Es gibt einen Handels-Deal, es gibt keinen, es gibt einen…

Der US-Kongress hat Präsident Trump ein Gesetz vorgelegt, das die Wahrung der Menschenrechte in Hongkong unterstützen soll. Amerika trifft China damit an seinem vermutlich neuralgischsten Punkt. Tatsächlich fürchtet Peking die Macht der Bilder, wenn es den Studentenaufstand wie 1989 auf dem Tian’anmen-Platz niederschlagen sollte. Trump würde jede Menschenrechtsverletzung gnadenlos ausnutzen, um China im Wettstreit über die zukünftig weltweite Führungsrolle politisch, moralisch und ökonomisch an den Pranger zu stellen.

Amerika setzt das Thema Hongkong aber ebenso als Druckmittel im Zollstreit ein. Nicht anders sind die Äußerungen von US-Vizepräsident Pence zu verstehen, wonach eine Handelseinigung mit China davon abhängt, ob sich das Regime in Peking fair und friedlich gegenüber den Hongkonger Demonstranten verhält. Zwar kontert die chinesische Regierung mit asiatischer Gesichtswahrung, man sei auf einen langen Handelskrieg vorbereitet. Doch zeigt die neuerliche Einladung von US-Unterhändlern zu Gesprächen nach Peking, dass China die laufenden Verhandlungen zu einem „Phase Eins“-Handelsabkommen nicht leichtfertig verspielen will. Der Handelsstreit geht an der Exportnation China nicht vorbei. Ob ein erster Deal noch in diesem Jahr zustande kommt, ist allerdings fraglich. Wahrscheinlich kommt es aber immerhin zu einer neuerlichen Verschiebung von weiteren US-Zöllen auf chinesische Güter.

Handels-Skepsis bei Industriemetallen

Zwar signalisiert der zuletzt nur knapp unterhalb der Expansion anzeigenden Schwelle von 50 stabilisierte Einkaufsmanagerindex für die weltweite Industrie ein allmähliches Ende der globalen Konjunkturflaute. An den Industriemetallmärkten trifft diese Hoffnung allerdings noch auf breite Skepsis. Für nachhaltige Preisbefestigungen bei konjunkturzyklischen Industriemetallen muss es endlich eine stabile Seitenlage in den Handelskonflikten geben. Das würde ein Ende der Nachfrage- und Investitionsschwäche in der globalen Auto-, Maschinenbau- und Bauindustrie nach sich ziehen.

Öl ohne große Aufsteigerqualitäten

Noch mangelnde Fortschritte im Handelskrieg schüren auch Besorgnis vor einer Nachfrageschwäche nach Energierohstoffen. Ohnehin prognostiziert die IEA (Internationale Energieagentur) für das kommende Jahr ein beträchtliches Überangebot am globalen Ölmarkt. Insbesondere die sich auf Rekordniveau befindende US-Ölproduktion, die noch weiter ausgeweitet werden soll, begrenzt Preissteigerungen.

Das stellt die Öl produzierenden Länder inklusive Russland (OPEC+) auf ihrem Treffen am 5. Dezember in Wien vor gewaltige Herausforderungen. Vor allem Saudi-Arabien will die preisstabilisierenden Produktionskürzungen von März 2020 bis Ende 2020 verlängern, am liebsten sogar noch ausweiten. Denn mit mindestens stabilen Energiepreisen soll der bevorstehende Börsengang des saudischen Staatsschatzes „Saudi Aramco“ so erfolgreich wie möglich ablaufen, nachdem das saudische Königshaus den gesamten Unternehmenswert wegen des zu geringen internationalen Anlegerinteresses von zwei Bio. auf 1,6 bis 1,7 Bio. US-Dollar reduzieren musste. Auf möglichst hohe Emissionseinnahmen ist das Land angewiesen, um angesichts des nahenden Endes des Ölzeitalters ein alternativ tragfähiges Geschäftsmodell über energiefremde und technologische Investitionen aufzubauen.

Allerdings betrachtet Moskau jede restriktive Ölpolitik kritisch und setzt bereits jetzt seine Produktionskürzungen nicht vollständig um. Denn jede Förderkürzung bei konventionellem Opec-Öl spielt dem alternativen US-Fracking-Öl in die Hände: Der zunächst steigende Ölpreis würde von der US-Fracking-Industrie im Zuge einer margenträchtigen Ausweitung ihrer Produktion ausgenutzt. Würden anschließend die weltweiten Ölpreise wieder nachgeben, wären nicht nur die Produktionskürzungen der Opec+ verpufft, sondern das Ölkartell hätte auch noch Marktanteile an die USA verloren, die mögliche Versorgungslücken von Opec+ liebend gerne schließen werden.

Angesichts unklarer Produktionskürzungen und einem Anfang 2020 drohenden Überangebot zeigt sich auch die Spekulation auf steigende Ölpreise am Terminmarkt als prozyklischem Preistreiber verhalten.

Gold war, ist und bleibt attraktives Sachkapital

Insbesondere die handelspolitische Verunsicherung, die heftige Brexit-Debatte und der Kapitalismus ohne Zins haben den Goldpreis aus der langjährigen Seitwärtsbewegung nach oben ausbrechen lassen und ihm 2019 ein Plus von bislang gut 14 Prozent beschert. Zuletzt jedoch haben vereinzelte Entspannungstendenzen an den Krisenfronten und eine teilweise Rückbildung der Negativzinsen am globalen Anleihemarkt dem sicheren Hafen Gold wieder Schwung genommen. Doch bleibt das weltweite Volumen negativ verzinster Anleihen auch angesichts fortgesetzter geldpolitischer Lockerungen auf erkennbar hohem Niveau. Dass Anleger weiterhin in beträchtlichem Umfang Halteprämien für Anleihen zahlen statt Zinsen zu vereinnahmen, bleibt ein grundsätzliches Argument für Gold.

Der aktuelle Gegenwind für den Goldpreis hat zwischenzeitlich selbst physische Investoren bewogen, sich teilweise von Positionen zu trennen. Damit sichern sie sich die seit Jahresbeginn im Trend angefallenen deutlichen Buchgewinne, um sich u.a. am haussierenden Aktienmarkt zu laben.

Eher kurzfristig orientierte Spekulanten an den Terminmärkten verstärken den aktuellen Verkaufsdruck durch den seit Ende September zunehmenden Abbau ihrer Netto-Long Positionen. Notenbanken sehen diese Entwicklung mit Genugtuung, denn sie haben kein Interesse an einer stark steigenden Parallelwährung „Gold“, die die Akzeptanz von Geld zur Deckung der überbordenden Schuldenwelt gefährdete.

Dennoch hält die gesunde Goldnachfrage der Notenbanken laut World Gold Council an, deren Zukäufe bis Ende des III. Quartals 2019 insgesamt 18 Prozent über Vorjahresniveau lagen. Insbesondere die Diversifizierungspolitik der Notenbanken aus Russland, China und der Türkei in das sachkapitalistischste aller Anlagegüter setzt sich seit 2008 unvermindert fort.

Ohnehin, so lange der transpazifische und -atlantische Handelskonflikt als Hauptrisikofaktor für Weltkonjunktur und -Finanzmärkte nicht nachhaltig befriedet ist, bleibt Gold als sicherer Anlagehafen gefragt. Sowieso bleibt Gold angesichts der weiter steigenden Weltverschuldung - insgesamt ca. 260 Bio. US-Dollar - und damit nachgebender Bonität bei ausbleibender Risikoentschädigung gut unterfüttert.

Aktienstimmung - Überhitzungen werden sichtbar

Die Aktienmarktverfassung hängt vom jeweiligen Verhandlungsstand im Handelsstreit ab. Aktuell nutzen Anleger die wieder aufgekeimte Handels-Skepsis für Gewinnmitnahmen. Allerdings werden Amerikaner und Chinesen die Handelsgespräche aus wirtschaftlichen Gründen und mit Blick auf Trumps Wiederwahlabsichten - abseits zwischenzeitlicher Scharmützel - nicht erneut zum Entgleisen bringen. Insofern wird sich ein Ausverkauf an den globalen Aktienmärkten wie im Dezember 2018 nicht wiederholen.

Auf Sentimentebene hat sich die allgemeine Marktstimmung laut Market Risk Indicator der Bank of America Merrill Lynch deutlich stabilisiert. Er misst Erwartungen am Terminmarkt bezüglich Kursschwankungen an den globalen Aktien-, Renten-, Währungs- und Rohstoffmärkten und deutet bei Werten über null auf zunehmende Marktrisiken und unter null auf Risikoentspannung hin. Der aktuell deutlich negative Risikowert von -0,77 ist weit von der Untergangsstimmung im August 2019 entfernt.

Entsprechend ist die Investitionsbereitschaft in Aktien kräftig angesprungen und geht die Absicherungsneigung deutlich zurück. Damit verbunden sind allerdings Überhitzungen, so dass die Wahrscheinlichkeit von Konsolidierungen steigt.

Charttechnik DAX - Im leichten Konsolidierungsmodus

Bei fortgesetzter Konsolidierung trifft der DAX an der Marke bei 13.019 Punkten auf eine erste Unterstützung. Darunter warten weitere Haltelinien bei 12.992 und 12.795. Kommt es zu einer Gegenbewegung nach oben, liegen erste Widerstände bei 13.182 und 13.308 Punkten. Bei Überwindung folgen die nächsten Barrieren bei 13.526 sowie 13.597 Punkten.

Der Wochenausblick für die KW 48 - ifo Geschäftsklima stabilisiert sich

In Asien verdeutlichen schwache chinesische Industriegewinne den konjunkturellen Gegenwind. Dieser macht sich auch in Japan in einer abnehmenden Industrieproduktion sowie lethargischen Inflation im Oktober bemerkbar.

In den USA hinterlassen die Handelskonflikte ihre Spuren in erneut rückläufigen Auftragseingängen bei langlebigen Gütern. Immerhin stabilisiert sich der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago auf niedrigem Niveau, auch wenn er sich noch im Schrumpfungsterrain befindet. Auch das vom Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen scheint seinen Boden gefunden zu haben. Insgesamt dürfte der Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) ein eher stabiles Zeugnis ausstellen.

In der Eurozone dürfte sich die Inflationsschwäche laut Erstschätzungen auch im November fortsetzen. Ebenso bleibt das von der EU-Kommission ermittelte Wirtschaftsvertrauen angeschlagen.

In Deutschland signalisieren ein stabilisierter ifo Geschäftsklimaindex und GfK Konsumklimaindex zumindest keine weitere konjunkturelle Verschlechterung.

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG: https://www.roberthalver.de/Newsletter-Disclaimer-725

„Was heißt das konkret für mich?!“

In Zeiten von Negativzinsen und lockerer Geldpolitik sowie handels- und geopolitischen Unsicherheiten lohnt sich derzeit ein Blick auf den "sicheren Hafen" Gold. Es bringt zwar keine Zinsen und keine Dividende, kostet aber auch keine Zinsen und stellt weiterhin ein attraktives Sachkapital zur Beimischung dar.