Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder über Aixtron wie zuletzt auch über ThyssenKrupp berichtet. Beide Aktien wurden den Abonnenten bei Cashkurs*Trends bereits vor einiger Zeit präsentiert. Aufgrund der jüngsten Ereignisse von der Kapitalmarktseite als auch den Geschehnissen aus strategischer Sicht, ist ein kurzes Update notwendig.

Aixtron (ISIN: DE000A0WMPJ6)

Was für eine Kursrallye! Die Aktie hat allein im noch jungen September über 37% zugelegt. Die Gründe dafür sind vielfältig - allerdings werden auch die Warnhinweise größer.

Einige Gründe für die extrem gute Kursperformance:

  • Die Aktie wurde extrem stark abgestraft und hat einen Transformationsprozess im Hinblick auf die Bewertung der Börsianer hinter sich
  • Das Management befindet sich derzeit auf Roadshow bei institutionellen Investoren und rührt kräftig die Werbetrommel
  • Im Oktober kommt ein neues Managementmitglied von Infineon (wir haben hier berichtet)
  • Die Aktie sieht neue Opportunitäten in Asien, nachdem die Handelsbeziehungen zu den USA aus deutscher Sicht etwas distanzierter werden
  • Die Aktie war deutlich unterbewertet in Anbetracht künftigen Wachstums
  • Die Aktie war stark überverkauft
  • Ein potentieller Short-Squeeze

Der Chart hingegen zeigt eine mögliche Überhitzung. Der untere Chart mit den grünen und roten „Bergen“ stellt den Relative-Strength-Index da. Ist der Index über 70, gilt eine Aktie allgemein hin als überkauft und unter 30 entsprechend umgekehrt. Spannend ist, dass der RSI an einem Tag wie gestern, an dem die Aktie in einer starken Aufwärtsrallye leicht abgab, beinahe schon wieder unter die wichtige 70er-Marke rutscht. Demzufolge wäre auch eine Seitwärtsphase denkbar aus der heraus es dann wieder nach oben geht.

Der MACD wiederum, welcher einen Trend anzeigt, würde noch einiges an Luft nach oben bieten, bevor der Seitwärtstrend einsetzt und es wieder bergab geht. Dieser ist jedoch eher mittelfristig über mehrere Wochen und Monate zu betrachten. Abschließend muss man beim Chart im Hinterkopf behalten, dass z.B. bei 9,70 Euro und 3,99 Euro noch Gaps offen sind. Solche Gaps sind oftmals Kursziele, die irgendwann geschlossen werden.

Hinzu kommt, dass Aixtron noch vor kurzem zu den Aktien in Deutschland gehörte, die die höchste Short-Ratio aufwiesen. Also Aktien, bei denen sich ein besonders hoher Anteil auf fallende Kurse positioniert hat. Daten dazu findet man u.a. hier: http://shortsell.nl/universes/Duitsland

Diese Short-Positionierungen haben zuletzt abgenommen. Daher könnte man den Aufwärtstrend auch auf einen sogenannten Short-Squeeze zurückführen. Dabei müssen sich Leerverkäufer wieder mit Aktien eindecken um ihre Verluste bei steigenden Kursen zu begrenzen. Dadurch entsteht eine weitere Nachfrage und der Kurs steigt weiter. Ein dynamischer und nach oben gerichteter Teufelskreis. Bei Cashkurs*Trends liegen wir mit der Aktie über 185% im Plus. Erste Gewinne haben wir gemäß dem Motto „Von Gewinnmitnahmen ist noch niemand ärmer geworden“ bereits realisiert. Aktuell verfolgen wir die Position sehr eng, sehen fundamental noch gute Chancen, jedoch ein wenig Gefahr von der charttechnischen Seite.

ThyssenKrupp (ISIN: DE0007500001)

Die Traditionsfirma aus Essen haben wir vor kurzem ebenfalls ins Portfolio aufgenommen. Die Idee besteht hierbei in der Abspaltung der Stahl-Sparte und den damit verbundenen Vorteilen, über die wir hier berichtet haben.

Zwischenzeitlich gab es zahlreiche Diskussionen und die Meinung, dass auch die Politik sich einschalten solle, um eine deutsche Lösung zu unterstützen. Jürgen Großmann, ehemaliger CEO von RWE und Anteilsinhaber der Georgsmarienhütte war als Kooperationspartner ins Spiel gebracht worden um ein Konstrukt aus den genannten Konzernen/Konzernteilen zu kreieren. Diese Idee scheint sich, und das ist eine subjektive Einschätzung meinerseits basierend auf Grundlage des Newsflows, jedoch nicht durchzusetzen. Die Politik versucht derzeit solche Themen (wir sehen ein ähnliches Verhalten auch bei Air Berlin) gerade im Vorfeld der Bundestagswahl, fern halten zu wollen.

Eine Fusion mit der Stahl-Abteilung von TATA ist daher weiterhin am wahrscheinlichsten. Dann sollte es nochmals ordentlich Potential bei der Aktie geben, sobald sich die Anzeichen (noch mehr) verdichten und es konkret wird. Immer wieder hat man angekündigt, dass dies noch einige Monate in Anspruch nehmen kann.

Ein weiterer Vorteil solcher Ansätze besteht in der Natur der Story selbst. Sogenannte Event-driven Strategien zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders unabhängig vom Kapitalmarkt sind. Wenn es morgen kracht, bleiben Unternehmen, die sich gerade eines wichtigen Ereignisses ausgesetzt sehen (Fusion, Abspaltung, Restrukturierung usw.) natürlich nicht vollends außen vor. Allerdings ist die Abhängigkeit deutlich geringer und Anleger schauen vermehrt auf das eine Ereignis statt auf den Markt selbst.

Ein wenig Geduld scheint noch gefragt, dann aber kann auch ThyssenKrupp spannende Einblicke liefern.

Ihr Andreas Meyer

Quellen: Bloomberg, ThyssenKrupp, Aixtron, Morningstar