Solange die Krise in der Ukraine nicht eskaliert, wird Dienst nach Vorschrift an den Finanzmärkten geschoben. Die Berichtssaison in den USA hat ihren Höhepunkt bereits hinter sich und die europäischen Unternehmen beginnen nun ihrerseits mit der Veröffentlichung des Zahlenwerks auf dem ersten Quartal. Dabei fällt wieder einmal auf, dass die Erwartungen rechtzeitig gedämpft wurden und nun die positiven Effekte in den Vordergrund treten können. Das stütz die Kurse.

Die Lage

Die Krise in der Ukraine spitzt sich weiter zu, aber noch ist die Lage nicht außer Kontrolle. Die Lage im Osten des Landes ist zwar unübersichtlich, doch die Hoffnungen ruhen auf den anstehenden Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine, der EU und den USA.  

An den Börsen treten aber schon die ersten Gewöhnungseffekte ein. Zwar konnten Staatsanleihen als sicherer Hafen noch leicht profitieren, an den Aktienmärkten jedoch verlief die Entwicklung positiv in dieser Woche. Dass der Euro gegenüber dem US-Dollar etwas nachgegeben hat, ist mit der erneuten verbalen Intervention von EZB-Präsident zu erklären. Denkbare Kaufprogramme der EZB beflügeln die Staatsanleihen aus Italien und Spanien, die zehnjährigen Renditen fielen dort auf langfristige Tiefstände. In den USA vollzogen die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion eine markante Gegenbewegung nach der wetterbedingten Schwächephase. Auch in China überraschte das Wirtschaftswachstum positiv, wenngleich auch hier die Erwartungen umfassend im Vorfeld gesenkt wurden und so nun positive Effekte aus geringerem Wachstum ergeben können. Die Aussichten bleiben aber eher trübe. Denn die konjunkturelle Schwäche in China ist recht deutlich ausgefallen. Die Wachstumsprognose für 2014 wird von vielen mittlerweile deutlich unter 7,5 % gesehen. Das zeigt wieder deutlich, dass aktuell die Weltökonomie von den Industriestaaten getragen werden muss. Die Dynamik der Schwellenländer schwächeln weltweit. In der Binnenwirtschaft zeichnet sich in China noch keine spürbare Belebung ab. Die chinesische Regierung wird ihr Wachstumsziel von 7,5 % für das Gesamtjahr diesmal wohl knapp verfehlen. Aber zunehmenden Abwärtsrisiken werden durch die  Regierung sicherlich mit zusätzlichen Stimulierungsmaßnahmen beantwortet und somit schlimmeres verhindert.   

Ausblick

In der Woche stehen viele Stimmungsindikatoren aus der Eurozone im Zentrum des Interesses. Der ifo-Geschäftsklima stößt allmählich an Grenzen. Mit einem leichten Rückgang ist hier zu rechnen, ohne aber grundlegende Erwartungen zu kappen. Die US-Zahlen werden vermutlich auf ein wieder kräftigeres Wachstum hindeuten. Für die Rentenmärkte fehlen damit die klaren Impulse. An den Märkten spielt neben der Berichtssaison der Unternehmen noch die Krise in der Ukraine eine wichtige Rolle. Solange dort keine weitere Zuspitzung der Lage festzustellen ist, können die Börsen weitere Kursgewinne erzielen. Aber nicht in dem Tempo wie zuletzt.

Der Trend

Der Gewöhnungseffekt der Märkte an die politische Krise hatte zur Folge, dass das Aufwärtspotential im Dax voll ausgenutzt werden konnte. Bei 9650 ist aber zunächst Schluss mit lustig. Das politische Umfeld bleibt nämlich instabil und es kann jederzeit in der Ost-Ukraine eskalieren, was einen Kursabsturz nach sich ziehen würde. Beruhigend ist die Tatsache, dass die Kontrahenten noch miteinander reden. Doch ein positiver Ausgang der Krisengespräche ist sicher nicht gewiss. Die anstehenden Unternehmenszahlen aus Euroland müssen auch erst beweisen, ob sie als positive Impulse taugen. Die Erwartungen wurden hier nicht so stark im Vorfeld gekappt, wie in den USA. Damit liegt die Latte höher.

Die Rekordmarken der Börsen sind weiterhin erreichbar in den nächsten Wochen, sofern Russland und die Ukraine die Lage nicht weiter eskalieren. Für die kommende Woche bleibt es weiter unwahrscheinlich. Neues Futter für die Bullen weiterhin gesucht. Es bleibt volatil.

Der DAX wird sich zwischen 9325 und 9650 Punkten bewegen.

Der Chart

Den deutschen Standardwerten gelang gestern ein fulminanter Start in die Nachosterwoche. Dabei weckt vor allem die Rückeroberung des Kumulationspunktes aus der 38- und der 90-Tages-Linie (akt. bei 9.414 Punkten bzw. 9.428 Punkten) sowie der Abwärtskurslücke vom 11.April bei 9.390/441 Punkten die Hoffnung auf einen erneuten Anlauf auf die letzten Verlaufshochs bei 9.721/22 Punkten. Bemerkenswert ist dabei, dass dieser Befreiungsschlag ebenfalls mit einem Gap (9.418 zu 9.440 Punkten) vollzogen wurde. In der Summe entsteht eine sog. „Inselumkehr“ und damit das Signal, das die Verschnaufpause seit Anfang April überwunden ist. Auf dem Weg zu den o. g. Hochs bei gut 9.700 Punkten steckt eine weitere Kurslücke (obere Gapkante bei 9.628 Punkten) ein wichtiges Zwischenziel ab. Jenseits dieses Levels rückt dann sogar wieder das bisherige Allzeithoch bei 9.794 Punkten ins Blickfeld. Auf der Unterseite gibt die gestrige Kurslücke aber auch einen klaren Fingerzeig in Richtung einer möglichen Absicherung. Um die beschriebene Steilvorlage nicht zu verpassen, sollte der DAX® zukünftig nicht mehr unter das Haltebündel bei 9.440/14 Punkten zurückfallen.

Unterstützung: 9414 + 9325 + 9170 + 8940 + 8490

Widerstand: 9650 + 9790

Finanzmarkt-Termine 17/14

Montag

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Dienstag 

07:00 J:   Frühindikatoren 02/14 (endgültig)

14:00 USA: McDonald's                              Q1-Zahlen

16:00 USA: Verkauf bestehender Häuser 03/14

16:00 EU:  Verbrauchervertrauen 04/14 (vorab)

22:00 USA: AT&T   Q1-Zahlen

USA: New York International Auto Show (bis 27.04.2014)°

Mittwoch

8:00: DE; Außenhandel

10:30: GB; BoE Ratssitzung

13:00: US; MBA Zahl der Hypothekenanträge

16:00: US; Großhandel

16:30: US; Öllagerbestände

19:00: US; Auktion 10-jähriger

20:00: US; FOMC Minutes

Donnerstag

0:30: GB; BoE Ratssitzung

11:00: EU; Hauspreisindex 4. Q

13:00: GB; BoE Sitzungsergebnis

14:30: US; Im- und Exportpreise

14:30: US; Erstanträge Arbeitslosenhilfe

16:30: US; EIA Erdgasbericht

22:30: US; Fed Balance Sheet

22:30: US; Money Supply

Freitag

08:00: DE; Verbraucherpreise

09:15: CH; Erzeuger- u. Importpreise

14:30: US; Erzeugerpreisindex

15:55: US; Verbraucherstimmung Uni Michigan

Oliver Roth

www.oliver-roth.de