Zurück in die Zukunft (Teil 2)

Eine der meiner Ansicht nach bemerkenswertesten Nachrichten der letzten Jahre befasste sich in der vergangenen Woche einmal nicht mit dem Finanzsystem oder der Zukunft des Euro, sondern mit Physik. Messungen am CERN in der Schweiz ergaben, dass sich sogenannte Neutrinos, - Elementarteilchen mit sehr kleiner Masse - schneller fortbewegen können als das Licht. Drei Jahre lang hatten die Wissenschaftler geforscht, um dem Phänomen der alles durchdringenden Neutrinos (sie durchlöchern gerade in diesem Augenblick den Planeten Erde und auch Ihren Körper) und ihre Wandlung in verschiedene Unterarten auf die Spur zu kommen. Dabei stellte sich das nicht für möglich gehaltene Faktum heraus, dass Neutrinos Wegstrecken mit Überlichtgeschwindigkeit bewältigen können.

„Neutrino!“ „Wer ist da?“ Klopf, Klopf, spottet das Netz.

Zunächst glaubte man an einen Irrtum, doch konnten bisher keine Messfehler entdeckt werden, womit Einsteins Relativitätstheorie widerlegt wäre und ein großer Teil bisheriger physikalischer Grundannahmen und Erkenntnisse zerpflückt würde.

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2036719/Schneller-als-das-Licht-Partikel-verblueffen-Physiker.html

Falls die Relativitätstheorie tatsächlich als obsolet betrachtet werden kann, dürfen wir unseren Glauben über unser Wissen hinsichtlich der Beschaffenheit des Universums, der Existenz von Zeit und Raum und letztendlich unsere Beziehung zum lieben Gott wieder einmal getrost auf den Wert Nullkommanull zurückstufen. In dieser spannenden Zeit bricht also nicht nur das Weltfinanzsystem wie ein Kartenhaus zusammen, sondern auch unser Glaube daran, unsere Existenz und unser bewußtes Leben in diesem Universum erklären zu können. Auch Einstein höchstpersönlich fragte sich einmal:

„Was weiss ein Fisch vom Wasser, indem er sein Leben lang herumschwimmt?“

Das Universum ist nicht perfekt, denn wäre es makellos, hätte es für uns Menschen keinen Platz bzw. eine Raumzeit. Und wir Menschen sind auf gar keinen Fall fehlerlos. Wären wir es, wäre ein lehrreiches Leben und damit das gesamte Universum zumindest für uns Menschen überflüssig.

Und ist es nicht höchst erstaunlich, zu welchen einschneidenden Erkenntnissen die gesamte Menschheit zurzeit und in den letzten beiden Jahren gezwungen wird und wurde? Wir Menschen sind keineswegs diejenigen, die die Natur beherrschen können, wie Fukushima zeigte. Wir sind wahrscheinlich noch nicht einmal diejenigen, die dafür verantwortlich zeichnen, dass sich das Klima verändert, was es im übrigen in Jahrmillionen immer schon getan hat. Wir müssen erkennen, dass wir noch nicht einmal in der Lage waren, ein stabiles, den Menschen dienendes Finanzsystem auf die Beine zu stellen. Demut vor der Schöpfung wird in diesen Zeiten, - vielleicht von höheren Mächten – in extremster Weise von uns eingefordert.

Wir werden mutmaßlich schon bald erleben, dass das weltweite Finanzsystem zusammenbrechen und Guthaben und Schulden in einem für manche schmerzlichen Prozess von Computerfestplatten getilgt werden. Um diesen unweigerlich anstehenden geschichtlichen Finanzsupergau hinauszuzögern, hält man nicht nur in Bezug auf Griechenland und anderen Pleitestaaten an alten Dogmen fest. Man besteht auf weitere einschneidende Sparmaßnahmen, die schon bisher zum genauen Gegenteil dessen geführt haben, was sie eigentlich bezwecken sollten, - also streng genommen den Auflösungsvorgang des Bestehenden eher beschleunigen als verlangsamen.

Griechen fürchten Absturz durch Hardcore-Sparplan l

Hält man es tatsächlich für möglich, dass Staaten wie Griechenland, USA, Großbritannien, Deutschland, etc. pp jemals ihre Schulden tilgen werden können? Wann wird sich bei den Banken in meiner Heimatstadt die Erkenntnis durchsetzen, dass auch meine 190.000 Mitbewohner hier in Hagen niemals ihre mehr als eine Milliarde Euro Schulden zurückzahlen werden oder sogar können? Ich denke, dass das schon bald, - möglicherweise in diesem Herbst – passieren wird.

Und doch gibt es Möglichkeiten, - nein, Zwänge und Notwendigkeiten! - für einen guten Neuanfang, der zu einem neuen, den Menschen dienenden Finanzsystem führen wird. Ich möchte an dieser Stelle prognostizieren, dass in Europa schon bald neben zahlreichen unabhängigen Privatgeldern auch nationale Währungen abermals eingeführt werden, die vielleicht sogar auch in Deutschland neben dem Euro als neue DM ihre Existenzberechtigung einfordern.

Alles ohne Euro: Griechen erfinden eigene Webwährungen

Doch bleiben wir in Griechenland: Die einzige Chance der Griechen ihre Waren und Dienstleistungen wieder wettbewerbsfähig anbieten zu können besteht darin, neben dem Euro eine Zweitwährung in Form einer neuen Drachme einzuführen. Und zwar nicht wie bisher über ein System, indem Geschäftsbanken eines elitären Bieterkreises dem Staat Kredit durch eine Computerbuchung einräumen, sondern indem eine Grundgeldmenge durch den Staat selbst geschöpft und durch Investitionen in die Infrastruktur in Umlauf gegeben wird.

Die neue Drachme könnte, genau wie es die Schweizer mit dem Franken getan haben, in gesundem Maße zum Euro abgewertet werden. Unterstützt durch eine Werbekampagne könnte Griechenland zu einem der beliebtesten Reiseziele beispielsweise der Deutschen werden. Kein Urlauber wollte aus Bequemlichkeit auf das Umtauschen von Euros in die neue Drachme verzichten, wenn dadurch sichergestellt ist, für einen Kaffee an der Strandbar nur ein Drittel bezahlen zu müssen. Ein Kartensystem z.B. ähnlich der Kärnten-Card würde den Umstand geschuldet sein, das die neue Drachme nicht als Bargeld verfügbar wäre.

(Siehe „Umgehung der Nullzinsgrenze beim Bargeld“ weiter unten.)

Hier geht´s zur Kärnten-Card

Eine intelligente Besteuerung der Unternehmen würde dazu führen, dass alle eingenommenen Euros in erster Linie für Zahlung der Unternehmenssteuern an den griechischen Staat fließen.

Es würden Euros ins Land fließen, mit denen die Staatsverschuldung und Zinslasten abgebaut werden könnten. Durch staatliche Drachme-Investitionen könnten endlich griechische Energievorkommen an Gas und Öl gefördert werden, die durchaus vorhanden sind, aber komischerweise in den Massenmedien kaum Erwähnung fanden.

Erdöl und Erdgas in der Nordägäis

Natürlich sind des Weiteren die schon jetzt geforderten Reformen hinsichtlich eines greifenden Steuersystems und Abbau des Staatsapparates nötig. Durch den Abbau von Staatsdienern würde zwar die Arbeitslosenzahl zunächst in die Höhe schnellen, doch trotzdem ergäben sich durch Staatsinvestitionen und eine Wiederbelebung des Tourismus höchst wahrscheinlich ausreichend neue Stellen, was wiederum zu mehr Staatseinnahmen,  Kostenreduzierung und somit neuen Investitionsmöglichkeiten für den griechischen Staat führen würde.

Voraussetzung dafür ist, dass sichergestellt ist, dass die Drachme auch in guten wirtschaftlichen Zeiten „schlechtes“ Geld ist, dass durch regelmäßige Abwertung innerhalb eines bestimmten Zeitraums an Wert verliert, also mit einer Umlaufgebühr behaftet ist. Denkbar wäre eine Belastung aller Drachmenkonten beispielsweise mit einer 2%igen Guthabenaufbewahrungsgebühr alle drei Monate. Nötig wäre dafür allerdings die Nichtexistenz von Bargeld in Form von Münzen und Scheinen. Einerseits würden damit die Kosten für die Einführung der Parallelwährung Drachme sehr gering gehalten, andererseits wäre die Nullzinsgrenze hinsichtlich der Aufbewahrung von Bargeld ausgehebelt. Die Geldumlaufgeschwindigkeit der neuen Drachme würde gegenüber dem Euro stark zu nehmen, der natürlich als Wertaufbewahrungsmittel bevorzugt wäre, was aber durch Besteuerung der Euroeinnahmen und gleichzeitiger Erstattungen in Drachmen verhindert werden könnte. Dadurch ausgelöstes alternatives Sachwertsparen würde zusätzlich zu einer Belebung der griechischen Wirtschaft führen. Diesen Weg könnte man nicht nur in Griechenland beschreiten, sondern in allen Ländern, die den Euro verwenden.

Die Erforschung der Neutrinos hat uns gezeigt, dass auch bisher Undenkbares möglich ist. Alte Erkenntnisse werden abgelöst und durch neue ersetzt. Selbst Zeitreisen oder Ausflüge in andere Dimensionen sind theoretisch wieder möglich. Befreien wir uns von alten Dogmen und Denkschemata und brechen befeuert durch diese einzigartige Krise auf in neue Spähren. Auf geht´s: Zurück in die Zukunft mit vielen intelligent konstruierten Währungen, die eins gemeinsam haben: eine dienende Funktion für die Menschheit.

Ausblick auf meine nächsten Artikel:

-         Landraub in Afrika – wie Multikonzerne mit Hilfe von Schmiergeldern an korrupte Politiker den Einheimischen ihr Land stehlen

-         WIR in der Schweiz – die Parallelwährung zum Schweizer Franken existiert schon seit 1934

-         Buchrezension: Freiheit statt Kapitalismus von Sahra Wagenknecht

-         Guernsey – eine Kanalinsel im Besitz der englischen Königin und Steuer(geldwasch)oase mit bewegter (Geld-)geschichte außerhalb der Europäischen Union

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Kommentare

Joe am 28.09.2011 um 22:26 Uhr
Auch wenn man weiss, dass man nichts weiss- könnte man meinen, dass es doch immernoch eine neue Idee zu finden gibt, die das Bekannte ablöst. Und das gibt mir persönlich Hoffnung. Vielen Dank Herr Reinhardt!
Wäre nur noch die Frage zu klären, wie wir ihre Idee in die korrupten Köpfe unserer politischen Entscheider implementieren.
ws am 29.09.2011 um 07:39 Uhr
Hallo Herr Reinhardt

bin zwar absoluter Physik Laie, weiß aber trotzdem, dass die Entdeckung von Neutrinos die Relativitätstheorie nicht widerlegt. Lt. Einstein können sich Objekte mit einer Masse nicht schneller als Licht fortbewegen. Neutrinos sind masselose Teilchen, die durch alle Gegenstände hindurchgehen.

Pvo am 29.09.2011 um 07:47 Uhr
WIR ist in der Schweiz unbeliebt, weil nicht überall einlösbar

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