Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nach der erneuten Verschiebung einer (bekanntlich schon seit vielen Monaten) erwarteten Zinserhöhung der US-Notenbank Fed freuten sich die Märkte und auch der deutsche Leitindex überwand einen wichtigen Zwischenwiderstand. 10.550 Punkte im DAX wurden übersprungen. Nachhaltigeres Durchatmen ist allerdings erst oberhalb von 10.800 Punkten angesagt, erst dann ist der Bulle wieder am Tanzen. Unterstützungen befinden sich nach wie vor bei 10.350 sowie 10.200 Punkten, also dem Bereich, der bereits mehrfach getestet wurde und insofern auch eine Entscheidungsmarke für den mittelfristigen Zeitraum darstellt. Ein Ausbruch über 10.800 oder ein Fall unter 10.200 Punkte wird dem entsprechend dynamischere Bewegungen in den Markt bringen.

China: Hauspreise steigen exorbitant – die Blase wird weiter aufgepumpt...

In China war zuletzt wieder ein deutlicher Anstieg der Hauspreise zu verzeichnen, in einigen Städten sogar um bis zu 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig explodiert die Kreditvergabe im Reich der Mitte. Peking hat im letzten halben Jahr sehr viel getan, um die Konjunktur anzukurbeln und dabei u.a. auch viel Geld für kreditfinanzierte Investitionen der staatseigenen Unternehmen in die Märkte gepumpt. Das befeuert natürlich auch wieder Blasenbildungen allerorten, auch im Immobiliensektor. 

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), eine sehr mächtige Zentralbankeninstitution mit Sitz in Basel, warnt – wie schon zuvor der IWF – vor einer Finanzkrise in China. Das chinesische Kreditwachstum liege nach den Parametern der BIZ bereits dreifach über dem gefährlichen Wert. Man sieht also überall Kreditblasen. Auch die Unternehmen, so die BIZ, seien hoch verschuldet, vor allem die staatseigenen Firmen. Diese nähmen irgendwelche Kredite auf, um die Konjunktur irgendwie anzukurbeln. Das führt eben zu jenen Blasen. Solange das nur Schulden im eigenen Land sind, kann die chinesische Notenbank jederzeit Geld drucken und diese Schulden bedienen, aufkaufen oder Übereignungen vornehmen. Problematisch wird die Sache hingegen, wenn Geld abgezogen wird, insbesondere Devisen und wenn es sich um Auslandskredite handelt. In China gibt es jedoch mehrheitlich Inlandskredite. Diese Zusammenhänge sollte man unbedingt weiterhin im Auge behalten.

Bei steigenden US-Zinsen: Robert Shiller warnt vor Crash an Aktienmärkten

Der Nobelpreisträger Robert Shiller warnt schon seit Monaten – bei einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit – vor einem Crash der Aktienmärkte, insbesondere im Zusammenhang mit einer möglichen US-Zinserhöhung. Er verfolgt übrigens die gleiche Argumentationskette wie wir auf Cashkurs auch. Eine Zinsanhebung in den USA wird, so Shiller, mit einem zunehmenden Kapitalabfluss aus den Schwellenländern einhergehen, was dort zu Finanzproblemen führen wird. China wird hierbei ebenso mitgenannt wie auch die Hedgefonds als Verstärker dieser Entwicklung.

In diesem Zusammenhang seien Chinas Währungsreserven noch einmal erwähnt. Bereits die offiziellen Währungsreserven (die man zu Recht gerne hinterfragen darf) fallen mit 3,18 Billionen US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011.

Deutsche Bank massiv unter Druck: Welche Strategien könnten Ihre Konkurrenten verfolgen?

Für die Deutsche Bank wird es zunehmend gefährlich. Gerade auch die Diskussion darum, wie gefährlich eine Pleite der Deutschen Bank wäre, ist überaus bedrohlich für das Geldinstitut. Denn Geschäftspartner und Kunden überlegen sich nun genauer, ob ihr Geld dort noch sicher aufgehoben ist und prüfen ihr Engagement. Dies bringt das Kredithaus natürlich in zusätzliche Schwierigkeiten.

Die US-Behörden gehen momentan sehr aggressiv gegen die Deutsche Bank vor – was auch als Unterstützung der eigenen Banken, denen es auch nicht allzu gut geht, angesehen werden kann. Die Gewinne der Wall-Street-Banken sind im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurückgegangen. Auch wenn es den US-Banken noch deutlich besser geht als ihren europäischen Pendants, sind die amerikanischen Geldinstitute auf der Suche nach einträglichen Geschäftsmodellen. Wenn man dabei gegnerische Konkurrenz drücken oder aus dem Markt nehmen kann, dann wäre das überaus hilfreich für die Wall-Street-Banken.

Vielleicht muss man dieses Thema auch in einen Zusammenhang sehen mit einer Handelsauseinandersetzung zwischen den USA und der Europäischen Union. Wir sehen auf der einen Seite ein Vorgehen der USA gegen Volkswagen. Wir sehen zugleich ein Vorgehen der EU mit hohen Steuerforderungen gegen US-Unternehmen. Selbstverständlich ist hierbei auch eine Unterstützung der jeweils heimischen Banken ein Thema. Ob sich daher in den Nachverhandlungen in der Causa Deutsche Bank tatsächlich – wie man das momentan erhofft – eine deutliche Senkung der Strafe wird bewirken lassen, bleibt abzuwarten. Ob sich die US-Regierung (gerade im Vorfeld des Wahltermins am 8. November) bei deutschen Banken besonders beliebt machen will, dürfte auf wenig Gegenliebe seitens der US-Wähler stoßen. Dies wird also eine ziemlich heiße Nummer für die Deutsche Bank, zumal die aktuelle Diskussion mit ziemlich großen Überschriften für das Geldhaus nicht gerade ungefährlich ist.

Sollte eine derart hohe Strafzahlung tatsächlich fällig werden, wird die Deutsche Bank um eine Kapitalerhöhung nicht herumkommen. Ob sie so viel Kapital überhaupt aufnehmen kann, wie sie benötigt, kann bezweifelt werden. Die letzten Kapitalerhöhungen waren nämlich ausgesprochen schwierig. Die benötigten Summen, die in den Medien momentan herumgereicht werden, sind ziemlich groß. In diesem Zusammenhang könnte ein Thema, das man sich durchaus schon einmal im Hinterkopf behalten sollte, in der Zukunft womöglich relevant werden: Debt-to-equity-swaps. Was verbirgt sich dahinter? Die Anleihen einer Bank kommen massiv unter Druck, werden also immer billiger, weil die Risiken für diese Bank steigen. Daher wird man womöglich noch einen zusätzlichen Abschlag auf diese Anleihen begeben, so dass sich eine weitere Reduzierung des Kapitals ergibt. Große Investoren, auch amerikanische, wie etwa Hedgefonds, könnten dann diese billigen Anleihen kaufen, bevor es zu einem Debt-to-equity-swap kommt. Das heißt, diese billig angekauften Anleihen werden umgetauscht in Eigenkapital des betreffenden Unternehmens, also in Aktien. Damit würden diejenigen, die diese billig erworbenen Anleihen eines kaputt geschossenen Geldinstitutes gekauft haben, zu Mehrheitseignern dieser Bank. Dieses Thema ist also nicht so weit hergeholt wie es im ersten Moment vielleicht klingt.

Unternehmen begeben Anleihen und kaufen eigene Aktien zurück

In den USA (und nicht nur dort) kaufen Unternehmen in steigendem Maße eigene Aktien auf, indem sie Anleihen begeben. Denn das Skurrile ist, dass inzwischen auch Unternehmen Anleihen mit null Prozent Zins am Markt platzieren können. Das heißt also, dass sich diese Firmen Geld leihen können, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Gleichzeitig sehen wir Unternehmensrenditen von acht bis zehn Prozent. Da ergibt es für diese doch durchaus Sinn, Anleihen ohne Verpflichtung zur Zinszahlung zu begeben und eigene Aktien zurückzukaufen. Aus Sicht der Unternehmen und nicht zuletzt der Aktionäre erscheint dies durchaus sinnvoll, denn es steigert ganz klar den Gewinn pro Aktie, da dann weniger Aktien auf dem Markt sind und der Gewinn entsprechend auf weniger Aktien verteilt wird. Das alles wurde mit Geld bezahlt, das nicht verzinst werden musste. Eine interessante Entwicklung, die auch zu Verschiebungen bei der Gewinn-pro-Aktie-Kalkulation führt.

SPD-Parteikonvent nickt CETA ab

Die kleine Hoffnung, dass die SPD-Parteidelegierten beim Thema CETA Rückgrat zeigen, hat sich leider nicht erfüllt: Mit Zweidrittelmehrheit wurde CETA am Montag in Wolfsburg abgenickt. Derartige Abnick-Veranstaltungen gibt ja bereits ziemlich häufig in der Politik. Die sog. „Demokratie“ ist in vielen Parteien nur noch ein Feigenblatt. Man darf schön brav zustimmen, hat aber ansonsten nicht mehr viel zu sagen. Die politischen Entscheidungen werden am Ende von zehn bis zwölf Leuten an der Spitze gefällt, die immer wieder durchrotieren, während die Basis unten vor dem Supermarkt steht und Flyer verteilt und sich darüber wundert, was da oben passiert.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein ruhiges und sonniges Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Ihre

Cashkurs-Redaktion