90 Jahre wird er heute alt, der Weltspartag! Ein stolzes Alter, dem ein entsprechender Respekt gebührt – auch wenn dies in Zeiten minimaler oder sogar negativen Sparzinsen manchem schwer fällt.

1924, im Zuge des Sparkassenkongresses in Mailand entstand die Idee für den Weltspartag, mit dem man jedes Jahr im Oktober die Bevölkerung daran erinnern wollte, auch ein paar Groschen für später zurückzulegen. Anfangs als pädagogische Maßnahme gedacht, avancierte der Weltspartag insbesondere in den 60er, 70er und 80er Jahren zum Osterfest der Spargemeinde. Am Weltspartag konnten die Kinder ihre Sparschweine in den mit Luftballons geschmückten Bankfilialen abgeben, es gab Torwandschießen und für die Erwachsenen ein Glas Sekt.

Heute müssen die Sparkassen schon Onlineshopping-Gutscheine oder wenigstens eine Sporthülle fürs Smartphone verschenken und riesige Hüpfburgen aufstellen, damit überhaupt jemand merkt, dass Weltspartag ist. Einen Vorwurf kann man daraus wohl niemandem machen, denn die Zinsen der 70er Jahre sind längst Vergangenheit und werden sich wohl auch nicht wiederholen. Ein Blick auf die nachfolgende Grafik verrät: Nicht die niedrigen Zinsen, sondern die letzten dreißig Jahre waren eine Anomalie.

Das Paradoxe: Den Zins gibt es zwar nicht mehr und der Weltspartag ist auch kein Feiertag mehr, aber gespart wird in Deutschland trotzdem noch fleißig! 2014 sparten die Deutschen rund 166 Milliarden Euro. Der größte Anteil ging mit 40% auf Tagesgeld- oder Girokonten, dicht gefolgt von Geldanlagen in Versicherungen, die ebenfalls unter den niedrigen Zinsen leiden (Quelle: Statista.com). Gerade einmal 13,1% der Deutschen über 14 Jahre haben überhaupt Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt (Quelle: DAI, 2015).

Nach dem Vorbild des Weltspartages bräuchten wir also einen zeitgemäßen Nachfolger, "Weltanlegertag" oder so ähnlich. Denn insbesondere die jüngeren Menschen sind mit der Herausforderung konfrontiert, Vermögen ohne Zinsen aufbauen zu müssen - leider haben das viele noch nicht erkannt. Sicherlich ein Grund dafür, dass sich "die Jugend" in dieser trügerischen Sicherheit wägt, sind ihre Eltern und Großeltern. In allen Bereichen des Lebens sind Eltern und Großeltern wichtige Vorbilder, warum gilt das nicht für den Vermögensaufbau?

Früher investierten häufig nur diejenigen in Aktien, die es sich ohnehin leisten konnten und alle anderen hatten ein Sparbuch oder eine Lebensversicherung. Die Altersvorsorge war durch die gesetzliche Rente ohnehin ganz gut abgedeckt und alles, was ergänzend dazu kam, war Luxus. Heute sollte die private Altersvorsorge ein fester Bestandteil der finanziellen Ziele sein, da die gesetzliche Rente perspektivisch nicht mehr als eine Grundversorgung darstellen wird.

Fazit

Egal, ob für die Altersvorsorge, den Hausbau oder sonstige finanzielle Ziele muss man sich heute aus der Komfortzone des Tagesgeldkontos herausbewegen, um Vermögen aufbauen zu können. Hierbei einen Teil des Vermögens auch am Aktienmarkt zu investieren ist insbesondere für jüngere Menschen keine Option, sondern ein klares Muss!

Da man für den Vermögensaufbau heute mehr Risiken eingehen muss, kommt es stärker denn je auf eine saubere Planung an. Insbesondere sollte hierbei berücksichtigt werden, wie hoch die eigenen Risikobereitschaft wirklich ist, damit nicht bei der ersten Gelegenheit getreu dem Motto "Ich hab's ja schon immer gewusst, Aktien sind nix!" wieder alles verkauft wird. Eine breite Streuung über Anlageklassen und Länder sowie die handwerklich saubere Auswahl der eingesetzten Instrumente sind die Grundlage, damit aus einem Land von "Sparern" endlich "Anleger" werden.

Denn was ist schlimmer? Das Risiko, am Aktienmarkt zeitweise auch mal Verluste zu verzeichnen und am Ende aber die Chance auf einen gut finanzierten Ruhestand zu haben? Oder heute Sicherheit zu haben - die Sicherheit, dass es in den nächsten Jahren keine Zinsen mehr geben wird, mit denen sich Vermögen vernünftig aufbauen lässt?

Mit dieser Frage möchte ich Sie nun ins Wochenende entlassen.

Nutzen Sie die freien Tage, um sich zum Jahresende nochmals mit Ihrem Geld zu beschäftigen. Ein erster Schritt kann die Ermittlung der eigenen finanziellen Risikobereitschaft sein - tut nicht weh und dauert nur zehn Minuten. Den onlinebasierten Fragebogen können Sie bei uns per Email an info@ypos-fp.de unter dem Betreff "Risiko" anfordern.

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