Dänemark ist ja eines dieser beschaulichen Nachbarländer, von denen man so gut wie nie etwas mitbekommt, wenn man nicht gerade in der Grenzregion wohnt. Wenn es mal wieder einen Regierungswechsel gibt oder ein Prinzenpaar heiratet, dann liest man vielleicht einmal einige Zeilen. Ansonsten verhält es sich ruhig. Dänemark ist überschaubar, in Dänemark ist die Welt noch in Ordnung. Der Däne mag keinen Rummel. Dänemark hat ja nicht einmal den Euro.

Okay, das letzte Argument ist vielleicht nicht unbedingt ein Grund, aber ein guter Aufhänger. Die Finnen haben den Euro und von denen hört man auch nur, wenn bürgerlich-konservative „Wahre Finnen“ ins Parlament einziehen oder mal wieder eine Liste der letzten Triple-A-Eurostaaten vorgelegt wird. Nein, Dänemark hat eine eigene Währung – und eine eigene Schuldenkrise. Es gibt jedoch viele Parallelen zur großen (Euro-)Schuldenkrise.

Im ersten Akt haben um das Jahr 2008 – wie auch sonst überall auf der Welt – die Banken Feuer gefangen, sich „verzockt“, „plötzlich“ Milliardenlöcher gefunden – oder sie sind schlicht „infiziert“ worden vom „Schuldenvirus“. Das natürliche Unglück der Krise. Also wurden sie vom Staat gerettet, klar logisch, obwohl die Dänen sogar manch Bank über die Klinge springen ließen. Jedenfalls schulden die Banken jetzt ihre Rettungskredite.

Auch wenn die sonstigen Geschäfte wieder einigermaßen laufen, wirklich sauber beziehungsweise aufgeräumt nachhaltig sind ja die Bankenbücher nie geworden. Anno 2012 bröckelt also die Ruhe, die man sich erkauft hat – auch im kleinen Dänemark. Viele Banken spüren, dass sie ohne gewisse „Liquidität“ nicht mehr lange mache. Ein paar der Altlasten der letzten Rettungsrunde drücken eben doch auf’s Gemüt.

Summa summarum sahen sich nun auch die Dänen gezwungen, ein bisschen Geld unters Bankenvolk zu streuen. 15 Milliarden werden’s am Ende sein, übermorgen ist es so weit, natürlich direkt von der Zentralbank. Es ist die bekannte politische Lösung mit den leider weitestgehend unbekannten Langzeitfolgen für Land und Leute. Schade eigentlich, Dänemark hätte eine so nette Fluchtoption sein können…


===== N E W S =====

DÄNEMARK MUSS WIEDER BANKEN RETTEN
Auch die dänische Zentralbank wird Kredit-Tender ausgeben. Ist ja kein Euroland.
DMN

DIE „WAHRE BOMBE“ LIEGT EBEN DOCH IN SPANIEN
Das wird ein Haufen Arbeit für die Euro-Retter.  363 Prozent Gesamtverschuldung.
Tagesanzeiger

FOLLOW-UP DAX-KONZERNE — REKORD-DIVIDENDEN ERWARTET
Macht Sinn, wenn man Rekordgewinne berücksichtigt. Erklärt auch die Rallye…
FTD

BRITISCHE PRESSE SPEKULIERT UM PUTSCHVERSUCH IN CHINA LETZTE WOCHE
Aus China selbst wurden sämtliche Nachrichten vertuscht und zensiert, also bleiben Fragen.
Mail Online

ROCHE SENKT MEDIKAMENTENPREISE IN INDIEN
Oh, war da was? Glück gehabt, dass es bei den Preisen einen Spielraum nach unten gibt.
Handelszeitung


===== H I N T E R G R U N D =====

PSYCHOPHARMAKA ERSETZEN PFLEGEKRÄFTE IN HEIMEN
Ziemlich starker Tobak, aber wohl auch ein ziemlich gutes Geschäft…
n-tv

LEIHARBEITER UNGEFÄHRLICH FÜR STAMMBELEGSCHAFT
Und 50 Prozent weniger Verdienst… So viel zum Thema Karrieresprungbrett…
Augsburger Allgemeine

270 MILLIARDEN DOLLAR IN US-STUDIENKREDITEN IM VERZUG
Und zwar 30 Tage oder mehr. Interessant auch die anderen Statistiken. Bedenklich!
ZeroHedge

MEHR KNASTIS IN DEN USA ALS ZU STALINS BESTEN ZEITEN
Muss man natürlich ins Verhältnis setzen, aber trotzdem ordentlich schlucken…
ASR Blog

ZU GUTER LETZT — „MASTER OF MUPPETS“ LLOYD BLANKFEIN
Einfach, intelligent, ehrlich und vor allem lustig. Internethumor erklärt die Welt.  
Direktlink (ZeroHedge)

 
Hinweis: Die verlinkten Beiträge stellen nicht immer die Meinung der Cashkurs-Redaktion dar, dienen aber in jedem Falle der eigenen Urteilsbildung.