Guten Tag meine Damen und Herren,

viele Lichtjahre von der Vernunft entfernt dringt die Börse in Galaxien vor, die nie ein DAX zuvor gesehen hat. 11.000 und dann 11.200 Punkte lauten die nächsten Ziele, die sich Captain DAX für diese Episode vorgenommen hat, wenn nicht „Q“(E)  seine Pläne durchkreuzt. Nach unten finden wir die nächsten Unterstützungsmarken bei 10.600, aber solange wir noch über dem Ausbruchslevel von 10.000 Punkten stehen, brauchen wir den übergeordneten Aufwärtstrend noch nicht zur Diskussion stellen. Bis dahin lässt sich alles noch als nötige Korrektur im überhitzten Markt interpretieren. Was ist in diesen Tagen schon normal? Das billige Geld treibt die Kurse auch wenn die Unternehmensgewinne das in der langfristigen Betrachtung nicht hergeben. Sind Aktien jetzt billig oder teuer? Die Frage kommt häufig auf. Nach historischer Bewertungsmethode betrachtet dürfte man tatsächlich aktuell kaum eine Aktie anfassen. Betrachtet man einzelne Parameter auf Basis von mehreren Jahrzehnten findet man sehr viel überteuertes Material, wenig fair bewertete Aktien und fast nichts was billig erscheint. Als Value Investor muss man derzeit schon tief nach Perlen tauchen. Etwas anders scheint die Betrachtung, wenn man die aktuelle Zinslage sowie die Zinserwartungen in die Berechnungen einbezieht. Nach dieser relativen Betrachtungsweise kann man noch einiges kaufen. 

Betrachtet man beispielsweise eine fünfjährige IBM Anleihe, erhält man darauf aktuell etwa 1,5% Zinsen im Jahr. Bei Aktien erwartet man in der Regel mindestens die doppelte Rendite vergleichbarer Unternehmensanleihen (Gewinn pro Aktien, nicht zu verwechseln mit der Dividende). Damit wäre man bei IBM bei 3%. Tatsächlich wird für IBM für die nächsten 5 Jahre ein jährlicher Gewinn pro Aktie in Höhe von etwa 10% des heutigen Kurses erwartet. Derzeit werden 2,8% als Dividende ausgeschüttet, der Rest mehrt den Wert „meines“ Unternehmens entsprechend. Derzeit gibt es noch viele namhafte Unternehmen, die aktuell mit 8-10 % Rendite pro Jahr zu haben sind. Aus dieser Betrachtung heraus sind viele Aktien also noch günstig. Aus der langfristigen Perspektive eines Value Investors ist dies dennoch kein sehr beruhigender Ausblick, da er gerne diesen Zinsvergleich UND die langfristigen Korrelationen im Blick hat. Natürlich müssen Unternehmen, Banken und große Investoren auch jetzt investieren. Sie müssen jetzt kaufen, weil sie keine Alternativen haben. Noch ist mit weiter steigenden Kursen zu rechnen, aber der Wind kann jederzeit drehen.

Das beherrschende Thema diese Woche ist und bleibt Griechenland mit dem neuen, an Bruce Willis erinnernden Finanzminister Varoufakis. Seine Aussagen sind durchaus interessant und wert gehört zu werden. Da ist einiges dabei, das zustimmend nicken lässt. Nicht alles, aber vieles. Die Griechen stoßen auf eine Welle der Unterstützung. In Italien, Frankreich, den USA mit Obama und auch bei Juncker und Draghi, so zumindest zwischen den Zeilen zu lesen, oder teilweise auch ganz offiziell. Es wird einsam um die eiserne Kanzlerin, die sich durchaus fragen darf, ob sie den richtigen Beratern zugehört hatte, die die Spardiktate in Mitten der Krise ausgerufen haben. Die anderen „Patienten-Staaten“ sehen bereits ihre Chance sich gleichfalls einer Last  zu entledigen. Die Bundesregierung wird nun sicherlich alles versuchen, um ihre Felle zu retten. Juristische Argumente werden vorgebracht werden. Natürlich ist die Angst groß, dass die großen Sprüche der Vergangenheit (Geld sicher, Griechen müssen sparen) sich am Ende als heiße Luft entpuppen. Ein Ringen um die Deutungshoheit, ums Rechthaben und um das Gesicht Wahren wird nun beginnen und das kann durchaus noch zur Machtprobe zwischen Berlin, der EU und den Griechen führen. Bleibt zu hoffen, dass die Entwicklungen nicht allzu hässlich werden. Diese Messe jedenfalls ist noch längst nicht gesungen. Warten wir mal die nächsten Wochen ab. Ende Februar, wenn die Griechen sich refinanzieren müssen, werden wir sicherlich zumindest teilweise schlauer sein. Die EZB scheint mit den Krücken der Notkredite bereits auf Tsipras zuzuhumpeln.

Viele Ideen machen derzeit die Runde, so will Griechenland beispielsweise die Banken, oder zumindest Teile davon, verstaatlichen und diese Anteile an den EFSF, den Europäischen Rettungsfonds, als Tausch gegen Kredite geben. Man würde damit Kredite, die einmal für die Bankenrettung gegeben wurden ablösen mit Anteilen an diesen Banken. Eine durchaus nette Idee, wenn die Kalkulation einigermaßen aufgehen würde. Nur stehen etwas 40 Milliarden Euro an Krediten in diesem Bereich gegenüber Anteilen mit einem Wert von vielleicht 8 Mrd. Euro. Außerdem sollte man sich nicht allzu sicher sein, dass der EFSF Aktien griechischer Banken im Depot haben möchte. Die griechische Börse schlägt Kapriolen, von einem Bankrun in Griechenland wird gemunkelt, die Eurozone wieder ein wilder Hühnherstall wie zu den „besten“ Zeiten 2010.

Die ewige Anleihe ist nun im Gespräch. Das ist die von uns an dieser Stelle bereits früher als wahrscheinlichste Variante klassifizierte Lösung, die Schulden Griechenlands vom Tisch zu bekommen, zumindest faktisch. Dabei würde die Laufzeit der Schulden bis auf den Sanktnimmerleinstag verlängert werden bei gleichzeitiger Herabsetzung der Zinsen auf 0%. Möglicherweise kommt noch eine Klausel dazu, dass Griechenland eine frühere Rückzahlung der Schulden bevorstünde, sollte es einmal wieder besser laufen sollte. Nun, wir können es abwarten.

Die amerikanische Notenbank Fed möchte das Schattenbankensystem regulieren. Nicht in China, sondern in den USA. Denn dort, so ist zu hören, ist das Schattenbankensystem zweimal so groß wie das Bankensystem selbst. Als Schattenbankensystem gilt der nichtregulierte Bereich, in dem man sich untereinander Geld leiht, in dem beispielsweise auch Hedgefonds sehr aktiv sind. Da diese Bereiche eben nicht reguliert sind, dennoch aber immense Summen bewegt werden, kann dies zu extremen Verwerfungen an den Märkten führen, die weder die Politik noch die Notenbank vorhersehen oder gar regulieren kann. Komisch, dass so etwas überhaupt möglich ist. Eine Regulierung ist mehr als notwendig und weit überfällig. Man spricht hier im Übrigen von der nicht ganz unerheblichen Beträgen von mehreren Billionen US-Dollar in Bezug auf die Größe des Schattenbankensystems. Wer da am Ende noch über die Entwicklungen auf der Welt entscheidet... ob das wirklich noch die Politik ist...

Volkswagen will massiv Arbeitsplätze durch Roboter ersetzen. Nun, der Trend ist jetzt nicht wahnsinnig neu, aber die Dimensionen nehmen immer neue Ausmaße an und die Entwicklung schreitet immer schneller voran. VW macht auch keinen Hehl daraus, dass sie Arbeitsplätze von Menschen durch Roboter ersetzen wollen. Entlassungen sind dabei gar nicht notwendig. Viele Mitarbeiter gehen in den Ruhestand. Man stellt schlicht keine neuen Arbeitskräfte mehr ein. Die Arbeitskosten in Deutschland liegen hier bei 40 Euro die Stunde, in China bei 10 Euro. Da meint VW mithalten zu müssen. Einem Roboter reichen umgerechnet 3-6 Euro pro Stunde. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind natürlich dramatisch. Das Ersetzen von Arbeitsplätzen durch Maschinen geht im großen Stil voran und das macht sich momentan kaum einer klar. Im Rahmen der Geschwindigkeit der Digitalisierung und Automatisierung kann sich die Gesellschaft kaum anpassen. Natürlich ist es sinnvoll schwere körperliche Arbeit durch Maschinen zu ersetzen oder Maschinen Arbeiten tun zu lassen, die diese wesentlich besser können. Nur wie gehen wir mit der gewonnen Produktivität um? Spätestens seit Henry Ford wissen wir: Roboter kaufen keine Autos. Schön, wenn sich alles von selbst herstellt, wenn das Manna vom Himmel fällt. Nur wem fällt es in den Mund? Was ist mit denen, die keinen Job mehr haben? Was ist mit denen, die keine Computer programmieren können? Oder mit denen, die keine tollen Erfindungen machen? Die, die nicht zu den wenigen gehören, die die Maschinen in den Fabriken steuern oder überwachen? Wie verteilt man die jetzt entstehende Produktivität auf die restliche Gesellschaft? Hier werden wir über ganz neue Gesellschaftsmodelle diskutieren müssen. Wie man auch die frei gewordene Zeit nutzen kann, um andere Dinge, möglicherweise intellektuelle Dinge zu tun. Die Erträge aus der Produktivität müssen auch irgendwie verteilt werden und hier wird es zu heißen Diskussionen kommen, über Mindestlöhne, bedingungsloses Grundeinkommen, Gerechtigkeit und sogar um den Sinn des Lebens Das Thema wird uns noch lange beschäftigen. Wir haben dies bei Cashkurs-Trends.de schon vor einiger Zeit beleuchtet. Auch selbstfahrende Autos als Trendthema spielen hier mit rein. Dabei müssen wir uns beeilen. Veränderung und Automatisierung ist ein uralter Prozess. Bierkutschen sind ebenso verschwunden wie Zeitungsjungen, doch die Geschwindigkeit, mit der in den kommenden Jahren reales in digitales transferiert wird überfordert jeden natürlich Anpassungsprozess einer Gesellschaft über die Generationen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes reales Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller