Geschäftsmodell und Absatzmärkte

Nicht nur für Angler und Jäger, für welche das Equipment ursprünglich entwickelt wurde, schwören auf die Marke. Mit genannten Produkten sowie weiteren Outdoor-Utensilien, wie Schlafsäcken, Taschen und Rücksäcke sowie modischen Accessoires trifft das Unternehmen den Zahn der Zeit und reitet den Outdoor-Trend erfolgreich mit.

Außerhalb der USA erzielt man 2020 nur rund sechs Prozent des Umsatzes, kann dank des Online-Kanals aber auch außerhalb der Staaten immer besser Fuß fassen. In Q1 konnte die Quote auf neun Prozent erhöht werden.

 

 

Quelle: Unternehmenspräsentation Q1

Einfaches und skalierbares Geschäftsmodell - Check

 

 

 

 

Quelle: guidants.com

Die trendstarke Aktie hangelt sich entlang des 50-Tage-Durchschnitts nach oben und konsolidiert gerade auf hohem Niveau. Wird hier ein Ausbruch vorbereitet? Die Saisonalität würde eigentlich dagegensprechen. Schließlich kommt auch die Börse so langsam aber sicher in ihr Sommerloch, in dem viele Aktien tendenziell auf Range umschalten.

Dennoch wäre ein Ausbruch über 90 Dollar ein starkes Zeichen, während Kurse unter 78 Dollar für ein Ansteuern der 200-Tage-Linie bzw. den Bereich um 60 Dollar sprächen.

 

 

Quelle: guidants.com

Seit 2018 an der Börse, konnte sich die Aktie im Kurs dank des Outdoor-Trends bereits vervielfachen.

 

 

 

 

Bewertung

Das KGV von über 40 relativiert sich schnell, wenn man bedenkt, dass Yeti stets wesentlich mehr freien Cashflow als Gewinn erzeugt und zudem für 2021 vom Management erneut ein Umsatz- und Gewinnwachstum zwischen 20 und 22 Prozent in Aussicht gestellt werden.

Auch erzielt man als hochpreisiger Anbieter deutlich bessere Margen als die Konkurrenz und verfügt darüber hinaus über eine schuldenfreie Bilanz.

Wer hier investiert, sollte allerdings fortlaufend prüfen, ob die Wachstumsdynamik anhält. Im gegenteiligen Fall ist die Luft bei solchen Titeln auch gerne schnell draußen. Wenn die Dynamik anhält, sind bei diesem Wachstumstitel, den Peter Lynch wahrscheinlich mögen würde, überproportionale Kursgewinne drin.

Bilanz und Verschuldung

Der Börsengang 2018 hat ordentlich Geld in die Kasse gespült. Aber ohnehin erwirtschaftet der Konzern genügend Mittel, um zu expandieren, gleichzeitig aber die Bilanz nicht mit Schulden vollzuladen oder neue Aktien ausgeben zu müssen.

Profitabilität

Per 2020 wurden bereits 53 Prozent des Umsatzes über den eigenen Online- und Ladenvertrieb sowie über Amazon (14 Prozent des Umsatzes) generiert. 2019 lag dieser Wert noch bei 42 Prozent, was zu einer deutlichen Margenverbesserung zwischen 2019 und 2020 geführt hat.

Da man seine Produkte aktuell fast ausschließlich in den USA vertreibt, bleibt auch noch genügend Wachstumspotenzial über die nächsten Jahre, beispielsweise auf dem europäischen oder pazifischen Markt.

Die negative FCF-Marge im jüngsten Quartal resultiert aus einer gestiegenen Lagerhaltung sowie noch nicht kassierten Forderungen. Zwei Punkte, bei denen im Analyseprozess die Alarmglocken schrillen sollten. So können steigende Vorräte bzw. gefertigte Produkte darauf schließen, dass man seine Ware nicht mehr los wird. Andererseits könnten steigende Forderungen darauf schließen, dass man seinen Kunden längere Zahlungsziele gewährt, um kurzfristige Verkaufszahlen zu pushen.

Ein Blick in die Historie bei Yeti verrät aber, dass man sich hier keine Sorgen machen muss und diese Faktoren saisonal bedingt sind. So werden die Lager im ersten Quartal jedes Jahres stets gut gefüllt, um für die wichtige Sommersaison gut gerüstet zu sein.

Durch die stabile bzw. rückläufige Entwicklung der offenen Forderungen kann man auch bei diesem Punkt Entwarnung geben.

Wachstum

Wie gesagt, schwimmt das Unternehmen erfolgreich beim Outdoor-Trend mit. Der Trend wird auch immer mehr zu einem Lifestyle, den viele Naturliebhaber nur mit den besten Produkten zelebrieren wollen.

Und das nicht nur in den USA, sondern weltweit, womit das Unternehmen noch reichlich Potenzial ausschöpfen kann.

Konkurrenz

Kühlboxen, Trinkflaschen und -becher sind jetzt nicht gerade ein Hochtechnologieprodukt. Es gibt auch andere Unternehmen, die vergleichbare Produkte anbieten. Mit einer cleveren Marketingstrategie in den sozialen Medien und mithilfe von sogenannten Botschaftern (Alpinkletterer, Surfer, Rodeo-Reiter) möchte man die Marke weiter ausbauen und schärfen und sich damit von der Konkurrenz abheben.

Die seit Jahren stark anziehenden Umsätze scheinen dem Unternehmen auch Recht zu geben, auch wenn man mit der VF Corporation (die Mutter von ‚The North Face‘ und ‚Timberland‘) einen potenten Gegner hat.

Risiken

Da das Unternehmen über keine eigenen Fertigungsstätten verfügt, ergibt sich eine hoheLieferantenabhängigkeit, die zudem dadurch erhöht wird, dass man für einen Großteil der Produkte auf lediglich zwei Zulieferer setzt. Yeti versucht hier anzusetzen und arbeitet an einer Diversifizierung der Zulieferkette.

Zudem profitiert Yeti vom Outdoor-Trend, allerdings: Trends kommen und gehen, weshalb man das Eisen schmieden muss, solange es noch heiß ist. Das gilt für Yeti wie gleichfalls auch für dessen Aktionäre.

Porter’s Five Forces

Die Lieferantenproblematik wurde angesprochen. Des Weiteren ist man auch von ausgabefreudigen Konsumenten abhängig, die bei einer Konjunkturschwäche weitaus weniger spendabel sind, als es aktuell der Fall ist.

Das Substitutionsrisiko erklärt sich auf der Grundlage, dass die Marke Yeti zwar bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, dieser aber noch zu gering ist, um sich auch gegenüber potenziellen neuen Konkurrenten einen Burggraben zu ermöglichen.

Schlussendlich führt auch die Konkurrenz ähnliche Produkte im Sortiment, die teilweise über weitaus höhere Werbebudgets verfügt.

 

 

Bei Yeti handelt es sich um ein wachstumsstarkes Qualitätsunternehmen, bei dem man gerne zugreifen kann, wenn man vom Outdoor-Trend profitieren möchte. Im Idealfall sollte man aber noch das charttechnische „Go“ abwarten.

Herzlichst

Ihr

Christof von Wenzl

Quellen: sentieo.com, morningstar.com, www.investors.yeti.com, guidants.com, wikipedia.de

Alle Kennzahlen wurden – sofern nicht anders erwähnt - auf Sicht der letzten vier verfügbaren Quartale berechnet.


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