Liebe Leserinnen und Leser,

noch vor der viel erwarteten Fed-Sitzung am kommenden Mittwoch sorgte der scheidende EZB-Chef Mario Draghi in dieser Woche in der Eurozone für Zinssenkungsphantasien (wie nennt man nochmal die Zahlen unter Null?), die ganz gut zum massiv eingebrochenen ifo Geschäftsklimaindex und den - auch seitens der Bundesbank – veröffentlichten negativen Konjunkturdaten sowie wenig rosigen Unternehmensausblicken passten. Der Dax quittierte das mit einem satten Einbruch um mehr als 200 Punkte, um im Wochenverlauf aber doch noch ein Prozent zuzulegen. Doch der Reihe nach. 

Draghi: Zum Schluss noch einmal richtig klotzen!

Während der Spiegel Signor Draghis Ansagen mit den charmanten Worten er wolle Lagarde „den Start erleichtern“ umschreibt, könnte man auch sagen: Meister Mario bereitet ihren bereits vorgezeichneten Weg vor und übernimmt vor seinem Abgang noch ein wenig der anfallenden Drecksarbeit. Was für ein Gentleman!

Man könnte meinen, mit den Worten „alle Instrumente sind auf dem Tisch“ und „signifikante geldpolitische Impulse“ seien notwendig, wäre alles gesagt, doch Draghi legt nach: „Wir freuen uns auf neue Instrumente, wenn es sie denn gibt.“

Bereits jetzt wird am 12. September neben einer Zinssenkung auch mit dem Wiederanlaufen des Anleihekaufprogramms sowie der Erhöhung des Strafzinses, die zur Bankenentlastung wohl einer Staffelung unterliegen soll, gerechnet. In dem „Packet an Lockerungsmaßnahmen“ zur Wirtschaftsankurbelung und Inflationsanheizung können sich perspektivisch aber auch der Aufkauf von Unternehmensanleihen und gar Aktien befinden – eine weitere Aufweichung der Regularien ist jedenfalls zu erwarten, eine Rückkehr zu finanzpolitischer Stabilität und Normalität scheint unmöglich.

Nie dagewesene Situation – alle Regeln über Bord?

Nicht nur das an dieser Stelle in der Vergangenheit bereits häufiger erwähnte Auseinanderfallen von Aktienkursen und wirtschaftlicher Realität, sondern auch die Ignoranz der Märkte gegenüber der an vielen Stellen zu sehenden weiteren Zuspitzung der geopolitischen Auseinandersetzungen, lässt den Gedanken aufkommen, dass bisher gültige Wirtschaftstheorien nicht mehr tragen.

Erleben wir vielleicht einen ganz anderen Wirtschaftszyklus? Sehen wir eine weitere Inflationierung, obwohl es nach den bestehenden Theorien zunächst zu einem Einbruch aller Assetklassen kommen müsste? Probieren die Notenbanken sich daran, diesen Zwischenschritt zu verhindern - und kann dies gelingen? Fakt ist, dass wir uns in einer nie dagewesenen Situation befinden und somit beinahe alles Unmögliche möglich erscheint. Es gilt, die Situation eng zu beobachten und sich so gut wie es geht für alle Szenarien zu wappnen.

Silber ist einen Blick wert!

Diesbezüglich schaut die Welt vermehrt auf den sicheren Hafen Gold und der Goldpreis konnte sich so seit einigen Wochen aus der jahrelangen Seitwärtsbewegung befreien, um nun auf etwas höherem Niveau zu konsolidieren. Während das Gold zur Rally ansetzte blieb der kleine Bruder zunächst ganz untypisch zurück und fiel anfangs sogar weiter. Seit knapp zwei Wochen geht es aber nun auch beim Silber durchweg nach oben und in dieser Woche konnte die breite Widerstandszone zwischen 16,00 und 16,30 US-Dollar pro Feinunze mühelos durchbrochen werden.

Für das Wochenende wünschen wir Ihnen jedenfalls nicht nur einen Silberstreif am Horizont, sondern eine erholsame Zeit an einem wohltemperierten Plätzchen sowie natürlich viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Lesen und Anschauen unserer Beiträge.

Herzlichst, Ihre Cashkurs Redaktion