Liebe Cashkurs-Leser,

Die Vision vom selbstfahrenden Auto fasziniert die Menschen spätestens seit dem liebevollen VW-Käfer namens „Herbie“ 1968. Wie viele stolze Käferbesitzer haben Ihren Wagen seit dem liebevoll mit dem gleichen Namen versehen? Die eigenwilligen Charaktereigenschaften des Herbie werden die neuen autonomen Fahrzeuge sicherlich nicht haben, aber das selbständige Fahren werden sie vermutlich noch perfekter beherrschen.

Einst Fiktion, heute unmittelbar bevorstehende Realität. Von Experten lange im Blick wurde mit Googles erster experimenteller Knutschkugel auch dem letzten Laien bewusst, dass eine neue Ära der mobilen Fortbewegung vor dem Durchbruch steht. Die Veränderungen für unsere Gesellschaft werden enorm sein und Bereiche betreffen, an die man im ersten Moment gar nicht denkt. Das Auto wird seinem Name erstmals gerecht. „Automobil“ heißt übersetzt „Selbstbeweger“ erstmals bewegt es sich wirklich selbstständig. Es wird dabei keineswegs nur zu einem Ersatz des eigenen individuellen Autos durch einen „Selbstbeweger“ führen. Die veränderten Gesellschaftsbilder führen zusammen mit der neuen Technologie zu einer Reagenz, die dramatische Veränderungen mit positiven wie negativen Begleiterscheinungen mit sich bringt.

War das eigene Auto in meiner Jugend noch das größte materielle Ziel am Beginn der Eigenständigkeit, so spielt der Besitz eines eigenen Autos für die überwiegende Mehrheit der jungen Menschen in den Ballungszentren überhaupt keine Rolle mehr. Im Gegenteil, es wird zunehmend als uncooler überflüssiger Ballast wahrgenommen, den man sich notfalls leihen kann, wenn man ihn denn braucht. Ein eigenes Auto kann teuer sein und viel Kapital binden. Parkplatzsuche unterwegs oder sogar vor dem eigenen Haus. Kosten für Parkplatz, Stellplatz, Garage. TÜV, Reparaturen, Tanke, Versicherungen prüfen, abschließen, bezahlen, Verbandskasten erneuern, Winterreifen kaufen und wechseln....die Liste der Belastung zeitlich wie finanziell durch ein eigenes Auto sind endlos. Der Verzicht auf das eigene Auto bedeutet bis zum heutigen Tag jedoch noch immer in großem Maße Verzicht auf individuelle Mobilität.

Wer auf das eigene Auto verzichtet, ist auf überfüllte Busse oder Bahnen mit unangenehmen Zeitgenossen zu allen Tages- und Nachtzeiten angewiesen. Gefährliche Unterführungen und Wartezonen in den Nachtbereichen. Die Fahrzeiten sowie Ein- und Ausstiegszeitpunkte bestimmt der Fahrplan. Alternativ für fitte und wetterunempfindliche Pendler das Fahrrad. Wird gestohlen, zerstört, stört im Hausflur... es sind stets Notlösungen beim Verzicht auf das als so überflüssig empfundene eigene Automobil.

Das Taxi ist teuer und leider allzu oft und immer häufiger ist der Taxifahrer ein Begleiter, dem man auf engstem Raum ausgeliefert ist, dessen Launen, Angewohnheit oder politischer Meinung man für den Rest der Fahrt ausgesetzt ist. Man weiß nie, bei wem man ins Auto steigt. Für viele ein unangenehmer Zustand, der halt so ist. Doch all das wird sich ändern. Viele Unternehmen stehen in den Startlöchern diese bislang offenen Wünsche nach absoluter individueller Mobilität ohne Störfaktoren einerseits und kein teures Ballast-Auto besitzen zu müssen andererseits zusammenzubringen. Robottaxis, die auf App-Druck binnen 3 Minuten am eigenen Standort sind, mich ohne nervigen Fahrer der erst selbst sein Navi füttern muss auf Kommando an mein Wunschziel bringen und den Preis für meine tatsächlich genutzten Wege direkt vom Konto abbuchen sind der Traum der meisten (nicht nur) jungen urbanen Bevölkerung. Und wer sagt, dass es nicht auch flächendeckend sinnvoll funktioniert ?

Doch konzentrieren wir uns auf die Folgen dieser Entwicklung allein im urbanen Raum. Die heutige Nutzungszeit eines PKW beträgt im Schnitt 5%. Die restliche Zeit steht das Auto still. Durch die Abschaffung eines Teils der urba- nen Individualfahrzeuge kommt es zu einer intensiveren Nutzung der Robotfahrzeuge. Die durchschnittliche Nutzungsrate aller PKW steigt nach aktuellen Studien auf etwa 20%. Eine Vervierfachung. Das bedeutet nicht weniger, als dass wir nur noch ein Viertel der bisherigen Fahrzeuge benötigen. 75% weniger Autofabriken, Zulieferer, Maschinen usw. Können Sie sich vorstellen, welche Veränderungen dieser Prozess für unsere vom Automobil geprägte Wirtschaft bedeutet? Mir fällt es schwer. Es werden neue Firmen mit neuen Geschäftsmodellen und Mitarbeiter entstehen, aber der Umbruch findet in einer Geschwindigkeit statt, die heute kaum jemand erahnt. Die arbeitslosen Taxifahrer werden dabei nur noch eine Randerscheinung sein. Was bedeutet diese Verlagerung des öffentlichen Verkehrs für die Schienenbetreiber und die Verkehrsinfrastruktur ?

Aber drehen wir das Thema weiter. Auch jene Autos in Privatbesitz werden künftig eine eigene Fahrdynamik entwickeln. Ich bin begeisterter Autofahrer, aber allzu oft macht es keinen Spaß mehr bei immer volleren Straßen. Früher habe ich die langen Autobahnfahrten zur Arbeit zum Durchatmen geschätzt, heute sind die Stauzeiten in der Überzahl. Schon heute freue ich mich über meine Fahrassistenzsysteme, die mir bis 40 km/h im Stau die Arbeit komplett abnehmen. Gas geben, Bremsen und Lenken macht der Wagen komplett alleine. Wird es schneller, erinnert mich ein kurzer Alarm, dass wir noch nicht in der Zukunft der völlig autarken Autos angekommen sind und ich wieder selbst übernehmen muss. Ich ertappe mich, dass selbst ich Autoenthusiast mich dann ärgere und denke...“Fahr doch alleine weiter, Du kannst das doch...“ .

Wenn das technische und juristische Eis einmal gebrochen ist, wird es in hoher Dynamik zu einem Austausch der Fahrzeugflotte kommen. Irgendwann (gut, das wird nicht in den nächsten 10 Jahren passieren) werden Fragen aufkommen, wieso man noch erlaubt, dass Menschen mit ihrer Unzulänglichkeit am
Lenkrad den so sicher gewordenen Straßenverkehr gefährden. Der fahrende Mensch nur noch auf der Rennstrecke oder dem Privatgrund? Utopie!? Doch mit jedem selbstfahrenden und miteinander kommunizierenden Fahrzeug werden die Unfallzahlen sinken. Ein wunderbarer Gedanke, wenn Sie nicht Inhaber einer Reparaturwerkstatt, eines Ersatzteilzulieferers oder auf der Warteliste für eine Organtransplantation stehen.

Doch damit werden wir uns heute nicht weiter beschäftigen sondern mit den rein wirtschaftlichen Aspekten. Diese Entwicklung kommt mit immenser Geschwindigkeit und Wucht auf uns zu. Es wird große Verlierer und große Gewinner geben. Wie geht der alte Spruch? Wenn der Wind kommt, werden die einen ängstlich, die anderen bauen Windmühlen. Schauen wir uns die Windmühlen der automobilen Zukunft an.

Ihr
 Dirk Müller


PS: Der Artikel wurde noch nicht auf dem Fahrersitz geschrieben.

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Im folgenden Abschnitt finden Sie einen kleinen Auszug der umfassenden Studie von Dr. Eike Wenzel (Leiter Institut für Trend- und Zukunftsforschung), die ebenfalls Bestandteil von Cashkurs*Trends ist.

Selbstfahrende Autos: Das Ende
 des Verkehrs wie wir ihn kennen von Dr. Eike Wenzel

Kein Produkt hatte im vergangenen Jahrhundert einen solchen Einfluss auf die Art wie wir leben, konsumieren und genießen, wie das Auto. Der amerikanische Traum ist ohne Automobilität schlechterdings nicht vorstellbar. Seit einigen Jahren wird uns nun der Auto-Blues angekündigt, weil Autofahren die Umwelt schädigt, Autobesitz nervt und uncool ist und mit dem iPhone ohnehin ein anderes globales Statussymbol seinen Siegeszug angetreten hat. Schon seit den 1990er-Jahren ist die Überkapazitätenkrise in der Automobilindustrie bekannt – der Wandel heraus aus der Auto-Gesellschaft des 20. Jahrhunderts scheint beschlossen. War’s das also mit dem Auto?

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Erste infrastrukturelle Maßnahmen für die Zukunft des Autos werden auch hierzulande bereits getroffen: Bis zur Internatio- nalen Automobilausstellung im September will das Bundesverkehrsministerium erste rechtliche Eckpunkte vorlegen, mit denen es dem automatisierten Fahren in Deutschland weitere Dynamik verleihen will. Ende Februar wurde bekannt, dass Bayern einen Abschnitt der Autobahn A9 als Teststrecke für autonome Autos einrichten will. Kurz darauf hieß es auch aus Nordrhein-Westfalen, dass der dortige Verkehrsminister eine Teststrecke für Roboter-Autos plant. Die Autobahnen A2, A40 und A42 wären dafür das ideale Testfeld, heißt es.

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Im folgenden Abschnitt möchten wir Ihnen eines von vier Unternehmen vorstellen, die wir im Rahmen der Ausgabe "Selbstfahrende Autos: Das Ende des Verkehrs wie wir ihn kennen" von Cashkurs*Trends in die Watchlist aufgenommen haben.

Google setzt voll auf „driverless car“

Google wurde am 4. September 1998 von den Informatikern Larry Page und Sergey Brin gegründet. Durch neuartige Suchalgorithmen konnte sich Google innerhalb kurzer Zeit gegenüber anderen, früher populären Suchmaschinen und Internetverzeichnissen wie Yahoo absetzen und zum unangefochtenen Marktführer bei der Internet-Suche und Internet-Werbung aufsteigen.

Heute gehen rund 73 Prozent aller Suchanfragen über Google. Außerdem dominiert Google die Online-Werbung und hatte 2014 einen Marktanteil von 31,1 Prozent (nach 31,6 Prozent im Jahr 2013) am globalen digitalen Werbemarkt. Auch der mobile Werbemarkt wird von Google mit einem Marktanteil von 40,5 Prozent im Jahr 2014 (2013: 46,6 Prozent) weiter klar beherrscht, auch wenn die Wettbewerber Marktanteile gewinnen.

Lange vor den etablierten Autobauern begann Google im Rahmen des Projekts „Google Driverless Car“ mit der Entwicklung von Technologien für selbständig fahrende Autos. Dabei kooperiert Google auch mit Autobauern wie Audi und Zulieferern wie Continental. Nachdem Google jahrelang bereits existierende Automodelle mit eigener Technologie zur autonomen Steuerung ausstattete, stellte Google im Mai 2014 erstmals einen selbst entwickelten Prototyp für ein autonom gesteuertes Fahrzeug vor. Die Vision des Internetkonzerns ist aber mehr als ein einfaches Auto. Ziel sind kleine selbstfahrende Zweisitzer mit Elektro-Antrieb, die komplett auf Lenkrad und Pedale verzichten - auch wenn die ersten Testfahrzeuge noch mit diesen Steuerelementen ausgestattet sind.

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Wie die aktuellen Zahlen und die Bilanz von Google aussehen und welche weiteren Unternehmen wir in unserer Watchlist haben, finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Cashkurs*Trends.

Alle weiteren wichtigen Informationen zu dem aktuellen Trendthema und die dazugehörigen spannenden Aktienanalysen finden Sie im bereits erschienen Cashkurs*Trends Börsenbrief.

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