisbewegungen kurzfristig selbst verstärken, da Verluste für die Zwangsliquidierung weiterer Positionen sorgen kann. Das geschieht deshalb, weil nicht die gesamten Beträge, die eigentlich bewegt werden, als Sicherheit (Margin) hinterlegt werden müssen, sondern nur ein relativ kleiner Anteil. Bei starken Bewegungen kommt es also zu Verkäufen von Positionen, die der Betroffene eigentlich lieber behalten hätte. Kann er aber nicht, da er pleite ist bzw. seine Sicherheiten aufgebraucht wurden.

Am Spotmarkt kann es zu Preiseinbrüchen kommen, wenn den Kunden rasch und massiv die Liquidität ausgeht, sie also gar nicht als Nachfrager auftreten können. Auch dies ist durch den Stop von Kreditzusagen in den ersten Jahren der Krise der Fall gewesen. In diesem Falle müssen die Anbieter ihre Waren billiger losschlagen, da auch sie liquide Mittel brauchen.

Zu 5) Das ist gut möglich.

Beste Grüße an die versammelte Leserschaft,
Bankhaus Rott
Manfredo am 03.03.2011 um 19:49 Uhr
Betr. "Kommission für Milchpreise": In der DDR bekam ein Gärtner für seine Tomaten sagen wir 2 Mark pro Kilo.. Sie wurden abends abgeholt und lagen am nachsten Morgen für sagen wir 1 Mark im HO-Laden. Was tat der kluge Gärtner? Er schickte einen LKW los, sammelte die Tomaten gegen Barzahlung ein und stellte sie abends wieder an den Straßenrand. Das ließ sich bei gutem Gewinn einige Male wiederholen.
So würde es auch mit der Milch gehn. Man kann sich das nicht vorstellen, aber nichts ist bei den deutschen lund EU-Verordnern unmöglich.
nameistweg am 03.03.2011 um 20:48 Uhr
Hallo,
interessanter Beitrag. Schön wäre jetzt noch eine ergänzende Darstellung nämlich die Bevölkerungsentwicklung als Graphik.
Viele Grüße
Ameeon am 04.03.2011 um 15:18 Uhr
@ Hand Brandt

Es gibt viel zu wenige Rohstoffe um 7 Milliarden Menschen ein Leben unter unseren, westlichen Wohlstandsverhältnissen zu ermöglichen. Offenbar wollen aber alle:

- Fleisch essen
- ein Auto fahren
- ein eigenes Haus mit Grundstück (womöglich ein Pool)
- die neuesten technischen Geräte
- immer wieder neue Kleidung & Schuhe
usw. usw.

Das ist nicht drinnen, weil die Ressourcen der Erde begrenzt sind. Um ehrlich zu sein, Sie und ich, wir sind ziemlich privilegiert. Die Industrienationen sind sehr privelegiert und haben ihren Wohlstand nicht selten auf der Ausbeutung von Entwicklungsländern begründet (vgl. Kolonialismus). Noch heute werden diese Länder von den Konzernen ausgebeutet und die Konsumenten bei uns frohlocken, weil sie möglichst billig und viel kaufen können. Nehmen wir Schokolade. In fast jeder Schokolade steckt Kinderarbeit (Sklavenarbeit ohne Entgelt). Wer achtet beim Kauf darauf? http://www.youtube.com/watch?v=7OETunSFgsQ

Die einen (Unternehmen) wollen verdienen und die anderen (Konsumenten) möglichst wenig ausgeben. Wir alle (auch Sie und ich) müssen also unser Denken und unser Verhalten ändern.
Marek am 04.03.2011 um 15:41 Uhr
Hier aus meiner Sicht Antworten an die von Herrn Brandt gestellten Fragen:
1) Kein Problem. Und ... kein Wille dazu ;-)
2) Bereits wird ! Wasser wird schon heute überall in Plastikflaschen verkauft und das Leitungswasser in Ihrer Wohnung ist auch nicht um sonst, oder ? Und Luft verkauft man schon auch, nur habe ich jetzt vergessen im welchen Land waren diese "Luft-Bars" Japan ? China ? Hmmm, weiss ich nicht mehr. Denkt an die ganzen Luftfilter in Luxusautos usw....wird irgendwann kommen. Und wer zahlt die CO2 Steuer ? Alle.
3) Menschheit war nie satt.
4) Verstehe nicht.
5) Siehe Thomas Robert Malthus in Wiki.


Oliver Meinecke am 04.03.2011 um 19:19 Uhr
Ich fühle mich leider bei den ganzen Problemen auf dieser Welt - Gott sei Dank gibt es nicht nur Probleme - immer wieder an Hollywood erinnert, das obwohl reine Fiction uns doch die Wahrheit vorführt:

Arnold Schwarzenegger in Terminator 2 (als Maschine T800) zu dem Jungen John Connor:
... es liegt in Eurer Natur (der des Menschen) Euch selbst zu vernichten

Agent Smith in dem ersten Teil der Matrix zu Neo (nicht zitiert, aber sinngemäß):
Ich kam zu einer interessanten Enddeckung seitdem ich in der Matrix bin. Jedes Individuum auf diesem Planeten entwickelt instinktiv ein ausgewogenes Verhältnis zu seiner Umwelt in der es lebt. Der Mensch tut das nicht. Er breitet sich aus und zerstört... es gibt noch ein Individuum auf diesem Planeten was genauso verfährt... DAS VIRUS....

Hollywood-Zitate sind manchmal erschreckend... was einige von uns Menschen begriffen haben, aber leider nicht alle, wir können nicht (jedenfalls die meisten) von diesem Planeten runter...

Anderes Szenario in der Realität (Hannover):
Ich fahre gerne Bahn (wohne eigentlich nicht in Hannover, arbeite aber dort, komme aus Bad Hersfelder Umgebung), jedenfalls sehe ich in Hannover - ich denke in jeder anderen Stadt sieht man dies auch - AUTOS... Und wen wundert es, in den meisten Autos sitzt ein einzelner Mensch (der Fahrer), und dies obwohl Hannover inklusiver der Randbereiche ein sehr gutes öffentliches Verkehrsnetz besitzt.

Zu Hause wo ich wohne haben wir das nicht, wir haben zwei Autos, meines ist ein Geschäftswagen, und eine Aussage (ich danke ihnen hiermit Herr Müller) hat mich inspiriert den Wagen zu verkaufen, weil wirklich brauchen tue ich ihn nicht. Die wirklich langen Strecken fahre ich mit der Bahn, auch wenn die nun mal gerade wieder mit dem Streik drohen...
(Anmerkung: es handelt sich hierbei um die Aussage wo sie ein Anleger hier im Forum gefragt hat, ob er eine Aktie die schon am Abstieg ist halten, oder verkaufen soll. Sie haben entsprechend geantwortet sinngemäss: Überlegen Sie wenn Sie jetzt vor der Wahl stehen die Aktie zu kaufen... - Auf mich gemünzt, würde ich nun vor der Wahl stehen mir ein Auto zu kaufen würde ich diese Antwort mit NEIN bewerten).
Christian Z. am 05.03.2011 um 10:20 Uhr
Eine sehr schöne Darstelltung.

Zu dem Beispiel mit Milch und Butter möchte ich aber noch erwähnen:

Natürlich ist es schon schlimm genug, dass so wiedersprüchliche Argumentationen in einem Satz gebracht werden. Aber es sind immer noch viel zu viele Menschen in diesem Land, die das einfach akzeptieren, weil es so toll klingt. Es geht nicht mehr darum, Nachzudenken und unsere Zukunft zu gestalten, viele wollen einfach nur jetzt ihr persönliches Luxusleben (und mit Luxus meine ich den heutigen Durchschnittsdeutschen, denn wenn wir weiter so viele Rohstoffe verschwenden, dann werden wir sehr nostalgisch an die Zeiten zurückdenken, als die Hartz IV-Regelung noch galt).

Der langen Rede kurzer Sinn: Allen ist bewusst, dass unsere Pläne für die Zukunft widersprüchlich und gefährlich sind. Trotzdem wählt man am Ende die geringen Preise heute, statt realistische Preise zu akzeptieren und in Zukunft auch noch ein amgenehmes Leben zu haben---
tinos am 06.03.2011 um 20:31 Uhr
Sehr guter Artikel,
Die Agrarpreise steigen nicht, sie verhalten sich nur ganz normal in einem Äquivalenzgleichgewicht zu den wirklichen Währungen Gold und Erdöl. Vom reinen Brennwert her betrachtet waren Lebensmittel noch nie so günstig wie im Moment im Vergleich zu fossilen Rohstoffen.
Gut wenn die Preise weiterhin auf diesem Niveau oder höher bleiben, dadurch fallen viele Biogas oder Ethanolflächen wieder der Lebensmittelproduktion zu.

Es gibt ausreichend Ackerflächen, z. B. war das frühere Rhodesien in der Lage das gesamte südliche Afrika mit Lebensmitteln zu versorgen, in der Ukraine liegen immer noch marktferne Schwarzerdeböden brach, usw usw
Fleisch ist viel zu billig, solange Schwein- und Huehnfleisch als direkte Nahrungskonkurrenten des Menschen um den Faktor 3 günstiger sind als Rind schaf ziege, ist das System eh noch ziemlich krank.
Gruß eines biobauern.
Hans Brandt am 08.03.2011 um 19:23 Uhr
Liebes Bankhaus,
Liebe Gemeinde,

Vielen Dank für die hochwertige Debatte und die vielen klugen Antworten.

@Bankhaus:
Spricht absolut für Sie, dass Sie sich die Zeit nehmen und mitdiskutieren. Damit haben Sie mehr Rückgrat als sämtliche heutige Politiker und beweisen Fachkenntnis, da Sie sich ja nicht verplaudern/verheddern können (im Gegensatz zu sämtlichen Politikern). Die Tagesschau zitiert Politiker nach wie vor gerne als die Überbringer der Wahrheit bzw. der frohen Botschaft. Heute: E10.

Zu 2: Vor allem die "Airflat" mit dem "iBreathe" ist doch ein nettes Zukunftsszenario! Worauf ich hinaus wollte: Dinge müssen scheinbar knapp sein, damit wir sie per Profit handeln oder vermarkten können. Künstliche Lebensmittelknappheit sorgt für höhere Profite, eine rein technische Angelegenheit. Dass dabei Millionen verhungern, nehmen wir in Kauf. Wieso regt sich denn noch jemand über den Holocaust auf, wenn die große Mehrheit auf diesem Planeten täglich ums Überleben kämpft und letztlich nur am Design unserer Weltgesellschaft (Politik + Wirtschaft) scheitert?

Zu 4: Jepp, vielen Dank. Beweist dennoch, dass der Hunger der Welt mit den Launen am Handelsparkett korreliert, was an sich ziemlich hart ist. Eigentlich habe ich meine Fragen als rhetorische Fragen formuliert, bin selbst Journalist und Trader. Weil ich Sie jedoch besonders schätze, liebes Bankhaus, habe ich mich, natürlich ebenso pseudonymisiert, aus der Deckung gewagt. Daran scheitert ja die Diskussion nicht.

@Marek
Zu 5: Ja, die politische Ökonomie ist ein dankbares Forschungsthema. Wir Deutschen stellen mit Friedrich List einen wichtigen Vertreter. Diese Herren hatten in vielerlei Hinsicht Recht bzw. das Wohl der Bevölkerung im Blick. Kein Wunder, dass sie keiner mehr kennt und der Ansatz gescheitert ist. Immer wieder erschreckend zu sehen, dass viele Lösungen zu den scheinbar unüberwindbaren Problemen der Gegenwart in der Vergangenheit zu finden sind.

@alle
Wir sollten ein Cashkurs-Lesertreffen machen! Bis dahin wünsche ich Euch das Beste. Freut mich, dass es irgendwo noch vereinzelt Menschen gibt, die ein bisschen mitdenken.

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