Geschäftsmodell und Absatzmärkte

Takeda ist das größte Pharmaunternehmen Japans und gehört gemessen am Umsatz zur weltweiten Top Ten der Pharmabranche. Eine unkonstante Umsatzentwicklung sowie schwache Margen haben dafür gesorgt, dass Altaktionäre sich mit einer nicht gerade erbaulichen Kursentwicklung konfrontiert sehen.

Mit dem Kauf des Biotech-Unternehmen Shire PLC für 62 Milliarden Dollar im Jahr 2019 und nach wie vor massiven Forschungsanstrengungen möchte man allerdings neue Akzente setzen. Das war und ist auch bitter nötig, um die Medikamenten-Pipeline zu stärken und neue umsatzbringende Blockbustermedikamente auf den Markt zu bringen.

 

 

Quelle: Unternehmenspräsentation

Der japanische Heimatmarkt ist wachstums- und margenschwach, die Stärkung des Geschäfts in Nordamerika war ein kluger Schritt. Den Umsatzanteil dort konnte man von 24 Prozent in 2015 auf 48 Prozent in 2020 erhöhen, was ein Mitgrund für die inzwischen verbesserten Margen ist.

 

 

Die Aktie kann auch an deutschen Börsenplätzen geordert werden, sollte aufgrund des schwachen Handels aber streng limitiert werden.

 

 

Quelle: tradingview.com

Das Tief zwischen 3200 und 2800 japanischen Yen (JPY) wurde vom Markt als Unterstützung bestätigt. Das aktuelle Kursniveau wirkt charttechnisch attraktiv für Investoren mit langem Zeithorizont.

 

 

Quelle: tradingview.com

Seit dem 2020er Tief befindet sich die Aktie in einer korrektiven Aufwärtsbewegung. Es herrscht ein Patt zwischen Bullen und Bären - und auf kurze Sicht lässt sich keine belastbare Tendenz erkennen. Ein eventueller kurzfristiger Trade ließe sich mit einem Stopp unter 3200 JPY absichern.

Kurs zum 03.05.2021: 1 Euro = 131,99 JPY

 

 

 

 

Bewertung

Da Takeda fortlaufend wesentlich mehr freien Cashflow als Gewinn erwirtschaftet, ist das KGV bei dieser Aktie kein geeigneter Maßstab. Deshalb konzentrieren wir uns bei der Bewertung auf das Kurs/FCF-Verhältnis (P/FCF) und bedienen uns einiger Schätzungen. Unter Annahme eines Nullwachstums beim Umsatz für das laufende Jahr und verschiedener historischer Margen ergeben sich folgende abgeleitete P/FCF-Zahlen.

 

 

Bei einer sehr pessimistischen Margenerwartung wäre die Aktie mit einem 20er P/FCF elf Prozent teurer bewertet als der Branchenschnitt. In den beiden anderen Fällen würden wir eine attraktive Bewertung vorfinden.

Vieles hängt davon ab, wie viel Potenzial in der Pipeline von Takeda steckt, die inzwischen wieder gut gefüllt wirkt. Der Markt schreibt dieser allem Anschein nach aber kein Potenzial zu, was dazu führt, dass das Überraschungspotenzial in der Aktie wohl eher auf der Oberseite zu vermuten ist.

Zudem sollte der Shire-Deal, der Aktionären einen Kursabsturz und eine hohe Aktienverwässerung beschert hat, inzwischen verdaut sein.

Bilanz und Verschuldung

Mit der Übernahme von Shire ist die Verschuldung sprunghaft nach oben geschnellt, konnte in den vergangenen beiden Jahren aber bereits um 20 Prozent reduziert werden. Ohne weitere Spartenverkäufe wird man den Schuldenstand allerdings nicht so schnell reduzieren können, da man sich auch fortlaufend hohe Dividendenausschüttungen leistet.

Profitabilität

Der Trend zeigt seit 2017 endlich wieder in die richtige Richtung und die Margen nähern sich langsam aber sicher denen von anderen Pharmaunternehmen an. Dabei hilfreich ist sicher das ausgebaute Geschäft mit Medikamenten gegen seltene Krankheiten, die in der Regel höhere Einnahmen versprechen.

Wachstum

Der Umsatzsprung in 2020 resultiert aus dem Shire-Deal und sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man im vergangenen Jahrzehnt umsatzseitig nicht überzeugen konnte. Für zusätzlichen Gegenwind sorgte zudem auch der medizinische Fokus auf Corona in 2020, weswegen viele Patienten nicht mit Therapien zur Behandlung anderer Krankheiten beginnen konnten.

 

 

Das stattliche Forschungsbudget, mit dem Takeda fährt, sollte mittelfristig aber wieder für Erfolge bei der Entwicklung neuer Medikamente sorgen und damit Umsätze anschieben können. Schließlich sollte mit über vier Milliarden Dollar an jährlichen Ausgaben für diesen Bereich dann doch das eine oder andere erfolgsversprechende Medikament entwickelt werden können.

Konkurrenz

Die Pharmabranche ist gekennzeichnet von einer starken Konkurrenzsituation. Denn neben anderen konventionellen Pharmaunternehmen wie Novartis, Roche und Pfizer muss sich Takeda auch mit Biotech-Konkurrenten und Generikaherstellern herumschlagen.

Besonders abgelaufene Patente für frühere Blockbuster-Medikamente - und der bisher schwache Ersatz dafür - ist für die anhaltende Kursschwäche verantwortlich.

Risiken

Zwei Risiken bzw. Investorensorgen scheinen bei Takeda taktgebend zu sein. Erstens jenes, dass man mit seinem aktuellen Portfolio gegenüber der Konkurrenz das Nachsehen hat und schwächer wächst als diese. Zweitens, dass neu entwickelte Medikamente es nicht zur Marktreife bringen bzw. man es nicht schafft, mit diesen Marktanteile für sich zu gewinnen.

Porter’s Five Forces

Die beschriebene vielfältige Konkurrenz und das teilweise überalterte Medikamentenportfolio erhöhen das Risiko der Branchenrivalität, das Substitutionsrisiko sowie die Bedrohung durch neue Konkurrenz.

Abnehmern, wie Krankenkassen und Patienten kann der Branchenkampf um Marktanteile natürlich nur Recht sein, da sie aufgrund dessen zumindest etwas günstiger an Medikamente kommen.

Zuletzt ist man auch dem Lieferantenrisiko ausgesetzt, da man für die Produktion von Medikamenten zum Teil auf Sub-Unternehmen setzt. Diesem Risiko ist man sich allerdings bewusst und setzt deshalb auf verschiedene Zulieferer, wodurch sich das Risiko relativiert.

 

 

Der Markt scheint dem Unternehmen nicht viel zuzutrauen, anders kann man sich die attraktiv wirkende Bewertung nicht erklären. Das sorgt für positives Überraschungspotenzial und kann geduldigen Investoren, besonders jenen mit Vorliebe für konservative Dividendenaktien, nur Recht sein.

Der Aktienkurs hängt allerdings zu großen Teilen von der erfolgreichen Einführung neuer Wirkstoffe in den kommenden zwei bis drei Jahren ab.

Herzlichst

Ihr

Christof von Wenzl

Quellen: sentieo.com, morningstar.com, www.takeda.com, tradingview.com, wikipedia.de

Alle Kennzahlen wurden – sofern nicht anders erwähnt - auf Sicht der letzten vier verfügbaren Quartale berechnet.


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