Sharps Pixley zählte nur zu einem der britischen Goldhändler, dem die Goldbestände nach der Ergebnisvermeldung zum Brexit-Votum in rasantem Tempo ausgingen. Die Firma musste gar auf seine in Deutschland gelagerten Notreservevorräte größerer Goldbarren zurückgreifen, um die astronomische Tagesnachfrage bedienen zu können.

Wie es aussieht, sind viele Briten nach dem Brexit-Ergebnis nicht nur in andere Währungen wie den USD, den Yen oder den Euro geflüchtet, sondern haben einen „sicheren Hafen“ in Form von Gold gesucht. Der Goldpreis reagierte darauf entsprechend, indem das gelbe Metall binnen kurzer Zeit in der Spitze auf über $1.350 pro Feinunze in die Höhe schoss.

Großbritanniens Münzprägeanstalt Royal Mint gab zudem bekannt, dass die Nachfrage für physische Edelmetalle bereits seit Jahresbeginn deutlich zulegt, darunter vor allem für Sovereign- und Britannia-Goldmünzen. Einen Tag nach dem Brexit-Votum explodierten die Besuche auf der Onlineseite der Royal Mint dann um 550% gegenüber dem Vortag.

Bei aller Goldeuphorie sollten die seitdem rückläufigen Goldpreise jedoch nicht schön geredet werden. Seit Jahresbeginn blickt der Goldpreis auf einen Zuwachs, der sich auf USD-Basis auf rund 25% und auf GBP-Basis auf mehr als 30% beläuft. In meinem Audio-Gespräch mit Tom Denham wurde Ihnen diese Goldrallye vor der Jahreswende punktgenau vorausgesagt. 

Es stellt sich einerseits die Frage, ob Gold aus technischer Sicht betrachtet zurzeit nicht stark überkauft ist und nach einer Rallyepause lechzt?! Trotz der sich durch den Brexit zusätzlich erhöhenden Unsicherheit an den Finanzmärkten, könnte Gold durchaus seinen ganz eigenen Frontalwinden ausgesetzt sein, die dem gelben Metall ins Gesicht zu blasen drohen.

Denn neben Gold werden auch Rohöl und andere Rohstoffe voraussichtlich mit einem wieder stärker werdenden USD in den nächsten Monaten konkurrieren müssen. Eine zunehmende Anzahl von Beobachtern warnt aktuell vor den Erfahrungen, die im Angesicht des Kollapses der US-Investmentbank Lehman Brothers gemacht wurden.

Entgegen aller Erwartungen brach der Goldpreis damals auf dem Höhepunkt der Finanzkrise um fast 30% ein, nachdem weitaus mehr Geld in den USD als in Gold geflüchtet war. Viele Analysten weisen darauf hin, dass die Auswirkungen aus dem Brexit-Votum nicht derart ernsthaft sein werden.

Globale Finanz- und Politschocks: Auch Gold käme unter die Räder

Doch dies bleibt erst einmal abzuwarten. Ich würde mich hier nicht zu schnell festlegen, da es momentan den Anschein erweckt, als ob die britische Regierung über keinerlei Ausstiegsplan aus der EU verfügen würde. Was mir jedoch einleuchtet, ist, dass Gold selbst unter die Räder kommen könnte, falls es zu weiteren Finanz- und Politschocks in der Welt kommen sollte.

Warum, fragen Sie? Da sich davon ausgehen lässt, dass diese Schocks (China sei hier einmal ausgeklammert) in Europa ausgelöst werden dürften, lässt sich durchaus erwarten, dass der USD in eine neue Rallyephase übergehen könnte. Einen Contraindikator möchte ich Ihnen mit Blick auf Gold auch noch präsentieren. 

Und dabei handelt es sich um Goldman Sachs! Sie erinnern sich noch, wie die Goldmänner zu Beginn der Goldrallye am Jahresanfang vor einem Einstieg warnten und den Goldpreis wieder auf $1.050 pro Feinunze hinunterreden wollten, ja? Ausgerechnet Goldman empfiehlt seinen Kunden seit letzter Woche nun jedoch einen verstärkten Einstieg in Gold.

Einschränkend sei angeführt, dass diese Empfehlung vor allem für Anleger aus dem Pfund- und Euroraum abgegeben wurde. Doch sei´s drum. Im Umkehrschluss bedeutet auch diese Ankündigung, dass einer sich fortsetzenden USD-Rallye beachtliche Chancen eingeräumt werden.

Dies gilt selbst unter der Prämisse, dass die Federal Reserve ihren Leitzins in den USA im laufenden Jahr wohl nicht noch einmal anheben wird. Der Brexit dient doch als allzu wohlige Ausrede für etwas, was man im Angesicht der weltweiten Entwicklungen und der Lage in der US-Wirtschaft so oder so nicht vorgehabt hatte.

Schleppende Goldnachfrage in China und Indien - Gold-ETFs populär

Um auf Gold zurückzukommen, so lässt sich feststellen, dass sich die Nachfrage seitens Schmuckhändlern in China und India – den beiden weltweit größten Goldmärkten – im laufenden Jahr bislang als äußerst schleppend erweist. Doch es gab bis dato zumindest einen ausgleichenden Faktor.

Wie im Laufe dieses Jahres schön öfter berichtet, hat sich die Goldnachfrage seitens Gold-ETFs dagegen drastisch erhöht. Zum Ende des 1. Halbjahrs haben sich die ETF-Käufe um 30% oder 53 Millionen Feinunzen Gold erhöht. Dies entspricht gleichzeitig auch dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2013.

Manche Investoren bleiben mit Blick auf Edelmetalle – und insbesondere Gold – jedoch auch weiterhin optimistisch. Bis die britische Regierung nicht Farbe bekennen und bekannt geben wolle, wie ein Brexit aus der EU vollzogen werden könnte, werde die Unsicherheit an den Finanzmärkten extrem hoch bleiben.

Und nichts ist bekanntlich besser für die Entwicklung des Goldpreises als Unsicherheit unter globalen Anlegern.


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