Guten Tag meine Damen und Herren,

die Osterfeiertage sind vorbei. Die letzten Urlauber werden dieses Wochenende wieder zurückkehren. Ich hoffe Sie konnten die freien Tage abseits der Börsen für sich und Ihre Liebsten nutzen und erholsam auch einmal die Beine hochlegen. An den Börsen geht es weiter wie zuvor. Die Vorzeichen beim DAX sind auf Dauergrün geschaltet. Die altbekannten Marken bei 12.500 Punkten nach oben und 11.500 Punkten nach unten behalten weiter ihre Gültigkeit.  

Guter Jahresstart, was heißt das für den weiteren Verlauf?

2015 ist bislang ein sensationelles Jahr für die Aktienmärkte. Für alle Aktienmärkte? Keineswegs. Zwar ist der DAX seit Jahresbeginn um 25% gestiegen, der Eurostoxx um 20%, Nikkei um 13%, der Hang Seng durch einen 10% Paukenschlag in den letzten 2 Tagen um insgesamt 13% im Plus, aber was ist mit dem Weltleitmarkt? Der Dow Jones wie der breiter gefasste S&P stehen unverändert auf dem Jahresendniveau 2014. Man hat den Eindruck, die beiden würden gerne fallen, wollen sich aber gegen den Rest der Weltmärkte nicht zu sehr blamieren. Der Grund für diese historisch doch recht seltene Konstellation ist natürlich mit der Notenbankpolitik schnell ausgemacht. Während China zögerlich dem Abkühlungsdruck seiner Volkswirtschaft folgend die Zügel weiter lockert, Japan unverändert auf dem Gas steht, tritt Draghi in seinem neuen Fahrersitz in Frankfurt das Gaspedal durch das Bodenblech. Vollgas mit 60 Mrd/M, der neuen Tempoeinheit an den Finanzmärkten, treibt er die Aktienmärkte in Europa nach oben. Wären es die guten Konjunkturaussichten, würden auch die US-Märkte profitieren. Wären es nur die besseren Aussichten Europas (und seiner Börsen) durch das viele EZB-Geld im Gegensatz zum amerikanischen Markt, dann würden wir auch viele amerikanische Käufer sehen, die europäische Aktien kauften. Das scheint aber bislang überhaupt nicht der Fall zu sein, sonst hätten wir zumindest temporär einen deutlich stärkeren Euro. Der US-Investor, der europäische Aktien kaufen möchte, benötigt dafür in der Regel Euro. Aktuell sieht es eher danach aus, als würde die EZB den europäischen Investoren monatlich 30 Mrd. Euro Anleihen und ABS-Papiere zwangsentziehen und die würden den großen Teil dieses ihnen aufgedrängten Zentralbankgeldes aus schierer Alternativlosigkeit in die europäischen Standardwerte stecken. Wenn die US-Notenbank nun auch noch das tut, was wir an dieser Stelle seit Monaten gegen die allgemeine Markterwartung erwarten, nämlich eine Verschiebung der Zinserhöhung auf Sankt nimmerlein und ein mögliches QE4 in 2016, dann würde auch diese Stufe der Rakete gezündet. Wenn das so Bestand hat, kann die Rally noch bis Mitte 2016 weitergehen. Der Dax stünde dann in Bereichen, die man heute kaum aussprechen möchte. Bitte achten Sie auf das wichtigste Wort in den letzten beiden Sätzen: „WENN“. Wir haben aktuell noch keine Aktienblase wie 2000. Die Bewertungen sind sportlich, in manchen Papieren überteuert, aber noch nicht im Wahnsinnsmodus wie zur Millenniumswende. Wie schnell das kommen kann, haben wir damals gesehen. Doch die Kehrseite der Gleichung ist uns allen klar. Das billige Geld gibt es nur aus einem Grund: Die Wirtschaft macht schlapp (USA/China), ist noch immer schlapp (Europa) oder dauerschlapp (Japan). Keine guten Aussichten für Unternehmenswachstum, keine guten Aussichten für Gewinnwachstum, die einzigen akzeptablen Treiber für Kursgewinne. Eine ungesunde Entwicklung allemal. Entziehen kann man ihr sich leider nicht, daher gilt es, den Bronco zu reiten. Die Aufwärtsbewegung mitnehmen und sich in der nächsten Abwärtsbewegung nicht abwerfen zu lassen. Hohe Aktienquote mit klarer Absicherung ist und bleibt die Strategie der Stunde und so wie es aussieht noch eine ganze Weile darüber hinaus. Was nutzt es, den Wahnsinn der Märkte, der Politik und der Notenbanken zu verteufeln, wir müssen damit umgehen, wir haben derzeit keine andere Realität auf die wir ausweichen könnten.

Die Wandlung des Zinses

Der Zins bzw. die Höhe des Zinses war immer ein Indikator für das Risiko einer Investition, die man tätigen wollte. Durch die Maßnahmen der Notenbanken wurde der Zins als Instrument zur Risikobestimmung der Investitionen entfernt. Eine italienische Staatsanleihe hat nun einen niedrigeren Zins, als eine amerikanische, obwohl dazwischen sechs bis sieben Risikostufen liegen. Das gleiche gilt aber auch für andere Bereiche, wie Immobilien, Aktien und im Wesentlichen natürlich für Anleihen. Die oben genannten Risiken sind da, sie sind nur nicht eingepreist. In den Büchern der Investoren bauen sich Risiken auf, die zur Katastrophe führen werden. Ich sage an dieser Stelle bewusst „werden“ und nicht „könnten“. Ein einfaches Beispiel: Bei Leitzinssätzen um 4% hat eine Bank einem Häuslebauer einen Baukredit gegeben. Der Betrug 6%. Fristentransformation, Zinsdifferenz und bei bescheidener Bonität waren es auch mal 7% Zinsen. Da blieben 2-3 % Risikopuffer für Ausfälle. Welche Ausfallpuffer kann eine Bank bei Baugeldzinsen von 1,5% noch aufbauen? Jeder einzelne Kreditausfall wird zur brutalen Belastung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kredite ausfallen ist genauso hoch wie damals. Scheidungen, Arbeitsplatzverlust, private Probleme…nur der Risikopuffer ist nicht mehr da. Hier reden wir über die Probleme in der Kreditvergabe im privaten Immobiliengeschäft. Genauso sieht die Lage bei Unternehmenskrediten, Spekulationskrediten etc. aus. Hohe Risiken in nie dagewesener Höhe um überhaupt Geld einzunehmen und keine dagegenstehenden Risikopuffer. Die nächste Bankenkrise ist in der Entstehung und die Risikosummen sind bereits heute deutlich größer als vor Lehman. Die Mittel der Notenbanken wurden nach Lehman mehr als aufgebraucht. Wie geht das Revival aus? Die Frage ist nicht „Ob“, sondern wann es zu diesem Knall kommen wird. Wann? Das kann Ihnen niemand sagen. Wir wussten, dass der Kommunismus nicht ewig gut gehen konnte. Einige gaben ihm 10 Jahre. Er hielt sich letztlich 40. Und auch die irrsinnigen Maßnahmen der Notenbanken zeigen, dass man immer wieder Wege findet, den großen Knall weiter hinaus zu zögern.

Unberechenbarkeit erfordert eine klare Strategie

Viele warten bereits heute auf den lauten Knall, gehen in die Hocke und halten sich Augen und Ohren zu. Keine Investments, alles auf Gold und/oder Cash. Doch es kann noch lange sehr unbequem in dieser Stellung sein. Keiner weiß, wie lang die Zündschnur ist.

Andere Anleger warten darauf, dass der Markt sich nach der steilen Rallye seit Jahresbeginn wenigstens einmal wieder etwas zurücknimmt und mögliche neue Einstiegschancen bietet. Ja, aller Wahrscheinlichkeit nach müsste es zu einer Korrektur kommen. Die Charttechnik gibt fast nichts anderes her. Die Börse lehrt allerdings Demut. Wir leben in einer verrückten Börsenwelt, in der es zahlreiche Argumente für DAX 16.000 und mindestens genausviele für Dax 8.000 gibt. Und die Argumente beider Seiten sind korrekt und logisch .Es ist also wenig sinnvoll, auf eines der beiden Szenarien zu wetten. Dann ist man der Gekniffene, wenn das jeweils andere Szenario eintritt. Um dennoch am Markt agieren zu können, braucht man klare Strategien und Konzepte, die, egal was der Markt gerade macht, aufgehen und beide Szenarien abdecken. Und das geht, indem man starke Unternehmen kauft, bzw. sich an diesen in Form von Aktien beteiligt und zwar zu dem Zeitpunkt, zu dem diese  günstig zu haben sind. Und das geht auch heute noch. Bei verhältnismäßig hohen DAX-Ständen findet man noch zahlreiche Unternehmen rund um den Globus, die noch eine günstige Bewertung haben und die man heute noch kaufen kann. Der Gesamtmarkt mag überteuert sein, einzelne Unternehmen bekommt man aber immer noch zu guten Kursen. Ohnehin gilt es, nicht in den Markt zu investieren, sondern in die entsprechenden Unternehmen. Das unterscheidet das klassische langfristige Value-Investing nach Buffet und Graham vom Spekulieren auf mögliche kurzfristige Marktentwicklungen. Die kontinuierliche Investition in starke Werte hilft dabei, auch größere Schwankungen auszusitzen. Weiterhin können und sollten diese Depots auch gegen Kurseinbrüche abgesichert werden. Das ist aus meiner Sicht momentan die sinnvollste Strategie, die man in diesen unsicheren Zeiten fahren kann. Für meinen Dirk Müller Premium Aktien Fonds werden wir mit ca. 30 bis 40 Unternehmen starten, die wir identifiziert haben. Darunter sind aktuell potentielle Kandidaten wie z.B. Apple, Qualcomm, Novo Nordisk sowie der ein oder andere Exot, der noch auf der Liste steht. Die Absicherung haben wir dabei ebenfalls mit auf der Rechnung.

Zurück zur ursprünglichen Idee der Börse

In der Vergangenheit haben Anleger immer wieder viele Fehler gemacht. Nehmen wir z.B. die Volksaktie Telekom. Der Preis der ersten Aktienausgabe 1996 lag bei 28,50 D-Mark. Das war vollkommen in Ordnung und eine durchaus faire Bewertung. Dann ging der mediale Aufschlag los und kurz darauf hat man das gleiche Unternehmen für 58 D-Mark pro Aktie verkauft. Alle wollten dabei sein. Man hat es den Anlegern einfach gut verkauft. Die Telekom hat ihren Wert in der Zeit aber nicht verdoppelt. Nicht die Kundenzahl, nicht den Umsatz, nicht den Gewinn. Das zeigt, dass auch ein gutes Unternehmen viel zu teuer gekauft werden kann. Weitere Fehler wurden im neuen Markt gemacht. Aus Unwissenheit oder schlichtweg durch Täuschung wurden im neuen Markt einfach irgendwelche Aktien ge- bzw. verkauft, ohne, dass darauf geachtet wurde, was genau für ein Unternehmen dahinter steht, wie die Bilanz aussieht oder ob das Unternehmen irgendetwas herstellt. Ein Hinterzimmer mit drei Computern hat daraufhin schnell einmal astronomische Bewertungen erreicht. Sicherlich spielte auch hier die Gier eine große Rolle. Man wollte dabei sein. Geld machen war ja so leicht, zumindest bis die Blase platzte und viele Anleger geprellt vom Markt abkehrten. Die ursprüngliche Aufgabe der Börse ist es, Idee und Kapital zusammenzubringen, so dass beide Parteien gemeinsam etwas Gewinnbringendes schaffen können. Gerade in der jüngeren Vergangenheit gerät allerdings immer mehr das Zocken bzw. das schnelle Geld machen in den Vordergrund. Es geht nicht mehr um Investition, sondern um Spekulation. Es werden Produkte verkauft, die selbst Profis nicht mehr verstehen. Die Börse muss sich wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe besinnen und auch das Vertrauen zu den Privatanlegern wieder herstellen. Aktieninvestments sind grundsätzlich aus heutiger Sicht unabdingbar für den Aufbau einer soliden Altersvorsorge. Die Auswahl ist dabei sicherlich entscheidend. Wer sich das nicht zutraut, findet Unterstützung bei den Profis. Doch auch hier heißt es wachsam sein, allzu oft stammt das Wort „Profi“ von „Profit“ ab.