Gaming: Ein Milliarden-Dollar-Business

Die Zahl der aktiven Gamer soll in diesem Jahr, auch dank der Lockdowns, auf 2,8 Milliarden ansteigen, die erzielten Umsätze auf 175 Milliarden. Besonders hervorstechend hierbei der Umsatzanteil der Smartphone-Spiele. Bereits jetzt geht nahezu die Hälfte des Gesamtumsatzes der Industrie auf das Konto der Handy-Daddel-Spiele, die dank vieler kleiner sogenannten In-Game-Käufe (Mikrotransaktionen) für satte Gewinne sorgen.

 

 

Auch wenn sich die großen Gaming-Schmieden bei Handyspielen aufzustellen suchen, werden konventionelle und groß aufgezogene Blockbuster für Konsole, Streaming und PC weiterhin ein wichtiges Standbein für die Branche bleiben. Gerade für die erfolgreichen Spieleserien wie Fifa von Electronic Arts oder Activision Blizzard’s Call of Duty werden von den Konzernen teilweise im jährlichen Takt gewinnbringende Fortsetzungen und Erweiterungen auf den Markt gebracht.

Dank eines kaum kapitalintensiven Geschäfts und großteils digital verkaufter Spiele (im Gegensatz zum teureren traditionellen CD-Verkauf) glänzt der Sektor mit hohen Margen. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Bilanzen der Konzerne aus, die sich in der Regel äußerst robust zeigen. Dass das positive Momentum anhalten wird, zeigt auch das Engagement von Microsoft, Alphabet und Amazon, die mit Zukäufen, Spielstreaming-Angeboten und eigenen Spielkreationen einen Fuß in die Tür des lukrativen Teilsegments des Entertainmentmarktes bekommen wollen.

Der Plattformkrieg – Konsole, PC oder doch Streaming?

Währenddessen kämpfen Microsoft, Sony, Google & Co. um die Gunst der Spieler, die sich zwischen dem Spielen auf der Xbox, Playstation, PC oder dem Streaming über Google’s Stadia entscheiden können. Den Spieleschmieden kann dies egal sein. Letztendlich vergrößert dieser Machtkampf nur die potenzielle Käuferschicht - und Spieleinhalte werden schließlich immer benötigt. Grund genug, um uns die vier großen Player der Branche zur Brust zu nehmen. Insbesondere deshalb, da sich die Aktie nach der Corona-Gewinner-Euphorie des Jahres 2020 nun schon seit dem Frühjahr im Rückwärtsgang befinden, inzwischen aber an einem Boden arbeiten.

Kommt nach monatelanger Konsolidierung der nächste Aufwärtsimpuls? Outperformer Take Two sagt 'Ja'

1. Activision Blizzard (WKN: A0Q4K4)

Der erste Titel in unserer Riege ist zugleich auch der nach Umsatz und Marktkapitalisierung größte reinrassige Spielekonzern. Die Call-of-Duty-Reihe (CoD) sowie World of Warcraft (WoW) waren lange Zeit die Zugpferde des Unternehmens, verlieren in der Spieler-Community so langsam aber sicher an Strahlkraft. Während man mit dem kostenlosen Online-Multiplayer-Titel CoD Warzone einen Hit landen konnte (hier werden Einnahmen über lukrative In-Game-Käufe erzielt), wird CoD Vanguard bereits vor Veröffentlichung als ideenloser und aufgewärmter Weltkriegs-Shooter betitelt.

Derweil verliert WoW aufgrund eines Entwicklungsstillstandes immer mehr Spieler an Konkurrenztitel, unter anderem auch an ‚New World‘ von Amazon. Um dem allen noch die Krone aufzusetzen, machte der Konzern zuletzt mit internen Skandalen Schlagzeilen.

Auf der anderen Seite hat die Aktie durch den resultierenden Abverkauf bewertungstechnisch nun auch wieder ein interessantes Einstiegsniveau erreicht und allen Unkenrufen zum Trotz ist der Konzern nach wie vor der Margenkönig der Branche.

Die Bilanz ist sauber, zudem ist man nettoschuldenfrei. Und die anstehenden Spieleveröffentlichungen von Overwatch 2 und Diablo 4 verleihen dem Unternehmen im Idealfall wieder operativen Rückenwind. Zuletzt ist der Konzern mit einem starken Stand beim Mobile-Gaming am besten von allen vier besprochenen Unternehmen für den wichtigen Smartphone-Spiele-Markt aufgestellt.

Fazit: Antizyklischer Kauf, frei nach dem Motto ‚Buy on bad news‘

Langfristig orientierte Anleger können die Korrektur zum Einstieg nutzen

2. Electronic Arts (WKN: 878372)

Wer Sportspiele mag, kommt an Electronic Arts schwer vorbei. Die Lizenzabkommen mit der FIFA und anderen führenden Sportligen sorgen für einen breiten Burggraben und dafür, dass Spieler mit ihrer Lieblingsmannschaft den Pokal holen können. Allerdings bekleckert sich auch dieser Konzern bei der Spieler-Community nicht gerade mit Ruhm.

Die berechtigte Kritik: Eine alljährliche Neuauflage von Fifa & Co. mit wenig bis gar keinen Innovationen, dafür aber zu laufend steigenden Verkaufspreisen. Die breite Masse scheint dies angesichts des kommerziellen Erfolgs der Titel jedoch nicht groß zu stören. Neben den Sportspielen ist EA für die erfolgreiche Battlefield-Reihe verantwortlich. Hier steht in Kürze mit Battlefield 2042 der neueste Titel in den Startlöchern. Mit Apex Legends führt der Konzern zudem ebenfalls ein Free-To-Play-Spiel in seinen Reihen, in dem In-Game-Käufe Umsätze bringen.

Die kaum programmierintensiven Neuauflagen der Sportspiele sind es auch, die bei EA für auskömmliche Margen und eine nettoschuldenfreie Bilanz sorgen. Und solange es kaum bis gar keine Konkurrenz für die Sportspiele gibt, wird sich daran auch nicht so schnell etwas ändern.

Von ihren Bewertungshochs ist die Aktie aufgrund einer langanhaltenden Seitwärtsbewegung ebenfalls zurückgekommen, wodurch auch dieser Titel eine Einstiegsgelegenheit bietet. Aus technischer Sicht sollte man hier aber auf einen Ausbruch auf ein neues Allzeithoch über 152 Dollar warten.

Fazit: Der Sportspiel-Evergreen ist bei einem neuen Allzeithoch ein Kaufkandidat

Aktie in Wartestellung - Käufe bieten sich erst bei einem neuem Allzeithoch an oder weiteren Rücksetzern Richtung 130 bzw. 110 Dollar

3. Take Two Interactive (WKN: 914508)

Mein persönlicher Favorit, zumindest aus Perspektive eines Gamers, ist Take Two. Der Konzern ist bekannt für qualitativ hochwertige Spiele, bei denen im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten die Entwickler auch bei den Einzelspielerkampagnen ihr ganzes Herzblut hineinstecken.

Als Kunde von Take Two weiß man einfach, dass man Qualität geboten bekommt. Die Aushängeschilder des Konzerns sind hierbei Red Dead Redemption sowie GTA. Der letzte Teil GTA 5 ist nun bereits seit 2013 auf dem Markt, hält in seiner Onlineversion nach wie vor unzählige Spieler vor den Bildschirmen und war im September sogar das meistgestreamte Spiel auf Twitch.

Als dritter im Bunde ist auch Take Two nettoschuldenfrei. Zieht man die verfügbaren Barmittel von der Marktkapitalisierung ab, verringert sich die Bewertung um 13 Prozent. Damit ist der Titel im direkten Vergleich allerdings noch immer am höchsten bewertet.

Da im kommenden Jahr mit Ausnahme eines eigenständigen GTA-Online sowie der Next-Gen-Version von GTA 5 keine großen Neu-Veröffentlichungen anstehen, ist mit wirklichen Gewinn-Momentum erst bei der Veröffentlichung von GTA 6 zu rechnen. Soweit soll es Insidern zufolge aber frühestens 2023 oder 2024 sein. Mit einer 20-Prozent-Rally, ausgehend vom Tief bei 145 Dollar, scheint die Aktie bereits ihren Boden eingezeichnet zu haben.

Fazit: Kurzfristig schwaches Gewinnmomentum, langfristig sorgt GTA 6 für Fantasie

Ist der Boden bereits da? Bei einer Korrektur der jüngsten Rally kann zugegriffen werden

4. Ubisoft Entertainment (WKN: 901581)

Der letzte im Bunde ist das europäische Gaming-Aushängeschild mit einem einerseits breiten Spieleportfolio (Watch Dogs, Far Cry, Assassin’s Creed, Spiele der Tom-Clancy-Reihe) und einer andererseits aussichtsreichen Pipeline an neuen Kandidaten.

Mit einem Spielableger zu Avatar, einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, dem gerade veröffentlichten neuesten Teil der Far-Cry-Serie sowie einem geplanten Open-World-Spiel im Star-Wars-Setting sollten die Kassen auch über die kommenden Jahre klingeln. Gerade auf ‚Avatar: Frontiers of Pandora‘, das 2022 erscheinen soll, ruhen hier auch die Hoffnungen der Aktionäre, die sich aktuell mit einem über drei Jahre währenden Abwärtstrend der Aktie konfrontiert sehen.

Bilanziell gesehen - und auch aus Sicht der Profitabilität - handelt es sich bei Ubisoft um den schwächsten Titel dieser Auswahl. Allerdings ist das auch um ‚Meckern auf hohem Niveau‘. Schließlich könnten sich andere Industriezweige über solch hohe Margen und ein derart zukunftsträchtiges Geschäft nur freuen. Die Aktie wirkt fair bewertet, nur der Charttrend zeigt nach wie vor nach unten, weshalb man hier auf eine Bodenbildung warten sollte.

Fazit: Nach Bodenbildung zugreifen

Noch immer im Bärenland - Vor einem Einstieg sollte eine Bodenbildung abgewartet werden

Abgesehen von den Pure Playern der Gamingbranche ist natürlich auch Tencent erwähnenswert, die wir in den letzten Wochen bereits öfters erwähnt haben. Mit einem starken Stand im chinesischen Heimatmarkt sowie Beteiligungen an etlichen Spieleschmieden ist der Konzern eine fernöstliche Investmentalternative.

Die Querelen rund um die staatliche Regulierung des chinesischen Gaming-Marktes auf der einen sowie die Immobilienblase auf der anderen Seite haben den Aktienkurs und damit die Bewertung deutlich nach unten gedrückt. Die Aktie ist selbstredend aber nur etwas für Risikobewusste, die an ein chinesisches Happy End glauben.

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