Die Regimewechselstrategie der Washingtoner Regierung in Sachen Syriens lässt sich gewiss als Katastrophe bezeichnen. Mehr als 200.000 Syrer sind dem sich fortsetzenden Bürgerkrieg bereits zum Opfer gefallen und das Land liegt in großen Teilen in Schutt und Asche, weil US-Präsident Obama einst die Entscheidung getroffen hat, dass „Assad seine Legitimität verloren hat“. Wie lässt es sich erklären, dass der Präsident eines Landes, das 6.000 Meilen von Syrien entfernt liegt, Autorität für sich proklamiert, um darüber zu entscheiden, ob ein anderer Staatsführer in seinem Amt verbleiben soll oder nicht?

Was wäre, wenn Rouhani im Iran darüber entscheiden würde, dass Obama seine Legitimität im Hinblick auf die Tötung einer Anzahl von amerikanischen Staatsbürgern durch Drohnen –  ohne dafür vor Gericht gestellt zu werden – verloren hat? Würden wir dies als Gesellschaft und Land einfach so hinnehmen und akzeptieren?

Mindestens drei Jahre einschlägiger Bemühungen der US-Regierung, die mit der Ausbildung von Rebellen verbunden waren, um die syrische Regierung aus dem Amt zu kegeln, haben – wie General Lloyd Austin, Kommandant des U.S. Central Command im vergangenen Monat vor dem Kongress attestierte –, zur Ausbildung einer „sicherheitsüberprüften“ Fraktion einer „moderaten“ Opposition in Syrien geführt.

Der eigentliche Zweck, für den einst $500 Millionen der amerikanischen Steuerzahler zur Verfügung gestellt worden sind, hat sich unterdessen in Luft aufgelöst. Die vorgeschlagene Lösung der Neokonservativen bezüglich des Versagens, Assad aus seinem Amt zu kegeln und ISIS „zu zerschlagen und zu zerstören“, ist es, die US-Bombardements auszuweiten, um einer Bodeninvasion den Weg zu ebnen.

Die höchst verworrene Strategie, die darauf fokussiert ist, sowohl Assad als auch dessen Feinde zu bekämpfen, scheint die Neokonservativen in unserem Land nicht allzu sehr zu beunruhigen. Die Neocons versuchen uns deren jüngstes Versagen in Libyen und im Irak vergessen zu machen, um sich derselben versagenden Strategie ein weiteres Mal zu bedienen.

Doch in der vergangenen Woche geschah etwas sehr Dramatisches. Russlands Staatspräsident  Wladimir Putin hielt vor den Vereinten Nationen eine Rede, in welcher er die Strategie der US-Regierung, sich mit einer Fraktion von Extremisten – namentlich al-Qaida und deren Verbündeten – zu verbünden, um sowohl Assad als auch ISIS zu attackieren, auf das Schärfste kritisierte.

„Haben Sie jetzt endlich zur Kenntnis genommen und realisiert, was Sie getan haben?“ fragte Putin. Nur kurz nach Putins gehaltener Rede vor der UNO ersuchte er Russlands Parlament um Autorität, militärisch in Syrien einzugreifen. Dieses Ersuchen, das auf die Bitte von Syriens Regierung um Unterstützung im Kampf gegen die Rebellen erfolgte, wurde Putin gewährt.

Russische Kampfjets und Flugbomber begannen sofort danach ihre Einsätze über syrischem Luftraum aufzunehmen. In weniger als einer Woche der russischen Bombardements erweckt es den Eindruck, als ob sowohl den ISIS-Brigaden als auch verschiedenen Splittergruppen von al-Qaida erheblicher Schaden zugefügt worden ist.

Manche dieser Splittergruppen, die mit al-Qaida in Verbindung stehen, wurden einst durch die CIA ausgebildet und werden seitens der Washingtoner Regierung zurzeit als Verbündete im Kampf gegen Assad betrachtet. Es mag verlockend anmuten, im Hinblick auf die russischen Militäraktionen in Syrien in Jubel auszubrechen, nachdem es den Anschein macht, dass ISIS unter einigen schwerwiegenden Verlusten zu leiden hat.

Presseberichte sprechen nach den russischen Angriffen einer recht hohen Anzahl von Desertierungen unter den ISIS-Brigaden das Wort. Plötzlich sieht es überhaupt nicht mehr danach aus, als ob es zu einer unausweichlichen Übernahme Syriens durch ISIS nach einem bevorstehenden Sturz von Assad kommen würde, jetzt, da die Russen mit im Spiel sind.

Doch ich kann dem Bombenhagel in keiner Weise etwas abgewinnen, egal ob es sich um russische, amerikanische, französische oder britische Bomben handelt. Ich bin persönlich nicht der Ansicht, dass eine in der Region durch ausländische Interventionen ins Leben gerufene Gruppe von Terroristen durch ein Mehr dieser ausländischen Interventionen in der Region ausradiert werden kann. 

Der Abwurf von Bomben spiegelt nichts anderes als ein Totalversagen der Politik wider. Der Abwurf von Bomben zerstört die Wirtschaft und die Infrastruktur eines Landes. Ich würde mir wünschen, dass die amerikanischen Bürger unsere Regierung endlich dazu aufforderten, deren destruktive Außenpolitik des Regimewechselversuchs, die jede Regierung in der Welt, die sich nicht dem politischen Willen Washingtons beugt trifft, aufzugeben.

Ich würden mir wünschen, dass der Kongress unsere Landesverfassung in ausreichender Form respektierte, um den Präsidenten unseres Landes dazu aufzufordern, vor der Bombardierung eines fremden Staates um Erlaubnis zu ersuchen. Ich würde mir wünschen, dass Ex-Präsident Bush und dessen neokonservative Berater niemals die Entscheidung getroffen hätten, Syriens Regierung zu stürzen.

Ich würde mir wünschen, dass Präsident Obama den Neokonservativen, die ihm von einer närrischen Auslandsintervention zur anderen rieten, die Tür gewiesen hätte. Ich würde mir wünschen, dass die CIA einstmals keine Rebellen ausgebildet hätte, die heute im Verbund mit al-Qaida in Syrien zu Gange sind.

Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesellschaft endlich in geschlossen ablehnender Haltung auf die schrillen Rufe der Kriegstreiber reagieren würde. Ich würde mir wünschen, dass die amerikanischen Main Stream Medien mehr wären als nur ein verlängerter Propagandaarm unserer Washingtoner Regierung

Ich bin keineswegs darüber angetan, dass russische Kampfjets nun Syrien bombardieren. Ich würde mir wünschen, dass niemand Bomben über Syrien abwirft.

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2015 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

 

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner Tätigkeit als Washingtoner Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. 

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