Ist es die Notenbankpolitik oder sind es die Unternehmensdaten? Das ist aktuell schwer zu beantworten. Jedenfalls befinden sich die Finanzmärkte wieder im Aufwind. Vor allem die Aktienmärkte präsentieren sich zuletzt stabil auf hohem Niveau. Die weitere Entwicklung hängt stark von der Lage in der Ukraine ab. Eine sich abzeichnende Deeskalation, würde den Börsen den Weg freimachen zu neuen Allzeithochs.


Die Lage
Der Gewöhnungseffekt der Investoren an die politische Krise hatte zur Folge, dass das Aufwärtspotential im Dax voll ausgenutzt werden konnte. Bei 9650 war aber zunächst Schluss damit im DAX. Das politische Umfeld bleibt vermutlich instabil und es kann jederzeit im Osten der Ukraine wieder zu Unruhen kommen. Die offensichtlich voranschreitende Anarchie, gefährdet weiterhin die Stabilität der Finanzmärkte sowie der Ökonomie. Dies kam auch Renten zugute, die nach Verlusten zuletzt wieder von ihrem Safe-Haven-Status profitierten. Ein Kurseinbruch ist weiter nicht auszuschließen, wird aber mit der Zeit immer unwahrscheinlicher.


Beruhigende Signale wurden zuletzt von Russland ausgesandt. Aber noch sind die Taten den Worten zu folgen. Die anstehenden Unternehmenszahlen aus Euroland müssen auch erst beweisen, ob sie als positive Impulse taugen. Die Erwartungen wurden hier nicht so stark im Vorfeld gekappt, wie in den USA. Damit liegt die Latte höher. Das weitere Vorgehen der US Notenbank wird die Börsen in diesen Tagen zusätzlich beschäftigen.


Vor dem Hintergrund der Deflationsdiskussion kommt den Inflationsdaten eine große Bedeutung zu, zumal das im April erreichte Niveau in den kommenden Monaten wohl weitgehend Bestand haben wird. Der EZB-Chef hatte zuletzt wachsende Deflationsgefahren sogar direkt mit einem Ankaufprogramm von Staatsanleihen verknüpft. Die Botschaft auch anderer Mitglieder des EZB-Rats ist eindeutig: Fällt die Teuerung erneut niedriger als erwartet aus, muss die EZB handeln. Draghi hat zudem einen konkreten Maßnahmenkatalog vorgestellt: Bei „Fehlentwicklungen“ an den Geld-, Renten- und Devisenmärkten steht eine Zinssenkung auf der Agenda. Bei Problemen im Bankkreditkanal gibt es zusätzliche Liquidität in Form eines längerfristigen Refinanzierungsgeschäfts oder eines Ankaufprogramms von Asset-Backed Securities. Das lässt Investoren hoffen.


Gold
Für Gold bleibt der Ausblick negativ. Die fundamentale Bewertung spricht noch nicht für eine tragfähige Erholung in einem technisch dominierten Markt. Die zyklischen Faktoren wirken weiter eher dämpfend. Geldmengenentwicklung und Inflationserwartungen lassen Gold gegenwärtig im Westen kaum als Anlagealternative erscheinen. Andererseits gibt es strukturelle Goldnachfrage aus China aufgrund der dort wachsenden Mittelschicht und des Notenbankinteresses. Auch mit Blick auf das Währungsgeschehen haben aber die westlichen Zentralbanken immer noch den entscheidenden Einfluss auf den Goldpreis. So verbleibt ein beträchtliches Rückschlagrisiko bis auf 1.000 US-Dollar je Feinunze. Vorerst bleibt aber der Preiskorridor zwischen 1280 und 1340 US-Dollar.
                                
Der Trend
In der Woche stehen viele Stimmungsindikatoren aus der Eurozone im Zentrum des Interesses. Der Anstieg des Geschäftsklimaindex lässt auf eine robuste Stimmung der deutschen Wirtschaft schließen, trotz der Konjunkturunsicherheiten. In den USA steht neben der Veröffentlichung des BIP für das erste Quartal, dem Einkaufsmanagerindex und des Arbeitsmarktberichts die Sitzung der US-Notenbank im Anlegerfokus. Im Euroraum wartet man gespannt Unternehmenszahlen. An den Märkten spielt neben der Berichtssaison der Unternehmen noch die Krise in der Ukraine eine wichtige Rolle. Solange dort keine weitere Zuspitzung der Lage festzustellen ist, können die Börsen weitere Kursgewinne erzielen. Aber nicht in dem Tempo wie zuletzt.
Die Rekordmarken der Börsen sind weiterhin erreichbar in den nächsten Wochen, sofern Russland und die Ukraine kein Öl ins Feuer gießen. Für die kommende Woche bleibt es weiter volatil, wie gehabt. Mehr seitwärts wie aufwärts.
Der DAX wird sich zwischen 9325 und 9650 Punkten bewegen.


Der Chart
Der freundliche Handelstag gestern sorgt dafür, dass beim DAX® wieder die obere Begrenzungszone der Tradingrange der letzten Tage in den Fokus rückt. Gemeint ist die Kombination aus dem Korrekturtrend seit dem 21. Januar (akt. bei 9.600 Punkten) und den letzten Verlaufshochs bei 9.603/45 Punkten. Gelingt den deutschen Blue Chips der Sprung über diese Hürden, wäre die Atempause seit Januar beendet und das Aktienbarometer dürfte über die horizontalen Zwischenetappen bei 9.721/22 Punkten ein neues Rekordhoch jenseits der Marke von 9.794 Punkten ins Visier nehmen. Auf einen erfolgreichen Befreiungsschlag lässt der MACD hoffen, der jüngst auf seiner Signallinie aufgesetzt hat, aber sofort wieder nach Norden abdrehte. Das auf diese Weise entstehende „bearish failure“ begünstigt weitere Kursavancen. Da aber auch die unteren Leitplanken aus den Glättungslinien der letzten 90 und 38 Tage (akt. bei 9.451/04 Punkten) sowie dem Aufwärtstrend seit Herbst 2011 (akt. bei 9.444 Punkten) nicht völlig außer Reichweite liegen, sind Anleger derzeit nicht vollkommen sorgenfrei. Schließlich impliziert ein
Bruch der angeführten Bastion ein Wiedersehen mit dem Tief von Mitte April bei 9.167 Punkten.

Unterstützung: 9414 + 9325 + 9170 + 8940 + 8490
Widerstand: 9650 + 9790

Finanzmarkt-Termine 18/14

Montag
TAGESVORSCHAU:
07:00 CH: Holcim Q1-Zahlen
07:30 D: Bayer Q1-Zahlen
10:00 I: Verbrauchervertrauen 04/14
14:50 F: Geldmarktpapiere
16:00 USA: Schwebende Hausverkäufe
20:00 D: Deutsche Börse Q1



Dienstag 
8:10: DE; GfK Konsumklima Studie
10:00: EU; Geldvolumen Eurozone
10:00: IT; Einzelhandelsumsatz
10:00: IT; Geschäftsklimaindex
11:00: EU; Geschäfts- u. Verbraucherstimmung
11:00: EU; Geschäftsklimaindex Eurozone
13:45: US; ICSC-Goldman Store Sales Index
14:55: US; Redbook
15:00: US; S&P Case Shiller Index
 USA: New YorkAuto Show



Mittwoch
09:55: DE; Arbeitsmarktdaten
10:00: IT; Arbeitsmarktdaten
11:00: EU; Vorabschätzung Inflation Eurozone
11:00: IT; Verbraucherpreise
13:00: US; MBA Zahl der Hypothekenanträge
14:15: US; ADP-Arbeitsmarktbericht
14:30: US; BIP 1. Quartal
15:45: US; Chicago Einkaufsmanagerindex
16:30: US; Öllagerbestände
20:00: US; Federal Reserve Bank Sitzungsergebnis



Donnerstag Maifeiertag

DE; Xetra geschlossen
CH; SIX geschlossen
US; Autoverkäufe
AT; Wiener Börse geschlossen
22:30: US; Fed Balance Sheet
22:30: US; Money Supply


Freitag

11:00: EU; Arbeitslosenquote März
11:00: EU; Baugenehmigungen
14:30: US; Arbeitsmarktdaten
16:00: US; Industrieaufträge

Oliver Roth
www.oliver-roth.de