Es gibt zwei Ansätze, mit denen am Aktienmarkt langfristig erfolgreich sein kann. Der eine basiert auf Momentum, der andere auf der Bewertung. Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile und je nach Anleger ist der eine oder der andere besser geeignet.

Auswahl der Methode – Eine wichtige Entscheidung. Disziplin ist aber mindestens genauso wichtig.

Um einen langfristig erfolgreichen Investmentansatz zu finden benötigt man kein Studium der Quantenphysik. Gute und robuste Ansätze sind in der Regel simpel. Das Problem ist daher nicht ein Mangel an Methoden. Problematisch ist der Grad an Disziplin, den ein Anleger benötigt, um einen Ansatz dauerhaft umzusetzen. Da die Anforderungen bei Momentum-und Value-Ansätzen sich deutlich unterscheiden ist die Wahl der passenden Methode sehr wichtig. Leider wählen viele Anleger und Berater oft den Ansatz, der in den letzten drei Jahren am besten gelaufen ist. Das ist zwar menschlich nachvollziehbar aber nicht zielführend.

Der Momentum-Ansatz

Ein Momentum-Ansatz nutzt die Existenz von Trends an den Finanzmärkten. Geraten Aktien in eine starke Aufwärtsbewegung, so setzt sich dieser Trend oft fort. In vielen Fällen hält der Trend deutlich länger an, als man sich das erträumt hätte. Natürlich ist das nicht bei jeder Bewegung der Fall. Daher erfordert dieser Ansatz eine hohe Disziplin vom Anleger, denn das sprichwörtliche laufen lassen der Gewinne und das rasche Begrenzen der Verluste fällt vielen Menschen extrem schwer. Wer diesen Weg gehen möchte, darf keine Probleme damit haben, eine Aktie auch nach einer Verdopplung zu halten oder eine Verlustposition ohne großes Hoffen („die kommt schon wieder“) zu schließen.

Eine weitere Schwierigkeit, die in der Natur dieses Ansatzes liegt, ist die Sicherheit, nie am Top zu verkaufen oder am Tiefpunkt einzusteigen. Da viele zwar so tun als ob sie genau das können, es aber de facto niemand kontinuierlich schafft, sollte man sich darüber nicht allzu viele Gedanken machen. Falls Ihnen mal wieder jemand von einem tollen Geschäft erzählt, ärgern sie sich nicht. Lassen Sie sich einfach Depotauszüge zeigen, die auch den Zeitraum des letzten Bärenmarktes umfassen. Sie werden sie nicht zu sehen bekommen.

Der Value-Ansatz

Der Value-Ansatz, der darauf setzt Aktien oder Aktienindizes zu kaufen, wenn sie eine niedrige Bewertung aufweisen, ist für viele Anleger möglicherweise besser geeignet. Es klingt für die meisten Menschen plausibler, etwas zu einem günstigen Preis zu kaufen und so seine Abwärtsrisiken zu mindern und gleichzeitig deutliches Aufwärtspotential zu haben. Man kennt das aus dem Karstadt.

Auch dieser Ansatz hat freilich einen Haken. Wer in einem starken Aufwärtsmarkt auf Value-Aktien setzt, der wird in der Regel temporär deutlich geringere Zuwächse verbuchen als ein Momentum-Anleger. Günstige Aktien sind in solchen Phasen, derzeit ist es mal wieder soweit, nicht en vogue. Man leidet unter dem, was neudeutsch als „Underperformance“ bezeichnet wird. Diese resultiert aus dem Vergleich des eigenen Portfolios mit einem wie auch immer ausgewählten Vergleichsindex. Wer einen Value-Ansatz verfolgt sollte sich darüber keine grauen Haare wachsen lassen. Langfristig ist der Zusammenhang von niedriger Bewertung und sehr guter Entwicklung in den Folgejahren eindeutig.

Die folgende Tabelle zeigt dies am Beispiel des MSCI-Index und drei Bewertungskennzahlen. Die Daten und mehr Informationen finden Sie auf der immer lesenswerten Seite von StarCapital. Die Kennzahlen sind das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (Shiller-KGV/CAPE), das Kurs-Buchwert-Verhältnis und das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis. Der Index umfasst 17 Länder, die Daten reichen 38 Jahre zurück.

Für die USA liegen deutlich längere Datenreihen vor, das Ergebnis ist das Gleiche.

Das Fazit ist klar. Wer beim Einkauf auf niedrige Bewertungen achtet, wird mit deutlich höheren Renditen über die kommenden Jahre belohnt. Die Differenzen sind nicht von Pappe. Wer über 20 Jahre 12,3% statt 7,8% einfährt, der steht schließlich mit mehr als dem doppelten Endvermögen da. Da Bewertungen sich relativ langsam verändern, genügt zudem ein sehr geringer Zeitaufwand für die Umsetzung eines solchen Ansatzes, was auch die Umschichtungskosten gering hält.

All dies sollte man Hinterkopf behalten, wenn man sich in manchen Regionen der Erde mal wieder im Bereich exzessiver Bewertungen befindet. Wer sich auf Bewertungen als Kriterium festlegt darf sich allerdings auf viele Diskussionen freuen. So hört man gerne, dieser Ansatz sei tot, weil er die letzten paar Jahre nicht der beste Ansatz war und Bewertungen generell keine Rolle mehr spielen würden, weil die Aktien ja trotz hoher Bewertungen weiter gestiegen seien.

Der Mensch vergisst so schnell. Doch ein Blick auf die Historie kann nicht schaden.

Eine umfangreiche Auseinandersetzung mit diesem etwas zirkulären Gedankengang erübrigt sich. Es genügt der Blick auf einen Chart, der den Kursverlauf der Aktienmärkte der letzten 20 Jahre abbildet. Es ist bemerkenswert wie viele Menschen schon die Entwicklungen in diesem doch recht überschaubaren Zeitraum verdrängt oder vergessen haben beziehungsweise schlichtweg ignorieren. Wie auch immer ein Anleger sich entscheidet, das Ignorieren der längeren Historie ist langfristig keine gute Idee.

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