Wenn die Pleite nicht regiert, investiert es sich ganz ungeniert könnte man sagen.

Neben den greifbaren Problemen hat man nebenbei auch den europäischen Anleihemarkt und dessen Preisfindungsmechanismus sorgfältig vernichtet. Derzeit kaufen juvenile Nachwuchskräfte im Türmchen der EZB im Frankfurter Ostend frohen Mutes alles, was auf dem Bloomberg-Schirm grün aufleuchtet. Das ist übrigens ein Job, den auch alternativ Begabte locker hinbekämen.

Dummerweise ist das Grundproblem des europäischen Bankensektors seit Jahren aber kein Mangel an Euro-Liquidität, sondern ein eklatanter Mangel an Eigenkapital. Hauptgrund dafür ist die nach wie vor gehegte und gepflegte Risikogewichtung der Kapitalanlagen. Ein überaus irrsinnige Erfindung des Regulierers, die vor allem der Bevorzugung staatlicher Schuldverschreibungen dient. Der Prozess ist im Detail kompliziert, lässt sich jedoch schlicht umreißen (Treasurer mögen uns die Vereinfachungen nachsehen).

Im Rahmen der Risikogewichtung wird bestimmten Wertpapieren, die eine Bank für ihre Kapitalanlagen erwirbt, ein Risikogewicht zugeschrieben. Dieses Risikogewicht wird dann mit einem Faktor multipliziert, der die vorgeschriebene Eigenkapitalunterlegung von Kapitalanlagen der Banken generell festlegt. So ergibt sich beispielsweise im Standardansatz für eine Anleihe mit einem A-Rating ein Risikogewicht von 20%.

Das wird multipliziert mit dem Faktor 8% für die Eigenkapitalunterlegung. Das Resultat von 1,6% gibt an, wie hoch der notwendige Eigenkapitalanteil etwa beim Kauf einer Anleihe ist. Kauft eine Bank also 100 Millionen Euro dieser Anleihe so benötigt sie 1,6 Millionen Euro Eigenkapital. Dass dies schon ohne die unmittelbare Gefahr einer Pleite im Krisenfall ein bisschen knapp sein könnte, dürfte klar sein.

Wenn Sie in der Zeitung mal wieder von „ausreichender Eigenkapitalausstattung“ der einen oder anderen europäischen Bank lesen, dann ist stets die regulatorische Quote gemeint, die sich anhand der Risikogewichtung errechnet. Das Verhältnis vom Eigenkapital zur Bilanzsumme sieht man selten, es stellt sich auch ganz anders dar. Ginge man davon aus, die Risikogewichtung werde auch im Krisenfall schon passen, gäbe es keinen Grund zur Sorge. Diese Annahme ist aber selbst mit dem Begriff „frommer Wunsch“ noch höflich umschrieben, wie nicht erst die Krise 2008-2009 gezeigt hat.

Die folgende Grafik zeigt die Eigenkapitalausstattung im Verhältnis zur Bilanzsumme einiger europäischer Banken und der US-Banken Goldman Sachs, JP Morgan und Wells Fargo.

Im Mittel liegt die Eigenkapitalquote der dargestellten europäischen Großbanken bei unter 6%. Die Kontrahenten aus den Staaten weisen im Durchschnitt 11% aus.

Keine der genannten US-Banken hat ein Eigenkapital, das weniger als 10% der Bilanzsumme unterschreitet. Diesen Wert schauen sich die Europäer von ganz weit unten an. Eine Deutsche Bank mit 4,6%, die Credit Agricole mit 4,2% oder auch die Société Générale mit 5% wirken dagegen nicht eben solide.

Das gilt umso mehr als das Argument, die europäischen Banken hätten doch viel solidere Anlage nicht erst seit der Krise 2008-2009 wohl kaum noch jemand ernst nimmt. Leider muss man konstatieren, dass es in Europa Institute zu geben scheint, die nicht einmal dazu in der Lage sind, ihre Risikopositionen halbwegs sauber auseinander zu dröseln geschweige denn zu bewerten. Die Experimente der EZB machen den Geschäftsbanken das Leben anderen Annahmen zum Trotz zudem nicht leichter, sondern schwerer.

Abseits der Solvenzprobleme sollte man auch bei der Liquidität nicht naiv und hoffnungsfroh auf die segensreiche Zukunft warten. Liquidität ist nicht gleich Liquidität und so soll der Hinweis auf den Unterschied zwischen der Euro-Liquidität, mit der die Banken derzeit kein Problem haben, und der Dollar-Liquidität nicht fehlen.

Euro-Liquidität kann die EZB beliebig in die Finanzmaschine werfen. Ein Problem mit der Dollar-Liquidität kann die Europäische Zentralbank nicht lösen. Hier ist man von der US-Zentralbank abhängig. Das ist seit Ewigkeiten bekannt, auch in diese Abhängigkeit man sich entweder aus Blödheit oder Naivität selbst hineinmanövriert. Wie sagt man in den Staaten so treffend? „It is our currency but your problem.