In den letzten Wochen schien es für den Markt kaum ein anderes Thema als den geldpolitischen Kurswechsel der US-Notenbank zu geben. Die Rotation der Mittelflüsse von Growth in Value setzten sich fort. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg am 19.01.22 bis auf 1,9 % und verfehlte somit die psychologische Marke von zwei Prozent nur knapp. Es wird aber nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese Hürde genommen wird.

Ökonomen von Goldman Sachs erwarten, dass die Federal Reserve die Geldpolitik schneller straffen und bereits ab März bei jeder politischen Sitzung die Zinsen anheben wird. Die Sitzungen finden jeweils einmal im Quartal statt. Die Nächste ist schon am heutigen Mittwoch. Hier wird nur die Aussage zur Bereitschaft einer Zinserhöhung erwartet, aber noch keine direkte Anhebung. Dieser Termin ist aber wohl das wichtigste Ereignis für die Märkte in dieser Woche. In der Sitzung werden auch Aussagen zur langfristigen Inflationserwartung und der Reduktion der FED-Bilanz erwartet.

Einer Versuchung der üblichen „buy the dip“ Mentalität sollte also erst mal widerstanden werden. Zum ersten Mal seit 2020 bleiben die eiligen Käufer kurzfristiger Rückgänge diesmal aus.

Der S&P 500 ist im Berichtszeitraum 5,71 % abgesackt. Nach einer Rotation von Growth in Value in den vergangenen Wochen, fiel nun auch der Gesamtindex wie erwartet. Netflix büßte 28,5 % nach verhaltenen Quartalszahlen und unerwartet schlechten Abo-Zahlen ein. Moderna verlor 26,5 %, im Einklang mit anderen Impfstoffherstellern. Einige Staaten wie Irland heben fast alle Beschränkungen auf und Premierminister Micheál Martin gab bekannt, dass „die Notlage vorbei sei“.

Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 6,94 %. Auch hier waren Netflix und Moderna durch das Doppellisting die Schlusslichter. Noch auffälliger waren die Kursverluste von Technologie-Titeln der zweiten Reihe. Aktien mit hohen Bewertungen wurden regelrecht rasiert. Überraschend kommt das nicht. Wir haben darauf mehrfach hingewiesen, dass bei steigenden US-Zinsen hier die größten Gefahren lauern. Inzwischen haben mehr als 50 % aller Nasdaq-Aktien über 50 % Kursverlust seit ihren Höchstständen im vergangenen Jahr erlitten. Das zeichnet sich in den Indices nur teilweise ab, da diese im Wesentlichen aus den wenigen schwergewichtigen Superaktien (Apple, Amazon und Co.) errechnet werden.

Im Berichtszeitraum 07.01. bis 24.01.22 fiel unser Vergleichsindex MSCI World Value Net (EUR) um 3,24 % von 151,91 auf 146,99 - der Dirk Müller Premium Aktien Fonds blieb mit 90,39 Euro hingegen sehr stabil.

Wir erleben gerade den Beginn jenes Szenarios, das ich seit einigen Jahren beschreibe und wegen dem der Fonds aufgelegt wurde. Die Überschrift lautet dabei stets

China ist die größte Blase der Weltwirtschaftsgeschichte und steigende US-Zinsen werden sie eines Tages zum Einsturz bringen“.

Seit 2009 leben die Aktienmärkte im Wesentlichen von einem Argument: „Die niedrigen Zinsen und die Notenbanken, die Geld in die Märkte pumpen“- Egal wie schlecht die Lage war, dieses Argument hat uns bis vor wenigen Monaten von einem Hoch zum nächsten getrieben. Doch aufgrund der (selbstverschuldeten) Inflation bremst die FED ihren Kurs nicht nur leicht ab, sie legt bei voller Fahrt eine Vollbremsung hin und wirft gleichzeitig den Rückwärtsgang rein. Dass die Fuhre dadurch ins Schleudern gerät ist keine Überraschung. Nicht nur beendet sie die Zeit der niedrigen Zinsen, sie erhöht sie – so die Erwartungen der Marktteilnehmer – in hoher Geschwindigkeit. Bis zu 5! Zinserhöhungen werden alleine für 2022 erwartet. Doch damit nicht genug. Inzwischen erwartet Goldman Sachs, dass die Notenbank nicht nur ihre Anleihekäufe einstellt, sondern ab Herbst damit beginnt ihre im Depot befindlichen Anleihen auf den Markt zu werfen, was die Zinsen noch weiter in die Höhe treiben dürfte.

Das bedeutet, dass das eine große Argument der Aktienmärkte „Aktien steigen immer weiter wegen dem billigen Notenbankgeld“ sich gerade in sein Gegenteil verkehrt.

Doch das ist nur der eine Teil mit den direkten Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Der andere Teil ergibt sich aus der oben genannten „Überschrift“. Die Wirkung auf die chinesische Blase. Seit vielen Jahren haben die amerikanischen Investorengelder einen großen Anteil daran, die chinesische Immobilien- und Wirtschaftsblase aufzublasen. Niedrige Zinsen daheim sorgten dafür, dass man sich günstig verschulden kann um das Geld in China zu investieren, wo Immobilien und Wirtschaft auf breiter Front mit zweistelligen Wachstumsraten im Jahr gestiegen sind. Geld für lau aufnehmen und in einem Boom-Markt investieren. Ein gigantisches Geschäft. Doch auch hier geschieht jetzt die Vollbremsung mit Rückwärtsgang. Nicht nur endete in den letzten Monaten der chinesische Immobilien- und Wirtschaftsboom (die Immobilienpreise fallen anstatt zu steigen), sondern auch die US-Zinsen gehen steil nach oben. Es lohnt sich nicht mehr Geld zu leihen um es in China zu investieren. Im Gegenteil. Man wird jetzt Investitionen umkehren. Geld aus China abziehen und in attraktivere US-Anleihen investieren. Genau jenes Geld, das die chinesische Blase (mit) angeschoben hat, sorgt jetzt dafür sie zum Platzen zu bringen. Das war gemeint mit dem Mantra „China ist die größte Blase der Weltwirtschaftsgeschichte und steigende US-Zinsen werden sie zum Einsturz bringen“. Genau das war der Mechanismus, der die japanische Blase 1989 zum Einsturz gebracht hat. Die Chinesische ist um einiges größer.

Natürlich erfolgt ein solches Szenario in Wellen und nicht linear nach unten und wir dürfen immer mal wieder – so auch aufgrund der überverkauften Situation für die nächsten Tage - durchaus mit Gegenbewegungen nach oben rechnen, aber die Situation ist brandgefährlich. Hier entscheidet sich der weitere Weg. Natürlich gibt es die Möglichkeit, dass die amerikanische Notenbank jederzeit einen erneuten „Irren Iwan“ einleitet -also eine 180 Grad Kehrtwende- und die Zinsen wieder senkt. Dann wäre das Szenario zumindest verschoben. Aber bislang müssen wir auf jenen Fakten beurteilen, die derzeit gelten und die bedeuten: Schotten dicht! So halten wir es auch im Fonds bis auf weiteres. Leichte Schwankungen wird es auch in dieser Phase immer geben, aber wir werden alles daran setzen die großen Einbrüche der Märkte, wie aktuell und auch in der Vergangenheit, nicht mitzumachen.

Unterdessen hat auch die Berichtssaison begonnen. Anbei die ersten beiden Kurzinformationen zu UnitedHealth Group und Intuitive Surgical. Die ausführlichen Berichte finden Sie wie gewohnt im Forum.

United Health Group

Die UnitedHealth Group öffnete kürzlich die Bücher für das abgelaufene vierte Quartal und das Gesamtjahr 2021. Der Quartalsumsatz betrug 73,7 Mrd. USD. Das entsprach einem Plus von 126 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der operative Ertrag lag bei 5,5 Mrd. USD, nach noch 3,5 Mrd. USD im Vorjahresquartal. Netto verdiente die Gruppe rund vier Mrd. USD, was einer Marge von 5,5 % entsprach. Für das Gesamtjahr 2021 sahen die Zahlen ähnlich gut aus. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2020 von 257,1 auf 287,6 Mrd. USD. Operativ wurden rund 24 Mrd. USD verdient, nach 22,4 Mrd. USD im Vorjahr. Netto verbesserte sich das Plus von 15,8 auf 17,7 Mrd. USD. Der Ausblick für 2022 lag mit Umsätzen zwischen 317 und 320 Mrd. USD und einem Gewinn pro Aktie von 20,20-20,7 USD im Rahmen der Erwartungen.

Intuitive Surgical

Mit Intuitive Surgical (ISRG) berichtete ein weiterer Depotwert neue Quartalszahlen. Im vierten Quartal 2021 Zahlen stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 % auf 1,55 Mrd. USD. Der Bruttogewinn lag wieder über einer Mrd. USD, was einer Bruttomarge von 68,4 % entsprach. Der operative Gewinn stieg leicht auf 450 Mio. USD. Netto verdiente ISRG 380 Mio. USD. Die Marge hier belief sich auf 24,5 % nach noch 27,5 % im Vorjahreszeitraum. Insgesamt verkaufte das Unternehmen 741 Da-Vinci-Systeme, immerhin ein Plus von zwölf Prozent im Jahresvergleich. Die installierten Systeme belaufen sich nun auf 6.730 Stück per Ende Dezember 2021. Ein Jahr zuvor waren es 5.989.

Der operative Aufwand stieg von 480 Mio. auf 610 Mio. USD. Im Einzelnen waren es im Bereich allgemeine Kosten 29 % mehr und für Forschung & Entwicklung 22 % mehr. Durch die gestiegenen Umsätze und den soliden Servicebereich konnte das Nettoergebnis zwar steigen, aber die Marge litt und fiel um fast drei Prozent auf nur noch 24,5 %. Man muss aber auch dazuschreiben, dass das Schlussquartal fast immer das schwächste und das erste Quartal das stärkste des Gesamtjahres ist.

Der Gesamtmarkt wächst laut Allied Market Research bis 2027 mit einer Rate von 13,7 % jährlich. Waren es 2019 noch 5.341 Millionen USD sollen es bis 2027 rund 15.010 Millionen an Marktvolumen für chirurgische Robotersysteme werden. Zum Jahresende verfügt ISRG über 8,6 Mrd. USD an liquiden Mitteln und kurzfristigen Investitionen, was rund 69 % mehr waren als noch Ende 2020 mit nur 5,1 Mrd. USD. In die Zukunft blickt das Management verhalten positiv, auch wenn es einen konkreten Ausblick schuldig blieb. Intuitive ist ein solides Unternehmen in einem wachsenden Markt. Die Bewertung hat jedoch eine Prämie und muss auch verdient werden.

Herzliche Grüße

Ihr

Dirk Müller & Fonds Team