Es scheint neu zu sein, dass im Verkehrsfunk von Staus rings um Badeseen um Frankfurt berichtet wird. Die Leute bleiben in diesem Jahr offenbar lieber zu Hause auf Balkonien oder am örtlichen Badeteich. Und so zog es mich in die Ferne, um meinen Urlaub auf Mallorca zu verbringen, im Gepäck ein paar Impressionen von einer Insel, auf der Häuser, Preise, Urlaubszahlen und die Dummheit   permanent wuchsen. Es war einmal...

Früher war hier mehr los, waren meine ersten Gedanken, als ich auf dem Flughafen in Palma auf das Gepäck wartete. Dem Nachbarn am Kofferband fiel das auch auf. Vielleicht sind ein paar mehr Leute wegen der sogenannten Schweinegrippe der Insel fern geblieben.

Im Fernsehen sah man neulich noch so viele Touristen, die sich mit einer Gesichtsmaske vor diesen Erregern zu schützen versuchten, als sie in Flugzeugen saßen oder über die Laufbänder des Flughafens eilten. Bis auf eine Frau trug diesmal niemand so eine Schutzeinrichtung. Seltsam. Man weiß es nicht.

Früher waren die Straßen mit Reisebussen gefüllt. Diesmal hatte ich freie Fahrt. Vielleicht war es schon spät und die Gäste längst in ihren Zimmern?

Die Insel teilt sich

Die Gäste bleiben aus in den Bettenburgen der Insel, heißt es. Dagegen spüren Fincabetreiber kaum etwas von einer Krise. Dort sind die Zimmer auch dieses Jahr gut gefüllt wie auch die Stühle in den hochpreisigeren Restaurants. Wer Geld hat, ist auch dieses Jahr auf die Insel gekommen. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, bucht „all inclusive“ oder bleibt ganz zu Hause. Die Mittelschicht bricht weg, sagen Hotelbetreiber, und damit die Einnahmequellen bei weiter abzuzahlenden Krediten. Oh weh!

In den Zeitungen steht nicht sonderlich viel von den Problemen im Tourismus. Auch scheint es die Baubranche nicht mehr zu geben – jedenfalls liest man nicht viel dazu. Der Yachtclub von Cala Dor ist dieses Jahr nicht nur für zahlungskräftige Clubmitglieder offen, man freut sich jetzt auch über den Otto Normalbürger, der nun dort  speisen darf. Von der Ferne hat er einen faszinierenden Blick auf reihenweise leer stehende Wohnungen und nicht zu übersehende Se Vende-Schilder (zu verkaufen). Sie kleben an Hauswänden, an vielen Schiffen britischer Besitzer und auch an Automobilen der Einheimischen. Der Trend zum Zweitauto hat sich umgekehrt.

Zehn Prozent weniger Gäste werden in diesem Jahr erwartet, so die offizielle Zahl. Die Realität im Osten der Insel sieht dagegen düsterer aus. Zur besten Essenszeit gegen 20.30 Uhr sind viele Restaurants leer. Wirte locken mit Gutscheinen. „Urlauber essen lieber im Hotel. Und statt drei Cocktails, trinkt man jetzt einen oder höchstens zwei, verteilt mit einem Trinkhalm über den ganzen Abend“, klagen Wirte.

Wenn Booms ihre Spitze erreicht haben, ist der weitere Weg meist vorgeschrieben – abwärts. Mallorca erlebte vor drei Jahren seinen Hochpunkt auf der Grundlage billigen Geldes, Beton und Sonne. Die Sonne ist geblieben, die glückliche Zeit gegangen.

Als weiteren Nackenschlag für künftige Besucherzahlen fürchtet die Branche durch explodierte Bomben der ETA. Auf der Insel hat man davon am Wochenende kaum etwas gehört. Man möchte die Touristen eben nicht beunruhigen, die dann trotzdem über Satellit in heimischen Sendern doch die Nachrichten verfolgen und in Sondersendungen über die Anschläge informiert werden.

Auf Pump gelebt

Mallorca hat wie andere „entwickelten“ Wirtschaften der Welt das Geld der Zukunft schon in der Vergangenheit verbraucht. Billiges Geld produzierte Wachstum, große Wünsche, irrigen Vorstellungen, täuschende Schlagzeilen und heiße Herzen. Die Götter waren einst  gnädig, als sie beschlossen, die Eigentümer von Grund und Boden zu vermillionieren, und auch Leute, die von der ganzen Sache keine Ahnung hatten. Wer auf der Insel ein Geschäft machen wollte, hatte kaum eine Chance, arm zu bleiben, außer man stellte sich wirklich dumm an. Die Betonmaschinen drehten sich schneller und schneller, bis es reichte, ein paar Hohlblocksteine zusammenzustellen, weiß zu streichen, und an Dummköpfen für 300.000 Euro und mehr zu verkaufen. Man brauchte bloß kaufen, der Rest kam von allein.

Und plötzlich stehen viele da, mit heißen Kartoffeln in den Händen und niemandem, der dümmer ist, diese abzunehmen. Die letzten Käufer hatten wenig Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.

Ist schon die Zeit gekommen, etwas zu kaufen? Nachdem die Preise seit zwei Jahren gefallen sind, gibt es Sonderangebote wie Sand in den Buchten. Ich weiß es nicht, vermute aber, die Luft aus der Blase braucht noch einige Zeit, um zu entweichen. Se Vende klingt heute nicht nur nach Scheitern, sondern auch wie eine Aufforderung für neue Käufer, die gleichen Fehler wieder zu begehen. Solange Fluggäste das Landen des Fliegers noch beklatschen, scheint die Zeit für Investitionen noch nicht gekommen zu sein.

Ein Leben nach der Blase

Auf der Insel einen Job zu bekommen, ist schwer geworden. Offiziell liegt die spanische Arbeitslosenquote bei 18 Prozent. Die Sommersaison auf Mallorca, die sonst Mitte April beginnt, startete dieses Jahr mit drei Wochen Verspätung Anfang Mai. Bedienstete mussten zu Beginn der Ferienzeit erst einmal Urlaub nehmen, da viele Hotelbetten kalt blieben und niemand in die Brotkörbe griff.

Soweit man sich umschaut, dominieren die Verlierer – bis auf eine Ausnahme – die Natur. Sie wurde in den Jahren des Inselbooms immer weiter zurückgedrängt. Man könnte denken, dass die Insel ihre Müll produzierenden Gäste jetzt versucht loszuwerden. Eine Erholung hat sie sich wirklich verdient.

Nachdem die Götter großzügig gewesen sind, verteilen sie jetzt Lektionen. Wäre da nicht die Meeresbrandung und der Wind, der durch manch verlassene Hütte zieht, man könnte sie lachen hören...

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Kommentare

gp am 12.08.2009 um 15:09 Uhr
http://www.hausverlosungmallorca.com/de/fotos

Hallo, Herr Meyer: Ein hübscher Häuschen, wir könnten dann dort alle c(r)ashkurs-Seminare abhalten!
Ich hatte schon überlegt, an der Verlosung teilzunehmen, aber ehrlich: was soll ich mit so einem Haus? Und wer soll den Garten machen, den swimming-pool säubern...? Ist halt nicht jeder zum Millionär oder Rentier geboren...!
Mithrandir am 12.08.2009 um 16:11 Uhr
Für Griechenland/Korfu kann ich diese(s) Erlebnis(se) bestätigen.
- (Grec-) Hotels unterbelegt
- die "Blaue Fahrt" findet schon mal auch mit nur 5 Touris statt (und an manchen Tagen gar nicht)
- in Kerkyra-Stadt: Kaffees und Restaurants leer und Fußgängerzone wenig los.
- In Sidari (normalerweise engl. Touri-Hochburg) bekommt man an den schönsten Klippen jede Menge Liegestühle gratis, - direkt am Strand.
- Restaurants werben mit kostenloser Poolbenutzung
- etc.

Besonders interessant fand ich ein (längeres) Gespräch mit einem deutschen Ladenbesitzer, der seit Jahren dort verheiratet ist:
- Es werden regelrecht "Verschwörungstheroien" unter den Geschädtsleuten kolportiert, warum die Flieger Korfu so wenig ansteuern würden.
- Die Leute spüren förmlich, dass das Geld in einem einheitlichen Währungsraum automatisch immer zum wirtschaftlich Stärksten, zum Produktivsten (also aus Griechenland raus ,- "hoch" zu "uns") fliesst. - Logisch: "harter Euro"(mit niedrigen Zinsen und "hoher Schalgzahl") verträgt sich nicht mit "griechischer Mentalität" und Produktivität (die sich seit meinem letzten Besuch in der Vor-Euro-Ära nicht verändert hat. (was für mich eingentlich auch der Grund war, wieder mal in Griechenland Urlaub zu machen...)

Was sich aber verändert hat: Die Preis im Restaurant! Salatteller für 3 Personen , etwas Zaziki und Getränke - über 40 Euronen - ufff.. (es waren - Mittags - nur noch zwei weitere Familien zu Gast)

... wenn das man gut geht.... (v.a. griechische Jugendliche scheinen sich nicht so viel gefallen zu lassen, wie unsere)
Maria del Mar am 12.08.2009 um 16:50 Uhr
Eine Spanienimmobilie in guter Lage ist das beste was einen passieren kann. Gold kann morgen bei 500$ stehen wenn die Hochfinanz das will, egal wie hoch die Inflation sein wird. Aktien sind wenn es hart auf hart kommt wertloser Müll und nur Profis können damit Geld verdienen. Oder wenn man auf Leute hört hat, die im März gesagt haben, den Dow geht auf 9300 Punkte.
Der spanische Immobilienmarkt hat seine eigene Gesetze, die für Deutsche nur schwer zu verstehen sind. Darum sagt man in Deutschland: wer soll den Garten machen ? . (In Spanien gibt es Leute die für einen den Garten in Schuß halten die heißen "Jardineros" Gärtner).
Die Spanische Immobilienpreise werden auf Dauer weiter steigen und die Deutschen weiter fallen oder stehen bleiben so wie die letzten 15 Jahre. Die Spanier haben in Ihren eigenen Land investiert und haben in guten Zeiten gut verdient. In Deutschland hat man das Geld der USA geschenkt und in guten Zeiten kein Geld verdient.
Und wenn das Spanische Bankensystem doch umfallen sollte, dann wird die EZB helfen müssen und dabei wäre dann wieder der "Dumme" Deutsche als Sponsor beteiligt. Außerdem, so eine Mißgeburt wie die HRE, so etwas schaffen noch nicht mal die Spanier.
Jürgen am 13.08.2009 um 07:02 Uhr
Mal am Rande......
Die ETA hat KEINE Bomben gezündet !!
Das waren generierte Attentate um die Menschen einzuschüchtern und ihnen Angst zu machen !
Es werden noch mehr generierte Attentate folgen - wo auch immer.
Die Menschen sollen vorbereitet werden um unter die "schützende Hand " einer totalen Überwachung zu flüchten.
Angst ist der beste Weg die Menschen dazu zu bringen !!!
Cashsurfer am 13.08.2009 um 07:45 Uhr
Hallo Herr Meyer!
Wir sind erst vor einer Woche von Malle zurückgekommen und ich muss sagen, in unserer Gegend hat man hier und da auch die "SE VENDE" Schilder gesehen. Jedoch von Urlaubermangel keine Spur. Allein auf den Mietwagen mußte man eine Woche warten. Gut, es könnten auch weniger vorhanden sein... Aber bei den Restaurants entlang der Promenade fanden wir ebenso keinen freien Platz. Teilweise standen die Urlauber Schlange um auf einen freien Tisch zu warten. Und auch unser Hotel war restlos ausgebucht. Hm, sind Sie sicher auf Mallorca gewesen zu sein? Achso, wir waren im Norden, in Cala Ratjada...
Gerd Hiltl am 13.08.2009 um 08:10 Uhr
Bravo, der Artikel ist köstlich zu lesen.
Die Frage bleibt, wo geht es hin?
Häme ist sicher nicht angebracht, aber
es scheint, als jeder Exzess einmal ein Ende findet.
Gruss
Ihr G.Hiltl
JJ Preston am 14.08.2009 um 12:04 Uhr
"Ist schon die Zeit gekommen, etwas zu kaufen?"

Interessante Frage. Noch interessanter: Als was? Als bloßes Investitionsobjekt? Als Vermietungsobjekt? Oder als selbst genutzte Ferienimmobilie?
In letzterem Falle Hin- und Rückflug für zusammen 250 €, dazu ein Mietwagen - unter der Prämisse, dass die Immobilienpreise zum Verkaufszeitpunkt mindestens gleich hoch sind, könnte das eine Alternative sein. Oder?

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