Die viel beschriebene und prognostizierte Rallye läuft bereits. Das neue Jahreshoch spricht eine ganz deutliche Sprache. Wie viel der Dax aber jetzt noch erreichen kann, hängt hauptsächlich von der US Haushaltskrise und den Frühindikatoren der Wirtschaft ab. Passt alles zusammen so sind weitere Jahreshöchststände noch im Dezember drin.

Die Woche

Alles wird gut – oder doch nicht? In der vergangenen Woche verzeichneten DAX und Euro-Stoxx-50 Jahreshochs, trotz des eher trüben Ausblicks von EZB Chef Draghi. Die europäische Notenbank rechnet im nächsten Jahr mit einer Fortsetzung der Rezession im Euroraum, bei gleichzeitig nachlassender Inflation. Damit öffnete sie die Tür für eine mögliche Zinssenkung, zumindest wetten die Anleger darauf, was den ohnehin haussierenden deutschen Rentenmarkt weitere Kursgewinne bescherte. Zugleich geriet der Euro unter Abgabedruck und rutschte unter die Marke von 1,30. Das trübe Konjunkturbild der EZB ist vor dem Hintergrund der jüngsten Verbesserungen auf Seiten nicht nur der globalen und deutschen Frühindikatoren, sondern auch der europäischen verwunderlich. Darüber hinaus positioniert sich die EZB damit am unteren Ende der Konjunkturerwartungen für den Euroraum, was an sich schon ungewöhnlich ist. Üblicherweise liegen EU-Kommission und EZB in ihren Aussagen recht nahe beieinander. Warum also die Töne in Moll, wo doch EU-Kommission, IWF und OECD in vorsichtigem Dur „musizieren“?

Die Antwort auf diese Frage ist wohl weniger im direkten geldpolitischen Umfeld zu finden, sondern vielmehr im fiskalpolitischen Umfeld. Das politische Ringen um eine zentrale Bankenaufsicht im Euroraum geht in die nächste Runde, eine Lösung ist ebenso wenig in Sicht wie Pläne zur Runderneuerung der EU. Gleichzeitig häuft sich Kritik an der EZB und insbesondere deren Präsident Draghi, nicht nur wie gewohnt aus Deutschland, sondern vermehrt auch von den übrigen Nordländern. Da scheint Zweckpessimismus zu herrschen – aus welchen Gründen auch immer. Zu rechnen ist dennoch nicht mit einer Zinssenkung der EZB, sondern dass sich die Notenbank weiter auf den Ankauf von Staatsanleihen konzentriert. Vermutlich wird Spanien bald unter den Rettungsschirm schlüpfen, zu Auflagen die das Land sicher erfüllen kann, so dass die nächste Liquiditätswelle der EZB bevorsteht.

Sie geht damit Hand in Hand mit der Fed, die spätestens im Frühjahr kommenden Jahres eine Fortsetzung ihres Ankaufprogramms beschließen wird. Dies wird den Euro wieder befestigen, da beide Notenbanken darauf hinarbeiten, die Risikoneigung der Marktteilnehmer zu erhöhen. Es wird ihnen nach unserer Prognose auch gelingen, da sie Rückenwind von der globalen Konjunktur bekommen.

Der anstehende Regierungswechsel in Rom wird die Börsen zum Wochenstart verstimmen. Mario de Monti tritt zurück und was danach kommt lässt die Börsen erzittern. Noch zu gut in Erinnerung sind die Berlusconi-Zeiten, in denen alles versprochen und nichts gehalten wurde. Nur längst überfällige Reformen lassen Italien aus der Krise wieder auf die Füße kommen.   

Trend

Die Stimmung bleibt zwar gut. Aber der Wochenstart wird durch die politischen Veränderungen in Italien getrübt. Das Rezept für den Erfolg bleibt Konjunkturoptimismus und jede Menge Geld. Aber die Weihnachts-Rallye geht langsam zu Ende. Die Woche wird schwerfällig beginnen, bevor dann Frühindikatoren einen Ausblick über die weitere Entwicklung geben. Das könnte bis Wochenmitte den Dax ausbremsen. Die 7350 muss halten. damit das nächste Bullenziel angegangen werden kann. Die Marke von 7600 im Dax. 7380 Punkte und 7250 Punkte dienen dagegen als Unterstützung. Die Marke von 7600 Punkten dient als erster Widerstand auf dem Weg zum Allzeithoch. 

Chart der Woche

Nahezu beispielhaft verlief beim DAX die Atempause seit Mitte September: Während zunächst ein Bilderbuch-Pullback an die Kombination aus der Abwärtstrendlinie seit Mai 2011 (akt. bei 6.860 Punkten) und der 38-Wochen-Linie (akt. bei 6.869 Punkten) vollzogen wurde, gelang es in der abgelaufenen Woche, den Konsolidierungsmodus der letzten Wochen endgültig nach oben aufzulösen. Der beschriebene Pullback unterstreicht damit den Ausbruch aus dem seit März 2009 bestehenden Dreieck (siehe Chart). Da das kalkulatorische Anschlusspotential dieses Konsolidierungsmusters ein Wiedersehen mit den historischen Hochs der Jahre 2000, 2007 und 2008 bei gut 8.100 Punkten nahelegt, dürfte die ohnehin letzte Hürde auf dem Weg in diese Region bei 7.600 (Jahreshoch 2011) letzten Endes nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Norden darstellen. Auf der Indikatorenseite ist die Bestätigung des Aufwärtstrends seit September 2011 im Verlauf des RSI hervorzuheben, was die derzeit konstruktive Gesamtverfassung unterstreicht. Um diese nicht zu gefährden, dient das alte Jahreshoch bei 7.479 Punkten als erste Unterstützung. Unter strategischen Gesichtspunkten gilt es aber, vor allem die eingangs erwähnte Bastion bei knapp 6.900 Punkten nicht mehr zu unterschreiten.

Widerstände: 7570 + 7650 + 7800

Unterstützungen: 7479 + 7350 + 7200

Finanzmarkt Termine KW 50/12   10.12.-14.12.2012

Montag:

10.12.12    AT; Bruttoinlandsprodukts 3. Quartal

10.12.12    CH; Wohnbautätigkeit 3. Quartal

10.12.12    01:50: JP; BIP 3. Quartal

10.12.12    01:50: JP; Konjunkturumfrage 4. Quartal

10.12.12    07:00: JP; Verbrauchervertrauen November

10.12.12    08:00: DE; Umsatz verarb. Gewerbe Oktober

10.12.12    08:00: DE; Außenhandel Oktober

Dienstag:

11.12.12    CH; Eidgenössische Anleihe - Ankündigung

11.12.12    CH; Schweizer Kapitalmärkte - Trends und Ausblick

11.12.12    11:00: DE; ZEW-Konjunkturerwartungen Dezember

11.12.12    11:15: EU; EZB Zuteilung Haupt-Refi-Tender

11.12.12    13:45: US; ICSC-Goldman Store Index (Woche)

11.12.12    14:30: US; Handelsbilanz Oktober

11.12.12    14:55: US; Redbook (Woche)

11.12.12    15:00: US; Federal Reserve Bank Ratssitzung

11.12.12    16:00: US; Großhandel Oktober

Mittwoch:

12.12.12    CH; ZEW-Indikator Dezember

12.12.12    00:50: JP; Auftragseingang Maschinenbau Oktober

12.12.12    01:50: JP; Dienstleistungsindex Oktober

12.12.12    08:00: DE; Verbraucherpreise November

12.12.12    10:00: EU; EZB 3-Monats-Zinssätze November

12.12.12    10:00: FR; IEA Internationaler Ölmarktbericht

12.12.12    11:00: EU; Industrieproduktion Oktober

12.12.12    13:00: US; MBA Zahl der Hypothekenanträge

12.12.12    13:00: CH; Eidgenössische Anleihe - Ergebnis

12.12.12    14:30: US; Im- & Exportpreise November

12.12.12    16:30: US; US-Öllagerbestände (Woche)

12.12.12    19:00: US; Auktion 10-jähriger Notes

12.12.12    20:00: US; Staatshaushalt November

12.12.12    20:00: US; FOMC Forecasts

12.12.12    20:15: US; Federal Reserve Bank Sitzungsergebnis

12.12.12    22:45: NZ; Gästeübernachtungen Oktober

Donnerstag:

13.12.12    DE; ifo Konjunkturprognose

13.12.12    AT; Arbeitslose und Arbeitssuchende 3. Q.

13.12.12    AT; Arbeitszeit 3. Quartal

13.12.12    CH; Produzenten- und Importpreisindex

13.12.12    10:00: IT; Verbraucherpreise November

13.12.12    11:00: EU; Arbeitskostenindex 3. Quartal

13.12.12    14:30: US; Erstanträge Arbeitslosenhilfe

13.12.12    14:30: US; Erzeugerpreis-Index November

13.12.12    14:30: US; Einzelhandelsumsatz November

13.12.12    14:30: CA; Industrieauslastung 3. Quartal

13.12.12    16:00: US; Lagerbestände Oktober

13.12.12    22:30: US; Fed Balance Sheet

13.12.12    22:30: US; Money Supply

Freitag:

14.12.12    CH; Direktinvestitionen 2011

14.12.12    01:50: JP; TANKAN-Bericht Dezember

14.12.12    08:00: EU; ACEA Kfz-Neuzulassungen November

14.12.12    11:00: EU; Beschäftigung 3. Quartal

14.12.12    11:00: EU; Inflation (HVPI) November

14.12.12    14:30: CA; Industriebericht Oktober

14.12.12    14:30: US; Verbraucherpreis-Index November

BULLEN

Bullen aufgepasst. Die Rallye ist nun schon in fortgeschrittenem Stadium und droht zu erlahmen. Die Marken von 7350 und 7580 sind dabei besonders wichtig. Die 7350 muss halten um die positiven Fortführungsprognose zu bestätigen. Oberhalb der 7600 steht gerät das Allzeithoch langsam ins Fadenkreuz.

BÄREN

Bären kommen immer wahrscheinlich an den Drücker. Nach dem die letzten Wochen kein Zuckerschlecken waren, wird nun die Luft immer dünner für Bullen. Unter der Marke von 7350 kann man im Dax wieder kurzfristig dabei sein. Der Gesamttrend bleibt aber positiv.

Gesundheit wünscht Ihnen

Ihr

Oliver Roth