Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1998 (07.33 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1981 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.79. In der Folge notiert EUR-JPY bei 131.76. EUR-CHF oszilliert bei 1,1955.

Blick auf die Politik

Bevor wir uns den weiteren Themen zuwenden, ist es erforderlich, sich politischen Entwicklungen zuwidmen.

Die USA haben einen Monat weitere Karenzzeit für Verhandlungen mit der EU wegen der Zölle zugestanden. Das ist zwar grundsätzlich positiv, es ist dennoch keine Lösung. Unsicherheit bleibt für die reale Wirtschaft weiter gegeben. Fakt ist, dass damit der Druck der USA aufrecht erhalten bleibt. Die EU ringt derweil um eine gemeinsame Position. Wirtschaftsminister Altmaier thematisierte das Dilemma heute früh im deutschen TV (ARD), eine gemeinsame europäische Position zu finden. Fraglos ist das und wird das nicht einfach sein.

In wie weit die US-Zollpolitik solitär aus wirtschaftlichen Gründen verfügt wurde, muss diskutiert werden.

America first gegen den Rest der Welt

Man kann diese solitär auf die Ökonomie bezogene Position einnehmen. Es gibt partiell gute Gründe aus Sichtweise der USA, Drittländer ob ihrer Handelspolitik zu kritisieren. Andererseits ist der Status der USA als noch dominierende Macht an den Status des USD als Leitwährung gekoppelt. Daraus ergeben sich massive Vorteile für die USA. Das war und ist noch die "Ernte" des freien Zugangs zum US-Markt.

Dieser Aspekt wird im Diskurs auch seitens der EU weitgehend außer Acht gelassen. Hier empfehlen wir Berlin und Brüssel, auf diesen Zusammenhang nachhaltig zu verweisen. Das ist durchaus ein Druckinstrument!

Fakt ist, dass die USA unter Trump das Prinzip des freien Welthandels in Frage stellen. "America first" heißt nichts anderes, als dass der Rest der Welt "second" or ist.

Nachdem man das Thema wirklich freier Märkte (postuliert bis 2001) sportlich in den USA begrub, wird jetzt das zweite Thema des freien Welthandels angegriffen, für das man seit 1945 stand.

Wir sind mit 180 Grad-Kehrtwenden seitens der USA in Kernthemen konfrontiert (opportunistischer Ansatz der US-Politik), die ultimativ auch die Frage nach dem Weltleitwährungsstatus des USD aufwerfen.

Handelsstreit und Regime-Change

Man kann aber auch eine andere Position einnehmen. Diese zweite Sichtachse projiziert sich darauf, dass Wirtschaftspolitik (hier Druck via Zölle) ins Spiel gebracht wird, um in der Außenpolitik Druck gegenüber der EU aufzubauen.

Die Eskalationspolitik der USA gegenüber Russland und China als auch der nicht erkennbare Erfolg der Regime-Change Politik mit massiven Folgen für die EU (Flüchtlingsströme) seit 2001 findet in der EU nicht durchgehend die Zustimmung, die man sich inWashington wünscht.

Man weiß in den USA sehr genau, dass die durch Strukturreformen wiedergewonnene Konkurrenzfähigkeit der Reformländer der EU mit den damit einhergehenden Exporterfolgen, damit explizit die Abhängigkeit der EU und der Eurozone vom freien Welthandel, eine politische Angriffsfläche bieten. Es wäre naiv, diesen Aspekt in der Frage des Handelskonflikts auch nur ansatzweise auszublenden.

Die Partnerschaft mit den USA ist nicht alles - die Zukunft liegt im Osten!

In Richtung Berlin und Brüssel mahnen wir, dass der Rest der Welt ex USA 85% der Weltwirtschaft darstellt. Worauf wollen wir uns kaprizieren mit dem exportseitigen Geschäftsmodell Kontinentaleuropas, auf die USA mit 15% oder den Rest der Welt?

Wo liegt das dynamische Wachstum, wo liegt strukturelle Stärke (aufstrebende Länder, OBOR), wo liegt strukturelle Schwäche (USA, UK kreditbasiertes Wachstum konsumorientierter Art)?

Fakt ist, dass die Zukunft im Osten liegt! Wer Tatsachen missachtet, dem wird Gorbatschows Einlassung gegenüber Herrn Honecker (Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.) in den kommenden Jahrzehnten in den Ohren klingen und hoffentlich der heutige Forex Report!

In dieses Themenfeld passt auch die Studie von Sipri. Laut einer Studie des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri sind die Militärausgaben Russlands im letzten Jahr um 20% auf 66,3 Mrd. USD gesunken. Damit liegt der Militäretat Russlands gegenüber der Nato bei circa 6%-7%. Wer hat die Grenzen der Nato verschoben, ohne Augenhöhe mit Moskau zu suchen und deren Sicherheitsinteressen ernst zu nehmen? Wer bedroht hier eigentlich wen? Letzteres
gilt auch bezüglich der westlichen Regime-Change Politik unter Missachtung des Völkerrechts. Zielt die US-Regime-Change Politik nicht mindestens implizit auf Russland?

Es ist Zeit, sich Realitäten zu stellen und Narrative zu vermeiden.

Heute steht die Offenmarktausschusssitzung der Federal Reserve im Fokus. Es wird keine Veränderung der Zinspolitik erwartet, aber man ist seitens der Analysten auf die Verbalakrobatik gespannt.

Die Achillesfersen der US-Wirtschaft (zu viel auf Pump) werden aber wohl nicht thematisiert werden. Selbstkritik gehört nicht zu den US-Tugenden.

Damit kommen wir zu dem Datenpotpourri seit Montag:

Hinsichtlich des Umfangs liefern wir die Ergebnisse für die unterschiedlichen Länder ohne Kommentierung:

Eurozone:

  • Die Geldmenge M3 legte per März um 3,7% nach zuvor 4,1% zu.
  • Kreditvergabe an Haushalte stieg per März im Jahresvergleichum 3,0% nach 2,9%.
  • Kreditvergabe an Unternehmen legte per März um 3,3% nach zuvor 3,2% zu.

Deutschland:

  • Laut vorläufiger Berechnung nahmen die Verbraucherpreise per April im Jahresvergleich um 1,6% zu.

UK:

  • Der Markit PMI für den Sektor Produktion sank per April von 54,9 auf 53,9 Zähler.
  • Konsumkredite legten per März um 0,254 Mrd. GBP zu (Prognose 1,45 Mrd. GBP).

USA:

  • Persönliche Einkommen stiegen per März um 0,3% (Prognose 0,4%).
  • Persönliche Ausgaben legten um 0,4 % (Vormonat revidiert von 0,2% auf 0,0%).
  • Der Einkaufsmanagerindex aus Chicago nahm im April von 57,4 auf 57,6 Punkte zu.
  • Der Index anhängiger Hausverkäufe stieg per März um 0,4% (Prognose 1,0%).
  • Der Markit PMI für den Sektor Produktion verharrte im April bei 56,5 Punkten.
  • Der ISM-Manufacturing PMI sank per April von 59,3 auf 57,3 Zähler.
  • Der Kfz-Absatz stellte sich in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung im April auf 17,15 nach 17,48 Millionen Fahrzeuge.
  • Bauausgaben sanken per März unerwartet im Monatsvergleich um 1,7%.

Asien:

  • Japan: Der Nikkei Manufacturing PMI stieg per April von 53,3 auf 53,8 Punkte.
  • Japan: Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor legte per April von zuvor 50,9 auf 52,5 Punkte zu.
  • Japan: Das Verbrauchervertrauen verzeichnete per Berichtsmonat April einen Rückgang von zuvor 44,3 auf 43,6 Punkte.
  • China: Der von Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor stieg per April von zuvor 5,0 auf 51,1 Zähler. Die Prognose lag beim 50,9 Punkten.

Fazit zu den Wirtschaftsdaten:

Asien und Eurozone überzeugen weitgehend bei den Daten. Das UK enttäuscht. Die USA bieten ein durchwachsenes, aber quantitativ auskömmliches Bild an, dessen Basis eine labile Qualität hat.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.2270-00 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!

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