Erst im Dezember haben wir die Aktie der SES (Link hier) vorgestellt. Heute wollen wir uns hingegen dem Konkurrenten Inmarsat (ISN: GB00B09LSH68) zuwenden, der gleichermaßen interessante Fakten mit sich bringt.

Inmarsat (International Maritime Satellite Organization) ist ebenso in der Telekommunikationsbranche beheimatet. Dabei fokussiert sich der britische Konzern auf das Betreiben von Satelliten zur Übertragung von Daten. Historisch gewachsen ist der Konzern um vornehmlich die Seefahrt aus dem Weltraum noch besser mit Daten versorgen zu können um auch mehr Sicherheit z.B. im Falle der Seenot zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang muss man sicherlich auch erwähnen, dass Inmarsats Gründung aus einer gemeinnützigen Gesellschaft hervorging und nur den Zweck der friedlichen Absichten verfolgen soll.

Heute verdient die Gesellschaft ihr Geld in fünf unterschiedlichen Geschäftsfeldern. Diese sind das Seefahrtgeschäft als größtes Standbein mit 47% Umsatzanteil, Regierungen (23%), Unternehmen (12%), zentrale Dienstleistungen (8%) und Luftfahrt (10%). Wenngleich der Konzern in London sitzt, wird in USD bilanziert. Im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ wird mit 43% auch der größte Umsatzanteil generiert.

Ein Blick auf den Chart hingegen macht deutlich, dass die Aktie in den letzten 365 Tagen zu den absoluten Underperformern gehört. Jüngst konnte sich der Titel doch wieder etwas erholen und hat in diesem Zusammenhang sogar den wichtigen SMA (14d – Simply Moving Average) nach oben durchbrochen. Dies könnte zu einem weiteren Aufwärtstrend bei einer günstigen Aktie führen. Aus diesem Grund haben wir die Abonnenten bei Cashkurs*Trends (www.cashkurs-trends.de) jüngst auch informiert den Titel in eines unserer Depots aufgenommen zu haben.

Für die schlechte Performance sind zum einen enttäuschende Ergebnisse verantwortlich. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Analysten den Konzern scheinbar nur schwerlich einschätzen können. Im abgelaufenen Jahr waren die Schätzungen z.T. deutlich neben den realen Ergebnissen.

Wie gewohnt wollen wir die größte Aufmerksamkeit auf die fundamentale Betrachtung des Unternehmens legen. Dies geht zum einen sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ersteres soll den Anfang machen.

Ein Blick auf die Zahlenlandschaft zeigt ein eher günstig bewertetes Unternehmen mit attraktiver Dividendenrendite und ordentlicher Profitabilität. Letzteres ist für die Branche nicht unüblich, wenngleich man konstatieren muss, dass diese aufgrund ambitionierterer Preisforderungen der Kunden unter Druck geraten. Darüber hinaus muss man anmerken, dass die Umsätze und Gewinne zuletzt stagnierten. Langfristig, so sagen es auch Analysten voraus, dürfte es jedoch wieder bergauf gehen. Die Argumente dafür sind vielfältig und werden weiter unten genauer unter die Lupe genommen.

Ein weiterer Blick sollte hingegen auch auf die Kapitalstruktur gelegt werden. Die Verschuldung hat zuletzt ordentlich zugelegt und sich seit zwei Jahren um über 700 Mio. US$ erhöht. Das führt auch dazu, dass die ausstehenden Anleihen (in USD) mit 22er Laufzeit mit über 5,20% p.a. verzinst werden. In der Verzinsung der Anleihen und diese im Vergleich zum Zins für risikolose Anlagen (hier z.B. US-Treasuries mit Laufzeit 2022) zeigen den Risikoaufschlag. Der Markt preist also ein gewisses Risiko mit ein. Zudem hat sich Eigenkapitalquote deutlich gesenkt und der Hebel/Leverage (Nettoverschuldung/EBITDA) auf einen Höchststand katapultiert. Alle diese Daten sind derzeit noch nicht besorgniserregend, jedoch nichtsdestotrotz weitere Beobachtungen wert.

Preismacht: Wie bereits erwähnt ist die Branche von deutlich härteren Preisverhandlungen geprägt. Allgemein handelt es sich bei diesem Markt um ein Angebotsoligopol. Das heißt, dass es bei vielen Nachfragern nur wenige Anbieter gibt. Schließlich gehört einiges dazu Satelliten ins Weltall zu schießen und von dort den Datentransport auf dem blauen Globus zu lenken. Dies erklärt im Übrigen auch die üppigen Margen. Mittlerweile jedoch werden die Preisverhandlungen mit Kunden immer härter. Dazu gehören Konzerne wie Sky, Orange, Deutsche Telekom, Telefonica, Vodafone usw. Die Erklärung finden Sie bei einem einfachen Blick in Ihr Umfeld. Die Anbieter von Handyverträgen buhlen mit immer neuen Rabatten um Kunden. Wenig bezahlen, jedoch möglichst viel GB an monatlichem Speicher für das Internet, eine Flatrate bei Telefonie und Sender in HD sind mehr und mehr zum Standard geworden. Die Preise jedoch sind nur zu Beginn hoch, flachen dann jedoch aufgrund der zunehmenden Konkurrenz ab. Wir als Endverbraucher fordern also steigendes Leistungsniveau (welches sich in den letzten Jahren bereits immens gesteigert hat) bei geringeren oder gleichbleibenden Preisen. Am Ende der Kette wird dieser Druck auch an die Satellitenbetreiber weitergegeben.

Chancen darf man hingegen im Bereich Luftfahrt sehen. Dies ist bei Inmarsat mit einem Plus von über 10% jüngst auch der stärkste Wachstumsmarkt geworden. Hier gibt es noch weiteres Potential nach oben. Bei einem jüngsten Flug nach New York, konnte ich im eigens eingebauten TV ein Livespiel der Fußballbundesliga sehen. Dies empfand ich persönlich in über 12.000 Metern Höhe als bemerkenswert. Weitere Studien haben ergeben, und das würde auch ich mir wünschen, dass Fluggäste immer weniger Wert auf gutes Essen legen, sondern viel mehr den Wunsch nach frei verfügbarem W-Lan haben. Natürlich darf man dies kritisch sehen, ist das Flugzeug schließlich ein Ort, an dem man „von der Außenwelt abgeschnitten“ nochmals Zeit für Dinge findet, die mehr Ruhe erfordern, jedoch dürfte der Trend dahin nicht nur Geschäftsreisenden in die Karten spielen. Inmarsat ist in diesem Segment führend und gerade erst in eine Kooperation mit der Deutschen Lufthansa eingetreten. Vorstellbar wäre für mich auch, dass W-Lan, gerade zu Beginn kostenpflichtig erworben werden kann. Dies passt auch ins Bild von RyanAir Chef Michael O’Leary, der bereits voraussagen will, dass Flüge irgendwann gar nichts mehr kosten und die Einnahmen durch Verkäufe im Flugzeug getätigt werden. Sicherlich eine mutige Behauptung, jedoch hätte man vor zehn Jahren auch nicht gedacht, mit etwas Glück für unter 20€ durch Europa fliegen zu können.

Inmarsat investiert über 30% in neue Projekte. Ein solches Mammut-Projekt ist derzeit die Etablierung neuartiger HTS (High-Throughput Satellit) Satelliten. Diese sind deutlich leistungsstärker und bieten mehr Volumen bei höherer Geschwindigkeit. Der Konkurrenz Eutelsat hat bereits vor einigen Jahren einen der leistungsstärksten Satelliten ins All gejagt. Inmarsat schläft hier jedoch auch nicht und gibt ordentlich Gas. Eine Übersicht über den Unterschied, sowie Zeitstrahl der Satelliten im All.

Im Fazit:

Die Branche gibt noch zahlreiche interessante Fakten her, die eine weitere Analyse notwendig machen und den eigenen Horizont, egal ob ein Investment zustande kommt oder nicht, erweitern. SES und Inmarsat gehören zusammen mit Eutelsat zu den größten Playern im Markt. Die Branche selbst steht auf gesunden Füßen verdient ordentliches Geld und ist für attraktive Dividendenrenditen bekannt. Zudem gehörten die Titel zuletzt nicht zu den beliebtesten Anlageobjekten der Investoren, weswegen die Preise günstig erscheinen.

Ihr Andreas Meyer

Quellen: www.inmarsat.com, www.greenriver-capital.com, www.bloomberg.com, www.reuters.com, www.morningstar.com

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