Nach der Veröffentlichung des EZB-Protokolls der Juni-Sitzung, klettert die Rendite für deutsche Staatsanleihen auf ein 18-Wochen Hoch. Die steigenden Zinsen in der Eurozone sorgten auch für einen kräftigen Anstieg des Euro. Aus dem Protokoll geht hervor, dass die EZB bereits darüber diskutiert, wie man die Märkte auf das Ende des Anleihekaufprogramms vorbereitet. An den Kapitalmärkten kam dies nicht gut an. Die Marktteilnehmer reagieren empfindlich, Aktien- und Anleihekurse verloren teilweise deutlich an Wert.

Normalisierung der Geldpolitik

Das Wirtschaftswachstum hat sich global stabilisiert und auch in der Eurozone sieht die wirtschaftliche Zukunft mittlerweile wieder positiv aus. Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass die Märkte das hohe Maß an geldpolitischer Stimulation nicht mehr nötig haben. Dies sehen auch immer mehr Notenbanker so. Doch die große Herausforderung besteht nun darin, den Übergang von einer liquiditätsgetriebenen Erholung hin zu einer, durch reales Wirtschaftswachstum getragenen, Expansion zu managen. In den USA hat die FED die Normalisierung bereits mit den ersten Zinsanhebungen begonnen und plant als nächsten Schritt, die aufgeblähte Notenbankbilanz abzubauen. Diese Normalisierung der Geldpolitik birgt unserer Meinung nach große Risiken für die Kapitalmärkte.

Preise stark durch Geldpolitik manipuliert

Die Normalisierung der Geldpolitik wird, auch wenn Sie so schonend wie nur möglich erfolgt, zu einem Rückgang von Anlagepreisen führen. Dabei gilt die Faustregel: Je näher die Risikoklasse der Anlage am risikolosen Zins bzw. an Staatsanleihen liegt, desto größer ist das Rückschlagpotential! Doch wer eine Normalisierung der Zinsen auf das Vorkrisenniveau erwartet, könnte enttäuscht werden. Der sogenannte neutrale Zins ist heute deutlich geringer als noch vor 10 Jahren.

Auf den Punkt gebracht, befinden wir uns aktuell in einer Situation, in der sich durch die positive Wirtschaftsdynamik ein Zeitfenster bietet, welches die Notenbanken für den Beginn einer Normalisierung nutzen können. Ob es die Rahmenbedingungen hergeben, diese Normalisierung abzuschließen, darf getrost bezweifelt werden. Mit Zinsen, die sich vielerorts bei null oder nahe der Nulllinie befinden, geht es vielen Notenbanken eher darum, sich für die nächste Krise vorzubereiten. Nach Möglichkeit soll Spielraum für zukünftige geldpolitische Lockerung geschaffen werden, sollten diese nötig werden.

Hinweise für Anleger

Die positiven Entwicklungen an den Aktienmärkten vermitteln das Gefühl, es gäbe nur eine Richtung - nach oben. Genau hier liegt ein großes Risiko, insbesondere für Anleger, die sich von den steigenden Kursen dazu verleiten lassen, einen zu hohen Anteil risikoreicher Anlagen im Portfolio aufzubauen. Denn auch in einem so positiven Umfeld wie das der letzten Monate sollte man grundsätzlich an der langfristigen Anlagestrategie festhalten und nicht prozyklisch abweichen.

Doch Vorsicht: Auch Anleger, die sich nicht zu prozyklischen Investitionen verleiten lassen, sollten sich einmal mehr mit dem Risiko in ihrem Portfolio beschäftigen. Denn die positiven Entwicklungen der letzten Monate haben dazu geführt, dass der Anteil risikoreicher Anlagen im Portfolio ganz automatisch gestiegen ist. Marktkorrekturen wirken sich somit auch hier verhältnismäßig stärker aus. Insofern sollte die aktuelle Phase genutzt werden, um das Portfolio zu überprüfen und die ursprüngliche Verteilung im Portfolio wieder herzustellen.