Geschäftsmodell und Absatzmärkte

Als weltweit führende Hersteller von Mikrochips, die nicht nur in PCs, sondern auch in Smartphones, Tablets und vielen anderen elektronischen Geräten zu finden sind, hat sich Intel mit seinen leistungsstarken Chips einen Namen gemacht. Darüberhinaus werden Intel’s Produkte auch in vielen IoT-Lösungen (Internet of Things) sowie für diverse Netzwerkkomponenten verwendet. Das aufstrebende Cloud-Geschäft sowie Chips für das vernetzte Auto von morgen runden das Bild ab. Man erkennt sofort: Intel bedient gleich mehrere Megatrends der Zukunft. Gerade deshalb finde ich das Unternehmen auch persönlich sehr spannend.

   

Der China-Anteil am Umsatz ist zwar auch bei Intel nicht von der Hand zu weisen, liegt bei vielen Tech-Werten aber wesentlich höher und ist damit auch kritischer.

   

Die Aktie schwankt weit weniger als der Vergleichsindex Nasdaq 100, und das obwohl das Unternehmen aus dem zyklischen Chipgeschäft kommt.

    

Quelle: guidants.com

Die Aktie befindet sich derzeit an der Unterseite eines Seitwärtskanals. Charttechnisch sieht es nach einer erfolgreichen Bodenbildung aus und damit nach einem erneuten Ansteuern der Zone um 57 US-Dollar. Kurse unterhalb 41 US-Dollar verdüstern das Bild wesentlich.

   

Quelle: guidants.com

Zu einem glatten Verfünffacher hätte es bei der Investition in den Nasdaq 100 gereicht. Die Aktie von Intel hinkt dieser starken Performance hinterher, wobei es sich hier um Jammern auf hohem Niveau handelt. Im Nasdaq sind eben auch ‚sexy‘ Wachstumsunternehmen wie Netflix oder Amazon vertreten, deren Aktien weitaus stärker gestiegen sind als die Aktien ‚traditioneller‘ Konzerne wie Intel.

Fundamental handelt es sich beim Unternehmen um einen sehr starken Wert, wobei wir nun folgend auf die wichtigsten Aspekte eingehen.

   

     

   

Bewertung

Beim Value-Wert Intel fällt das KGV von 10,57 auf, das im historischen Kontext sein 5-Jahres-Tief in diesem Bereich ausgebildet hat. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis wirkt mit 7,74 besonders günstig, wobei aber konstatiert werden muss, dass bei dieser Kennzahl statt des freien Cashflows der operative Cashflow verwendet wird, in dem Investitionen nicht berücksichtigt werden. Das Geschäft von Intel ist kapitalintensiv, die Forschungsausgaben hoch, was zu hohen Investitionskosten führt.

Gut 15 Milliarden US-Dollar musste Intel allein im Jahr 2018 für hierfür auf den Tisch legen. Das hohe KBV von ca. drei muss nicht als teuer gelten, zeigt sich doch im Vergleich zur stattlichen Eigenkapitalrendite von knapp 28 Prozent, dass der Konzern sehr gut darin ist, fortlaufend ‚neues‘ Eigenkapital zu generieren.

Auch Dividendenfreunde freuen sich über eine kontinuierliche Dividendenhistorie bei einer aktuellen Dividendenrendite von 2,61 Prozent.

Bilanz und Verschuldung

Wenig zu meckern gibt es bei der bilanziellen Situation des Unternehmens. Die Eigenkapitalquote ist solide. Der Goodwill ist zwar deutlich angestiegen, besitzt in meinen Augen aber kein stabilitätsgefährdendes Risikopotenzial.

Allerdings hat Intel für den Kauf von Mobileye, einem israelischen Kameratechnikspezialisten einen Preis bezahlt, der alles andere als günstig wirkt. Bei der 15,3-Milliarden-Dollar-Übernahme zahlte Intel das über 40-fache von Mobileye‘s 2016er Umsatz. Viele Vorschusslorbeeren, die aber erst noch hereingeholt werden müssen. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/mobileye-intel-zahlt-15-3-milliarden-dollar-fuer-autozulieferer/19508066.html?ticket=ST-1653862-4TW3V5A1NKLUppNNSksP-ap3

Profitabilität

Die hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung machen sich in der hohen Nettomarge bemerkbar, die wohl aufgrund des technologischen Vorsprungs gut fünf Prozent höher als der Konkurrenzdurchschnitt liegt.

In diesem Fahrwasser zeigt sich auch die stattliche Eigenkapitalrendite, die bereits angesprochen wurde sowie der return on capital employed (ROCE) von sehr guten 20 Prozent.

Wachstum

Die zuletzt schwach ausgefallenen Wachstumszahlen sind der Hauptgrund für die Korrektur der Aktie. Der Konjunkturzyklus ist reif, schwächt sich ab. Und zudem weiß niemand, welche ‚Blüten‘ die weiteren Scharmützel im Handelskrieg noch zum Vorschein bringen. Da der PC-Markt allgemein als ‚reif‘ gilt, versucht Intel durch die Fokussierung auf das Cloud-Geschäft, Internet der Dinge sowie die Mobilität der Zukunft in den Wachstumsbranchen Fuß zu fassen.

   

   

Konkurrenz

Die Liste an Konkurrenten – anbei ein Auszug aus marketscreener.com - ist lang und gespickt mit vielen starken Unternehmen. Der Kampf um Marktanteile ist hart. Allerdings scheint Intel seinen Größenvorteil gut auszuspielen. Die hohen Forschungsausgaben sorgen ebenfalls dafür, dass Intel zu den Platzhirschen in der Branche gehört.

   

Quelle: marketscreener.com

Risiken

Das Unternehmen ist stark abhängig von der weltweiten Konjunkturlage. Der Konzern hat starke Produkte, muss sich aber erst in den Geschäftsfeldern rund um Cloud und IoT beweisen. Das Chipgeschäft ist schnelllebig, erfolgreiche Geschäftsmodelle von gestern und heute müssen morgen oftmals ad acta gelegt werden.

Mit Bob Swan als neuem CEO hat Intel zwar einen Mann am Ruder, der gut mit Zahlen umgehen kann, vom Innenleben von Mikrochips aber wahrscheinlich wenig Ahnung hat. So hat er jedoch viel Erfahrung als Finanz-Verantwortlicher bei diversen Konzernen. Ob der ‚Zahlenmensch‘ aber auch der Richtige am Steuer eines Tech-Konzerns ist, darf durchaus bezweifelt werden.

Porter’s Five Forces

Der stärkste Risikofaktor besteht in einer sich eintrübenden Konjunktur, was sich in der Verhandlungsmacht der Abnehmer wiederfindet. Auch die Bedrohung durch Substitution ist gerade im schnelllebigen Chipsektor ein stetiger Gegner, womit sich der Kreis mit der starken Branchenrivalität schließt. Durch die hohen Forschungsausgaben vermag es Intel aber, diese beiden Risikofaktoren etwas abzuschwächen.

    

    

Die Risiken sind nicht von der Hand zu weisen. Das Geschäft ist schnelllebig, Zukunftsmärkte müssen richtig erschlossen und das Wachstum weiter forciert werden. Der CEO muss sich in diesem Zusammenhang erst beweisen.

Nichtsdestotrotz, die Aktie von Intel bietet durch die aktuelle Kursschwäche ein gutes Einstiegsniveau - vorausgesetzt, dass die Weltwirtschaft wieder zu alter Stärke zurückfinden kann. Wer diesbezüglich Zweifel hegt, der könnte entweder weiter abwarten oder mit dem Kauf einer ersten kleineren Tranche den Aufbau einer Position beginnen.

Herzlichst

Ihr Christof von Wenzl

Quellen: reuters.com, morningstar.com, marketscreener.com, www.intc.com, guidants.com

Alle Kennzahlen wurden – sofern nicht anders erwähnt - auf Sicht der letzten 4 auf morningstar.com verfügbaren Quartale berechnet.

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