Die aktuellen Ereignisse an den globalen Devisenmärkten wirken sich erwartungsgemäß nicht sonderlich positiv auf die meisten der Schwellenländer in Asien und Lateinamerika aus. Nicht nur in der Türkei ist die Lira auf neue Rekordtiefstände gegenüber dem US-Dollar gesunken. Auch in Indonesien, Thailand und einer Reihe von anderen Emerging Markets geht es mit den heimischen Währungen nach wie vor deutlich bergab.

Die Welt ist stark vernetzt und so braucht es niemanden zu verwundern, dass die meisten der aktuell zu beobachtenden Ereignisse in irgendeiner Weise miteinander in Verbindung stehen. Die Lage in China ist in unseren Augen die mitunter wichtigste von all diesen Entwicklungen. Wir machten unsere Leser auf diesen Aspekt bereits vor Wochen und Monaten aufmerksam, wiederholt darauf hinweisend, die Dinge und Entwicklungen in China im Auge zu behalten.

In diesem Hinblick beziehen wir uns nicht nur auf den in der letzten Woche durch Peking bekannt gegebenen Einstieg in den internationalen Währungskrieg, der die Papierwährungen in eine immer stärkerer Abwärtsspirale untereinander treibt. Vielmehr hatten wir geraten, die Lage an Chinas Bondmärkten, Chinas Festlandbörsen, Chinas Immobilienmärkten und Chinas Wirtschaftsentwicklung genauestens zu beobachten.

China mit vielen Problemen in der heimischen Wirtschaft

Im Rückspiegel der Ereignisse betrachtet haben sich diese Empfehlungen als werthaltig und richtig erwiesen. Wer auf die Rohstoffmärkte blickt und sich das anhaltende Schlachtfest an den Basismetallmärkten anschaut, erkennt, dass der in den vergangenen Jahren weltweit größte Rohstoffaufkäufer China mit vielerlei Problemen in seiner heimischen Wirtschaft zu kämpfen hat. Auch wenn dies von Seiten Pekings zurzeit noch offiziell dementiert wird.

Heute Morgen setzte es an Shanghais Festlandbörse erneut einen Rutsch von mehr als 6%. All zu weit von seinen einst ausgebildeten Zwischentiefs ist der Index damit nach Bekanntgabe der Staats- und Regierungsinterventionen – die ja eigentlich stützend wirken sollten – nicht mehr entfernt. So wundert es auch nicht, dass sich der Sell-Off an den Börsen vieler Emerging Markets am heutigen Tage fortsetzte.

Auch an den Devisenmärkten ist die Lage kritisch

An den Devisenmärkten sieht die Lage erwartungsgemäß nicht anders aus. Hier gerieten im heutigen Handel vor allem der russische Rubel, der australische Dollar, der kanadische Dollar, der thailändische Baht und die türkische Lira einmal mehr stark unter Abgabedruck. Auch an den Rohölmärkten sowie im Hinblick auf den Kupferpreis ging es weiter bergab. Immer mehr Analysten zücken ihre Rotstifte, um ihre Prognosen zum Weltwirtschaftswachstum zu senken.

Diese Entwicklung hatte doch recht lange auf sich warten lassen, wenn man bedenkt, über einen welch langen Zeitraum vor allem die Rohstoffmärkte von einer schwachen Nachfrage zeugten. Welchen Herausforderungen Chinas Wirtschaft im aktuellen Umfeld entgegenblickt, lässt sich momentan eigentlich noch gar nicht richtig einschätzen. Allerdings wird die jüngste Bekanntgabe zur Abwertung des Renminbi gewiss nicht von ungefähr erfolgt sein.

Viele Währungen von asiatischen Schwellenländern bekommen diese Entwicklungen nun kräftig zu spüren. Die heute Morgen durch Indonesiens Handelsministerium publizierten Daten zum Im- und Export des Landes waren fast schon vergleichbar mit einer Katastrophe. So brachen die indonesischen Importe im Juli um 28,4% ein, während die Exporte um 19,2% zurückgingen.

Kein Wunder, dass die indonesische Rupie weiterhin nahe eines Multidekadentiefs verharrt. Aus dem Land scheint Kapital zu flüchten, was neben Indonesien vor allem auch für die Türkei und Thailand zu gelten scheint. Auch an den Börsen der Schwellenländer machen sich diese Dinge bemerkbar. So sank der MSCI Emerging Markets Index im heutigen Handel um weitere 0,85%. Auf dem aktuellen Niveau wurde ein neues 4-Jahres-Tief ausgebildet.

Wiederholt wird seitens Analysten darauf hingewiesen, dass sich die Lage in den Emerging Markets nach der durch Peking vorgenommenen Währungsabwertung nochmals erschwert habe. Seitdem die Entscheidung Chinas in der vergangenen Woche wie aus dem Nichts bekannt gegeben wurde, bekämen eine wachsende Anzahl von globalen Investoren kalte Füße was den Ausblick für das Wachstum der Weltwirtschaft angehe.

Ölpreiseinbruch führt zu weitläufige Spar- und Ausgabekürzungen

Nun, auch auf diesen Aspekt hatten wir unsere Leser in den vergangenen Monat des Öfteren aufmerksam gemacht und eingestimmt. Jüngst einen Bericht über die Lage in Saudi-Arabien verfassend, lässt sich auch hier über einige neue Entwicklungen sprechen. So warnte der IWF die saudische Regierung davor, dass der anhaltende Ölpreiseinbruch zu weitläufigen Spar- und Ausgabekürzungen des Landes führen müsse.

Gleichzeitig werde sich das ökonomische Wachstum in Saudi-Arabien weiter verlangsamen. Die Bekanntgabe des IWF wirkte sich alles andere als positiv auf die saudische Aktienkurse aus. So wurde der Tadawul All Share Index heute um 2,41% schwächer gehandelt, womit das Barometer auf den tiefsten Stand seit Beginn diesen Jahres gesunken ist. Insgesamt gesehen hielten die Kursrückschläge im Index nun den sechsten Tag in Folge an. 

Auch in Thailand sanken die Aktienkurse im heutigen Handel auf das tiefste Niveau seit Beginn des Jahres 2014. In Bangkok gaben die Kurse um knapp 3% nach. Analysten halten Thailand wirtschaftlich für sehr verwundbar, da nicht nur das ökonomische Wachstum, sondern auch die Entwicklung der heimischen Unternehmensgewinne in immer größerem Ausmaß zu wünschen übrig ließen.

Stabilisierungsversuche der türkischen Zentralbank erfolglos

Die türkische Lira kam insbesondere nach dem erneuten Scheitern einer Regierungsbildung und dem Ausbleiben einer Zinserhöhung durch die türkische Zentralbank unter Druck. Die Lira ist gegenüber dem US-Dollar auf ein neues Rekordtief gesunken. Wie sich zeigt, haben alle in der Zwischenzeit unternommenen Stabilisierungsversuche durch die Zentralbank keine Erfolge gezeitigt. Damit war zu rechnen.

An den Rohstoffmärkten verschärft sich die Lage, nachdem der Kupferpreis im heutigen Handel an der Londoner Metallbörse um knapp 2% auf $5.018 pro metrische Tonne gesunken ist. Was soll man dazu noch groß sagen? Immerhin entspricht dies dem niedrigsten Preis des roten Metalls seit dem Finanzkrisenjahr 2009. Auch Aluminium sank auf ein neues 6-Jahres-Tief. Im Schlepptau gerieten auch die Preise von Blei, Nickel und Zink unter Abgabedruck.