Das dritte Quartal gilt an der Börse als das stärkste Jahresviertel. Ob es in diesem Jahr wieder so kommt, ist offen. Hürden gibt es jedenfalls eine Menge, angefangen von der Geldpolitik bis hin zu den angeschlagenen Banken.

Erst am Monatsende kam es zu eine vorläufigen Erleichterungsrally für die Deutsche Bank. Berichten zufolge ist es dem Finanzhaus gelungen, die vom US-Justizministerin angedrohte Strafe auch 5,4 Milliarden Dollar zu drücken. Die Behörde hatte wegen fauler Immobiliengeschäfte 14 Milliarden US-Dollar gefordert. Ein Kursrutsch und massive Spekulationen gegen die Deutsche Bank waren die Folge. Eilfertig dementierte Gerüchte über mögliche Staatshilfen für das Geldhaus halfen nicht viel. Erstmals in der Geschichte fielen die Papiere unter zehn Euro.

Grünanstrich für Eon

Hohe Verluste erlitten auch Aktien des Energiekonzerns Eon. Das Unternehmen brachte Uniper an die Börse und trennte sich damit von allen Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerken. Uniper bündelt damit alle Altlasten von Eon und lässt die Düsseldorfer als strahlenden Ökostrom-Erzeuger dastehen. Nur die Atomkraftwerke verhindern einen kompletten Grünanstrich.

Der Börsengang lief sehr viel besser als erwartet. Anleger rechnen sich nicht nur wegen der hohen Dividendenversprechen ganz gute Chancen aus. Die Energiewende macht Kohle und Gas zwar langfristig zum Auslaufmodell. Gleichzeitig hat der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie aber auch für eine Renaissance fossiler Brennstoffe gesorgt. Das wird so weitergehen, da klassische Kraftwerke zumindest als Rückversicherung dafür dienen müssen, um Verbrauchsspitzen und Produktionsausfälle auszugleichen.

Wenig zu holen

Die deutlichsten Gewinne fuhren im September die Aktien von Fresenius, SAP und der Münchner Rückversicherung ein. Autowerte standen dagegen erneut im Abseits, obwohl die Zulassungszahlen zuletzt wieder kräftig anzogen. Insgesamt ergaben sich für Dax-Anleger leichte Verluste in einem Monat, der allgemein als “Crash-Monat” verschrien ist.

In den kommenden Wochen dürfte die Politik in den Vordergrund treten. Die US-Wahl steht an, was nicht nur an den Finanzmärkten ein Großereignis ist. Die Wirtschaft setzt auf Clinton. Deutsche Exporteure können einem eingemauerten Amerika unter Trump nur wenige Reize abgewinnen.

Warten auf die Notenbanken

Vor dem Hintergrund der Wahlen dürfte die Zinswende in den USA in diesem Jahr ausfallen. Japans Notenbank hat weitere Lockerungsmaßnahmen in Aussicht gestellt, will nun die Zinsen für lang laufende Anleihen heben und die für kurze Laufzeiten unten halten. Dieser Schritt käme vor allem den Bankbilanzen zugute. da Finanzhäuser langfristig vergebene Kredite mit kurzen Laufzeiten gegenfinanzieren. Ob sie Inflation erzeugen und Unternehmensinvestitionen ankurbeln, ist dagegen zweifelhaft.

Für Sparer wäre in diesem Umfeld eine wachsende Inflation ein Fluch. Da die Notenbank de facto durch ihre Anleihekäufe eine Obergrenze für Zinsen zieht, droht real (gezahlter Zins abzüglich Inflationsrate) eine Negativrendite. Optimisten argumentieren vor allem mit Chancen am Aktienmarkt.

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