Überblick

Laut einer neuen Studie, die letzte Woche erschienen ist, beträgt die durchschnittliche  Verschuldung von Haushalten in den Vereinigten Staaten $132.000 – und das ohne eventuelle Hypothekendarlehen. Wenn dieser Faktor miteinberechnet wird, steigt die durchschnittliche Verschuldung auf $263.000. Beide Werte sind sehr hoch, liegen aber noch unter den Höchstwerten, die kurz vor der großen Rezession im Jahr 2008 erreicht worden waren. Eine detailreichere Analyse dieses Punktes finden sie im letzten Teil dieses Textes.

Im Folgenden werde ich argumentieren, dass die hohe Verschuldung von Haushalten ein Grund dafür ist, dass die wirtschaftliche Erholung seit der Rezession so schleppend verläuft – das BIP-Wachstum liegt durchschnittlich bei weniger als 1% in der ersten Hälfte diesen Jahres. Zudem werde ich erklären, warum die anhaltende Verschuldung nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass US Konsumenten mehr ausgeben als sie haben. Man kann an diesem Punkt bereits sagen: Es ist vielmehr eine interessante Zwickmühle.

Bevor ich darauf zu sprechen komme, werde ich jedoch noch kurz auf die jüngsten Diskussionen der US-Notenbank eingehen, die sich um die Frage drehen, wann die Zinssätze kurzfristig erhöht werden sollen. Hinzuweisen ist hierbei vor allem auf die Grundsatzrede Janet Yellens vorvergangenen Freitag in Jackson Hole, Wyoming. Die große Frage ist, ob die Notenbank die Zinssätze im Rahmen ihrer nächsten Sitzung vom 20. bis zum 21. September erhöhen wird. Der Markt wird dieser Frage in der bis dahin verbleibenden Zeit große Bedeutung beimessen.

Janet Yellen sieht sich bereit, die Zinssätze zu erhöhen... Vielleicht

Die Präsidentin der US-Notenbank, Janet Yellen, hielt am vergangenen Freitag im Rahmen des jährlichen Jackson Hole Treffens ihre lang erwartete Grundsatzrede. Das Publikum setzte sich wie üblich aus führenden Vertretern der globalen Finanzbranche zusammen. Während ein Teil des Publikums erwartete, Yellen würde in einer flammenden Rede für die baldige Erhöhung des US-Leitzinses werben, vertrat ein anderer Teil die Meinung, sie würde an ihrem bisherigen, vorsichtigen, "datenabhängigen" Kurs festhalten.

Wie sich herausstellen sollte, fanden beide dieser Seiten in Yellens (wie immer) sorgsam ausgearbeiteter Rede Anhaltspunkte für ihre Vermutungen. Yellen sprach sich zunächst für eine zeitnahe Erhöhung des Zinssatzes aus, indem sie auf ermutigende Anzeichen für eine Erholung der US-Wirtschaft hinwies - hauptsächlich im Bezug auf den sich stetig verbessernden Zustand des Arbeitsmarktes.

Dann wandte sie sich mithilfe verwaschener Formulierungen wieder ihrem vorsichtigeren, datenabhängigen, Es-besteht-kein-Grund-zur-Hektik-Szenario zu. Ihre Anmerkungen können wie folgt zusammengefasst werden.Anfangs sagte sie:

"Die wirtschaftliche Aktivitäten in den Vereinigten Staaten wachsen weiterhin, ausgehend von einem soliden Wachstum der Ausgaben privater Haushalte... Obwohl das wirtschaftliche Wachstum bisher nicht rapide gestaltetet hat, war es in der Lage, die Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter zu verbessern. Die monatlichen Höhen und Tiefen glättend, pendelte sich das monatliche Jobwachstum innerhalb der letzten drei Monate bei durchschnittlich 190.000 ein.

...Mit Blick in die Zukunft ist zu erwähnen, dass nach den Erwartungen des FOMC (Federal Open Market Committee) innerhalb der kommenden Jahre ein moderates Wachstum des BIPs, eine zusätzliche Stärkung des Arbeitsmarktes und eine auf 2% steigende Inflation zu verzeichnen sein wird. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Aussichten nimmt das FOMC weiterhin an, dass eine sukzessive Erhöhung des US-Leitzinses im Laufe der Zeit eine angemessene Methode darstellen wird, um eine Beschäftigungs- und Inflationsrate zu erreichen und zu erhalten, die den gesetzlich vorgeschriebenen Werten nahe kommt."

...Im Lichte der weiterhin soliden Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und unserer Prognose für die Entwicklungen wirtschaftlicher Aktivität und Inflation liegt, wie ich glaube, eine Erhöhung des US Leitzinses nahe."

Bezüglich eines möglichen Zeitpunktes für die Erhöhung des US-Leitzinses machte Yellen keine Angaben. Stattdessen wartete Yellen mit einer nebulösen Grafik auf, die drei Szenarien für eine "Normalisierung" des kurzfristigen Zinssatzes verdeutlichen sollte. Die Grafik enthielt weder ein genaues Datum für den Beginn, noch für das Ende dieses Prozesses. Diesbezüglich am ehesten aufschlussreich war folgendes Statement:

"Das Komitee der US-Notenbank geht weiterhin davon aus, dass eine graduelle Erhöhung des US-Leitzinses angemessen sein wird."

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Yellens Rede vor allem einen optimistischen Blick auf die US Wirtschaft vermittelte - aus Gründen, die schwer nachvollziehbar zu sein scheinen. Dingfeste Angaben zu einer möglichen Erhöhung des US Leitzinses innerhalb der erwähnten Notenbanksitzung im September wurden allerdings nicht gemacht.

Yellens Stellvertreter sagt zwei Erhöhungen des Leitzinses voraus – im September und Dezember

In meinem Blog veröffentlichte ich vergangenen Donnerstag eine Analyse aktueller Reden des stellvertretenden Vorsitzenden der US-Notenbank, Stanley Fischer, und des Vorsitzenden der Notenbank von New York, William Dudley. Beide sind ständige Mitglieder des FOMC und haben dementsprechende Stimmrechte. Und beide sprachen sich zudem Anfang des Monats für eine zeitnahe Erhöhung des US Leitzinses aus.

Fischer und Dudley sind der Auffassung, dass die US Wirtschaft in der zweiten Hälfte dieses Jahres wachsen wird. Ausgangspunkt für diese Annahme ist die umstrittene Vorhersage der Notenbank von Atlanta, die für das dritte und vierte Quartal ein durchschnittliches Wachstum von 3,6% prognostiziert. Allerdings unterstützt keiner der mir bekannten Berichte diese Vorhersage.

Das US-Department für Handel, zum Beispiel, korrigierte vergangene Woche seine Prognose für das BIP im zweiten Quartal von 1,2% (Ende Juli) auf 1,1%. Das Wachstum innerhalb der kraftlosen ersten Hälfte des Jahres fiel somit auf knapp unter 1%. Wie sich im Folgenden zeigt, blieben die Einzelhandelsumsätze für Juli zudem weit hinter den Erwartungen zurück.

So stellt sich, abgesehen von den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die Frage, an was Yellen und die US-Notenbank die angebliche „Stärkung der Wirtschaft“ festmachen.

Nichtsdestotrotz machte Stanley Fischer im Rahmen eines Interviews mit der CNBC im Nachgang zu Yellens Rede in Jackson Hole auf sich aufmerksam, indem er zwei Erhöhungen des US-Leitzinses vor Ende des Jahres voraussagte. 

Als Fischer gefragt wurde, ob Investoren eine Erhöhung des Leitzinses im September und eine weitere Erhöhung zu einem späteren Zeitpunkt zu erwarten hätten, antwortete er:

„Ich denke, im Lichte dessen, was (Yellen) heute gesagt hat, kann man auf beide Ihrer Fragen mit „Ja“ antworten. Wir müssen jedoch die entsprechenden Daten abwarten.“

Welche ökomischen Eckdaten erwarten uns also in dem Zeitraum zum 21. September?

Es macht den Eindruck, als wünschten sich Fischer und Dudley zwei Erhöhungen des US-Leitzinses bis zum Ende des Jahres, eine am 21. September und eine weitere im Rahmen der diesjährigen Abschlusssitzung der US-Notenbank am 14. Dezember. Der US-Aktien- und Anleihemarkt wird deshalb innerhalb der kommenden Wochen haargenau die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung am 21. September abwägen. Die Federal Funds Futures weisen momentan eine Wahrscheinlichkeit von 30% für einer Erhöhung zu diesem Zeitpunkt – damit stieg die Wahrscheinlichkeit nach Yellens Rede um sechs Prozentpunkte – und sogar eine Wahrscheinlichkeit von 57,2% für eine Erhöhung im Dezember diesen Jahres aus.

Die zentrale Frage ist, wie sich die ökonomische Eckdaten zwischen dem jetzigen Zeitpunkt und den Zeitpunkten möglicher Erhöhungen verändern werden. Die Antwort lautet, nicht bedeutend.

Sollten sich diese Erwartungen bewahrheiten, wird die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze im Fokus der Aufmerksamkeit stehen – ein Wert, der jedoch unbeständig und sprunghaft sein kann. Wie bereits erwähnt belief sich die durchschnittliche Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze in den letzten drei Monaten auf rund 190.000. Es ist davon auszugehen, dass eine Erhöhung des Leitzinses im September wahrscheinlich ist, sollte die am Freitag bekannt gegebene Zahl für August über 200.000 liegen. Bei einer Zahl unter 200.000 wird die US-Notenbank mit einer Erhöhung wohl eher noch bis zu ihrer Konferenz im Dezember warten. 

Es wird also eine Frage des Abwartens. Sollte die US-Notenbank ihren Leitzins an den erwähnten zwei Zeitpunkten erhöhen, erwarte ich, dass die großen US-Aktienindizes unter Druck geraten werden. Eine Korrektur der momentanen Rekordwerte könnte sich als unangenehm erweisen.

Private Verschuldung: Ein weiterer Grund für die stockende Wirtschaft

Der Einzelhandelsumsatz geriet entgegen der Erwartungen im vergangenen Juli ins Stocken. Das Census Bureau (US-Statistikbehörde) gab Anfang August bekannt, dass die Einzelhandelsumsatzrate für Juli "flach" bei 0,00% liegen werde - erwartet worden war eine Rate von 0,4%. Und das ist noch nicht alles. Wenn man die Verkäufe im Automobilsektor hinausrechnet, bleibt eine Umsatzrate für Juli von -0,3%.

Auch Wirtschaftsexperten und Analysten scheinen sich schwer damit zu tun, die momentan schwachen Zahlen beim Einzelhandelsumsatz zu erklären - diese müssten zum jetzigen Zeitpunkt innerhalb des wirtschaftlichen Erholungsprozesses deutlich stärker ausfallen. Es ist zudem wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass diese Abschwächung trotz niedriger Benzinpreise und sich verbessernden Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt geschieht.

Ein möglicher Erklärungsansatz ist, dass viele amerikanische Haushalte Angst davor haben, zu hohe Schulden anzuhäufen. Die aktuellen Zahlen des Census Bureaus und der Notenbank von New York fielen eher überraschend aus, wie sich am folgenden Beispiel von vier gängigen Verschuldungsklassen privater Haushalte zeigt.

Aus einer Kombination der vier Verschuldungsklassen ergibt sich eine durchschnittliche Gesamtverschuldung von $263.259 pro Haushalt. Dieser Wert bedingt jährliche Zinsrückzahlungen von $6.658 - ein hoher Wert, ruft man sich das durchschnittliche Einkommen von US Haushalten in Erinnerung: $75,591.

Das bedeutet, dass US-Haushalte rund 9% ihres Einkommens für die Bezahlung von Zinsen aufwenden müssen - und das in einem Szenario, in dem nur vier Verschuldungsarten miteinbezogen worden sind. Diese Schuldenberge bedeuten für viele Haushalte eine große finanzielle Belastung und einhergehende Stresssituationen: 14% der Haushalte haben mehr Schulden als Vermögen(swerte), ihr Reinvermögen sinkt dadurch in den negativen Bereich.

(Randbemerkung: Falls Sie sich fragen sollten, wie es möglich ist, dass ein US-Haushalt durchschnittlich $49.000 Schulden in Form von Studienkrediten hat, lassen Sie mich folgendes hinzufügen: Die Verschuldung in Form von Studienkrediten hat landesweit einen atemberaubenden Wert von $1,3 Billionen erreicht, im Jahr 2004 lag dieser Wert noch bei gerade einmal $260 Millionen. Damit stellen Studienkredite den zweitgrößten Posten auf der Schuldenliste der US-Bürger dar. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass in den meisten Haushalten sowohl der Mann als auch die Frau Studienkredite abbezahlen müssen.)

Viele Analysten sind sich allerdings darüber einig, dass bei einer Feststellung der Gesamtverschuldung von Haushalten eine Miteinbeziehung von Hypothekenschulden oft nicht sinnvoll ist - der Wert von Eigenheimen ist grundsätzlich mindestens so hoch wie die ausstehenden Zahlungen, oder sogar höher.

Wenn man nun einen Blick auf die durchschnittliche Verschuldung von Haushalten abzüglich ihrer Hypothekenschulden wirft (aber inklusive anderer Schulden, die zu den Schulden bei Kreditkartenanbietern, Autohändlern oder Studienkrediten hinzukommen), entsteht ein noch realistischerer Eindruck: die durchschnittliche Verschuldung von US-Haushalten liegt dann bei $132,086. Auch wenn dieser Wert damit niedriger ist als kurz vor der großen Rezession im Jahr 2008, ist er als sehr hoch einzuschätzen.

Gründe für die hohe durchschnittliche Verschuldung von US-Haushalten

Der Knackpunkt in der Beantwortung dieser Frage ist, dass US Familien ganz einfach mehr ausgeben, als sie verdienen. Das ist allerdings noch nicht alles. Die Lebenshaltungskosten sind innerhalb der letzten 12 Jahre schneller gestiegen als das Einkommenswachstum.

Während das durchschnittliche Haushaltseinkommen seit dem Jahr 2003 um 26% gestiegen ist, stiegen die Haushaltsausgaben im selben Zeitraum um 29% - verantwortlich dafür sind in erster Linie die um 51% gestiegenen medizinischen Kosten und die um 37% gestiegenen Lebensmittel- und Getränkepreise.

Auf ersten Blick erscheinen die genannten drei Prozent zwar nicht sehr viel, die Lebenshaltungskosten übersteigen die Einkommen von Haushalten allerdings bereits seit dem Jahr 2008. Vor allem für US-Bürger mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, Menschen in Großstädten und Studierende wirken sich diese drei Prozent oft fatal aus.

Nur drei der Hauptausgabefelder haben das Einkommenswachstum nicht überstiegen: Kosten für Kleidung, Freizeit und Transport. Besonders die ersten beiden sind grundsätzlich jedoch eher unwesentliche Ausgaben und machen keinen bedeutenden Teil im Budget des durchschnittlichen Konsumenten aus.

Im Lichte dieser Faktoren wird klar, warum die Verschuldung amerikanischer Haushalte zu einem solchen Maß gewachsen ist. Der Umstand, dass die Lebenshaltungskosten mit der Zeit höher geworden sind, als die Haushaltseinkommen spielt eine entscheidende Rolle.

Betont werden kann an dieser Stelle noch einmal, dass die durchschnittliche Verschuldung von US-Haushalten riesig ist, auch wenn nicht so hoch ist wie im Jahr 2008 - sie liegt bei rund $132.000 ohne und bei über $263.000 mit Hypothekenschulden.

Diese Schuldenberge verfolgen viele amerikanische Familien und stellen einen wichtigen Punkt dar in der Erklärung des Umstandes, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA seit 2009 die langsamste seit dem Jahr 1949 ist.


Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von http://www.valuewalk.com für Cashkurs übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter http://www.valuewalk.com/2016/08/average-household-debt-132000-not-counting-mortgage.