Ungeachtet der Jubelstimmung an den Börsen stecken zahlreiche Schwergewichte der Rohstoffbranche in der Klemme. Zu viele Projekte wurden basierend auf zu optimistischen Zahlen gestartet. Die Schwankungsbreite der Rohstoffe, allen voran Eisenerz, macht den Unternehmen große Sorgen.

Geradezu erschreckend sind die schwachen Margen und die Volumina der bereits jetzt anfallenden Abschreibungen. Die freien Cash Flows haben sich bei den meisten Konzernen in Luft aufgelöst. Wenig überraschen können daher die Entscheidungen, zahlreiche Projekte zeitweise auf Eis zu legen oder abzubrechen. Die laufenden Kosten sind enorm, hohe Abschreibungen belasten die Bilanzen und die Förderkosten übersteigen selbst pessimistische Prognosen. Diese ungesunde Mischung lässt  für die kommenden Jahre neben sinkenden Ausschüttungen auch steigende Finanzierungskosten erwarten.

Die Folgen des anhaltenden Investitionsrausches vieler Konzerne führen unterdessen bei den Schwergewichten des Sektors für Ungemach.

Schlechte Nachrichten für die Großen, sind in diesem Falle auch schlechte Nachrichten für die Investoren in Nebenwerte der Branche, die auf eine Offerte hoffen. Mit den freien Mitteln nimmt auch das Potential für Übernahmen ab. Vor allem kleinen Firmen mit dauerhaft hohem Finanzierungsbedarf kann in wenigen Quartalen die Luft ausgehen. Ohne Käufer oder strategischen Investor ist dann rasch Schluss.

Da auch die großen Firmen, eingelullt durch einen irrwitzigen Preisanstieg der von ihnen geförderten Rohstoffe, vor dem Trümmern ihrer prozyklischen Geschäftspolitik stehen, sollte man nicht sorglos davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren jede Firma geschluckt wird. Die vergangenen Jahre waren geprägt von der Lotterie-Methode. „Kaufe immer mehr Firmen und hoffe, dass die eine oder andere Nettoerträge liefert“. Die Qualität wird zukünftig eine wesentlich größere Rolle spielen, eine gesunde Entwicklung.

Gerade Eisenerz hat einen raketenhaften Anstieg hinter sich. Lag der mittlere Preis in den zwanzig Jahren von 1982 bis 2002 bei $12,90 so schossen die Kurse innerhalb von 9 Jahren um mehr als 1300 Prozent nach oben.

Kleinere Minenbetreiber („juniors“) ohne Cash und mit lausigen Finanzierungschancen finden sich vor allem im Goldminensektor, wo die Auslese bereits begonnen hat. Sie wird noch eine Weile anhalten. Wie in anderen Sektoren werden die überlebenden Firmen gestärkt aus der Krise hervorgehen, man muss sie nur finden. Allein mit einem guten Geologen und ach so „gigantischen Reserven“ ist es im Bergbau nicht getan.

Mindestens so wichtig wie das, was unter der Erde ist, ist die Verfügbarkeit von Kapital. Wer in dieser Disziplin geschludert hat, wird es nicht schaffen. Wenn der Kühlschrank zwar voll aber abgeschlossen ist, wird man ohne Schlüssel verhungern. Ob die mancherorts zu lesenden Prognosen, die von einer Pleite der Hälfte aller juniors ausgehen, sich als korrekt erweist, wird sich zeigen. Klar ist jedoch, dass eine länger anhaltende finanzielle Dürre einen hohen Tribut fordern wird.

Besonders üppige Ausmaße dürfte die Pleitewelle auch in der amerikanischen Shale Gas Branche annehmen. Die hübschen Fantasiezahlen von „100-jährigen Reserven“ sollten sich vielerorts als Luftnummer entpuppen. Auch in diesem Sektor waren die meisten Firmen nur noch damit beschäftigt, möglichst schnell neue Flächen zu erwerben. Angesichts der bemerkenswert hohen Erschöpfungsraten vieler Felder wird in Zukunft neben Gas auch eine Menge Geld verbrannt. Auch die Buchwerte vieler Grundstücke dürften nicht realitätsnäher bewertet sein, als dies in den Bilanzen spanischer Banken der Fall ist. Es wäre aber auch zu schön gewesen.