Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1986 (07.05 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1938 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.65. In der Folge notiert EURJPY bei 131.45. EUR-CHF oszilliert bei 1,1952.

Die US-Zentralbank hat erwartungsgemäß nicht weiter an der Zinsschraube gedreht. Der Leitzins bleibt bei einem Mittelwert von 1,625%. Auch die Verbalakrobatik entsprach den Erwartungen. Eine gute Konjunkturlage, eine gute Arbeitsmarktlage und eine Annäherung an die Inflationsziele wurden thematisiert.

Damit steht für den Markt die Phantasie im Raum, dass die nächste Zinserhöhung im Juni anstehen könnte. Das hat den USD hinsichtlich der ohnehin positiven Zinsdifferenz gegenüber dem Euro gestärkt. Der Mangel, sich mit dem qualitativen Hintergrund des US-Wachstums sachgerecht auseinanderzusetzen, mag zu manch ambitionierter Erwartungshaltung an Märkten führen. Die bisherigen Zinserhöhungen haben bei historisch hoch verschuldeten privaten Haushalten Folgen bezüglich des verfügbaren Einkommens. Eine zu schnelle Gangart bei Zinserhöhungen mag den Konsum, der mit knapp 70% des US-BIP korreliert ist, Schaden zufügen.

Ergo folgen wir dem Markt an dieser Stelle auf keinen Fall in helotischer Form. Wir leisten uns eine differenziertere Sichtweise, ohne damit eine Zinserhöhung im Juni vollständig auszuschließen.

Wenn sie käme, hätte sie unserer Ansicht nach spürbare konjunkturelle Folgen, die nicht auf dem Wunschzettel der US Administration stehen.

Wir mögen anekdotische Evidenz. Die US-Kfz-Branche ist ein gutes Barometer für den Konsum. Auch hier wurden die Kreditvergabestandards dynamisch gesenkt, um Absatz zu fördern (qualitativer Makel). Wir erlauben uns von der Nachrichtenagentur Bloomberg zu zitieren und liefern das Original in englisch.

Hier darf man sich fragen, ob eine solche Politik Ausdruck von Zuversicht für Absatzwachstumist oder Ausdruck von Contingency-Planning (Notfallplanung).

"Food for thought"

Politik spielte an den Märkten im laufenden Jahr eine hervorgehobene Rolle bezüglich Tendenzen, Korrekturen und Volatilität. Das bleibt so.

Es ergeben sich im aktuellen Umfeld, anders als im ersten Quartal, als die negativen Spannungen zunahmen, Möglichkeiten der Deeskalation. Das gilt für Nordkorea, es gilt aber auch für den Handelskonflikt mit China.

Die nach Kaufkraftparität zweitgrößteWirtschaft der Erde, die der USA (Anteil circa 15%), schickt eine äußerst hochrangige Handelsdelegation zur größten Wirtschaftsnation der Welt China (Anteil circa 18%).

Am Donnerstag und Freitag kommt es zu Handelsgesprächen zwischen hochrangigen Delegationen der USA (Handelsminister Ross, Handelsbeauftragte Lighthizer, Finanzminister Mnuchin, Handelsberater Navarro - mehr geht nicht!) und Chinas in Peking, um Lösungen im Handelskonflikt zu generieren.

Derartige Treffen sind gut vorbereitet. Wenn man eine so hochrangige Delegation auf Reisen schickt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit leeren Händen zurückkommt, recht überschaubar.

Ergo steht hier das Thema Chance im Raum, das übrigens insbesondere an dem zuletzt gebeutelten US-Aktienmarkt merkbar positive Akzente setzen könnte. Die USA zeigen im Umgang mit Brasilien, wie sie sich Handelspolitik ohne die Basis multilateraler Vereinbarungen (WTO) vorstellen. Im bilateralen Diskurs haben die USA eine höhere Hebelwirkung gegenüber kleineren Wirtschaftsnationen.

Ja, so funktioniert Darwin "The survival of the fattest" - Nein, das war ein Fehler, es heißt ja "The survival of the fittest!"

Ergo nehmen wir das Thema Darwin zurück. Im Handelsstreit mit Brasilien droht die US-Regierung mit einer Beendigung der Ausnahmen von Zöllen auf Stahl und Aluminium, sofern es nicht bald eine endgültige Regelung im Sinne der USA gebe (USA wollen Quotensystem). Mit dem "US-Boy"-Präsident Temer klappt das schon, alles andere wäre irritierend.

Sehen wir wieder ein Einknicken Europas?

Jetzt liefern wir vor dem eher positiven politischen Hintergrund, der zuvor thematisiert wurde, Wasser in den Wein.

Aus US-Regierungskreisen verlautet, dass Präsident Trump mit hoher Wahrscheinlichkeit das Atomabkommen mit dem Iran aufkündigen wird. Wie der Exit stattfinden wird, sei noch unklar. Aus Israel wurde möglicherweise ein Narrativ geliefert, das vermeintliche Inhaltsschwere in sich tragen kann oder eben auch nicht.

Ein Hegemon braucht ein Feindbild! Machiavelli hat diese Zusammenhänge vor mehr als 500 Jahren in dem Werk "Der Fürst" trefflich beschrieben.

Fakt ist, dass in dieser Frage die Interessen der USA und Israels einerseits im ausgesprochenen Widerspruch zu den Interessen Kontinentaleuropas stehen.

Wie wird sich Kontinentaleuropa schlagen? Einknicken wie üblich?

Aus der Eurozone erreichten uns positive Datensätze:

Der finale Wert des Markit-Einkaufsmanagerindex für den Sektor Produktion legte per Februar auf 56,2 Punkte zu (Prognose und vorläufiger Wert 56,0). Das BIP der Eurozone nahm laut erster Schätzung im Quartalsvergleich erwartungsgemäß um 0,4% und im Jahresvergleich um 2,5% zu.

Positiv ist anzumerken, dass dieWerte des vierten Quartals nach oben revidiert wurden. So lag der Anstieg im 4. Quartal bei 0,7% im Quartalsvergleich und bei 2,8% im Jahresvergleich. (bisher 0,6% und 2,7%).

Die Arbeitslosenrate der Eurozone verharrte den Erwartungen entsprechend bei 8,5%, dem niedrigsten Stand seit Ende 2008. Die Daten aus den einzelnen Ländern implizieren eine hohe Chance, dass es zu einer Revision auf 8,4% bei der kommenden Veröffentlichung kommt.

Aus den USA gab es "Sol y Sombra" - Sonne und Schatten! (bzgl. der Erwartungen)

Der ADP-Beschäftigungsbericht lieferte eher einen Dämpfer in der Gesamtbetrachtung. Per April wurden laut diesem Report in der Privatwirtschaft 204.000 neue Stellen geschaffen. Damit wurde die bei 200.000 angesiedelte Prognose überboten. Die Revision des Vormonatswerts von 241.000 auf 228.000 drehte das Bild dann jedoch.

Dagegen setzte der New York Business Conditions Index, der vom Institute of Supply Management (ISM) generiert wird, eine handfeste positive Überraschung. Per April schoss der Index von 54,0 auf 64,3 Punkte nach oben. Demnach boomt New York!

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.2270-00 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!

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