Schön, wie unser DAX sich in diesem Jahr von einem Allzeithoch zum nächsten haussiert. Im Mai wurde die 8.500er Marke geknackt. Im September dann die 8.700er Marke. Super Sache. Da bekomme ich richtig Lust, jetzt auf den fahrenden Zug aufzuspringen und per Kredit noch mehr alternativlose Aktien zu kaufen.

In Deutschland unterliegt bekannter Maßen alles einer Regelwut. Beim Pfandsystem gibt es unzählige Ausnahmen. Die Schlupflöcher des Steuersystems sind so vielfällig, dass man wohl alle Bierdeckel vom Münchner Oktoberfest braucht, um sie aufzulisten. Der Regelwahn macht auch leider vor dem DAX nicht halt.

Wussten Sie, dass es eigentlich zwei DAX Indices gibt? Ich rede nicht von der DAX-Familie mit M-DAX, LDAX, C-DAX ect. Wenn in den Medien vom DAX die Rede ist, ist immer der DAX Performance-Index gemeint. Das bedeutet, dass neben den reinen Aktienkursen auch Erträge aus Bezugsrechten und Sonderzahlungen sowie Dividendenzahlungen und Kapitalveränderungen in die DAX-Berechnung mit einfließen.

Vor dem Hintergrund, dass alle wichtigen Leitindices weltweit Kurs-Indices sind und damit eben nur die reinen Kurse der enthaltenen Aktien enthalten und abbilden, erschließt sich mir nicht, warum wir hier in Deutschland aus der Reihe tanzen müssen und uns durch diesen Rechentrick einer Illusion hingeben.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass der DAX Performanceindex einfach optisch nach „mehr“ aussieht. 8.623 sind auch schöner anzusehen als 4.560 (Schlusskurs DAX Kursindex 04.10.2013), wirken stabiler und wertiger. Und auch der Anstieg seit 2009 macht sich natürlich mit 144 % um Längen besser als mit „nur“ 105 %. Allzeithochs machen sich eh immer gut und suggerieren, dass alles in Butter ist.

Wenn wir jetzt aber mal den weltweiten Kursindex-Standard auf den DAX übertragen und damit den richtigen DAX offenlegen, sieht das Bild schon ganz anders aus:

Wir sehen hier im langfristen Monats-Chart (eine Kerze = ein Monat) seit Ende der 1990er, dass der DAX weit entfernt von irgendwelchen Allzeithochs ist. Die letzten Hochs, die er überwunden hat, waren die von 2011 bei ca. 4.400. Und das auch nur sehr zaghaft und ohne Schwung bzw. Dynamik. In 2013 sahen wir hier bisher einen volatilen Anstieg von 9,59 %. Der DAX Per … Sie wissen schon .. schaffte es durch den beschriebenen Rechentrick auf 13,28 %.

Der Grund für den schleppenden Anstieg ist meiner Ansicht nach auch in der Charttechnik zu suchen. Denn aktuell kämpft der DAX Kursindex mit einem langfristigen Widerstand bzw. mit dem entsprechenden Abwärtstrend, der sich durch die Hochs im Jahre 2000 und 2007 definiert. Ob dieser mit Blick auf die eher langweiligen und fast schon lethargischen Marktverfassung und die schon seit über 4 ½ Jahre andauernde Trendbewegung seit März 2009 so ohne Weiteres überwunden werden kann, bezweifle ich persönlich.

Ich halte es aus diesem Grund für sehr wahrscheinlich, dass bei diesem markanten Widerstand erst einmal Schluss mit Lustig ist und wir eine größere Pullbackbewegung in Richtung der langfristigen Unterstützung, die bei ca. 3.300/3.200 verläuft, sehen werden. Diese bis zu 27 %-ige Abwärtsbewegung wird sich naturgemäß auch auf den DAX Performanceindex auswirken. Allerdings gibt es aktuell weder beim DAX Kurs- noch beim Performanceindex ein Umkehr- oder Trendwendesignal, das dieses Szenario in absehbarer Zeit einleiten oder entsprechenden Handlungsbedarf auslösen würde.

Dennoch bin ich eher vorsichtig und stelle ich mich hiermit auf die Seite der Spielverderber, Miesmacher oder wie Sie das sonst noch bezeichnen wollen und behaupte kühn, dass sich der DAX Kursindex im besten Fall noch weiter – wie skizziert – in das zusammenlaufende Dreieck seit 2000 hineinmanövrieren und am Ende in Richtung 2003er Tief ausbrechen wird. Erst bei einem Anstieg über die 5.000 Punkte Marke würde ich meine Meinung ändern und auch dem DAX Kursindex neue Allzeithochs zutrauen.

Fazit: Die viel umschriebene und gelobte deutsche Aktienhausse basiert nur auf einem Rechentrick und ist eine optische Illusion und wird medial zu Unrecht gehypt. Wer wissen will, wie es wirklich um den DAX bestellt ist, schaut sich den DAX Kursindex an.

Viele Grüße aus Berlin,

Ihr Robert Schröder

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.