Bei lang laufenden Krediten, wie Baufinanzierungen besteht das Risiko, dass durch Krankheit, Unfall oder Todesfall die monatlichen Darlehensraten nicht mehr bedient werden können. Für Familienangehörige und Hinterbliebene kann das zu Belastungen führen, die nicht mehr zu bewältigen sind. In diesen Fällen landet die finanzierte Immobilie schnell in der Zwangsversteigerung.

Die Restschuldversicherung oder Restkreditversicherung soll in diesen Fällen Abhilfe schaffen. Diese Versicherung übernimmt die Tilgung der verbleibenden Restschuld bei Baufinanzierungen und Krediten. Eine Restschuldversicherung dient dem Kreditgeber als zusätzliche Kreditsicherheit und vermittelt dem Kreditnehmer das Gefühl, sich und seine Hinterbliebenen für den Ernstfall abgesichert zu haben.

Unterschiede im Leistungsumfang

Bei Kreditvergabe kann der Kreditnehmer eine Restschuldversicherung abschließen. Diese Police versichert den Schuldner auf eigene Kosten während der gesamten Kreditlaufzeit gegen Tod, Krankheit und Arbeitsunfähigkeit oder unverschuldete Arbeitslosigkeit. Die Prämie wird dabei meist bei Abschluss des Darlehensvertrags bezahlt. Tritt aus den genannten Gründen eine Zahlungsunfähigkeit ein, werden die fälligen Raten – also die noch ausstehende Restschuld – durch die Versicherungsleistung getilgt.

Grundsätzlich wird zwischen drei Leistungsarten der Restkreditversicherung unterschieden:

Mindestabsicherung: Im Todesfall wird die Tilgung des Restkredits vom Versicherer übernommen, um die Hinterbliebenen finanziell zu entlasten.

Kombi-Absicherung: Im Todesfall und bei Arbeitsunfähigkeit durch eine Krankheit oder einen Unfall übernimmt der Versicherer die Restschuld. Bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit werden nur die monatlichen Kreditzahlungen aus dem entsprechenden Zeitraum übernommen.

Komplett-Absicherung: Sowohl im Todesfall als auch bei Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit springt die Versicherung ein, um die verbliebene Restschuld aufzufangen, beziehungsweise vorübergehend den Kredit weiter zu tilgen.

Der Vertragsabschluss

Der Abschluss einer solchen Police ist nur in Verbindung mit einem Kreditvertrag möglich. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Punkte laut financescout24:

  • Üblicherweise wird die Restkreditversicherung bei Unterzeichnung des Darlehensvertrags abgeschlossen. Ein nachträglicher Abschluss ist nicht möglich.
  • Der Versicherungsschutz beginnt frühestens mit der Auszahlung der vereinbarten Kreditsumme oder aber einen Monat, ehe die erste Rückzahlungsrate zu leisten ist. Manche Anbieter haben jedoch spezielle Regelungen zum Beginn des Versicherungsschutzes in den Vertragsbedingungen festgeschrieben: So können etwa die ersten drei Monate aus dem Leistungskatalog ausgenommen sein oder im Fall von Arbeitslosigkeit nur die ersten zwölf Monate abgedeckt sein. Ein frühzeitiger Blick in die Vertragsbedingungen schafft Klarheit.
  • Die Versicherung zur Absicherung des Darlehens muss  nicht bei der Bank oder der Vermittlungsgesellschaft abgeschlossen werden, die den Kredit gewährt.
  • Die Beitragszahlung erfolgt gewöhnlich in einem Einmalbetrag, der über die Dauer des Darlehensvertrags mitfinanziert wird – der Restschuldversicherungsbeitrag ist also in den monatlichen Tilgungsraten enthalten. Doch: „Die Kosten für eine freiwillige Restschuldversicherung müssen nicht in den effektiven Jahreszins eingerechnet werden“, informiert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin).
  • Die Kosten sind abhängig von der Kreditsumme und vom Alter des Kreditnehmers. Ein Modellkunde der Stiftung Warentest, der ein Darlehen über 100.000 Euro absichern wollte, musste beim günstigsten Versicherer 772 Euro für den Versicherungsschutz zahlen – beim teuersten Anbieter hingegen 2.450 Euro. Die Warentester empfehlen, beim Vergleich der Angebote nicht nur auf den Versicherungsbetrag im ersten Jahr zu schauen. Hier lauere die Gefahr, dass dieser erheblich niedriger sei als in den folgenden Jahren. Da die Kosten für eine Restkreditversicherung in der Regel in einem Einmalbetrag fällig werden, lassen sich die Angebote relativ gut miteinander vergleichen.
  • Der Zeitraum, für den eine Restkreditversicherung besteht, richtet sich üblicherweise nach der Laufzeit des abgeschlossenen Darlehensvertrags.
  • Bei vorzeitiger Kompletttilgung des Kredits, kann laut Verbraucherzentrale Thüringen in der Regel verlangt werden, dass der nicht verbrauchte Beitrag für die Restschuldversicherung erstattet wird. Bei einer vorzeitigen Kreditbeendigung entfalle also die Geschäftsgrundlage für die abgeschlossene Restkreditversicherung. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale wäre der Versicherungsvertrag mit Datum der Darlehensrückzahlung entsprechend anzupassen und abzuwickeln. Demnach kann dann sofort vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht werden.

Ist eine Restschuldversicherung sinnvoll?

Restschuldversicherungen bieten vor allem bei Baufinanzierungen Schutz vor Zahlungsausfällen. Sinnvoll ja, aber teuer.

Fazit

Ganz klar müssen bei Abschluss eines lang laufenden Darlehensvertrages, wie es bei Baufinanzierungen der Fall ist, die Risiken für die Betroffenen analysiert und abgewogen werden.

Die Restschuldversicherung ist ein Instrument zur Absicherung. Dabei ist zu bedenken, dass die Todesfallleistungen von den Versicherern meist unproblematisch erbracht werden.

Bei Berufsunfähigkeit wird es schon deutlich holpriger und oftmals geht der Zahlung durch den Versicherer erst ein oder mehrere Rechtstreite voraus.

Aufgrund der Kosten und Vertragsbindungen dürfte der Abschluss einer Risikolebensversicherung das Todesfallrisiko am einfachsten und günstigsten für die Hinterbliebenen absichern. Diese ist auch jederzeit, mit wenig Aufwand kündbar.

Für mich wäre das eine vernünftige Alternative.

Soll das Risiko Berufsunfähigkeit zusätzlich abgesichert werden, so empfiehlt sich die Prüfung einer Berufs- und Arbeitsunfähigkeitsversicherung, die nicht unmittelbar mit dem Darlehensvertrag gekoppelt ist.

Letztlich sind die Restschuldversicherungen nichts anderes als Risikolebensversicherungen und/oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Durch die Koppelung an den Kredit opfert der Versicherungsnehmer jedoch einen Teil seiner Flexibilität.

Im Folgebeitrag werfen wir noch einen Blick auf Hausratversicherung und die Umlagefähigkeit der Kosten im Rahmen der Betriebskostenverordnung.