Welcher Risikotyp sind Sie?

Vor einer Anlageberatung ist eine Bank verpflichtet, u.a. Ihre Risikoneigung zu erfragen.

Kurze Frage – schnelle Antwort?

- Was ist für Sie Risiko?

- Was bedeutet Risiko bei einer Geldanlage?

Wenn es Ihnen schwerfällt, die erste Frage zu beantworten, sind Sie nicht alleine. Woher sollen Sie wissen, welcher Risikotyp Sie sind, wenn Sie nicht wissen, was Risiko ist?

Bei der zweiten Frage höre ich sehr schnell Begriffe wie Wertverlust durch Inflation, Betrug, Totalverlust, Aktien/Börse, Angst vor Fehlentscheidungen, Börsencrash…

Wir tun uns nicht nur mit der Frage schwer, was Risiko bedeutet. Gerade in Bezug auf Geld scheint auch jeder etwas Anderes darunter zu verstehen.

Jason Zweig (Autor) schrieb einmal: „Hat irgendjemand von uns wirklich ein individuelles Level der Risikotoleranz, das man genauso präzise messen könnte wie die Schuhgröße? Unter den zahllosen dummen Ideen der Finanzindustrie könnte dies die dümmste von allen sein.”

Definition

Risiko beschreibt das Auftreten eines unbekannten Ereignisses mit der Möglichkeit negativer Auswirkungen. Ein Risiko besteht dann, wenn eine Gefahr und die Exposition (Einwirkung auf die Person) gemeinsam auftreten. Was heißt das? Ein Tiger stellt z.B. für Sie nur dann eine Gefahr, aber kein Risiko dar, so lange er sich im Käfig befindet.

Ist Risiko gut oder schlecht?

Der Begriff Risiko ist in vielen Bereichen negativ behaftet.

Risiko ist die Abweichung eines Ergebnisses von seinem erwarteten Wert. Für die Einstufung eines bestimmten Ereignisses als „Risiko“ kommt es also nicht darauf an, dass es ein „negatives“, „unerfreuliches“ Ereignis ist, sondern dass es nicht „erwartet“ wurde.

Ja - Ein Tiger ist gefährlich für den Menschen. Die Gefahr, die von ihm ausgeht, ist latent (dauerhaft). Aber das Risiko, von ihm angefallen und getötet zu werden, hängt von vielen Faktoren ab. So auch davon, ob er sich in einem Käfig befindet.

Vom Risiko hingegen spricht man also nur dann, wenn das Ergebnis ungewiss ist. Wenn sich ein Mensch mit Tötungsabsichten vom Hochhaus stürzt, ist sein Tod gewiss, also kein Risiko mehr. Sein Risiko kann nur noch darin bestehen, wie durch ein Wunder zu überleben.

Nun entscheiden Sie!

Ist dieses Risiko negativ oder positiv?

Wie wird das Wetter?

Täglich stellen Sie sich die Frage, ob Sie das Haus mit einem Regenschirm verlassen, oder das Risiko eingehen, nass zu werden. Entscheiden Sie sich für den Regenschirm, riskieren Sie, diesen irgendwo liegen zu lassen.  Sie wägen also das Risiko nass zu werden mit dem Aufwand, den Schirm zu tragen und ggf. zu verlieren, ab. Risiko und Chance bzw. Risikoreduzierung und Aufwand müssen für Sie in einem günstigen Verhältnis stehen.

Jeder Mensch tickt anders

Unsere Wahrnehmung des Risikos befindet sich in stetigem Wandel. Sie ist unter anderem abhängig von der

- Erinnerung vergangener Ereignisse (Bsp. Unfall, Krankheit, Verlust…)

- davon, ob das Risiko vertraut und kontrollierbar erscheint (Bsp. routinierter Autofahrer oder Fahranfänger?)

- davon, wie das Risiko beschrieben wird (Chance, eine Operation zu überleben besteht zu 99%. ODER Anzahl der OP´s mit Todesfolge ist 1 von 100.)

- davon, in welcher Stimmung man im Moment der Befragung ist.

Risikotyp und Regen?

Was verbirgt sich hinter den Risikoeinstufungen konservativ bis spekulativ? Eine bildliche, nicht ganz ernst gemeinte Definition.

Risikolos/konservativ

Sobald Sie hören, dass es regnen kann, verlassen Sie nicht mehr das Haus, auch wenn es eine ganze Woche regnet.

Defensiv

Sie nehmen immer einen Schirm mit, egal ob Regen angesagt wird oder nicht. Nicht nass zu werden ist wichtig. Dafür tragen Sie gerne einen unhandlichen aber gut schützenden Schirm.

Wachstumsorientiert

Vor dem Verlassen des Hauses lesen Sie den Wetterbericht. Nur wenn Regen angesagt wird, nehmen Sie einen Schirm mit.

Risikobereit

Sie haben kein Problem, bei Nieselregen ohne Schirm rauszugehen. Überrascht Sie ein Schauer, huschen Sie unter den nächsten Unterstand und warten ab. Zur Not haben Sie eine gute Regenjacke, die in jede Handtasche passt. Schirm? Nein! Die Hände müssen freibleiben.

Spekulativ

Regen kann jeder. Gewitter ist Ihre Herausforderung. Sie genießen die Naturgewalten und würden gerne einen Tornado erleben. Am liebsten mit dem Tiger im Regen spazieren gehen. Entweder ganz oder gar nicht.

Risiken sind Chancen

Produktinformationsblätter und Beratungsprotokolle bei Banken haben eines gemeinsam. Die Risiken scheinen größer als der Nutzen. Zumindest nach dem Textumfang.

Ein Wunder, dass noch jemand Aktien oder Fonds kauft. Doch auch das Sparbuch birgt Risiken. Nicht nur die Inflation kann mangels Zins zu Verlusten führen. Die Einlagen sind sicher, sagte einst Merkel im Zuge der aufkommenden Bankenkrise. Das erinnert stark an „Die Renten sind sicher!“.

Tipp

Wollen Sie Risiken richtig einschätzen, müssen Sie über Wahrscheinlichkeiten sprechen und über Möglichkeiten, Risiken zu reduzieren. Je einfacher und verständlicher das Finanzprodukt, desto klarer ist dessen Chancen-Risikoprofil. Laufzeit heilt Risiko! Je länger der Anlagehorizont, desto größer darf das Risiko, können damit aber auch die Chance sein. Deshalb ist eine Finanzplanung so wichtig!

Jeder Mensch ist ein Individuum – mit eigenen Ängsten, Erfahrungen, Einstellungen und Zielen. Lassen Sie sich deshalb in keine Schublade stecken! Individualität kostet Zeit. Zeit kostet Geld. Und das hat keine Bank und kein Finanzdienstleister zu verschenken.

Im nächsten Beitrag:

Risikobereitschaft – Wir scheuen keine Risiken, sondern Verluste!

Kann man Risiko messen, wie die Körpertemperatur?